Heeresstruktur 4 zu panzerlastig?

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  • Lazarus
    Rekrut
    • 27.02.2026
    • 3

    #1

    Heeresstruktur 4 zu panzerlastig?

    Servus, meine Hauptfrage ist folgende:

    War die Heeresstuktur 4 für die Landesverteidigung im dicht besiedelten DE nicht doch zu panzerlastig bzw. verfügte nicht über genügend Panzergrenadiere?

    Eine PzBrig in der HS4 hatte ja bekanntlich 8 PzKp und 4 PzGrenKp aufgteilt auf 4 Bataillone, also ein Verältnis von 2:1 bei PzKp zu PzGrenKp.
    Eine PzGrenBrig hatte das Gegenteil mit einem Verhältnis von 1:2 (PzKp zu PzGrenKp)
    Insgesamt gab es 17 PzBrig und 15 PzGrenBrig.

    DE hat eine hohe Bevölkerungsdichte, ist stark urbanisiert und hat viele natürliche Engstellen, Flüsse und Wälder. Eigenschaften, die eigenltich einen höheren PzGren-Anteil rechtfertigen würden.

    Im 2. WK wurde ja bereits klar, dass die anfänglichen PzDiv (Verhältnis 2:1 bei PzBtl zu PzGrenBtl) nichts taugen.
    Die Wehrmacht wechselte im Verlauf des Krieges zum Verhältnis 1:2 und kam damit ziemlich gut klar.

    Die Sowjets hatten während des kalten Krieges infanterielastige MotSchützDiv in der ersten Reihe, erst danach folgten die PzDiv.

    Wie konnte man also den hohen Panzer-Anteil in der HS4 rechtfertigen und hätte das im Verzögerungsgefecht funktioniert?
  • Nemere
    Cold Warrior
    • 12.06.2008
    • 2880

    #2
    Wenn wir von Stand 1988 ausgehen, komme ich auf etwas andere Zahlen.

    Feldheer:
    16 Panzerbrigaden
    16 Panzergrenadierbrigaden plus zwei unterstellte Heimatschutzbrigaden (51 und 56) = 18 Panzergrenadierbrigaden. Wobei die HSchBrig 56 mit 2 Panzer- und 2 Panzergrenadierbataillonen ein Sonderfall ist.

    Bei den Panzergrenadierbrigaden muss man im Blick behalten, dass die PzGrenBtl dort nur 2 SPz-Kompanien hatten. Die 4. Kompanie war eine MTW-Kompanie, die beim Einsatz gewissen Einschränkungen unterlag.

    Dazu kommen an Infanterie beim Feldheer noch drei Luftlandebrigaden und 1 Gebirgsjägerbrigade.

    Das ursprüngliche Konzept, die LL-Brigaden als luftbewegliche Korpsreserve einzusetzen, hatte sich spätestens Mitte der1980er Jahre als unbrauchbar herausgestellt. Die LL-Brigaden 25 und 26 wurden mit der GebJgBrig 23 unter Führung der 1. LL-Division als Frontdivision im Bayerischen Wald eingesetzt, dadurch wurden die mechanisierten Brigaden der 1. Gebirgsdivision für den „Fall Österreich“ bzw. als Reserve des II. (GE) Korps frei.
    Die LLBrig 27 blieb zwar beim I. (GE) Korps, wurde aber dort genauso direkt an der Front eingesetzt, um eine mechanisierte Brigade als Reserve freizumachen.

    Beim Feldheer müssen wir bei dieser Betrachtung noch einbeziehen:
    Pro Division zwei Jägerbataillone (nicht bei LL-Div). In fast allen Fällen wurden diese Bataillone bei den Brigaden eingesetzt, so dass sich das Verhältnis erheblich in Richtung Infanterie verschiebt.
    Weiter hatte jede Division (wieder ohne LL-Div) ein Panzeraufklärungsbataillon. Diese Bataillone wurden eher selten geschlossen als Aufklärungsverbände eingesetzt, sondern waren fast immer Verzögerungsverbände und danach Divisionsreserve. In manchen Fällen war das verstärkte Panzeraufklärungsbataillon auch als „vierte“ Brigade direkt am VRV eingesetzt, bestes Beispiel ist das PzAufklBtl 12 in Unterfranken (Haßberge – Raum Manau).

    Weiter haben wir beim Territorialheer noch die Heimatschutzbrigaden der 5er und 6er Reihe.
    Von den sechs Brigaden der 5er Reihe waren zwei Brigaden bereits fest dem Feldheer unterstellt:
    - HSchBrig 51 der 6. PzGrenDiv
    - HSchBrig 56 der 1. GebDiv

    Die HSchBrig 55 war bereits in die Deutsch-/Französische Brigade umgewandelt und stand deshalb unter einer Art Führungsvorbehalt. Die verbleibenden HSchBrig 52, 53, 54 waren mit je zwei Panzer- und zwei Jägerbataillonen eine Art Zwitter zwischen Pz- und PzGrenBtl, jedoch war auch hier der Einsatz in Krisensituation beim Feldheer als Einsatzoption vorgesehen.

    Die sechs Brigaden der 6er Reihe hatten je ein Panzer- und zwei Jägerbataillone, wären aber vor allem im rückwärtigen Bereich verwendet worden.

    Außerdem gab es beim Territorialheer noch 15 sehr infanteriestarke Heimatschutzregimenter (gesamt 45 Jägerbataillone).

    Schließlich verfügte das Territorialheer weiter über drei Verfügungstruppenkommandos. Das waren gekürzte Divisionsstäbe zur Führung zusammengefasster Verbände des Territorialheeres, also z.B. Heimatschutzbrigaden und Heimatschutzregimenter. Das beim TerrKdo Süd vorhandene Verfügungstruppenkommando 55 mit unterstellten Kräften wäre z.B. im Raum südlich / südwestlich München eingesetzt worden, wenn hier nach einer Besetzung Österreichs eine Bedrohung durch Kräfte des Warschauer Paktes aus dem Inntal entstanden wäre.

    Weiter darf man bei der Beurteilung des Gefechtswertes / Einsatzwertes des Heeres für die Landesverteidigung nicht nur das Verhältnis Panzer zu Infanterie betrachten, sondern es spielen auch Faktoren wie
    - zusätzliche weitreichende Panzerabwehr (Panzerjäger, Panzerabwehrhubschrauber)
    - Artillerie
    - Sperren (vorbereitete Sperranlagen, Wurfminensperren etc.)
    und anderes eine Rolle.


    Kommentar

    • tannenzapfen
      Cold Warrior
      • 25.01.2022
      • 448

      #3
      Wobei die "Mechanisierung" des Heeres damals ja durchaus kontronvers diskutiert wurde:
      Die Bundeswehr ist für ihre Aufgabe ungeeignet / Von Bundeswehrgeneral Franz Uhle-Wettler Das bundesdeutsche Heer ist übertechnisiert und deshalb zur Verteidigung nicht voll tauglich. Es ist mit seinen »Leopard«-Panzern und »Marder«-Schützenpanzern eher eine Angriffswaffe. Mit dieser These, dargelegt in einer soeben veröffentlichten Studie, schockiert der Brigadegeneral Dr. Franz Uhle-Wettler, Kommandeur einer Panzerbrigade und ab 1. Oktober Planungschef im Nato-Hauptquartier Shape, die Bundeswehrführung. Auszug: Franz Uhle-Wettler: »Gefechtsfeld Mitteleuropa, Gefahr der Übertechnisierung von Streitkräften«. Bernard & Graefe Verlag; 172 Seiten; 12,80 Mark.


      Aber auch Uhle-Wetter hat sich in seiner Darstellung sehr auf das Feldheer konzentriert. Das durchaus infanteriestarke Territorialheer erwähnt er kaum.

      Kommentar

      • Nemere
        Cold Warrior
        • 12.06.2008
        • 2880

        #4
        Der Artikel ist leider in typischer SPIEGEL-Manier zugespitzt, polemisch und einseitig geschrieben.

        Beispiel
        „Unsere für das bedeckte Gelände vorgesehenen Jägerbataillone werden aufgelöst; sie waren ohnehin keine glückliche Konstruktion.“

        Hier bezieht sich der Autor auf die Jägerbrigaden der HStr. 3. Damals waren in vier Jägerbrigaden insgesamt 16 Jägerbataillone vorgesehen. Diese vier Brigaden fehlten allerdings bei den mechanisierten Brigaden, so dass damals nur höchstens 28 dieser Brigaden vorhanden waren. In der Heeresstruktur 4 gab es dagegen allein bei den Divisionen 22 Jägerbataillone, 11 Sicherungsbataillone UND 34 mechanisierte Brigaden. Diese fühlbare Verstärkung der Infanterie nach 1980 im Feldheer wird mit keinem Satz erwähnt.

        Tatsächlich panzerlastig war die Heeresstruktur 2.
        - Viele Panzergrenadierbataillone waren damals nur dem Namen nach Panzergrenadiere, tatsächlich fuhren sie auf dem Lkw 1,5t oder bestenfalls auf dem MTW M 113. Eine Reihe dieser Bataillone war
        „Ausbildungsbataillon“ und bestand nur aus Ausbildungskompanien. Bei der 12. Panzerdivision, die auf dem Papier fünf Panzergrenadierbataillone SPz haben sollte, gab es jahrelang nur ein einziges dieses Bataillonstyps.
        - die tatsächlich vorhandenen SPz-Bataillone hatten, bedingt durch den HS 30, auch nicht unbedingt eine sehr hohe Absitzstärke.
        - es gab keine Divisionseigenen Jäger- und/oder Sicherungsbataillone
        - auch beim Territorialheer waren bis 1970 nur vereinzelte „Grenadierbataillone“ vorhanden, Großverbände gab es überhaupt nicht.

        Bei der Heeresstruktur 3 änderte sich daran nicht viel.
        - Von den beiden Jägerdivisionen wurde nur die 4. tatsächlich aufgestellt, bei der 2. wurde lediglich eine Brigade in eine Jägerbrigade umgewandelt, dann wurde der Versuch abgebrochen.
        - Jedes Korps sollte ein Panzerregiment als operative Reserve bekommen, was auch dringend erforderlich war. Allerdings wuchs dadurch der Panzerüberhang noch mehr. Auch diese Maßnahme wurde schon nach wenigen Jahren abgebrochen, weil die dann vorhandenen beiden Regimenter dringend zur Aufstellung der noch fehlende Brigaden gebraucht wurden.
        - Divisionseigene Infanteriebataillone gab es nach wie vor nicht.
        - Ein Lichtblick war die Aufstellung der Heimatschutzkommandos (Brigadeebene) bei den Wehrbereichskommandos, diese Großverbände des Territorialheeres waren allerdings von ihrer Konzeption bei realistischer Betrachtung aber mißlungen.

        Wir haben Uhle-Wettlers Konzepte schon mal diskutiert

        https://cold-war.de/home/forum/stand...A4rke-pzgrenkp

        z.B. Beiträge 7 und 8

        Kommentar

        • Thunderhorse
          Cold Warrior
          • 09.02.2006
          • 1973

          #5
          Zitat von Lazarus Beitrag anzeigen
          Servus, meine Hauptfrage ist folgende:

          War die Heeresstuktur 4 für die Landesverteidigung im dicht besiedelten DE nicht doch zu panzerlastig bzw. verfügte nicht über genügend Panzergrenadiere?

          Eine PzBrig in der HS4 hatte ja bekanntlich 8 PzKp und 4 PzGrenKp aufgteilt auf 4 Bataillone, also ein Verältnis von 2:1 bei PzKp zu PzGrenKp.
          Eine PzGrenBrig hatte das Gegenteil mit einem Verhältnis von 1:2 (PzKp zu PzGrenKp)
          Insgesamt gab es 17 PzBrig und 15 PzGrenBrig.

          DE hat eine hohe Bevölkerungsdichte, ist stark urbanisiert und hat viele natürliche Engstellen, Flüsse und Wälder. Eigenschaften, die eigenltich einen höheren PzGren-Anteil rechtfertigen würden.

          Im 2. WK wurde ja bereits klar, dass die anfänglichen PzDiv (Verhältnis 2:1 bei PzBtl zu PzGrenBtl) nichts taugen.
          Die Wehrmacht wechselte im Verlauf des Krieges zum Verhältnis 1:2 und kam damit ziemlich gut klar.

          Die Sowjets hatten während des kalten Krieges infanterielastige MotSchützDiv in der ersten Reihe, erst danach folgten die PzDiv.

          Wie konnte man also den hohen Panzer-Anteil in der HS4 rechtfertigen und hätte das im Verzögerungsgefecht funktioniert?

          Angemeldet und gleich Fragen!

          Wie wärs mit einer Vorstellung!

          Kommentar

          • Lazarus
            Rekrut
            • 27.02.2026
            • 3

            #6
            Danke Nemere und Tannenzapfen für eure Antworten! Der Spiegel-Artikel war durchaus interessant!

            Jetzt zu Nemere:
            Erst einmal danke für die Klarstellung der kleineren Fehler!
            Bei deiner Aussage, dass sich das Verhältnis stark in Richtung Infanterie verschiebt, wenn man die inatkiven Verbände des Feldheeres und Territorialheeres miteinbezieht, kann ich nach aktuellem Wissensstand aber nicht zustimmen.
            Die Jägerbataillone des Territorialheeres hatten fast keinerlei schwere Waffen, geschweige denn genügend Kampfunterstützungs-Einheiten.
            Die HSchBrig waren mit 2 PzBtl und 2 JgBtl (soweit ich weiß 1x auf MTW und 1x auf LKW) höchstens ausgewogen.
            Die 2 inakt. JgBtl jeder mech. Division des Feldheeres hätten auch keinen großen Unterschied gemacht. Vor allem, wenn man bedenkt, dass fünf Manöverelemte in einer Brigade das absolute Maximum von der Führung abverlangen.


            Nehmen wir mal als Beispiel die 6. PzGrenDiv mit direkt untersteller HSchBrig 51 und den 2 inakt. JgBtl:

            Insgesamt kommen wir dann auf 22 PzKp und 32 PzGren- oder JgKp, davon 7 auf MTW und 9 auf LKW.
            Also selbst im absolut besten Fall, kann man im Feldheer nicht von einem adäquaten Verhältnis von Panzertruppe zu Infanterie sprechen.


            Und das obwohl die Veteranen der Wehrmacht und Alliierten klare Erkenntnisse lieferten:

            Die Amerikaner und Briten mussten ihren PzDiv regelmäßig weitere InfReg (RCTs) unterstellen, um das Verhältnis von Pz zu Inf auf 1 zu 2 zu bringen.
            Nur so konnte die 4. US-PzDiv Bastogne befreien. Die Briten kämpften in der Operation Bluecoat mit vier Divisionen, die jeweils eine PzBrig und zwei InfBrig hatten.
            Die Neuseeländer hatten durchweg gute Erfahrungen in Italien mit ihrer 2. InfDiv, welche ebenfalls eine PzBrig und zwei InfBrig hatte.


            Natürlich stimme ich dir zu, dass auch Führungs- und Kampfunterstützung wichtig ist.
            Das Verzögerungsgefecht wird am besten aufgesessen geführt. Panzerspitzen ROT anschießen, auf vorbereitete Stellungen zurückfallen und erneut auflaufen lassen. Dafür eignen sich Panzer hervorragend.

            Trotzdem müssen Sperren überwacht werden. Schlüsselgelände muss im Zweifelsfall verteidigt werden. Der rückwertige Raum und Nachschub muss mit wehrhaften Verbände gesichert werden. Gegenstöße müssen von Infanterie geschützt werden.

            Und: Anzunehmen, dass die Sowjets mit ihren MotSchützDiv nicht doch durch durchschnittenes Gelände vorrücken würden, wäre naiv.
            Da hilft auch ein kein PzAufklBtl (+), welches praktisch keinerlei Absitzstärke mitbringt.


            Vielleicht liege ich aber auch komplett falsch. Hat jemand direkte Erfahrung mit Großmanövern aus dem kalten Krieg? Wie haben sich unsere Verbände geschlagen? Welche Lage wurde angenommen?

            Kommentar

            • Lazarus
              Rekrut
              • 27.02.2026
              • 3

              #7
              Zitat von Thunderhorse Beitrag anzeigen


              Angemeldet und gleich Fragen!

              Wie wärs mit einer Vorstellung!
              Hallo Thunderhorse!
              In dem, bei mir eingeblendeten Pop-Up, wird klar beschrieben, dass man hier ausschließlich sinnvolle Beiträge posten und keine "Hallo"-Nachrichten spammen soll.
              Abgesehen davon muss niemand wissen, wie alt ich bin, wo ich herkomme und oder was ich tue.
              Ich habe Fragen zum Thema und ein bisschen Vorwissen, dass ich hier einbringen kann. Dafür ist ein Forum da.

              Oder seh ich das falsch?

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              • tannenzapfen
                Cold Warrior
                • 25.01.2022
                • 448

                #8
                Zitat von Lazarus Beitrag anzeigen
                Die Jägerbataillone des Territorialheeres hatten fast keinerlei schwere Waffen, geschweige denn genügend Kampfunterstützungs-Einheiten.
                Hm, so wenig war da aber auch nicht da. Ein Heimatschutzregiment kam m.W. für gewöhnlich auf sieben Kanonenjagdpanzer, 18 Mörser und 21 FK 20. Pioniereinheiten waren auch vorhanden, wenn auch nicht immer organisch (z.B. Pionierregiment 76). Und die von Nemere schon angesprochenen Brigaden der "6er Serie" hatten Milan, Leopard 1, schwere Mörser und ein Bataillon leichter Artillerie sowie organische PiKp.

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                • allrad
                  Cold Warrior
                  • 10.02.2014
                  • 156

                  #9
                  Mal ein paar Gedanken von mir zum Thema: Ein anderer Aspekt wäre der schlichte Vergleich der Anzahl von Kpz zu Spz. Hier standen um 1986, also mit dem Zulauf der ursprünglich 4 geplanten Baulose Leo 2 und vor dem Ginn der Aussonderung der Leo 1 A3 und 1A4 zugunsten weiterer Leo 2 Folgende Kpz zur Verfügung: 1800 Leo 2, 2437 Leopard 1 verschiedener Varianten sowie 650 M 48 A2 G A2 (105 mm). Die noch vorhandenen 232 M 48 A2 G C und A2 G A1 mit der 90 mm Waffe waren nur noch eingelagert für die Umrüszung zum Keiler und deshalb lasse ich sie außen vor. Also 4887 Kpz. An Spz standen 2136 Marder zur Verfügung. Also rein rechnerisch mehr als 2 Kpz pro Spz. Dieses Verhältnis relativiert sich allerdings durch zahlreiche Kpz, die nicht in der Pz. Truppe eingesetzt waren. 23 x 7 Kpz, also 154 Kpz waren in den Panzerabwehrzügen der Jäger Btl der Hsch Brig eingesetzt. Weitere 17(?) in der Gebirgspanzerjägerkompanie. 385 befanden sich in den Pz Aufkl Btl. Wobei diese oft wie Pz Btl eingesetzt werden sollten. Von den 18 Pz Btl der Hsch Brigaden waren 4 für das Feldheer forgesehen, die anderen 14 mit 490 Kpz waren mehr oder minder zum Schutz rückwärtiger Räume vorgesehen wo Pz Gren nicht zur Verfügung standen. Selbst wenn man diese rund tausend Kpz aus dem Verhältnis Kpz zu Spz herausrechnet gigt es immer noch annähernd doppelt so viele Kpz wie Spz in den Verbänden des Feldheeres.
                  Ob sich daraus ableiten lässt, dass das Heer zu panzerlastig war oder auch nicht denke ich kaum.

                  In den offengelegten GDP Planungen im Bundesarchiv ist mir aus dem GDP der Pz Brig 3 ist von einer Grenadierschwäche am Kanal die Rede. Man wollte mehr Panzergrenadiere, allerdings im Tausch auch keine Panzer abgeben. Die Signatur liefere ich nach.
                  Hier ist also eher eine Schwäche an Grenadieren in der Grundgliederung bemängelt wordem sowie die Tatsache, dass dieses in der Truppeneinteilung nicht abgestellt wurde.
                  Was wieder zu der Gliederung des Heeres in der Hstr. 4 führt.
                  Das Thema hat ja Nemere bereits ausführlich dargestellt. In meiner Bewertung war die Gliederung der Hstr 4 in einigen Teilen nicht besonders glücllich. Ein Blick in die geplante Hstr. 2000 zeigt wie die Heeresplaner das gesehen haben. Es fällt auf, dass die mechanisierten Brigaden nun symetrisch angedacht waren, also je 2 Pz und Pz Gren Btl. Die Pz. Gren. Btl sollten durchgängig Spz erhalten. Die Verlegenheitslösung mit Panzergrenadieren auf Mtw entfiel. Weitere Brigaden waren eher Infantriestark geplant, mit Panzerabwehrkampfwagen an Stelle von Kpz. Also die Abkehr von dem Grundsatz der Hstr. 4 alle Brigaden des Feldheeres sollen in jedem Gelände einsetzbar sein. Mit der Ausnahme der LL und Geb Brig natürlich.
                  Ich denke, unter dem Strich gab es zumindest im Feldheer nicht zuviele Panzer sondern zuwenig Schützenpanzer. Ein weiteres Los Marder um die Mtw Kp au Spz umrüsten zu können und den Pz Aufklärern eine Spz Komponente zur Verfügung zu stellen hätte da schon etwas bewirkt. Ein weiterer Mangel hätte mit dem freiwerdenden Mtw gemildert werden können: Die fehlende Möglichkeit der Jg Btl D ihre Jäger unter Panzerschutz verlegen zu können. Hier wäre eine Teilausstattung mit Mtw oder eine gep Trsp Komponente schon sehr hilfreich gewesen.
                  Man könnte formulieren, dass die Pz Gren bei der Verteilung der Ressorcen eher nicht so gut wegkamen. Ob dieses nun daran lag, dass die Pz. Truppe übermäßig viel Ressorcen bekam? Vielleicht.
                  Allerdings waren die hohen Ausgaben für die Luftbeweglichkeit des Heeres vor dem Hintergrund des Wegfalls des luftbeweglichen Einsatzes der LL Brigaden wenig nachvollziehbar.

                  Anders sah es bei dem Hsch Brig aus. Gerade die der 5er Serie waren absurd Kpz lastig für die angedachten Aufgaben. Während Spz komplett fehlten, es gab in den Jg Btl nicht einmal mehr die 20 mm Züge zur Feuerunterstützung wie in denen der Hstr. 2 und 3. gab es 96 Kpz. In meinem Augen sehr unausgewogen. Wobei dieses dem zur Verfügung stehenden Material geschuldet war. Die M 48 galten im Gegensatz zu Hs 30 und Spz kurz als weiter versorgbar. Bei der Aufstellung der Brig Anfang der 80er hatte man noch die Idee, dass in den 90er Jahren Marder und M 109
                  frei werden und so die Hsch Brigaden bedrohungsgerechter ausgestattet werden können. Drastisch ausgedrückt waren die Jäger und die Feld Art eher Platzhalter bis Gerät im Feldheer frei wurde. Bei der Planung der Hstr 2000 ein paar Jahre später setzte sich dann aber die Erkenntnis durch, dass 48 Brigaden mit den gesetzten Rahmrnbedingungen nicht sinnvoll zu stemmen sind.

                  Kommentar

                  • Thunderhorse
                    Cold Warrior
                    • 09.02.2006
                    • 1973

                    #10
                    Zitat von Lazarus Beitrag anzeigen

                    Hallo Thunderhorse!
                    In dem, bei mir eingeblendeten Pop-Up, wird klar beschrieben, dass man hier ausschließlich sinnvolle Beiträge posten und keine "Hallo"-Nachrichten spammen soll.
                    Abgesehen davon muss niemand wissen, wie alt ich bin, wo ich herkomme und oder was ich tue.
                    Ich habe Fragen zum Thema und ein bisschen Vorwissen, dass ich hier einbringen kann. Dafür ist ein Forum da.

                    Oder seh ich das falsch?
                    https://cold-war.de/home/forum/allge...g%C3%A4stebuch

                    Wie wärs damit!

                    Kommentar

                    • Nemere
                      Cold Warrior
                      • 12.06.2008
                      • 2880

                      #11
                      Ich will mich auf drei Punkte beschränken.

                      Zum Thema Übernahme von Kriegserfahrungen der Wehrmacht durch die Bundeswehr.

                      Hier geht es ja nicht um die Kriegserfahrungen des Obergefreiten Huber im Schützengraben, hier geht es um die Erfahrungen und die daraus zu ziehenden Schlußfolgerungen auf höheren Ebenen.
                      Sönke Neitzel hat in seinem Buch „Deutsche Krieger“ sehr pointiert zusammengefasst, dass es eben diese kritische Auswertung der Wehrmachtserfahrungen NICHT gab, weil die Generäle die ab 1956 an der Spitze der Bundeswehr standen, in der Endphase des Zweiten Weltkriegs KEINE unmittelbaren Kriegserfahrungen mehr gesammelt hatten, da sie gar nicht mehr an der Front standen.
                      Kann man nachlesen bei Neitzel, Sönke: Deutsche Krieger. Vom Kaiserreich zur Berliner Republik - eine Militärgeschichte, Berlin 2020, S. 335 – 344.

                      Ich füge mal die wesentlichen Passagen hier an. Da es sich hier um Zitate handelt, halte ich das für zulässig. Die Anstreichungen und roten Hervorhebungen sind von mir.


                      Neitzel Deutsche Krieger - 337.jpg Neitzel Deutsche Krieger - 338.jpg Neitzel Deutsche Krieger - 339.jpg Neitzel Deutsche Krieger - 340.jpg

                      Ob die Wehrmachtserfahrungen nach 1980 auf operativer Ebene überhaupt noch von Wert waren, wage ich zu bezweifeln. Den Operationsraum, den es für das Manstein’sche „Schlagen aus der Nachhand“ gebraucht hätte, gab es in der engen Bundesrepublik nicht.

                      Zu den schweren Waffen der Jägerbataillone (Stand 1986).

                      Das „gewöhnliche“ PzGrenBtl mit 2 SPz- und 1 MTW-Kompanie hatte 21 MILAN und 6 Mörser.
                      Ein Jägerbataillon der Division hatte 9 MILAN und 6 Mörser.
                      Beim Jägerbataillon TerrH der Heimatschutzbrigaden waren es 9 MILAN, 7 Kampfpanzer und 6 Mörser.
                      Das Heimatschutzregiment hatte 7 Kanonenjagdpanzer, 18 Mörser und 21 Feldkanonen 20 mm.

                      Die Jägerbataillone waren für den Einsatz in bedeckten Gelände mit kurzen Schußentfernungen vorgesehen, hier waren sehr oft die Panzerabwehrlenkraketen MILAN nicht sinnvoll einsetzbar, daraus ist die geringere Ausstattung der Jägerbataillone mit dieser Waffe zu erklären. Das PAL nicht das Allheilmittel sind, will ich an zwei Beispielen erläutern.
                      a) Bei der 6. PzGrenDiv wurden um 1968 die damals verwendeten PAL COBRA aus den PzGrenBtl abgezogen, weil diese Waffen unter den Geländeverhältnissen Schleswig-Holsteins (Knick-Landschaft usw.) nicht sinnvoll einzusetzen waren.
                      b) Die 1. LLDiv wurde nach 1986 im sehr durchschnittenen Gelände des bayerischen Waldes eingesetzt. Hier konnten die zahlreichen TOW der Fallschirmjäger nur sehr eingeschränkt zum Einsatz gebracht werden, da es die weiten Kampfentfernungen gar nicht gab. Es gibt dazu eine sehr detaillierte Studie im BA-MA.

                      Die Kampfpanzer in den schweren Kompanien der Jägerbataillone TerrH waren dagegen gerade für die Kämpfe in Ortschaften und Wäldern gegenüber den PAL im Vorteil, da sie auch gegen Bunker usw. eingesetzt werden konnten und den Nachteil der erforderlichen Mindestreichweite nicht hatten.

                      Nicht unerwähnt sollte auch bleiben, dass die Jägerbataillone mit einer erheblichen Anzahl von zusätzlichen MG ausgestattet waren, was die Feuerkraft immens erhöhte.
                      Ein PzGrenBtl SPz hatte 44 MG, das JgBtl der Division verfügte über 61 und beim JgBtl TerrH waren es 71. (Quelle: AnwFE 700/108 Vorläufige Einsatzgrundsätze der Truppengattungen des Heeres, 1984).
                      Damit war es bei den Jägern möglich, bei Bedarf eine Gruppe auch mit zwei MG auszustatten, auch die Anzahl der Feldlafetten war entsprechend höher.

                      Erfahrungen aus Großmanövern:
                      Nach meinen Eindruck konnten aus den großen Heeresübungen nur wenig Erfahrungen zu der hier im Raume stehenden Frage gewonnen werden. Diese Übungen liefen meistens ziemlich stur und zeitlich getaktet nach einem „Gedachten Verlauf“ ab, der eingehalten werden musste. Es gab viel zu wenig freilaufende Übungsphasen. Wenn es die allerdings gab, konnte man durchaus überraschende Erkenntnisse gewinnen.
                      Ein Highlight für mich war in dieser Hinsicht die Übung „Fränkischer Schild 1986“. Hier gab es tatsächlich relativ umfangreiche freilaufende Phasen. Dies führte z.B. dazu, dass ich mit meinem Feldjägerzug in der Verzögerungsphase auf einmal meinen Verkehrsleitpunkt in einer Ortschaft gegen durchgebrochene Feindteile verteidigen musste. Drei Tage später waren wir in Karlstadt zum Verkehrsdienst an einer Mainbrücke eingesetzt, diese Brücke wurde dann zum Ziel einer feindlichen Luftlandung und wieder musste sich der Feldjäger-Zugführer auf den Einsatz gegen „feindliche“ Kampftruppen einstellen.

                      Kommentar

                      • DeltaEcho80
                        Cold Warrior
                        • 09.03.2013
                        • 1725

                        #12
                        Zitat von Lazarus Beitrag anzeigen

                        Hallo Thunderhorse!
                        In dem, bei mir eingeblendeten Pop-Up, wird klar beschrieben, dass man hier ausschließlich sinnvolle Beiträge posten und keine "Hallo"-Nachrichten spammen soll.
                        Abgesehen davon muss niemand wissen, wie alt ich bin, wo ich herkomme und oder was ich tue.
                        Ich habe Fragen zum Thema und ein bisschen Vorwissen, dass ich hier einbringen kann. Dafür ist ein Forum da.

                        Oder seh ich das falsch?
                        Hallo Lazarus,

                        wir haben es hier im CW-Forum geschafft, ein gewisses Niveau zu etablieren. Hier gehört auch eine kurze Vorstellung für neue User dazu. Du musst hier sicher nicht deine Klamottengröße preisgeben, aber vielleicht kurz, was dein Hintergrund ist und aus welcher Ecke Deutschlands du kommst.
                        Das mit den "Hallo"-Beiträgen bezieht sich darauf, dass manche neue User sich hier angemeldet haben und dann einfache Nonsens-Beiträge gepostet haben, um die Mindestanzahl an Beiträgen zu erlangen, die für den Download von Unterlagen aus dem Bereich Downloads nötig waren.

                        Dein Beitrag hier zu einem Sachthema ist ja gerne gesehen und auch völlig in Ordnung.

                        Vielleicht kannst du deine Haltung zur Vorstellung nochmal überdenken, ohne, dass die Emotionen hoch gehen müssen.

                        Vielen Dank.

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