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das hat mich eben auch gewundert, dass da auf dieser ominösen Liste die "alte" Rhön-Kaserne in Oberwildflecken wieder auftaucht. Ich gehe allerdings inzwischen davon aus, dass sich hier irgendeiner, der die Liste zusammen getragen hat, schlicht vertan hat. Oder man will sich die Fläche der alten Rhön-Kaserne sichern.
Mein privates Netzwerk weiß allerdings aktuell auch nicht viel bzw. habe ich aktuell leider keinen aktiven Kameraden in Wildflecken mehr sitzen.
Muss mich mal - entgegen aller Gepflogenheiten - selbst zitieren:
Wir hatten neulich im Bekanntenkreis auch wieder einmal das Thema "Bundeswehr". Hier hat mich ein Feuerwehrkamerad, der hauptberuflich Bauingenieur ist, auf einen Aspekt gebracht, der mir so noch gar nicht bewusst war:
Die Bundeswehr benötigt nicht unbedingt diese "alten" Flächen, um dort wieder irgendetwas zu bauen. Diese Flächen, die im Eigentum der BIMA sind, dienen oft auch als Ausgleichsflächen für Bauvorhaben an bestehenden Standorten.
Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum für diese scheinbar brach liegenden Flächen nun ein Verkaufs-Moratorium verfügt wurde.
Wenn man die Liste unter diesem Aspekt betrachtet, macht das einen gewissen Sinn und relativiert einiges.
Ich hatte gestern Abend die Gelegenheit, als Mitglied des "Bund deutscher Infanterie" an einem sehr interessanten Vortrag zum Thema "Evolution der Jägertruppe zu den mittleren Kräfte" teilnehmen zu dürfen. Referent war OTL i.G. Simon Leidner, Leiter der Gruppe Truppenfachlehrer und Weiterentwicklung an der InfS.
Der Vortrag war sehr dicht vom Informationsgehalt, aber sehr interessant, lehrreich aber auch - gerade in Sachen Ukraine - bedrückend. Da die Präsentation natürlich nicht veröffentlicht werden kann, versuche ich mal anhand meiner Aufzeichnungen und aus dem Gedächtnis eine kurze Zusammenfassung zu geben.
Zunächst einmal hat OTL Leidner die Bewaffnung und Technik der mittleren Kräfte vorgestellt:
- als Gefechtsfahrzeug erhalten die mKR den schweren Waffenträger auf Basis Boxer
- der sWaTr verfügt über eine vollstabilisierte 30mm-BMK mit einer Erstschusstrefferwahrscheinlichkeit von 97%
- er kann aus voller Fahrt schießen und ist duellfähig
- für die 30mm wird es auch die sogenannte Airburst-Munition geben. Diese explodiert kurz vor einem feindlichen Fahrzeug und gibt ca. 1000 Splitter frei, die die Optiken und Winkelspiegel des gegnerischen Fahrzeuges unbrauchbar machen
Das ist natürlich im Vergleich zum "Wiesel" eine deutliche Steigerung. Die Bataillone der mKR werden jeweils 26 sWaTr erhalten. Das in Frankreich (Ilkirch) stationierte JG-Btl erhält den sWaTr dagegen NICHT.
Zur Gliederung:
Zu den mittleren Kräften werden die Brigaden 21, 41 und die D/F-Brigade umgegliedert. Eine "Brigade mKR" wird künftig aus 2 Jägerbataillonen sowie einem PzGrenBtl "Rad" bestehen. Dazu kommen noch Versorger und Unterstützer.
Ein Bataillon der mKR wird aus 5 Kompanien bestehen. Die Scharfschützen werden in einem gesonderten Zug zusammengefasst, der künftig Aufklärungs - und Scharfschützenzug heißen wird. Allerdings liegt der Schwerpunkt der Scharfschützen nicht unbedingt auf dem Einsatz als Sniper, sondern hier wird mehr die Aufklärungsfähigkeit zum Tragen kommen. Diese soll u.a, dazu genutzt werden, unbemannte Wirkmittel ins Ziel zu bringen.
Das PzGrenBtl der mittleren Kräfte bekommt den Boxer mit dem Turm und der BMK vom SpZ Puma (!!). Weiterhin bekommen diese Bataillone wieder eine Mörserkomponente auf dem Fahrzeug "Patria". Dieser löst den M113 ab. Dem Bataillon wird auch noch ein Zug mit "loitering munition" zugeteilt. Der große Wunsch der Grenadiere ist auch wieder ein Panzerjägerzug. Aber das ist noch Zukunftsmusik.
Der Patria ist ein Radpanzer, auf dem der 120mm Mörser sitzt, der um 360 Grad gedreht werden kann und auch während der Fahrt schießen kann.
Zur Kampfweise/Ausbildung:
Das Konzept der mittleren Kräfte sieht vor, dass der erste Feindkontakt durch unbemannte Systeme wie Drohnen und loitering munition erfolgen wird. Hierzu bekommen diese Bataillon u.a. auch noch das System "Libelle". Dies ist ein System, dass feindliche Gefechtsfahrzeuge von oben bekämpft. Hier habe ich was dazu gefunden: https://soldat-und-technik.de/2023/0...aller-truppen/
OTL Leidner hat es weiter dann so formuliert, dass die Kampfweise der guten alten Jägertruppe ("Grabenkampf im Wald zu Fuß") auch weiterhin gekonnt werden muss, aber neue Komponenten dazu kommen und die Kampfweise deutlich weiter entwickelt werden muss. Ein Zugführer muss künftig auch wissen, wie Aufklärung funktioniert. Leidner fasst das zusammen unter "Änderung in DNA und Mindset".
Auch die guten alten Tugenden wie "Tarnen und Täuschen", "Fliegerabwehr" oder "Verhalten des Einzelschützen" haben wieder einen gewaltigen Stellenwert bekommen. Selbst der gute alte "Häuserkampf" aus zur Verteidigung eingerichteten Häusern ist nicht mehr zeitgemäß. Wenn, dann muss aus Ruinen und Kellern gekämpft werden, weil die Russen in der Ukraine einfach die Häuser wegschießen.
Hiermit will ich es fürs Erste bewenden lassen. Evtl. erstelle ich noch einen weiteren Beitrag zu den Erfahrungen aus der Ukraine und die Konsequenzen für die Kampfweise der mKR. Das wird sonst zu viel in einem Beitrag.
Ob es wirklich der Weisheit letzter Schluss ist, eine Brigade nur mit drei Kampftruppenbataillonen auszustatten, sei dahin gestellt. Die Erfahrungen, die man in den Heeresstrukturen 2 und 3 mit solchen nur über 3 Manöverelemente verfügenden Brigaden gemacht hat, waren eigentlich nicht sehr positiv – vor allem wenn man realistisch die zu erwartenden Verluste und damit die Durchhaltefähigkeit dieser Verbände einkalkuliert.
Auch auf der Divisionsebene fehlte nüchtern betrachtet, eigentlich immer dieses 4. Manöverelement, sei es als Divisionsreserve oder als Verzögerungsverband. Nicht umsonst landete fast bei allen Divisionen das verstärkte Panzeraufklärungsbataillon in dieser Rolle.
Da wahrscheinlich heute die Brigaden in vielen Fällen weitgehend selbständig ohne den früher üblichen Rückhalt der Divisionen zum Einsatz kommen, dürften diese Probleme noch viel schärfer an Bedeutung gewinnen.
Interessant bleibt auch die Frage, was an Kampfunterstützungskräften für diesen Brigadetyp vorgesehen wird. Was kommt an Artillerie, was kommt an Pionieren? Sinnvoll wäre sicher ein Panzerpionierbataillon mit mindestens zwei Pionier- und einer Maschinen- und Brückenkompanie. Dabei sind Schwimmbrücken-/Amphibienbrücken sicher nicht zweckmäßig für die Brigadepioniere.
Ganz wichtig wird auch die Frage organischer Flugabwehr bei den Brigaden, wobei Flugabwehr hier die Abwehr aller fliegenden Bedrohungen sein muss, also nicht nur Flugzeuge und Hubschrauber, sondern auch Drohnen und evtl. Raketen.
Zur angesprochenen Ausbildung im Ortskampf: Der Kampf aus Ruinen und Kellern war eigentlich schon immer ein Kennzeichen des Häuser- und Ortskampfes. Bei der bisherigen Ausbildung in diesem Themenbereich entstand leider durch die zur Verfügung stehenden Ausbildungsmöglichkeiten oft ein falscher Eindruck. In Bonnland als „Mekka“ des Ortskampfes gab es keine Ruinen, sondern ein mehr oder weniger gepflegtes Dorf in der Vorrhön, auch die Keller in Bonnland waren in vielen Fällen oft nur halb in die Erde versenkte Untergeschosse. Das die Häuser in Bonnland kaum modernen Siedlungen entsprachen, ist ein weiteres Manko.
Gleiches gilt für die Übungshäuser auf den Standortübungsplätzen, oft waren das doch nur direkt auf den Erdboden aufgesetzte Kulissen aus Holz.
Es gab viel zu selten die Möglichkeit, wirklich in einem zum Abriss anstehenden Gebäude zu üben, das dann wirklich zur Ruine werden durfte. Große Ausnahme war, als das Hammelburger PzGrenLehrBtl in den 1980er Jahren das damals zum Abbruch anstehende Schweinfurter Bahnbetriebswerk ohne Rücksicht auf Schäden an den Gebäuden nutzen durfte.
Ich durfte 1989 als Hörsaalleiter in Sonthofen mit meinen Offiziersanwärtern mal einen alten Bauernhof, der für eine Umgehungsstraße weg sollte, zwei Wochen lang zur Ausbildung nutzen. Es war höchst lehrreich zu sehen, wie lange es dauert, so ein Gebäude zur Verteidigung herzurichten. Es erzeugte bei der „Führung“ (Schulkommandeur, Lehrgruppe, Heeresamt usw.), die natürlich unser Tun sehr interessiert verfolgten, höchstes Erstaunen, dass man mit den im Lehrplan vorgesehenen 4 Stunden nicht sehr weit kam und das auch der Materialaufwand immens war.
Sehr gut ist der Hinweis, dass Dinge wie Tarnen, Täuschen, Fliegerabwehr usw. wieder an Bedeutung gewinnen. In früheren Vorschriften war das mit vielen anderen ständig zu beachteten Selbstverständlichkeiten unter dem Begriff „Allgemeine Aufgaben im Einsatz“ zusammengefasst. Ganz wichtig ist aber, dass diese Notwendigkeiten und die Ausbildung dafür nicht nur bei der Kampftruppe, sondern bei allen Truppen wieder ausgebildet und Normalität des Alltags werden.
Auch von mir vielen Dank! Dass das JgBtl 291 keine schweren Waffenträger erhält, ist dahingehend konsequent, dass dieses Bataillon schon bisher keine Schwere Kompanie, sondern eine eigenständige Aufklärungskompanie hat. Warum man das so beibehält, ist mir aber nicht gaz klar.
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Interessant bleibt auch die Frage, was an Kampfunterstützungskräften für diesen Brigadetyp vorgesehen wird. Was kommt an Artillerie, was kommt an Pionieren? Sinnvoll wäre sicher ein Panzerpionierbataillon mit mindestens zwei Pionier- und einer Maschinen- und Brückenkompanie. Dabei sind Schwimmbrücken-/Amphibienbrücken sicher nicht zweckmäßig für die Brigadepioniere.
Ganz wichtig wird auch die Frage organischer Flugabwehr bei den Brigaden, wobei Flugabwehr hier die Abwehr aller fliegenden Bedrohungen sein muss, also nicht nur Flugzeuge und Hubschrauber, sondern auch Drohnen und evtl. Raketen.
Ansonsten war bei den Brigadetruppen zumindest 2022 noch ein ähnlicher Ansatz wie bei den schweren Brigaden vorgesehen: Aufklärungsbataillon, Pionierbataillon, Versorgungsbataillon, Artilleriebataillon. Was sich seither bei der Flugabwehr getan hat, ist mir nicht klar.
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