Dislozierungen der GSSD am 10.11.1989

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  • joachim
    Rekrut
    • 14.07.2005
    • 32

    #16
    Zitat von FEK
    Hhm,

    jetzt sind wir aber weg vom eigentlichen Thema.
    Das sehe ich anders. Die behauptete Dislozierung würde Sinn machen innerhalb eines Szenarios in dem eine mögliche erneute Schließung der Grenzen, zumindest als Option offen gehalten werden sollte.

    Mir ist aber bewusst, dass ein Zeitzeugenbericht als Beleg nicht ausreicht. Ich habe aber unter anderem auch zu dieser Thematik einen Forschungsantrag bei der BStU gestellt, der zur Zeit bearbeitet wird. Unter anderem werde ich Unterlagen der HA I zu den Einheiten auswerten, denen der Zeitzeuge angehörte.

    Joachim

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    • joachim
      Rekrut
      • 14.07.2005
      • 32

      #17
      Waffenstatus

      Zitat von FEK
      Erklärt mal einem Laien die Geschichte mit dem Waffenstatus, welche erwähnt wurde. heiß das, das die WGT bei Übungen an der Grenze ohne Muni oder mit Platzpatronen rausfuhren, sie aber in diesem Fall scharfe Muni mitführten?
      Die Verbände der WGT rückten in der Regel immer scharf aufmunitioniert aus. Insofern wäre dies nichts besonders bemerkenswertes gewesen, da hast Du recht.

      Joachim

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      • FEK
        Cold Warrior
        • 02.09.2005
        • 279

        #18
        joachim,

        was bleibt uns da noch vom Zeitzeugenbericht als tatsächlicher Hinweis auf das Vermutete?

        Was taten die Grenzsicherungsbat. der WGT eigentlich sonst, d.h. außerhalb dieser heiße Tage und Wochen? Waren sie selten oder häufig an der Grenze anzutreffen?

        Was sagen denn eigentlich die Grenztruppen selbst dazu, denn diese waren doch sicherlich jederzeit darüber unterrichtet, das sich sowj. Truppen innerhalb des von ihnen zu sichernden Bereiches aufhielten.

        Die Option der Schließung der Grenze hatte man doch sicher auch völlig unabhängig vom Einsatz von Angehörigen der WGT. Da wäre doch aber sicher in allererster Linie Präsenz an den Übergängen und deren Zufahrten erforderlich.

        FEK

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        • joachim
          Rekrut
          • 14.07.2005
          • 32

          #19
          Hallo FEK,

          Die Stellungen sollen sich ca. 600 Meter vom Hinterlandsicherungszaun entfernt befunden haben; sie befanden sich also nicht im unmittelbaren Handlungsraum der Grenztruppen.

          Trotzdem wäre es sicher interessant, Angehörige des Grenzregiments 6, die in diesem Zeitraum Grenzdienst geleistet haben, über den Sachverhalt zu befragen.

          Ich glaube nicht, dass die WGT die Grenztruppen über Verlegungen an die Grenze vorher unterrichtet hätte.

          Joachim
          Zuletzt geändert von joachim; 17.03.2006, 11:37.

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          • joachim
            Rekrut
            • 14.07.2005
            • 32

            #20
            Der Zeitzeuge hat noch eine weitere Mitteilung gemacht: Das Treffen in Wünsdorf fand im Rahmen der Traditionspflege ehemaliger NVA Angehöriger statt.


            Als wir uns in Wünsdorf trafen [2004], habe ich darauf den GO [Generaloberst] Streletz persönlich angesprochen. Er antwortete mir, dass es sich bei meinen Beobachtungen um die Grenzsicherungsbataillone der WGT gehandelt habe. Das ist für mich eine zusätzliche Bestätigung des selbst erlebten. Ich stellte diese Frage auch nur im Zusammenhang der Äußerung Streletz, die WGT waren zu dieser Zeit ausschließlich in ihren Kasernen. Ich wußte jedoch das dass nicht stimmte.

            Joachim

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            • FEK
              Cold Warrior
              • 02.09.2005
              • 279

              #21
              Zitat von joachim
              Ich glaube nicht, dass die WGT die Grenztruppen über Verlegungen an die Grenze vorher unterrichtet hätte.

              Joachim
              der Glaube hilft uns leider nicht weiter. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, das Kräfte der WGT ohne Kenntnis der GT an die Grenze verlegt wurden. Sie haben sicher nicht um Erlaubnis gefragt - jedoch eine Verlegung ohne Information hätte doch sicher unnötige Risiken erzeugt.
              Ich denke das sollte sich relativ einfach klären lassen.

              FEK

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              • joachim
                Rekrut
                • 14.07.2005
                • 32

                #22
                Zitat von FEK
                der Glaube hilft uns leider nicht weiter.
                FEK
                Dann muss ich deutlicher werden. Die sowjetischen Verbände sollen ihre Stellungen in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 und zwar ca. um Mitternacht bezogen haben.
                Was geschah sonst noch an diesem Abend? Um 18:55 antwortete Günter Schabowski auf die Frage des italienischen Journalisten Ricardo Ehrmann, wann denn die neuen Reiseregelungen in Kraft treten würden, mit dem beühmten Satz sofort unverzüglich und läutete damit den Run auf die Grenzübergangsstellen ein. Die Pressekonferenz wurde live im Fernsehen der DDR übertragen. Eigentlich sollte die neue Regelung erst am nächsten Tag bekannt gegeben werden.
                Zu diesem Zeitpunkt dauerte die 9. ZK Tagung der SED noch an. Die Teilnehmer dieser Sitzung bekamen von Schabowskis Äußerungen nichts mit. DDR Verteidigungsminister Keßler hatte die Mitglieder des Kollegiums seines Ministeriums - praktisch die gesamte relevante militärische Führung - für 19:00 auf eine Kollegiumssitzung nach Strausberg bestellt. Die ZK Sitzung dauerte aber bis 20:45, so dass die Kollegiumsmitglieder, die nicht ZK Mitglieder waren, vor der Tür des Sitzungssaales in Strausberg warteten. Niemand hatte etwas von Schabowskis Äußerungen mitbekommen. Nach dem Ende der ZK Sitzung fuhren Keßler und der Chef des Hauptstabes der NVA Generaloberst Streletz mit dem Wagen vom ZK Gebäude nach Strausberg und trafen gegen 21:45 dort ein.
                Gegen 22:00 eröffnete Keßler die Kollegiumssitzung und begann damit die ZK Tagung auszuwerten, wobei er auf den Widerstand der übrigen Kollegiumsmitglieder stieß, die mit Keßlers Politik nicht einverstanden waren.
                In dieser Situation erfolgte ein Anruf des Stabschefs der Grenztruppen Teichmann, der über die Situation an den Genzübergängen informierte. Inzwischen waren die ersten DDR Bürger bereits im Westen angekommen und an den Berliner Grenzübergangsstellen hatten die dort diensthabenden MfS Anghörigen damit begonnen Bürgern den Übergang bei Vorlage ihres Personalausweises zu gestatten.
                An den Grenzübergangsstellen herrschte stets eine Doppelherrschaft. Während die Grenztruppen für die äußere Sicherheit verantwortlich waren, entschieden einzig Angehörige der Hauptabteilung VI des MfS, die in Uniformen der Grenztruppen Dienst taten, wer die Grenze passieren durfte und wer nicht.
                Nachdem Keßler zum ersten Mal durch Teichmanns Anruf von der Situation an der Grenze erfahren hatte, befahl er seinem Stabschef Streletz den Staatssicherheitsminister Mielke anzurufen. Streletz erreichte jedoch nur Mielkes Stellvertreter Gerhard Neiber, der seinerseits bemüht war Mielke zu erreichen. Auch der Innenminister Dickel war nicht zu erreichen, sondern nur dessen Stellvertreter Wagner. Schließlich befahl Keßler dem Chef der Grenztruppen Baumgarten sich seine Führungsstelle - das Kommando der Grenztruppen in Pätz zu begeben und von dort Meldung zu machen. Als Baumgarten dort endlich eintraf, war es nach Mitternacht und alle Grenzübergänge waren geöffnet.
                Die Entscheidung die Grenzübergangsstellen zu öffnen, war eine Entscheidung der unteren und mittleren Entscheidungsstellen vor Ort. Es gab keine zentrale Weisung an die Grenzübergangsstellen.

                Die sowjetische Seite war über die neue Reiseregelung nicht im Vorwege informiert worden. Die sowjetischen Stellen bekamen nur mit, wie das Grenzregime zusammenbrach.
                Wenn man unterstellt, die Dislozierung der GSSD sei eine Reaktion auf diese Situation gewesen, was nahe liegt, dann ist es logisch, dass diese die Grenztruppen darüber nicht unterrichtet haben.
                Die Grenztruppen wurden in dieser Nacht nicht geführt. Die mittleren Führungsebenen hatten andere Sorgen, als sich um GSSD Einheiten zu kümmern. Das wirkliche Risiko hatte darin bestanden, die Grenztruppen Soldaten und die Angehörigen der Pass - und Kontrolleinheiten des MfS in dieser Situation ohne zentrale Weisung zu lassen.

                Joachim
                Zuletzt geändert von joachim; 17.03.2006, 17:07.

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                • taupe
                  Cold Warrior
                  • 15.07.2005
                  • 531

                  #23
                  "Wenn man unterstellt, die Dislozierung der GSSD sei eine Reaktion auf diese Situation gewesen, was nahe liegt, dann ist es logisch, dass diese die Grenztruppen darüber nicht unterrichtet haben."



                  Hallo Joachim,

                  wieso ist das naheliegend? Gab es da einen Automatismus der sich vielleicht auch auf Seite der GSSD in der unteren Führungsebene verselbstständigte?
                  Hätte dies dann nicht sehr schnell über bloßes Stellung nehmen hinaus gehen müssen?
                  Wurde vielleicht zu einem bestimmten Zeitpunkt von Moskau aus gebremsst oder versucht sich mit dort abzustimmen?
                  Gruß

                  Michael


                  Demokratie braucht Lärm
                  Montesquieu

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                  • FEK
                    Cold Warrior
                    • 02.09.2005
                    • 279

                    #24
                    joachim,

                    ich zweifle nicht an, das Schabowski die berühmten zwei Worte sprach und das dann einiges kunterbunt ablief. Ich kann mir aber eben nicht vorstellen, das (gerade wegen der angespannten Situation, welche ja nicht spontan am 9.11. entstand) Kräfte der WGT unangemeldet in den Bereich eindrangen für welchen die GT zuständig waren.
                    Ich denke eher, es gab da ein eingespieltes Regime der Anmeldung. Woher sollten sonst die GT wissen, das es sich um eine reguläre Maßnahme der WGT und nicht um einen gewaltsamen Durchbruch von Sowjetsoldaten handelt?
                    Wir brauchen eigentlich nur einen ehemaligen Grenzoffizier zu fragen, wie das gehandhabt wurde. Ist denn hier keiner im Forum?

                    Im übrigen ist dein Zeitzeuge bisher die einzige Quelle für den Aufenthalt sowjetischer Kräfte an der Grenze zu diesem Zeitpunkt. Das es nicht massenhaft weitere solche Meldungen gibt, verwundert mich schon. Oder gab es eine geheime Absprache zwischen Helmut Kohl und Michael Gorbatschow, den Mantel des Schweigens darüber zu decken? Aber warum schweigen dann auch alle anderen? Die Grenzer sollten das doch bemerkt haben. Oder bin ich nur einfach uninformiert?

                    FEK

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                    • joachim
                      Rekrut
                      • 14.07.2005
                      • 32

                      #25
                      Hallo FEK,

                      Wie schon gesagt befanden sich die Stellungen für die behauptete Dislozierung ca. 600 Meter freundwärts vor dem Hinterlandszaun, lagen also nicht im Handlungsraum der Grenztruppen.

                      Der Zeitzeuge war zum fraglichen Zeitpunkt Kommandeur des Funk und funktechnischen Aufklärungsbataillon 5 das ist unstrittig. Warum sollte er die Unwahrheit sagen.

                      Ich suche aber nach weiteren Bestätigungen; ein einziger Zeitzeuge ist zu wenig. Das ist der Grund meines Postings. Die bisherigen Antworten (Thunderhorse) scheinen mehr den süddeutschen Raum (Hessen / Bayern) zu betreffen.
                      Von westlicher Seite wären solche Dislozierungen eher nicht öffentlich bekannt gegeben worden. Das gilt sicher noch heute. Möglicherweise findet sich darüber etwas im Militärarchiv Freiburg oder bei der BStU.
                      Allerdings haben die entsprechenden Einheiten FuFuTAB 5 und SAK 5 viel Material, was die operative Planung betraf, vernichtet.

                      Joachim

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                      • FEK
                        Cold Warrior
                        • 02.09.2005
                        • 279

                        #26
                        Zitat von joachim
                        Hallo FEK,

                        Der Zeitzeuge war zum fraglichen Zeitpunkt Kommandeur des Funk und funktechnischen Aufklärungsbataillon 5 das ist unstrittig. Warum sollte er die Unwahrheit sagen.
                        Joachim
                        er wird sicher nicht die Unwahrheit gesagt haben. Zu prüfen ist lediglich ob die Interpretation der spärlichen Fakten vertretbar ist.

                        FEK

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                        • Thunderhorse
                          Cold Warrior
                          • 09.02.2006
                          • 1970

                          #27
                          Betreff angebliche Grenzsicherungseinheiten der GSSD an der Grenze, vom 10. November 1989 bis Januar 1990:

                          In der Zwischenzeit hatte ich die Gelegenheit, mit einigen ehem. Angehörigen von Grenzüberwachungsorganen / Militärverbindungsmissionen / Grenztruppe aus West und Ost das oben genannte Thema ausführlich zu erötern. Ferner habe ich Unterlagen, die den gesamten Bereich der ehem. innerdeutschen Grenze (von der Ostsee bis zum Dreiländereck bei Hof) umfassen, gesichtet.


                          Sowohl die Kontaktpersonen als auch die Nachschau in den Unterlagen haben keinerlei Hinweise auf die vorgenannten Aktivitäten der GSSD ergeben.
                          Da es sich angeblich auf den Bereich des GR 6 beschränkt haben soll, kann es eventuell eine Alarmübung der GSSD nach Alarmkalender gewesen sein. Zufall!!!?

                          Die angesprochene Stellung freundwärts des Grenzsperr- und Signalzaun ist keine Seltenheit gewesen. Die Masse dieser Beobachtungsstellen der GSSD/WGT lag freundwärts im Handlungsstreifen der Grenztruppe (dieser umfaßte einen Bereich von etwa 5 km, vom Grenzverlauf in die Tiefe der DDR und endete nicht am GSSZ).
                          Entfernung der B-Stellen zwischen 50 und 5000m zum GSSZ.

                          Insgesamt dürften etwa 3 - 4 Bestellen im Schutzstreifen gelegen haben, so zum Beispiel die Anlage Blosenberg, eine Stellung bei Hetschbach, und eine Stellung im Raum Eisenach.

                          Aus diesen Stellungen wurde sowohl optische wie auch technische Aufklärung betrieben. Die Bunkeranlagen (wenn man davon überhaupt sprechen kann) und Baracken waren mit Masse nicht ständig besetzt. Dies orientierte sich z.B. an Manövern der NATO oder bei anderen Aktivitäten im westlichen Grenzgebiet.
                          Besetzung von B-Stellen durch die US-Army oder Grenzübungen westlicher Behörden.

                          Versorgt wurde die Truppe durch Anlehnung an Objekte der Grenztruppe, Tauschhandel mit der Bevölkerung und durch die eigenen Einheiten.
                          Der An-und Abtransport erfolgte mit Masse mit Lkw oder Jeep. Selbst mal per Foto festgehalten.

                          Interessant ist jedoch, dass ab etwa Mitte Januar 1990 ein Großteil der B-Stellungen bis in den Juni hinein besetzt waren. Zuvor waren die Bunker bereits für die Bevölkerung zugänglich. Ab März/April wurden auch Soldaten der GSSD mit Lkw beim Abbau von Grenzsicherungsanlagen beobachtet, bzw. sind offen in der 5km Zone auf getreten.
                          Es wurde auch versucht, im Bereich der Grenzübergangsstellen Kontakt mit Personen aus dem westlichen Ausland auf zu nehmen.


                          Keiner meiner Kontaktperson (ob Ost oder West) ist übrigens der Begriff Grenzsicherungseinheiten der GSSD geläufig. Wer diesen so interpretiert hat, ist für mich nicht Nachvollziehbar.

                          So, dass soll es dazu gewesen sein.

                          Gruß.

                          Thunderhorse

                          P.S.: Meine Erkenntnisse erstrecken sich auf die gesamte ehem. Grenze, Schwerpunkte eingeschlossen.

                          Kommentar

                          • Thunderhorse
                            Cold Warrior
                            • 09.02.2006
                            • 1970

                            #28
                            Übrigens hier kann man zwei dieser Bunker / B-stellen auf Fotos betrachten.


                            MfG.

                            Thunderhorse

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                            • joachim
                              Rekrut
                              • 14.07.2005
                              • 32

                              #29
                              Ferner habe ich Unterlagen, die den gesamten Bereich der ehem. innerdeutschen Grenze (von der Ostsee bis zum Dreiländereck bei Hof) umfassen, gesichtet.

                              Du kannst einfach Unterlagen der westlichen Aufklärung sichten? In diese Unterlagen würde ich auch gern mal Einsicht nehmen.

                              Joachim

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                              • Thunderhorse
                                Cold Warrior
                                • 09.02.2006
                                • 1970

                                #30
                                Geh doch mal auf die Betreiber von Grenzmuseen zu. Dort dürfte so manches Aktenmaterial zum Thema Grenze zur DDR - CSSR lagern.
                                Oder in die zuständigen Staatsarchive.
                                Problem wird sein, dass nach 5 bzw. 10 Jahren die Tagesmeldungen und teilweise Monatsberichte vernichtet wurden.

                                TH

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