Als beim Feldheer die leistungsgesteigerte leichte Panzerfaust eingeführt wurde, kamen die freiwerdenden schweren Panzerfäuste zu anderen Truppenteilen. Die Feldjägertruppe rüstete bei Einführung der Heeresstruktur 4 komplett um. Wir gaben die leichten Panzerfäuste ab und erhielten die schwere Panzerfaust. Über die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme braucht man nicht zu diskutieren - von wegen Größe und Handhabbarkeit dieser Waffe bei einer Truppengattung, die meistens in recht kleinen Teileinheiten eingesetzt ist.
Da ein Teil der Feldjäger nach Ende des Aufmarsches zum Feldheer getreten wäre, hätte es absehbar Versorgungsschwierigkeiten für die Panzerfäuste dieser Kompanien gegeben, da eben die HL-Munition für die schwere Panzerfaust beim Feldheer nicht mehr in der Versorgungskette war. Es gab also sofort Proteste von seiten der G-4-Abteilungen der Korps und Divisionen. Binnen weniger Jahre hatte das sogar das Ministerium erkannt und so erfolgte ab etwa 1987/88 der Schritt zurück. Schwere Panzerfaust abgeben, leichte Panzerfaust wieder empfangen.
Bei zahlreichen Geräteeinheiten des Territorialheeres spielte sich das gleiche Spiel ab. Es gab sogar nicht aktive WHNS-Verbände, die man mit der schweren Panzerfaust "beglückte".
Der einzige Vorteil der Ära "schwere Panzerfaust" bei den Feldjägern war, das es bei Truppenübungsplatzaufenthalten Gefechtsmunition ohne Ende für diese Waffe gab, so dass wirklich ausgiebig mit den HL-Patronen geschossen werden konnte. Das steigerte die Handhabungssicherheit deutlich. Die Gefechtspatrone der sPzFst hatte ja die Besonderheit, dass vor dem Schießen der sog. "Vorstecker", ein Sicherungssplint vorne am Zünder entfernt werden musste. Dieser Handgriff konnte mit den Übungsschießgeräten, mit denen sonst vor allem geschossen wurde, nicht geübt werden und wurde daher folglich beim Schießen mit Gefechtsmunition gerne vergessen. Folge: Blindgänger im Zielgebiet, zur Freude der Übungsplatzfeuerwerker. Ich erinnere mich allerdings daran, dass Teile der Munition offensichtlich schon recht alt waren und es unverhältnismäßig viele Versager, vor allem der Anzündhütchen, gab. Das hatte den ungewollten Effekt das eben auch das Verhalten bei Versagern geübt wurde - Abzugsvorrichtung nochmal spannen, nochmal abdrücken und wenn dann immer noch nichts passiert, zwei Minuten im Anschlag bleiben.
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