Überführung von Teilen des Bundesgrenzschutzes in die Bundeswehr 1956

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  • Nemere
    Cold Warrior
    • 12.06.2008
    • 2835

    #1

    Überführung von Teilen des Bundesgrenzschutzes in die Bundeswehr 1956

    Zum 01.07.1956 wurden Verbände des BGS in die Bundeswehr überführt und dort vor allem als Kader für die Aufstellung der 1., 2. und 4. Grenadierdivision verwendet.

    Bei dieser Aktion wurde etwa die Hälfte des bestehenden Bundesgrenzschutzes in die Bundeswehr übernommen. Die BGS-Beamten hatten die Option, beim BGS zu verbleiben oder in die Bundedswehr zu wechseln. Nach dieser Aktion wurde der Grenzschutz wieder aufgefüllt und die in der Bundeswehr aufgegangenen Einheiten wieder aufgestellt, teilweise allerdings mit geänderter Organisation und anderen Bezeichnungen.

    Gründe für den Übertritt von BGS-Beamten zur Bundeswehr dürften gewesen sein:
    - Bessere Beförderungsmöglichkeiten angesichts des deutlich größeren Umfangs der Bundeswehr
    - Wesentlich mehr und damit evtl. auch günstiger gelegene Standorte als der BGS zu bieten hatte
    - Vielfältigere Verwendungsmöglichkeiten bei der Bundeswehr, da es hier Waffengattungen gab, die
    beim BGS nicht oder nicht in diesem Ausmaß existierten (Artillerie, Panzertruppe, aber auch im
    Bereich der Pioniere oder der Logistik)

    Im Bundesarchiv-Militärarchiv habe ich den Überführungsplan gefunden, daraus kann man entnehmen, welche BGS-Einheit als Kader welcher späteren Bundeswehreinheit diente. PDF anbei. Dabei wurden auch Kasernen des BGS von der Bundeswehr übernommen.

    Bei der Aufstellung von Einheiten, die es bisher in dieser Form beim BGS nicht gegeben hatte, wurde es dem BGS überlassen, wie der diese bildete. Z.B. hatte der BGS keine eigenständigen Instandsetzungs- (=Feldzeug) oder Nachschub- (= Quartiermeister) Truppen, die hier geforderten Truppen wurden dann wahrscheinlich aus den entsprechenden Teileinheiten der Grenzschutzgruppen bzw. Abteilungen zusammengestellt.
    Die Umwandlung einer Grenzschutzabteilung in ein Grenadierbataillon dürfte keine größeren Schwierigkeiten bereitet haben, ähnelte doch die Ausbildung des damaligen BGS sehr einer ungepanzerten Infanterie. Ähnliches galt für die Aufstellung der Divisions-Pionierbataillone aus den Bau-Abteilungen der Grenzschutzkommandos oder der Fernmeldebataillone aus den Fernmelde-Hundertschaften. Bei der Aufstellung von Panzer-, Flugabwehr- oder Artillerieverbänden aus dem BGS waren dagegen keine unmittelbar einsatzfähigen Bataillone zu erwarten, da es diese Truppengattungen beim BGS nicht gab.

    Die Stäbe der Grenzschutzkommandos bildeten Divisionsstäbe, die Stäbe der Grenzschutzgruppen wurden die Kader der damaligen Kampfgruppenstäbe als Vorläufer der späteren Brigaden.

    Ganz merkwürdig verfuhr man bei der Aufstellung der Regensburger Feldjägerkompanie 4 (Seite 6 der PDF-Datei).
    Hier hatte jedes Grenzschutzkommando ein bis zwei Züge aufzustellen. Das GSK Nord (Hannover) musste dabei Personal für die Züge in Regensburg und Nürnberg finden, was nicht ganz unproblematisch gewesen sein dürfte.
    Diese reine Aufstellung aus dem BGS war bei der FJgKp 4 noch 20 Jahre später erkennbar. Als ich 1977 zum Feldjägerdienstkommando Amberg kam, war dort der stellv. Zugführer (Hauptmann Fachdienst) sowie der Hauptfeldwebel des Zuges noch ehemalige BGS-Angehörige, die 1956 übergetreten waren.

    Bereits wenige Monate nach der Übernahme dieser BGS-Teile musste sich die Bundeswehr während der Ungarnkrise im Herbst 1956 bereits auf die Sicherung der bundesrepublikanischen Grenze zum Warschauer Pakt einstellen, da man das Verhalten des Warschauer Paktes nicht zuverlässig beurteilen konnte. Der BGS, dessen originäre Aufgabe eigentlich die Grenzsicherung gewesen wäre, war nach dem Aderlass durch die Übernahme großer Teile seiner Führungsorganisation und seiner Verbände in die Bundeswehr noch nicht wieder regeneriert und konnte diese Aufgabe nicht allein bewältigen. Bei den Einsatzplanungen der Bundeswehr stellte man sehr schnell auch fest, dass die aus dem BGS übernommenen Grenadierbataillone z.B. kaum Kenntnisse im Bereich der Panzer- oder Fliegerabwehr oder dem Einsatz schwerer Waffen hatten, weil es das beim BGS nicht gegeben hatte.
    Angehängte Dateien
  • Rex Danny
    Administrator
    • 12.06.2008
    • 4327

    #2
    Unter welchen Signaturen findet man die Daten im BA-MA?

    Grüße


    Rex Danny

    Kommentar

    • DeltaEcho80
      Cold Warrior
      • 09.03.2013
      • 1711

      #3
      Vielen Dank für das Dokument.

      Hier ist auch der Ursprung (III. /GSG 2) des "Gren.Btl.34" zu finden, welches dann später mein "Haufen" 352 in Mellrichstadt wurde.

      Darf ich das mal an den Verantwortlichen für die Chronik weiter geben?

      Kommentar

      • Nemere
        Cold Warrior
        • 12.06.2008
        • 2835

        #4
        Zitat von Rex Danny Beitrag anzeigen
        Unter welchen Signaturen findet man die Daten im BA-MA?
        Entschuldigung, habe ich versäumt anzugeben: Bundesarchiv-Militärarchiv, BH 1/16958.
        Das ist ein ziemlich dicker Sammelakt, der o.a. Befehl ist ab Seite 214 zu finden.

        Kommentar

        • Nemere
          Cold Warrior
          • 12.06.2008
          • 2835

          #5
          Zitat von DeltaEcho80 Beitrag anzeigen
          Darf ich das mal an den Verantwortlichen für die Chronik weiter geben?
          Kannst Du gerne machen.

          Kommentar

          • Thunderhorse
            Cold Warrior
            • 09.02.2006
            • 1901

            #6
            Man hat Standorte des BGS übernommen. Bei der BW dann als Kaserne bezeichnet.

            Kommentar

            • Thunderhorse
              Cold Warrior
              • 09.02.2006
              • 1901

              #7
              Die unter 1 genannten Dokumente sind 2008 im Heft 2, Magazinreihe GELBOLIV, bereits schon publiziert worden.

              Kommentar

              • Nemere
                Cold Warrior
                • 12.06.2008
                • 2835

                #8
                Zitat von Thunderhorse Beitrag anzeigen
                Die unter 1 genannten Dokumente sind 2008 im Heft 2, Magazinreihe GELBOLIV, bereits schon publiziert worden.
                Da die Magazinreihe GELBOLIV schon seit längerem eingestellt ist, kann man nur unter Schwierigkeiten auf diese Hefte zugreifen. Nachdem die hier zur Diskussion stehenden Dokumente inzwischen digital beim BA-MA verfügbar sind, braucht man also nicht mehr mühsam antiquarisch nach diesem Heft zu suchen. Der für diese Reihe verantwortliche Militärbuchverlag Drost ist auch schon lange im Nirwana verschwunden, ebenso wie die im gleichen Verlag editierte Reihe FELDZEUG. Soweit ich weiß, sind 2012 die letzten Hefte in den beiden Reihen erschienen. Der Preis von 17 bis 18 Euro für die Hefte mit 60-70 Seiten war zu hoch, um wirklich nennenswerte Auflagen zu erreichen.
                Zuletzt geändert von Nemere; 20.04.2023, 20:40.

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                • Thunderhorse
                  Cold Warrior
                  • 09.02.2006
                  • 1901

                  #9
                  Zitat von DeltaEcho80 Beitrag anzeigen
                  Vielen Dank für das Dokument.

                  Hier ist auch der Ursprung (III. /GSG 2) des "Gren.Btl.34" zu finden, welches dann später mein "Haufen" 352 in Mellrichstadt wurde.

                  Darf ich das mal an den Verantwortlichen für die Chronik weiter geben?




                  Nach unten scrollen.
                  Einige Fehler in Sachen BGS, dennoch brauchbar.

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                  • Rheinpreußen
                    Rekrut
                    • 04.03.2010
                    • 28

                    #10
                    Vielen, Vielen Dank Nemere für die Bereitstellung des historischen Dokumentes.


                    Zitat von Nemere Beitrag anzeigen
                    Die Stäbe der Grenzschutzkommandos bildeten Divisionsstäbe, die Stäbe der Grenzschutzgruppen wurden die Kader der damaligen Kampfgruppenstäbe als Vorläufer der späteren Brigaden.
                    Die bisherigen Grenzschutzkommandos existierten doch auch nach dem 01.07.56 weiter, oder vertue ich mich hier?

                    Ist bekannt ob die Aufstellung der Divisionskommandos durch personellen Aderlass erreicht wurde, oder ob die Grenzschutzkommandos neu aufgestellt wurden?

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                    • Thunderhorse
                      Cold Warrior
                      • 09.02.2006
                      • 1901

                      #11
                      Zitat von Rheinpreußen Beitrag anzeigen

                      Die bisherigen Grenzschutzkommandos existierten doch auch nach dem 01.07.56 weiter, oder vertue ich mich hier?

                      Ist bekannt ob die Aufstellung der Divisionskommandos durch personellen Aderlass erreicht wurde, oder ob die Grenzschutzkommandos neu aufgestellt wurden?
                      Im Rahmen der Option wurde das GSK Küste aufgelöst. Aber bereits 1958 wieder neu aufgestellt.
                      Beginn der Wiederauffüllung GSK Küste und GSV Küste sowie der FMK Küste zum 01.04.1958.
                      Weisung und Schreiben dazu erging bereits 1957.
                      Zuletzt geändert von Thunderhorse; 25.04.2023, 19:01.

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                      • Relikte
                        Cold Warrior
                        • 25.01.2009
                        • 130

                        #12
                        Moin zusammen,

                        die Geschichte des GSK Nord in Hannover wird sehr ausführlich in diesem Buch beschrieben:
                        Die Geschichte des Grenzschutzkommandos Nord 1951-1991
                        Herausgegeben vom Grenzschutzkommando Nord in 1991.

                        Daraus zitiert zur "Option 1956":
                        Die genannten Einheiten und Verbände des BGS
                        wurden mit Teilen oder mit Masse, jedoch nicht
                        geschlossen zur Bundeswehr überführt. Die beim
                        BGS verbliebenen Teile wurden in nachstehenden
                        Verbänden und Standorten zusammengefaßt:

                        Stab GSK Nord Hannover
                        FMH Nord Hannover
                        I./GSG 5 Goslar
                        II./GSG 5 Braunschweig
                        I./GSG 6 Neu Tramm
                        GSG 7 Lübeck
                        I./GSG 7 Lübeck
                        II./GSG 7 Lübeck


                        Am 01.07.1956 wechselten zahlreiche Angehörige des BGS zur Bundeswehr, es ging aber auch beim BGS ohne Unterbrechung weiter - natürlich mit zunächst erheblich reduziertem Umfang.
                        Viele Grüße
                        Manfred / Relikte

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                        • Thunderhorse
                          Cold Warrior
                          • 09.02.2006
                          • 1901

                          #13
                          Zitat von Relikte Beitrag anzeigen
                          Moin zusammen,

                          die Geschichte des GSK Nord in Hannover wird sehr ausführlich in diesem Buch beschrieben:
                          Die Geschichte des Grenzschutzkommandos Nord 1951-1991
                          Herausgegeben vom Grenzschutzkommando Nord in 1991.

                          Daraus zitiert zur "Option 1956":
                          Die genannten Einheiten und Verbände des BGS
                          wurden mit Teilen oder mit Masse, jedoch nicht
                          geschlossen zur Bundeswehr überführt. Die beim
                          BGS verbliebenen Teile wurden in nachstehenden
                          Verbänden und Standorten zusammengefaßt:

                          Stab GSK Nord Hannover
                          FMH Nord Hannover
                          I./GSG 5 Goslar
                          II./GSG 5 Braunschweig
                          I./GSG 6 Neu Tramm
                          GSG 7 Lübeck
                          I./GSG 7 Lübeck
                          II./GSG 7 Lübeck


                          Am 01.07.1956 wechselten zahlreiche Angehörige des BGS zur Bundeswehr, es ging aber auch beim BGS ohne Unterbrechung weiter - natürlich mit zunächst erheblich reduziertem Umfang.


                          Zu den Inhalten im Buch über das GSK Nord.

                          Die Gruppenstäbe wurde im Rahmen der Optin vorübergehend aufgelöst und erst ab 1957 wieder neu aufgestellt. Stab GSG 2 z.B. ab 01. 05.1957.
                          Bis dahin waren nur Abteilungen vorhanden.
                          Z.B.: I/7 und nicht I./GSG 7 bzw. Abteilungen III/2 und II/2 in Coburg.

                          Für den Bereich des aufgelösten GSK Küste wurde ein Gruppenstab, "Nord 1" in Lübeck gebildet.

                          Von den damals 16614 PVB des BGS wurden 58%, 9572 PVB zur Aufstellung der BW übergeführt.

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