Umstrukturierung der Bundeswehr (ab 2023)

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  • DeltaEcho80
    antwortet
    Zitat von Nemere Beitrag anzeigen

    Vor ein paar Tagen habe ich per Zufall eine Fernsehdiskussion zum Thema Einsatzfähigkeit der Bundeswehr gesehen. Teilnehmer waren u.a. Carlo Masala, Thomas Wiegold und ein Professor der Uni der Bundeswehr München, der auch als "Sicherheitsexperte" verkauft wurde. Dieser Professor hat sich dann lang und breit darüber ausgelassen, dass er überhaupt nicht versteht, warum die Bundeswehr nicht mehr künstlichen Nebel auf dem Gefechtsfeld einsetzt, das wäre doch das ideale Mittel, um Drohnen abzuwehren. Von den anderen beiden kam nur zustimmendes Nicken.

    Nun bin ich sicher nicht der Drohnenexperte, aber ich habe so meine Zweifel, ob künstlicher Nebel der große Wurf zur Abwehr von Drohnen ist. Die bekannten Nachteile beim Einsatz von Nebel dürften auch hier massiv überwiegen.

    Ich habe den Eindruck, das sich auch innerhalb der Bundeswehr die Frage der Drohnenabwehr auch einem ähnlich fragwürdigem Niveau bewegt.
    Du hast wahrscheinlich die Live-Aufzeichnung des Podcasts "Sicherheitshalber" gehört, zu dem neben Wiegold und Masala noch Frank Sauer und Ulrike Franke gehören. Hier wurde die letzte Folge des Podcasts von Phoenix mitgeschnitten. Die Aussagen mit dem Nebel stammen von Professor Sauer. Irgendwer hat da wohl Erfahrungen mit dem künstlichen Nebel gemacht, von denen er hier berichtet - siehe Beitrag von kato.

    Wobei man bei Sauer auch aufpassen muss, da er manchmal ein bisschen in Ironie verfällt.

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  • kato
    antwortet
    Allgemein zum Thema würde ich übrigens noch das Behördenspiegel-Spezial "Moderne Streitkräfte - Jahrbuch 2025: Das Zielbild der Bundeswehr - einsatzfähig und digital" vom September 2025 empfehlen. In diesem findet sich viel wieder bzw. angesprochen was jetzt in diesen Zielbildern planerisch umgesetzt werden soll.

    Die (ehrlich gesagt recht langen) Artikel in diesem Jahrbuch wurden dabei von der Bundeswehr selbst verfasst, darunter
    • GenLt Mais (InspH)
    • GenLt Sollfrank (KomOpFüKdo)
    • VAdm Daum (InspCIR)
    • Frau Lehnigk-Emden (Präs. BAAINBw)
    • Autorenteams aus Luftwaffe, Marine, CIR und BAAIUDBw
    Dazu kommt eine Einleitung vom Behördenspiegel selbst (Oberst a.D. Hönig) sowie ein erläuternder Artikel von Stefanie Wissmann (UniBw München).



    Anmerkung: Es handelt sich bei der URL um die vom Behördenspiegel selbst veröffentlichte und gehostete digitale Version. Zur Weiterverbreitung des PDFs und Auszügen aus diesem verweise ich auf den urheberrechtlichen Hinweis auf Seite 2 des PDFs.

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  • kato
    antwortet
    Der Reservistenverband hat inzwischen den Loyal-Artikel mit dem Schaubild (aus dem dieser hauptsächlich besteht) auf ihrer Website:

    Wie Deutschlands Streitkräfte künftig aufgestellt sein sollen, bleibt für die Öffentlichkeit unklar. Militärstrategie samt Plan dazu wurden als geheim eingestuft. Bei der Vorstellung der Gesamtkonzeption der Armee Ende April verweigerte die Streitkräfteführung um Minister Boris Pistorius beharrlich genaue Angaben zur...

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  • tannenzapfen
    antwortet
    Moment: Die Gebirgsjäger und Fallschirmjäger sind nicht zu "mittel-leichten Kräften mutiert". Das beruht auf einer ungeschickten Übersetzung des englischen Schaubildes, das von einer "Light-medium division" spricht. Im Schaubild in der Loyal heißt die Division "Division Mittlere & Leichte Kräfte". Es gibt also nach wie vor beides- Mittlere und Leichte Kräfte, nur dass nun beide in einer Division zusammen sind. Der Unterschied zu früheren Planungen ist, dass die Mittleren Brigaden (mutmaßlich X21 und X41) nicht mehr mit Schweren Brigaden gemischte Divisionen bilden, sondern stattdessen mit den beiden Leichten Brigaden in einer Division zusammengefasst werden.

    Die Heimatschützer waren bei diesem Dreiklang schwer-mittel-leicht immer außen vor (siehe die Darstellung der Leichten Kräfte hier: https://www.bundeswehr.de/de/organis...heeres-5604280). Ich sehe im Schaubild der Loyal nichts, was daran was ändern würde. Ich gehe nach wie vor davon aus, dass die Gebirgsjäger und die Fallschirmjäger auch in Zukunft die Leichten Kräfte bilden werden, und der Heimatschutz bei dieser Kategorisierung weiter außen vor bleibt- eben aufgrund der von DeltaEcho80 genannten Argumente.

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  • kato
    antwortet
    Zitat von Nemere Beitrag anzeigen
    Nun bin ich sicher nicht der Drohnenexperte, aber ich habe so meine Zweifel, ob künstlicher Nebel der große Wurf zur Abwehr von Drohnen ist.
    Die US Army und m.W. z.B. auch Australien testen das durchaus als ergänzendes Mittel. Aber nicht so wirklich als "Abwehr", sondern klassisch zur Behinderung von Zielerfassungssystemen.

    Als Beispiel eine Übung der 3ID zu einem mechanisierten Vorstoss, der durch Aufklärungsdrohnen unterstützt und dessen Aufdeckung und Bekämpfung durch taktisch gelegten Nebel (durch Bodenfahrzeuge und durch Drohnen) behindert werden sollte:

    "A key component of the demonstration involved deploying smoke screens using drone coordination. By synchronizing unmanned aerial observation with ground-based smoke systems, Soldiers created layered obscuration effects designed to disrupt enemy targeting systems and surveillance assets. The tactic complicates adversary use of precision-guided munitions and drone reconnaissance, a growing threat in modern combat environments."

    Auch in der Ukraine wird wohl seit längerem üblicherweise als Taktik eingesetzt dass Fahrzeuge sich einnebeln wenn FPV-Angriffsdrohnen unmittelbar im Anflug sind. Durch den Nebel fliegt der Pilot dann eben die letzten 50 Meter "blind" und kann daher eher sein Ziel verfehlen.

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  • Nemere
    antwortet
    Zitat von DeltaEcho80 Beitrag anzeigen
    Gerade auf dem Gebiet des Drohnenkampfes bzw. der Drohnenabwehr hat die Bundeswehr die Zeichen der Zeit noch gar nicht erkannt bzw. ist man viel zu schwerfällig. Es scheint wohl in den ganzen Ämtern und Dienststellen der BW noch tatsächlich die Meinung zu geben, dass das "Spielereien" sein...
    Vor ein paar Tagen habe ich per Zufall eine Fernsehdiskussion zum Thema Einsatzfähigkeit der Bundeswehr gesehen. Teilnehmer waren u.a. Carlo Masala, Thomas Wiegold und ein Professor der Uni der Bundeswehr München, der auch als "Sicherheitsexperte" verkauft wurde. Dieser Professor hat sich dann lang und breit darüber ausgelassen, dass er überhaupt nicht versteht, warum die Bundeswehr nicht mehr künstlichen Nebel auf dem Gefechtsfeld einsetzt, das wäre doch das ideale Mittel, um Drohnen abzuwehren. Von den anderen beiden kam nur zustimmendes Nicken.

    Nun bin ich sicher nicht der Drohnenexperte, aber ich habe so meine Zweifel, ob künstlicher Nebel der große Wurf zur Abwehr von Drohnen ist. Die bekannten Nachteile beim Einsatz von Nebel dürften auch hier massiv überwiegen.

    Ich habe den Eindruck, das sich auch innerhalb der Bundeswehr die Frage der Drohnenabwehr auch einem ähnlich fragwürdigem Niveau bewegt.

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  • DeltaEcho80
    antwortet
    Wenn ich die ganzen Informationen, die hier jetzt von der loyal veröffentlicht werden (wohl in der Mai-Ausgabe, in der April-Ausgabe ist das Schaubild nicht enthalten?!?), mit den Aussagen vergleiche, die OTL Leidner in dem von mir hier im Thema weiter vorne beschriebenen Vortrag getätigt hat, so verstehe ich jetzt ehrlich gesagt nur noch Bahnhof.

    Scheint aber wieder das bundeswehreigene Problem zu sein, dass sich Zielvorstellungen einer Reform und Ist-Zustand komplett konterkarieren.

    OTL Leidner hat die Aufteilung in leichte, mittlere und schwere Kräfte so beschrieben, dass hier die "NTE", also die "notice time to effort" eine zentrale Rolle spielt, also die Zeit, bis die jeweiligen Kräfte "wirkfähig" sind. Hier sind natürlich die leichten Kräfte die am schnellsten verfügbare Komponente, während die schweren Kräfte mehr Zeit für die Verlegung benötigen.

    Auch hat er die Aussage getroffen, dass es nicht geplant sei, auf Divisionsebene neue Strukturen zu schaffen. Die Frage kam sogar von einem der Teilnehmer.

    Was mich dann in diesem Zusammenhang komplett durcheinander bringt, ist die Tatsache, dass der Heimatschutz dann als "Leichte Kräfte" kategorisiert werden soll. Das verstehe ich gerade nach den bisher getätigten Aussagen gar nicht. Dass aufgrund der zu erwartenden Anzahl der Heimatschutzkräfte eine 2. Heimatschutzdivision kommen soll/muss, hat man bislang so als leises Gerücht am Horizont immer wieder mal gehört.

    Ich persönlich glaube, dass da noch sehr viel Bewegung "drin" sein wird und dass ein Zielbild 2035 auch wieder ein zahnloser Papiertiger bleiben wird, so wie man es ja "leider gewohnt" ist. Gerade auf dem Gebiet des Drohnenkampfes bzw. der Drohnenabwehr hat die Bundeswehr die Zeichen der Zeit noch gar nicht erkannt bzw. ist man viel zu schwerfällig. Es scheint wohl in den ganzen Ämtern und Dienststellen der BW noch tatsächlich die Meinung zu geben, dass das "Spielereien" sein...

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  • Malefiz
    antwortet
    Zitat von tannenzapfen Beitrag anzeigen

    Diese dürfte ohnehin noch etwas länger auf sich warten lassen. Die Tagesschau hat es heute schon berichtet, und Merz es wohl im ARD-Interview bestätigt: Die Amerikaner werden derzeit keine Tomahawk liefern. Die deutsche Bestellung von Typhon-Startgeräten dürfte damit zumindest in dickes Fragezeichen haben. Und ohne die fehlt der deutschen MDTF der Effektor...
    Ja, da werden wir uns wohl was einfallen lassen müssen. Vielleicht sollten wir mit den Ukrainern etwas zusammen entwickeln.

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  • Malefiz
    antwortet
    Zitat von tannenzapfen Beitrag anzeigen

    Unter leichten Kräften verstand die Bundeswehr in den letzten Jahren immer Gebirgsjäger und Fallschirmjäger. Also im Schaubild von dir hätten dann die "Mountain Brigade" (= Gebirgsjägerbrigade 23) und die "Air Assault Brigade" (= noch durch Umgliederung zu einer Brigade-Bataillonsstruktur zu entstehende LLBrig) keine organische Artillerie.
    Ja, so habe ich das verstanden. Jetzt sind die aber in mittel-leichte Kräfte mutiert. Damit sind die Heimatschutzdivisionen jetzt die leichten Kräfte. Das sind ja sowas wie Sicherungskräfte. Die Sicherungsbataillone sollten früher Objekte Sichern und Räume überwachen. Wenn es ernst wurde, hätten aber Kampftruppen ran gemusst. Vielleicht sollte man denen auch Stinger und Skyranger geben. In Hostomel hat das Kiew den Hals gerettet.

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  • tannenzapfen
    antwortet
    Zitat von kato Beitrag anzeigen
    [*]Bei der MDTF findet sich ein Vermerk "2500+ km". Das "Land Component Command" dem diese unterstellt ist ist das Kommando Heer, kein separates Korps.
    Diese dürfte ohnehin noch etwas länger auf sich warten lassen. Die Tagesschau hat es heute schon berichtet, und Merz es wohl im ARD-Interview bestätigt: Die Amerikaner werden derzeit keine Tomahawk liefern. Die deutsche Bestellung von Typhon-Startgeräten dürfte damit zumindest in dickes Fragezeichen haben. Und ohne die fehlt der deutschen MDTF der Effektor...

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  • tannenzapfen
    antwortet
    Zitat von Malefiz Beitrag anzeigen

    Das Lag mir schwer im Magen. Unter leichten Kräften sind wohl die Heimatschutzdivision(en) zu verstehen. Das macht es dann verständlich.
    Unter leichten Kräften verstand die Bundeswehr in den letzten Jahren immer Gebirgsjäger und Fallschirmjäger. Also im Schaubild von dir hätten dann die "Mountain Brigade" (= Gebirgsjägerbrigade 23) und die "Air Assault Brigade" (= noch durch Umgliederung zu einer Brigade-Bataillonsstruktur zu entstehende LLBrig) keine organische Artillerie.

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  • kato
    antwortet
    Zitat von Malefiz Beitrag anzeigen
    Auf X tauchte dies Grafik auf, die sich auf das aktuelle Loyal Heft bezieht, das ich nicht habe.
    Auf X schwirrt auch die abfotografierte entsprechende Doppelseite der Loyal rum, die ich natürlich nicht verlinke.

    Die Gliederung in der Loyal entspricht der in dem englischsprachigen Bild. Zu ergänzen wäre als Abweichungen:
    • Ein deutsches Heereskorps (neben dem Heimatschutzkommando) gibt es nicht. Die Divisionen werden multinationalen Korps zugeordnet.
    • Das "Heimatschutzkorps" ist laut Loyal "nicht final".
    • Bei der MDTF findet sich ein Vermerk "2500+ km". Das "Land Component Command" dem diese unterstellt ist ist das Kommando Heer, kein separates Korps.
    • Die Korpstruppendivision wird im Einsatz aufgeteilt und drei NATO-Divisionen beiseite gestellt. Neben den sechs Brigaden umfasst dieser Pool Teile einer weiteren Pionierbrigade und Teile einer weiteren Heeresfliegerbrigade.
    • Den Divisionen (auch Korpstruppen, nicht Heimatschutz) ist ein Fernmeldebataillon "mit Ballonelement und Cyber Defence" zugewiesen (hier "Staff and Signals Battalion"), dazu ein Flugabwehrregiment und nicht näher genannte "weitere Einheiten". Die Brigaden erhalten zusätzlich Flugabwehrkompanien.

    Bei dem was in dem Bild "Reconnaissance Strike Brigade" heißt handelt es sich um den für jede Division geplanten "Aufklärungs- und Wirkverbund" mit Aufklärungs- und Kampfdrohnen und 100+ km Reichweite.

    Zusätzlich sind in allen Brigaden (sowie in den Heimatschutzregimentern) Aufklärungsbataillone mit Drohnen und auf in den Kampfbataillonen durchgängig Loitering Munitions in nicht genanntem Umfang geplant.

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  • Malefiz
    antwortet
    Zitat von tannenzapfen Beitrag anzeigen
    Neuigkeiten zur Planung für die Artillerie:
    Die "leichten Kräfte" erhalten keine Brigadeartillerie.
    Das Lag mir schwer im Magen. Unter leichten Kräften sind wohl die Heimatschutzdivision(en) zu verstehen. Das macht es dann verständlich. Auf X tauchte dies Grafik auf, die sich auf das aktuelle Loyal Heft bezieht, das ich nicht habe.Bild 11.jpg

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  • Malefiz
    antwortet
    Ich habe heute Morgen auf YouTube eine Darstellung gefunden, wie sich Gen. Freuding Gefechte in der Zukunft vorstellt:



    Interessant die Moderation der Sprecherin im Hintergrund. Da werden oft Dinge vorausgesetzt, bei denen man nur hoffen kann, dass das funktioniert. Mir lag oft ein WENN auf der Zunge. Beispiel Unterdrückung von gegnerischen Drohnen durch ELOKA.

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  • tannenzapfen
    antwortet
    PS: Hier hat es jemand grafisch veranschaulicht:

    ?? The German Army of 2035 concept. The German army of 2035 concept introduces two new divisional elements: a second home defence division and a corps troops division with a slated manpower requirement of 151.000 active soldiers compared to todays ~63.000. 1/7

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