Schützenpanzer PUMA - Pleiten, Pech und Pannen

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  • Nemere
    Cold Warrior
    • 12.06.2008
    • 2855

    #1

    Schützenpanzer PUMA - Pleiten, Pech und Pannen

    Hallo,

    in der WELT von heute steht ein interessanter Artikel zum Schützenpanzer PUMA. Hier scheint sich wieder einmal ein Beschaffungs- und Ausrüstungschaos anzubahnen, wie wir es mittlerweile von der Bundeswehr fast gewohnt sind. Man könnte langsam wirklich verzweifeln.

    Rund 350 Schützenpanzer vom Typ Puma hat die Bundeswehr bestellt. Doch jetzt kommt heraus, dass die Soldaten nicht zu groß sein dürfen. Der Grund dafür ist eine falsche Annahme bei der Planung.


    Zitate aus diesem Artikel:
    "Bei der Entwicklung des Panzers gab es schon mehrfach Verzögerungen oder technische Nachrüstungen. 2015 entbrannte eine Diskussion, welche Regelungen der Arbeitsstättenverordnung für den Puma zutreffen und ob beispielsweise eine schwangere Soldatin im Puma mitfahren dürfte, weil womöglich eine Fruchtwasserschädigung durch Schussgase zu befürchten ist."

    Die Arbeitsstättenverordnung wird auf ein Kampffahrzeug angewandt. Fehlt bloss noch, dass die Sitzplätze im PUMA mit Isofix-Halterungen für Kindersitze ausgestattet werden müssen.

    "hat sich die Auslieferung aller Puma an die Bundeswehr insgesamt um 57 Monate oder annähernd fünf Jahre auf 2020 gegenüber der Ursprungsplanung verschoben. Ein eigenes Projekt wurde gestartet, um die „insgesamt unbefriedigende materielle Einsatzbereitschaft der in Nutzung befindlichen SPz Puma aufgrund der mangelhaften Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Sonderwerkzeugen sowie qualitätsbedingten Ausfällen von Baugruppen zu verbessern“. Mit einem Kostenanstieg um 1,22 Milliarden Euro werde der Puma zudem um 55 Prozent teurer, als zunächst geplant."

    Fünf Jahre später ausgeliefert, 55 % teurer - im Vergleich mit dem Flughafen BER aber immer noch ein Schnäppchen.

    Das Heer muss bei Neueinstellungen von Puma-Soldaten darauf achten, dass sie nunmehr höchstens 184 Zentimeter groß sind.

    Beim MARDER waren es noch 1,96 m - und dass bei einer im größer werdenden Jugend.

    Der alte Marder-Schützenpanzer bleibt noch bis etwa 2025 im Einsatz.

    Eingeführt wurde der MARDER ab Mai 1971, dann ist er bei Nutzungsende 2025 (falls das überhaupt eingehalten wird) also 54 Jahre alt. Das wäre dann ungefähr so, wie wenn man den ersten Panzer des ersten Weltkriegs aus dem Jahre 1916 gegen eine Leopard I des Jahres 1970 antreten lassen würde.

    Grüße
    Jörg
  • kato
    Cold Warrior
    • 03.03.2009
    • 882

    #2
    Zitat von Nemere Beitrag anzeigen
    2015 entbrannte eine Diskussion, welche Regelungen der Arbeitsstättenverordnung für den Puma zutreffen und ob beispielsweise eine schwangere Soldatin im Puma mitfahren dürfte, weil womöglich eine Fruchtwasserschädigung durch Schussgase zu befürchten ist. [...] Die Arbeitsstättenverordnung wird auf ein Kampffahrzeug angewandt. Fehlt bloss noch, dass die Sitzplätze im PUMA mit Isofix-Halterungen für Kindersitze ausgestattet werden müssen.
    Nur der Form halber: Die Diskussion entbrannte, weil eben der Verlag genau dieser Zeitung damals angebliche Aussagen eines Prüfers der WTD91 kolportierte, die durch andere im selben Spektrum zu verortende Zeitungen wie die FAZ geflissentlich aufgegriffen wurden. Das Arbeitsministerium klärte dies damals mit einer einfachen, wenn auch etwas süffisanten Aussage, dass die Arbeitsstättenverordnung für Kampf- und Schützenpanzer nicht gilt - da es sich einerseits nicht um Gebäude handelt und andererseits für BOS-Dienste explizit getroffene Ausnahmeregelungen galten (die damals übrigens gerade in eine Novelle der Arbeitsstättenverordnung übertragen wurden).

    Zitat von Nemere Beitrag anzeigen
    Das Heer muss bei Neueinstellungen von Puma-Soldaten darauf achten, dass sie nunmehr höchstens 184 Zentimeter groß sind.
    Beim MARDER waren es noch 1,96 m - und dass bei einer im größer werdenden Jugend.
    Der Puma wurde von vornherein - vor 16 Jahren! - auf das 75te Perzentil (für Männer) ausgelegt in der funktionalen Fähigkeitsforderung.

    Kommentar

    • Nemere
      Cold Warrior
      • 12.06.2008
      • 2855

      #3
      Ändert aber nichts an den Hauptproblemen:
      - Auslieferungszeitpunkt um fünf Jahre überschritten
      - 55 % teuerer
      - offenbar - wie so vieles andere bei der Bundeswehr - allenfalls "bedingt einsatzbereit".

      Kommentar

      • Malefiz
        Cold Warrior
        • 22.12.2010
        • 376

        #4
        Und das beim höchsten Verteidigungsetat aller Zeiten. Nix fliegt, nix fährt und nix schwimmt.

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        • Berlin Brigade
          Warrior
          • 10.05.2014
          • 82

          #5
          Wir haben so eine große, teure Zulassungsbürokatie und kriegen nicht mal die Maße passend hin. Das ist auf die Dauer beunruhigend.
          Vermutlich muss man auf viele Eigenentwicklungen verzichten und mehr bei Partnern von der Stange kaufen, wenn man teure Eigenentwicklungen wirklich nie richtig und immer nur zu spät und zu teuer hinkriegt.

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          • Nemere
            Cold Warrior
            • 12.06.2008
            • 2855

            #6
            Die Waffensystementwicklungen der Bundeswehr sind wirklich eine Geschichte voller Höhen und Tiefen - wobei in den letzten Jahren (oder eher Jahrzehnten) die Tiefen vorherrschen.

            Es begann mit einem absoluten Flop - dem HS 30.

            Dann kamen wirkliche Höhepunkte: Leopard 1 mit der ganzen Panzerfamilie, MARDER, Leopard 2. Bei der Luftwaffe die TRANSALL - sie fliegt und fliegt und fliegt.

            Was nach dem Ende des Kalten Krieges entwickelt wurde, löst dagegen nicht gerade Begeisterungsstürme aus: PUMA, Airbus A 400 M, NH 90, auch der Kampfhubschrauber TIGER scheint nicht ohne Probleme zu sein. Von den auch eher nicht einsatzbereiten Fregatten und U-Booten der Marine nicht zu reden. Eine der wenigen Ausnahmen scheint die PzHaubitze 2000 zu sein, von der man kaum etwas Negatives hört.

            Komischerweise liefen die vor allem von den Amerikanern zugekauften Systeme problemlos und das über Jahrzehnte hinweg. Zwar nicht immer die allertollste Technik, aber robust, eigentlich immer einsatzbereit und ohne diese gigantischen Entwicklungskosten.
            Das begann schon in den Anfangsjahren, als das PzGrenLehrBtl den dort eingeführten US-SPz M 39 behalten wollte und lieber noch einige Jahre auf einen wirklich brauchbaren SPz gewartet hätte, als den untauglichen HS 30 zu nehmen. Der M 39 war robust, schnell, hatte genügend Platz und war im Vergleich zum HS 30 immer einsatzbereit.
            Der M 48 fuhr fast 40 Jahre ohne nennenswerte Probleme. Der M 113 ist eine primitive Kiste, aber er läuft und läuft und läuft - fast wie der Käfer seligen Angedenkens. Mit der PzH M 109 gab es nie Schwierigkeiten.
            Ähnlich sieht es bei den Hubschraubern aus. Die Bell UH1-D fliegt jetzt seit 50 Jahren bei der Bundeswehr und ein Ende ist nicht abzusehen, genauso sieht es mit der CH-53G aus.

            Grüße
            Jörg

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            • Malefiz
              Cold Warrior
              • 22.12.2010
              • 376

              #7
              Ja, kann man noch um die teuersten konventionellen U-Boote ergänzen, vor einigen Monaten Einsatzbereitschaft gleich Null. Gefühlt hatte ich den Eindruck, dass der Wehretat niedriger ist wie in den Achtzigern. Aber weit gefehlt. Vermutlich sollte man mal anfangen eine eigene Rüstungsindustrie und ein Beschaffungswesen zu installieren, das funktioniert. Wir wollten immer Eier-legende-Wollmilchsäue, Starfighter ist ein Beispiel. Jörgs Beispiele zeigen eigentlich, dass etwas einfacher besser ist. Ich denke der Fehler liegt in den Strukturen. Und dem Kopf.
              1979 musste ich eine Zeit lang G3-Meldungen tippen, wenn man unter 90% Einsatzbereitschaft lag gab es massiv Ärger. Von dieser Zahl sind wir weit entfernt.
              Ich mag ihn nicht, aber Trump ist vielleicht ganz heilsam.

              Kommentar

              • kato
                Cold Warrior
                • 03.03.2009
                • 882

                #8
                Zitat von Nemere Beitrag anzeigen
                Komischerweise liefen die vor allem von den Amerikanern zugekauften Systeme problemlos und das über Jahrzehnte hinweg.
                Gegenbeispiele: M47, M41, PzH M7, PzH M44, PzH M52, FlaPz M16...

                Kommentar

                • Hoover
                  Cold Warrior
                  • 19.12.2013
                  • 601

                  #9
                  Dder Puma stand schon bie der Erptobung in der Kritik. Zum Beispiel habe ich in Hammleburg mit Weste etc nicht in die Sitze im Kampfraum gepasst. Das führte soweit, dass wir die Westen auszigen und erst nach dem Absitzen anzogen. Heute ist es immer noch eng, und ich bin mit 188cm und 90kg damals eher Durchschnitt gewesen. Das MG4 als Koaxwaffe, damals sofort von allen bemängelt, wird nun ja vom MG 5 ersetzt...für viel Geld.

                  Der Tiger ist eigentlich gut. Die Franzosen haben eine weitaus teurere Version gekauft und setzen den (mit Kinnkanone) recht erfolgreich ein. Deutschland hat ein abgespecktes Modell gekauft, welches halt billig ist...und schlecht.

                  Da kommt, weil das letzte Wort immer die Politiker haben und irgendwelche Beamte, die selbst nicht wissen, wovon sie reden.

                  Heute gelten andere Faktoren als so schnöde Sachen wie EInsatzbereitschaft. Da geht es um Stützung der deutschen Firmen, Lobbyarbeit etc. In meinen letzten Jahren beim Bund war ich VDF in einer AGA-Kp in einem TrspBtl. Wenn unsere Fz da unter 90% fielen, dann stand um 10 Uhr der TOffz im Büro. Bei meinen Waffen in der WaKa ähnlich. Auch als AGA-Kp musste ich bei meinen 178 G3 und 12 MG 3 und 15 MP2A1 mindestens 90% Einsatzbereitschaft vorlegen. Und wenn wir mit der WaffenInst den Abend über geschraubt haben.

                  Heute schaffen selbst FalliKp selten 90 %, von bestimmten Waffen (MP7 z.B.) nicht mal 50%. Und wenn ich lese, dass für Übungen aus ganz Deutschland zuammen geliehen werden muss, um zwei Kp einsatzbereit zu bekommen, dass kann man sich ausmalen was passiert, wenn wirlich eine ernste Bedrohungslage kommt. Wir kriegen nciht mal ein Bataillon aus eigener Kraft in den Einsatz.
                  "Damals, als ich in meinem Alter war..."

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                  • bombastic
                    Rekrut
                    • 30.06.2007
                    • 40

                    #10
                    Zitat von kato Beitrag anzeigen
                    Gegenbeispiele: M47, M41, PzH M7, PzH M44, PzH M52, FlaPz M16...
                    Aber der Starfighter toppt das alles!

                    Kommentar

                    • Nemere
                      Cold Warrior
                      • 12.06.2008
                      • 2855

                      #11
                      Zitat von kato Beitrag anzeigen
                      Gegenbeispiele: M47, M41, PzH M7, PzH M44, PzH M52, FlaPz M16...
                      Ich könnte jetzt einfach sagen:

                      Es war zum damaligen Zeitpunkt
                      - nichts Besseres
                      - in genügender Stückzahl
                      - zu tragbaren Kosten
                      - in kurzer Zeit
                      verfügbar – zumindest nicht im Rahmen der NATO. Einige nähere Ausführungen dazu:

                      1. Was wäre denn z.B. die Alternative zum M 47 gewesen?
                      Der britische Centurion? Hatte 1955 keine NATO-standardisierte Bordkanone, war deutlich langsamer und unbeweglicher als der M 47.
                      Der französische AMX-13? Hatte 1955 eine 75 mm Kanone und entsprach nicht den deutschen Vorstellungen eines „Main Battle Tank“. Die Kanone erwies sich bereits im ersten Einsatz 1956 im Suezkrieg als ungenügend.
                      Der ARL 44 der Franzosen war 1955 schon nicht mehr verfügbar, wäre außerdem ähnlich schwerfällig wie der Centurion gewesen.
                      Das immer wieder zu hörende Gejammer über den M 47 als völlig veraltetes Fahrzeug trifft nicht zu. Die Fertigung begann 1951, das Fahrzeug war also bei seiner Einführung in die Bundeswehr gerade mal 5 Jahre alt. Der M 47 war von vorneherein bei der US-Army als Zwischenlösung, als Ersatz des veralteten M 46 bis zur Einführung des M 48 geplant. Daher war er nach Fertigung von ausreichend Fahrzeugen des KPz M 48 ab etwa Ende 1954 für die Ausrüstung anderer NATO-Staaten verfügbar und zwar in genügender Stückzahl zu moderaten Preisen verfügbar.
                      Es wäre Mitte der 1950er Jahre unmöglich gewesen, die Bundeswehr in der benötigten Anzahl nur mit M 48 auszurüsten, da diese nicht zur Verfügung gestanden hätten.
                      So schlecht kann der M 47 gar nicht gewesen sein, wenn man sich anschaut, wo er überall verwendet wurde: Nahezu in der gesamten NATO (Belgien, Frankreich, Griechenland, Italien, Niederlande, Portugal, Spanien, Türkei), in Österreich, Jugoslawien usw.

                      Ein Problem scheint zumindest anfangs die Ersatzteillage gewesen zu sein, aber damit geraten wir wieder in Bereich eines damaligen Rüstungsskandals (Goergen – Henschel).

                      Eine recht objektive Bewertung des M 47 findet sich in dem Buch: 50 Jahre Panzertruppe der Bundeswehr 1956 – 2006, hrsg. vom Freundeskreis der Offiziere der Panzertruppe, Uelzen 2006, S. 111 – 112. Einige Sätze daraus:
                      Man hatte zum damaligen Zeitpunkt auch keine Auswahlmöglichkeiten, sondern musste die Fahrzeuge nehmen, die am Markt verfügbar waren, bzw. angeboten wurden.
                      … Besaß der M 47 ein fortschrittliches Laufwerk und ein Automatikgetriebe mit Drehmomentwandler. … Durch das Automatikgetriebe … war das Fahrzeug sehr leicht zu fahren. … Beim Schulschießen erwies sich die Treffleistung der Waffe bis ca. 1400 m als sehr gut. …


                      Bemängelt werden zu Recht der hohe Verbrauch und die Ausfallneigung gewisser Bauteile. Man kommt zu dem Fazit: „Wenn der M 47 auch nirgendwo Bestnoten erreichte, so konnte den deutschen Panzermännern der ersten Stunde mit diesen Fahrzeug doch eine solide taktische und schießtechnische Grundausbildung gegeben werden.“

                      2. Beim M 41 (eingesetzt in den Anfangsjahren der Bw als Panzerjäger und Aufklärungspanzer) hätte man über den AMX-13 als Alternative nachdenken können. Der M-41 war aber deutlich schneller, hatte ein wesentlich besseres Leistungsgewicht und damit eine bessere Beweglichkeit. Für die Verwendung als Aufklärungspanzer hätte beim AMX-13 die höhere Reichweite gesprochen.
                      Der M 41 war 1955 in der US-Army noch in hoher Stückzahl im Einsatz und galt als gute Kombination aus Bewaffnung, Geschwindigkeit und Panzerung, allerdings mit einem hohen Geräuschpegel.
                      Zum M 41 ein Urteil aus der Panzergrenadiertruppe, die dieses Fahrzeuge bis zur Einführung des Kanonenjagdpanzers als Panzerjäger einsetzte: „In der frühen Panzergrenadiertruppe wurde dieser leichte Kampfpanzer aufgrund seiner hohen Geschwindigkeit, seiner Geländegängigkeit, seiner starken Bewaffnung und hier besonders der präzise schießenden 76,2 mm Bordkanone uneingeschränkt geschätzt. Hinzu kam, dass er sich in jenen Jahren auch als recht unanfällig erwies.“
                      (Richter, Klaus Christian (Hrsg.): Panzergrenadiere. Eine Truppengattung im Spiegel ihrer Geschichte, Munster 2004, S. 223).


                      3. Die Panzerhaubitze 105mm M 7. Die hervorragenden ballistischen Eigenschaften der 105 mm Haubitze dieses Fahrzeugs sind eigentlich unumstritten und werden von Artilleristen, die damit noch geschossen haben, immer wieder erwähnt. Natürlich gab es altersbedingt in den 1960er Jahren vermehrt Probleme mit Motor und Fahrwerk. Siehe z.B. Krug, Hans – Joachim, 25 Jahre Artillerie der Bundeswehr, Friedberg 1982, S. 186. Die M 7 lief bis in die Mitte der 1960er Jahre bei zahlreichen Staaten.

                      Sicherlich war die M 7 aber brauchbarer, als der bundesdeutsche Irrweg der Feldhaubitze 105 mm auf dem Faun-Geräteträger GT 8/15.

                      4. M 52 und M 44: Was hätte man sonst einkaufen sollen? Bei den Franzosen gab es noch keine Panzerartillerie, die Panzerhaubitze AMX 105 befand sich 1955 noch im Versuchsstadium und scheint kein so besonderer Erfolg gewesen zu sein. Die Schweiz verzichtete jedenfalls nach dem Kauf einiger Versuchsmodelle auf eine Beschaffung.
                      Die Briten hatten die SEXTON mit einem nicht NATO-standardisierten Geschütz im Kaliber 83,4 mm, das Fahrzeug wies ähnliche Leistungen wie die M 7 auf. Zudem war dieses Fahrzeug nicht mehr in der Produktion.

                      5. Fla-Panzer M 16.
                      Natürlich keine berauschende Lösung, aber auch hier gilt: Es gab nichts anderes in ausreichender Stückzahl. Der M 42 war 1955 eben erst in der amerikanischen Armee eingeführt worden und stand noch nicht in genügender Anzahl für den Export zur Verfügung. Auch war der M 16 wirklich nur eine Übergangslösung für wenige Jahre und wurde bereits um 1960 ausgesondert.
                      Es gelang aber auch in der Folgezeit nicht, genügend M 42 zu beschaffen, um die in der Heeresstruktur 2 vorgesehene Gliederung der Heeresfla mit einem Bataillon pro Division und einer Batterie pro Brigade zu erreichen. Die Brigade-Fla-Batterien wurden bereits nach wenigen Jahren aufgelöst, um wenigstens die Divisions-Bataillone voll aufstellen zu können.

                      6. Zumindest hat die Bundeswehr nicht alle Fehlentwicklungen der US-Army mitgemacht. Auf den ursprünglich als Ausstattung der 5. Kompanien der Panzerbataillone vorgesehenen schweren Kampfpanzer hat man bald ersatzlos verzichtet. In Frage gekommen wäre hier nur der amerikanische M 103 oder britische Conqueror, beides Fahrzeuge die aufgrund ihrer Unzulänglichkeiten nie die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen konnten. Den Auftrag dieser Fahrzeuge als „Überwachungspanzer“, die Bekämpfung feindlicher Kampfpanzer auf große Entfernungen, übernahmen dann bald die Panzerabwehrraketen, hier nahm die Bundeswehr in Zusammenarbeit mit Frankreich bald eine führende Rolle ein.
                      Auch an den ersten amerikanischen Versuchen mit MTW (M 59 und M 75) beteiligte man sich nicht, sondern führte dann erst den M 113 ein.

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                      • Nemere
                        Cold Warrior
                        • 12.06.2008
                        • 2855

                        #12
                        Zitat von bombastic Beitrag anzeigen
                        Aber der Starfighter toppt das alles!
                        Ich meine, das Problem lag weniger am Starfighter, sondern an dem, was in der Bundeswehr aus diesem Flugzeug gemacht wurde.
                        Der Starfighter war als „Interceptor“ konzipiert, als Abfangjäger mit hoher Geschwindigkeit und gutem Steigvermögen, um in großer Höhe einfliegende Bomber abfangen zu können. Dafür war er sehr gut geeignet und nur in diesem Aufgabenbereich wurde er auch von der US-Airforce eingesetzt.

                        In dieser Rolle flog er allerdings bei der Bundeswehr nie, hier sollte er die schwere Allzweckmaschine sein mit folgenden Rollen:
                        - Strike-Einsätze mit Atombomben. Hierfür war er wegen zu geringer Reichweite und nicht ausreichender Zuladung nicht besonders geeignet
                        - Jagdbomber: Keine gute Eignung wegen zu geringer Zuladung, großer Empfindlichkeit und zu hoher Geschwindigkeit für CAS-Einsätze. Die früh bekannte Neigung des Starfighter zur Instabilität in bestimmten Flugsituationen war beim Jagdbombereinsatz eines der größten Probleme.
                        - Aufklärer: Wieder zu geringe Reichweite, zu hohe Geschwindigkeit und Probleme, die entsprechende Ausrüstung unterzubringen.

                        Der Starfighter war eine fliegende Rakete und wurde von der Bundesluftwaffe als multifunktionale Mehrzweckwaffe mißbraucht.
                        Hinzu kam eine mit diesem komplexen Flugzeug völlig überforderte Bodenorganisation.

                        Die ganze Problematik ist sehr ausführlich beschrieben bei Lemke, Bernd / Krüger, Dieter / Rebhan, Heinz / Schmidt, Wolfgang: Die Luftwaffe 1950 bis 1970. Konzeption, Aufbau, Integration (Sicherheitspolitik und Streitkräfte der Bundesrepublik, 2) München 2006, vor allem in dem Aufsatz von Bernd Lemke: Die Beschaffung der Waffen im politischen, strategischen und technologischen Beziehungsfeld (S. 321 – 425).

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                        • Berlin Brigade
                          Warrior
                          • 10.05.2014
                          • 82

                          #13
                          Italien und Spanien hatten mit der F-104 auch wesentlich weniger Probleme und Abstürze. Die Bundeswehr war damals noch im Aufbau und von dem technischen Niveau des Waffensystems überfordert. Mit erfahrenen Leuten von der Frontwartung a la WK2 war da nichts mehr zu machen. Außerdem wurden Übungsflüge damals tief und brutal gefährlich gemacht. Da hat sich vieles sehr gut verändert, um auch mal was Positives zu sagen.

                          Kommentar

                          • klaus_erl
                            Cold Warrior
                            • 14.04.2013
                            • 1059

                            #14
                            Zitat von Nemere Beitrag anzeigen
                            1.Das immer wieder zu hörende Gejammer über den M 47 als völlig veraltetes Fahrzeug trifft nicht zu. Die Fertigung begann 1951, das Fahrzeug war also bei seiner Einführung in die Bundeswehr gerade mal 5 Jahre alt. Der M 47 war von vorneherein bei der US-Army als Zwischenlösung, als Ersatz des veralteten M 46 bis zur Einführung des M 48 geplant. Daher war er nach Fertigung von ausreichend Fahrzeugen des KPz M 48 ab etwa Ende 1954 für die Ausrüstung anderer NATO-Staaten verfügbar und zwar in genügender Stückzahl zu moderaten Preisen verfügbar.
                            Es wäre Mitte der 1950er Jahre unmöglich gewesen, die Bundeswehr in der benötigten Anzahl nur mit M 48 auszurüsten, da diese nicht zur Verfügung gestanden hätten.
                            So schlecht kann der M 47 gar nicht gewesen sein, wenn man sich anschaut, wo er überall verwendet wurde: Nahezu in der gesamten NATO (Belgien, Frankreich, Griechenland, Italien, Niederlande, Portugal, Spanien, Türkei), in Österreich, Jugoslawien usw.

                            Ein Problem scheint zumindest anfangs die Ersatzteillage gewesen zu sein, aber damit geraten wir wieder in Bereich eines damaligen Rüstungsskandals (Goergen – Henschel).

                            Eine recht objektive Bewertung des M 47 findet sich in dem Buch: 50 Jahre Panzertruppe der Bundeswehr 1956 – 2006, hrsg. vom Freundeskreis der Offiziere der Panzertruppe, Uelzen 2006, S. 111 – 112. Einige Sätze daraus:
                            Man hatte zum damaligen Zeitpunkt auch keine Auswahlmöglichkeiten, sondern musste die Fahrzeuge nehmen, die am Markt verfügbar waren, bzw. angeboten wurden.
                            … Besaß der M 47 ein fortschrittliches Laufwerk und ein Automatikgetriebe mit Drehmomentwandler. … Durch das Automatikgetriebe … war das Fahrzeug sehr leicht zu fahren. … Beim Schulschießen erwies sich die Treffleistung der Waffe bis ca. 1400 m als sehr gut. …


                            Bemängelt werden zu Recht der hohe Verbrauch und die Ausfallneigung gewisser Bauteile. Man kommt zu dem Fazit: „Wenn der M 47 auch nirgendwo Bestnoten erreichte, so konnte den deutschen Panzermännern der ersten Stunde mit diesen Fahrzeug doch eine solide taktische und schießtechnische Grundausbildung gegeben werden.“

                            2. Beim M 41 (eingesetzt in den Anfangsjahren der Bw als Panzerjäger und Aufklärungspanzer) hätte man über den AMX-13 als Alternative nachdenken können. Der M-41 war aber deutlich schneller, hatte ein wesentlich besseres Leistungsgewicht und damit eine bessere Beweglichkeit. Für die Verwendung als Aufklärungspanzer hätte beim AMX-13 die höhere Reichweite gesprochen.
                            Der M 41 war 1955 in der US-Army noch in hoher Stückzahl im Einsatz und galt als gute Kombination aus Bewaffnung, Geschwindigkeit und Panzerung, allerdings mit einem hohen Geräuschpegel.
                            Zum M 41 ein Urteil aus der Panzergrenadiertruppe, die dieses Fahrzeuge bis zur Einführung des Kanonenjagdpanzers als Panzerjäger einsetzte: „In der frühen Panzergrenadiertruppe wurde dieser leichte Kampfpanzer aufgrund seiner hohen Geschwindigkeit, seiner Geländegängigkeit, seiner starken Bewaffnung und hier besonders der präzise schießenden 76,2 mm Bordkanone uneingeschränkt geschätzt. Hinzu kam, dass er sich in jenen Jahren auch als recht unanfällig erwies.“
                            (Richter, Klaus Christian (Hrsg.): Panzergrenadiere. Eine Truppengattung im Spiegel ihrer Geschichte, Munster 2004, S. 223).
                            AUS vielen Gesprächen mit meinem alten Herrn, der während seiner Wehrdienstzeit als Zeitsoldat beide Panzer fuhr kann ich diese Erläuterungen nur bestätigen. Es war beides sicher nicht das Allermodernste, aber robuste und praxistaugliche Technik. Kleinere Macken hatten diese, wie auch praktisch alle anderen Fahrzeuge.

                            Lediglich der recht große Durst der amerikanischen Motoren war ihm als recht lästig in Erinnerung, zumal sie anfangs auch noch amerikanische Kanister mit einer recht großen Öffnung zum Betanken im Feld verwenden mussten. Ohne Trichter ging da gar nichts, mit Trichter musste man elendig auf das Missverhältnis der Durchflussmengen achten, der Trichter floss leicht über. Als sie dann wieder Nachbauten des Wehrmachts-Einheitskanisters erhielten, die ja bis heute geradezu Klassiker sind, entschärfte sich auch das.

                            Klaus

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                            • DeltaEcho80
                              Cold Warrior
                              • 09.03.2013
                              • 1718

                              #15
                              Zitat von klaus_erl Beitrag anzeigen
                              AUS vielen Gesprächen mit meinem alten Herrn, der während seiner Wehrdienstzeit als Zeitsoldat beide Panzer fuhr kann ich diese Erläuterungen nur bestätigen. Es war beides sicher nicht das Allermodernste, aber robuste und praxistaugliche Technik. Kleinere Macken hatten diese, wie auch praktisch alle anderen Fahrzeuge.
                              Das war doch auf der "Gegenseite" auch nichts anderes. Ein guter Bekannter war in den 1980er Jahren Panzer-Kutscher bei der NVA. Der hat bei der Russentechnik mit dem 500gr-Hammer geschaltet, weil die Gänge sonst nicht rein gingen. Aber das Ding fuhr und jeder hatte Angst davor.

                              Zum Thema Starfighter: Die sicherlich zur Genüge bekannten und im Netz verfügbaren Informationen beschreiben ja genau die von Nemere angesprochenen Punkte. Die Luftwaffe wollte oder sollte aus der F104 die eierlegenden Wollmilchsau machen und hat die Maschine, das Technikpersonal und vor allem die Piloten damit völlig überfordert.
                              Das Ganze wird für mich zum Politikum, wenn man mal mit dem Licht danach leuchtet, welcher Verteidigungsminister hier den Hut auf hatte - war das nicht der, der auch den HS 30 beschaffte?

                              Für mich ein aktuelles Beispiel - der Airbus M400. Hier verlangt die Bundeswehr von Airbus, dass ein komplett neu entwickeltes Flugzeug gebaut wird, welches alle möglichen Raffinessen besitzt. Wieso nimmt man nicht ein verfügbares Modell (Hercules C130?) und baut das für sich um?
                              Airbus hat ja selbst verlauten lassen, dass es ein sehr großer, geschäftspolitischer Fehler war, sich auf das Thema einzulassen.

                              Und diese schier unerfüllbaren Anforderungen haben wir doch bei allen Beschaffungsvorhaben der "Neuzeit". Einzig positives Beispiel - der neue Hubschrauber für das KSK. Hier wurde ein serienmäßig verfügbares Modell von Eurocopter genommen und nur ein wenig modifiziert. Beschaffungsdauer ca. 2,5 Jahre und das Ding macht seine Sache gut. Siehe u.a. auch hier: https://augengeradeaus.net/2017/06/a...-hubschrauber/

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