Heeresstruktur 4 zu panzerlastig?

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  • Lazarus
    Rekrut
    • 27.02.2026
    • 1

    #1

    Heeresstruktur 4 zu panzerlastig?

    Servus, meine Hauptfrage ist folgende:

    War die Heeresstuktur 4 für die Landesverteidigung im dicht besiedelten DE nicht doch zu panzerlastig bzw. verfügte nicht über genügend Panzergrenadiere?

    Eine PzBrig in der HS4 hatte ja bekanntlich 8 PzKp und 4 PzGrenKp aufgteilt auf 4 Bataillone, also ein Verältnis von 2:1 bei PzKp zu PzGrenKp.
    Eine PzGrenBrig hatte das Gegenteil mit einem Verhältnis von 1:2 (PzKp zu PzGrenKp)
    Insgesamt gab es 17 PzBrig und 15 PzGrenBrig.

    DE hat eine hohe Bevölkerungsdichte, ist stark urbanisiert und hat viele natürliche Engstellen, Flüsse und Wälder. Eigenschaften, die eigenltich einen höheren PzGren-Anteil rechtfertigen würden.

    Im 2. WK wurde ja bereits klar, dass die anfänglichen PzDiv (Verhältnis 2:1 bei PzBtl zu PzGrenBtl) nichts taugen.
    Die Wehrmacht wechselte im Verlauf des Krieges zum Verhältnis 1:2 und kam damit ziemlich gut klar.

    Die Sowjets hatten während des kalten Krieges infanterielastige MotSchützDiv in der ersten Reihe, erst danach folgten die PzDiv.

    Wie konnte man also den hohen Panzer-Anteil in der HS4 rechtfertigen und hätte das im Verzögerungsgefecht funktioniert?
  • Nemere
    Cold Warrior
    • 12.06.2008
    • 2878

    #2
    Wenn wir von Stand 1988 ausgehen, komme ich auf etwas andere Zahlen.

    Feldheer:
    16 Panzerbrigaden
    16 Panzergrenadierbrigaden plus zwei unterstellte Heimatschutzbrigaden (51 und 56) = 18 Panzergrenadierbrigaden. Wobei die HSchBrig 56 mit 2 Panzer- und 2 Panzergrenadierbataillonen ein Sonderfall ist.

    Bei den Panzergrenadierbrigaden muss man im Blick behalten, dass die PzGrenBtl dort nur 2 SPz-Kompanien hatten. Die 4. Kompanie war eine MTW-Kompanie, die beim Einsatz gewissen Einschränkungen unterlag.

    Dazu kommen an Infanterie beim Feldheer noch drei Luftlandebrigaden und 1 Gebirgsjägerbrigade.

    Das ursprüngliche Konzept, die LL-Brigaden als luftbewegliche Korpsreserve einzusetzen, hatte sich spätestens Mitte der1980er Jahre als unbrauchbar herausgestellt. Die LL-Brigaden 25 und 26 wurden mit der GebJgBrig 23 unter Führung der 1. LL-Division als Frontdivision im Bayerischen Wald eingesetzt, dadurch wurden die mechanisierten Brigaden der 1. Gebirgsdivision für den „Fall Österreich“ bzw. als Reserve des II. (GE) Korps frei.
    Die LLBrig 27 blieb zwar beim I. (GE) Korps, wurde aber dort genauso direkt an der Front eingesetzt, um eine mechanisierte Brigade als Reserve freizumachen.

    Beim Feldheer müssen wir bei dieser Betrachtung noch einbeziehen:
    Pro Division zwei Jägerbataillone (nicht bei LL-Div). In fast allen Fällen wurden diese Bataillone bei den Brigaden eingesetzt, so dass sich das Verhältnis erheblich in Richtung Infanterie verschiebt.
    Weiter hatte jede Division (wieder ohne LL-Div) ein Panzeraufklärungsbataillon. Diese Bataillone wurden eher selten geschlossen als Aufklärungsverbände eingesetzt, sondern waren fast immer Verzögerungsverbände und danach Divisionsreserve. In manchen Fällen war das verstärkte Panzeraufklärungsbataillon auch als „vierte“ Brigade direkt am VRV eingesetzt, bestes Beispiel ist das PzAufklBtl 12 in Unterfranken (Haßberge – Raum Manau).

    Weiter haben wir beim Territorialheer noch die Heimatschutzbrigaden der 5er und 6er Reihe.
    Von den sechs Brigaden der 5er Reihe waren zwei Brigaden bereits fest dem Feldheer unterstellt:
    - HSchBrig 51 der 6. PzGrenDiv
    - HSchBrig 56 der 1. GebDiv

    Die HSchBrig 55 war bereits in die Deutsch-/Französische Brigade umgewandelt und stand deshalb unter einer Art Führungsvorbehalt. Die verbleibenden HSchBrig 52, 53, 54 waren mit je zwei Panzer- und zwei Jägerbataillonen eine Art Zwitter zwischen Pz- und PzGrenBtl, jedoch war auch hier der Einsatz in Krisensituation beim Feldheer als Einsatzoption vorgesehen.

    Die sechs Brigaden der 6er Reihe hatten je ein Panzer- und zwei Jägerbataillone, wären aber vor allem im rückwärtigen Bereich verwendet worden.

    Außerdem gab es beim Territorialheer noch 15 sehr infanteriestarke Heimatschutzregimenter (gesamt 45 Jägerbataillone).

    Schließlich verfügte das Territorialheer weiter über drei Verfügungstruppenkommandos. Das waren gekürzte Divisionsstäbe zur Führung zusammengefasster Verbände des Territorialheeres, also z.B. Heimatschutzbrigaden und Heimatschutzregimenter. Das beim TerrKdo Süd vorhandene Verfügungstruppenkommando 55 mit unterstellten Kräften wäre z.B. im Raum südlich / südwestlich München eingesetzt worden, wenn hier nach einer Besetzung Österreichs eine Bedrohung durch Kräfte des Warschauer Paktes aus dem Inntal entstanden wäre.

    Weiter darf man bei der Beurteilung des Gefechtswertes / Einsatzwertes des Heeres für die Landesverteidigung nicht nur das Verhältnis Panzer zu Infanterie betrachten, sondern es spielen auch Faktoren wie
    - zusätzliche weitreichende Panzerabwehr (Panzerjäger, Panzerabwehrhubschrauber)
    - Artillerie
    - Sperren (vorbereitete Sperranlagen, Wurfminensperren etc.)
    und anderes eine Rolle.


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