Welche C-Kampfmittel der NATO in den frühen 1980er Jahren?

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  • Hoover
    Cold Warrior
    • 19.12.2013
    • 601

    #1

    Welche C-Kampfmittel der NATO in den frühen 1980er Jahren?

    Moin,

    mal eine Frage an die Schwarmintelligenz:

    Welche C-Kampfmittel standen den NATO-Truppen in der ersten Hälfte der 80er Jahren zur Verfügung? Welche es gab weiß ich, aber welche waren einsatzbereit in den Arsenalen? VX und Sarin weiß ich, aber wie sieht es z.B. aus mit Lost (nebst Abwandlungen, wie S-Lost) und die anderen, bereits im 1. und 2. Weltkrieg eingesetzten Mittelchen? UNd was für Einsatzmittel? Sprühtanks, Art-Granaten, gab es auch noch Kampfstoffminen?

    Als Pionier ohne wirkliches Interesse an der ABC-Truppe (war uns immer irgendwie ein Graus) habe ich da tatsächlich Wissenslücken. Ich habe auch keine ABC-Vorschriften in der Sammlung.

    Anker wirf!
    Frank
    "Damals, als ich in meinem Alter war..."
  • Muna-Mann
    Rekrut
    • 21.10.2016
    • 30

    #2
    Hallo Hoover,

    eine durchaus interessante Frage für den harten Kern am Thema..
    Jedoch eine Frage sei erlaubt, ohne jetzt die Haltung der Forumsleitung dazu zu kennen.. ..Anfang der Achtziger Jahre ist nach meiner Ansicht etwas früh für ein Forum, bei dem auch viele mitlesen können, die dieses heikle Themengebiet nicht kennen, geschweige denn richtig verstehen, was da geschrieben ist.
    Es wird schon seinen Grund haben, weshalb von offizieller Seite i.d.R. keine öffentliche Stellungnahme dazu erhältlich ist..

    Nichts für ungut - und schon in der Schule habe ich gelernt: "Fragen kann man alles. Nur bei den Antworten muß man genau überlegen, was man sagt.."

    Mit freundlichen Grüßen
    vom Muna-Mann

    ( der als Beifang rein zufälllig bei anderen Recherchen das ein oder andere vom seinerzeitigen Inhalt eines solchen Lagers erfahren hat - und auch heute noch zum Stillschweigen darüber vergattert wurde.. Und seinerzeit hatten einige derer, die den "Überblick" über einen solchen Lagerbestand hatten, durchaus schlaflose Nächte - nach deren heutigen Aussagen )

    Kommentar

    • Rex Danny
      Administrator
      • 12.06.2008
      • 4377

      #3
      Also ich finde die Frage von Hoover gut und muß gestehen, daß ich von diesem Thema ebenfalls keine Ahnung habe.

      Da durch Muna-Mann die Forumsleitung, also in erster Linie ich nach der Haltung zum Thema gefragt wurde, kann ich nur sagen, daß wir hier über eine Zeit sprechen, die mittlerweile 30 Jahre zurück liegt und wir auch nicht als Militärs zur Geheimhaltung verpflichtet sind. Journalisten haben sich schon zur damaligen Zeit nicht davon abschrecken lassen, etwas zum Thema zu schreiben und daher denke ich, wir sollten uns auch nicht davon abhalten lassen, hier darüber zu diskutieren. Allerdings sollten die Angaben dann schon genauer sein als die damaligen Vermutungen und "Sch.....hausparolen", die wirklich zu einer allgemeinen Verunsicherung führten. Natürlich wollen wir aber bei tiefer gehenden Angaben niemanden in Schwierigkeiten bringen und sollten daher genau darauf achten, daß hier keine Rückschlüsse auf eventuell zur Geheimhaltung verpflichtete Personen zu ziehen sind.

      Grüße


      Rex Danny

      Kommentar

      • Hoover
        Cold Warrior
        • 19.12.2013
        • 601

        #4
        Danke, Rex. So sehe ich das auch.

        Ich habe einiges im Netz gefunden, auch ehemals als VS-NfD klassifiertes. Ich weiß nicht, welche Infos noch als Geheim bzw VS eingestuft sind.
        Aber bezüglich der Einsatzmittel ist einiges zu finden. Ich habe auch Infos aus NVA-Quellen gefunden, aber die sind eher mit Vorsicht zu genießen, auch wenn NVA sehr gut informiert war, besinders, was Waffensysteme und Gliederungen betrifft.

        Mal sehen, was ich so finde.

        Beste Grüße
        Frank
        "Damals, als ich in meinem Alter war..."

        Kommentar

        • kato
          Cold Warrior
          • 03.03.2009
          • 888

          #5
          Zitat von Hoover Beitrag anzeigen
          Als Pionier ohne wirkliches Interesse an der ABC-Truppe (war uns immer irgendwie ein Graus) habe ich da tatsächlich Wissenslücken. Ich habe auch keine ABC-Vorschriften in der Sammlung.
          Nach meiner schon etwas vagen Erinnerung ohne in Unterlagen zu kramen wurde bei uns in den 90ern praktisch ausschließlich in Richtung Spüren und Dekon sowie Wirkung und Einsatzformen für H/L- und G-Kampfstoffe ausgebildet. Hintergrund dabei natürlich, daß die entsprechenden sowjetischen Systeme der 80er primär HL-Kombinationswirkstoffe verbracht hätten. Allerdings fand zusätzlich neben diesen und den genannten Stoffen - primär Sarin, VX spielte kaum eine Rolle - als G-Stoff auch Tabun dabei durchaus deutliche "Erwähnung", das in den 80ern nicht in den sowjetischen, aber wohl in durchaus nennenswertem - nie wirklich näher erläutertem - Umfang in amerikanischen Depots vorhanden war.

          Bezüglich Verbringungsmitteln sieht das hier (Seite 4) als Grobübersicht nicht so schlecht aus - auch wenn darin interessanterweise Tabun nur am Rande gelistet wird, auch wenn es schließlich 2 Jahre von 2009 bis 2011 gedauert hat, um diese Vorräte wohl als letzte (nach den größeren Programmen für VX und Sarin) zu vernichten.

          Nebel ahoi!

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          • DeltaEcho80
            Cold Warrior
            • 09.03.2013
            • 1724

            #6
            Vielleicht nicht direkt zum Thema passend, aber vielleicht interessant als Gedanke:

            Ich habe 9 Jahre meines Lebens im Gymnasium der Benediktiner-Abtei Münsterschwarzach verbracht. Unser Biologie, Physik - und Chemie-Lehrer war ein Benediktiner-Mönch, gebürtig aus Berlin.
            Dessen Vater war seinerzeit als "Chef-Chemiker" bei der Wehrmacht und war da unter anderem an der Entwicklung von chemischen Kampfstoffen beteiligt.

            Unser Lehrer hat immer von großen moralischen Konflikten seines Vaters berichtet, der wusste, was "möglich" war und davon, dass man auch an die oberste Wehrmacht-Spitze und den GröFaz so wenige Infos wie nur möglich dringen ließ. Nach eigener Aussage war das Ende des 2. Weltkrieges für den Vater eine "Erleichterung".

            Er hat uns immer vor Augen geführt, dass es doch an sich fast schon pervers ist, dass die Menschheit solche Sachen entwickelt, nur um sich gegenseitig auszuradieren.

            Sorry für den Einwurf, aber das musste ich los werden.

            Kommentar

            • palatinat
              Systemadministrator
              • 02.01.2008
              • 881

              #7
              Hallo zusammen,

              mit dem Abzug und der anschließenden Vernichtung von Giftgasgranaten aus dem Lager bei Clausen in der Pfalz im Rahmen der Aktion Lindwurm werden die Kampfstoffe Sarin und VX genannt. Die Frage ist bei alledem, waren dies Waffen der US Army oder der Nato? Ich kenne zwar die nukleare Teilhabe aber von einer chemischen ist mir nichts bekannt.

              Gruß aus der Pfalz

              Kommentar

              • Rex Danny
                Administrator
                • 12.06.2008
                • 4377

                #8
                Das ist doch mal eine richtig interessante Frage...........

                Aus dem Bauch heraus sage ich, daß diese chemischen Kampfstoffe der US Army gehörten und auch nur durch diese eingesetzt worden wären. Aber das ist meine ganz persönliche Meinung und meinerseits auch nicht zu belegen.

                Grüße


                Rex Danny

                Kommentar

                • Nemere
                  Cold Warrior
                  • 12.06.2008
                  • 2880

                  #9
                  Ich meine, zumindest für den Bereich der Bundeswehr kann man Einsatzoptionen für chemische Kampfstoffe ausschließen. Die geeignetste Waffe dafür wäre wohl der Mehrfachraketenwerfer LARS mit seinen 110 mm Raketen gewesen. Im Rahmen der NATO verfügte über die längste Zeit des kalten Krieges nur die Bundeswehr über (brauchbare) Mehrfachraketenwerfersysteme, erst mit der Einführung MLRS zog die US-Army 1983 nach.
                  Ich wüsste nicht, das bei den Raketenartilleriebataillonen der Bundeswehr jemals der Einsatz chemischer Kampfstoffe geübt worden wäre. Hier hätten ja Verfahren zur Übernahme der Munition aus den amerikanischen Beständen entwickelt werden müssen.
                  Auch wenn ich mir die oben von kato zitierten Verbringungsmittel ansehe, finde ich dort eigentlich keine Rakete, die so richtig zum LARS passt.

                  Kommentar

                  • palatinat
                    Systemadministrator
                    • 02.01.2008
                    • 881

                    #10
                    Hallo zusammen,

                    100,000 artillery shells, 155mm and 203mm rounds werden als Lagergut in Clausen genannt.
                    (https://www.usarmygermany.com/Sont.h...20Ord%20Bn.htm)
                    Weiter heißt es: The unit supported VII Corps Artillery.
                    (https://www.usarmygermany.com/Sont.h...59thOrdBde.htm)
                    Eine Seite widmet sich der VII Corps Arty.
                    (http://www.usarmygermany.com/Sont.ht....htm#CorpsArty)

                    Gruß aus der Pfalz

                    Kommentar

                    • Hoover
                      Cold Warrior
                      • 19.12.2013
                      • 601

                      #11
                      Deutschland und Frankreich hatten keine C-Waffen mehr, England weiß ich nicht. USA hatten die ja auf jeden Fall.

                      Die Amis hatten ja die 155 mmm und die 203 mm Ari-Granaten, aber mein Bekannter (Artillerist der alten Schule) meinte zu mir, dass sie in seinen ganzen Dienstjahren nie den Verschuss von C-Waffen als Übungsinhalt hatten.
                      "Damals, als ich in meinem Alter war..."

                      Kommentar

                      • EmilBerggreen
                        Cold Warrior
                        • 19.07.2015
                        • 514

                        #12
                        Moin,

                        welche Quellen gibt es eigentlich noch zur C-Kriegsführung in der Zeit des Kalten Krieges?
                        Also nicht nur der Spezialfall „Bundeswehr plante Chemiewaffen-Einsatz“ aus den 1960er Jahren
                        Überblick zu Hintergründen, Analysen und Interviews bei tagesschau.de - die erste Adresse für Nachrichten und umfassende Berichte zu aktuellen Themen.


                        Sondern wie stellte man sich den C-Krieg vor und welche Einsatzgrundsätze gab es?
                        Wie war die andere Seite aufgestellt?
                        C-Waffengefechtsköpfe f. SCUD/FROG-Raketen z.B. Einsatz von Nervenkampfstoffen (Soman bildete offensichtlich die große Masse der Kampfstoffe des WAPA)
                        Einsatz gegen fdl Truppenverbände, Bereitstellungsräume, Auffanglinien (meine ich irgendwo einmal gelesen zu haben) und dann mit der eigenen Panzerwaffe unter Vollschutz durch?

                        Ich hoffe, ich wiederhole mich nicht. Könnte natürlich sein, dass dazu schon einiges gesagt wurde.

                        Gruss,

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                        • EmilBerggreen
                          Cold Warrior
                          • 19.07.2015
                          • 514

                          #13
                          Es gab zu der Zeit ja schon Erfahrungen aus dem Nahen Osten. Giftgaseinsatz in Halabscha und im Gefechtseinsatz im iran.-irak. Krieg aber wohl keineswegs auf das mitteleuropäische Klima umsetzbar.

                          Kommentar

                          • Ritchie 66
                            Cold Warrior
                            • 09.07.2011
                            • 444

                            #14
                            Hallo,
                            ich habe mich einmal vor einigen Jahren mit einem Amerikaner ausgetauscht, welcher Ende der 70ziger, Anfang der 80ziger Jahre in der HHC eines Ordnance Battailons in Rheinland-Pfalz stationiert war. Er hat mir erzählt, dass die Amerikaner vor allem die Kampfstoffe Sarin und VX im Arsenal hatten. "Genug um halb Westeuropa zu tränken," wie er meinte. Die Kampfstoffe seien alle in Artillerieprojektilen abgefüllt gewesen. Im Jahre 1979 sei er damals dabei gewesen, als eine großflächige Überprüfung der Munition stattgefunden habe, da diese zum Teil damals schon ins Alter gekommen war. Ein nicht unerheblicher Teil der chemischen Munition die damals in Deutschland gelagert worden sei, sei Jahre zuvor aus Frankreich nach Deutschland verlagert worden, als die Franzosen die Amerikaner aus dem Land komplementiert haben.

                            Die Franzosen selbst dürften soviel ich einmal gelesen habe, ihr eigenes Chemiewaffenprogramm gehabt haben. Die Quelle dazu kann ich leider nicht mehr nennen.

                            Link über Chemiewaffenausbildung der Amerikaner.

                            Schon ein Tropfen bringt den Tod: In den achtziger Jahren diente Tim Wright als ABC-Abwehroffizier in der US-Armee, um Soldaten auf den gegnerischen Einsatz von chemischen Kampfstoffen vorzubereiten. Bei Übungen wurde nur Tränengas verwendet - doch schon das machte die Gefahren deutlich.


                            Gruß
                            Richard

                            Kommentar

                            • Malefiz
                              Cold Warrior
                              • 22.12.2010
                              • 384

                              #15
                              Schöner Artikel, eigentlich nicht viel anders wie bei uns. Bei uns wurden noch CS-Granaten im Gelände verwendet. Der ABC-Abwehroffizier des Bataillons, der die geworfen hat, hat regelmäßig am Meisten abbekommen. -
                              Interessant ist die Diskussion unter dem Artikel, die zeugt von soviel Unwissenheit, viel Propaganda dabei.

                              Ich hoffe Ihr habt alle das verlinkte PDF aus dem Tagesschau Beitrag #12 gesehen.

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