Bei dieser Aktion wurde etwa die Hälfte des bestehenden Bundesgrenzschutzes in die Bundeswehr übernommen. Die BGS-Beamten hatten die Option, beim BGS zu verbleiben oder in die Bundedswehr zu wechseln. Nach dieser Aktion wurde der Grenzschutz wieder aufgefüllt und die in der Bundeswehr aufgegangenen Einheiten wieder aufgestellt, teilweise allerdings mit geänderter Organisation und anderen Bezeichnungen.
Gründe für den Übertritt von BGS-Beamten zur Bundeswehr dürften gewesen sein:
- Bessere Beförderungsmöglichkeiten angesichts des deutlich größeren Umfangs der Bundeswehr
- Wesentlich mehr und damit evtl. auch günstiger gelegene Standorte als der BGS zu bieten hatte
- Vielfältigere Verwendungsmöglichkeiten bei der Bundeswehr, da es hier Waffengattungen gab, die
beim BGS nicht oder nicht in diesem Ausmaß existierten (Artillerie, Panzertruppe, aber auch im
Bereich der Pioniere oder der Logistik)
Im Bundesarchiv-Militärarchiv habe ich den Überführungsplan gefunden, daraus kann man entnehmen, welche BGS-Einheit als Kader welcher späteren Bundeswehreinheit diente. PDF anbei. Dabei wurden auch Kasernen des BGS von der Bundeswehr übernommen.
Bei der Aufstellung von Einheiten, die es bisher in dieser Form beim BGS nicht gegeben hatte, wurde es dem BGS überlassen, wie der diese bildete. Z.B. hatte der BGS keine eigenständigen Instandsetzungs- (=Feldzeug) oder Nachschub- (= Quartiermeister) Truppen, die hier geforderten Truppen wurden dann wahrscheinlich aus den entsprechenden Teileinheiten der Grenzschutzgruppen bzw. Abteilungen zusammengestellt.
Die Umwandlung einer Grenzschutzabteilung in ein Grenadierbataillon dürfte keine größeren Schwierigkeiten bereitet haben, ähnelte doch die Ausbildung des damaligen BGS sehr einer ungepanzerten Infanterie. Ähnliches galt für die Aufstellung der Divisions-Pionierbataillone aus den Bau-Abteilungen der Grenzschutzkommandos oder der Fernmeldebataillone aus den Fernmelde-Hundertschaften. Bei der Aufstellung von Panzer-, Flugabwehr- oder Artillerieverbänden aus dem BGS waren dagegen keine unmittelbar einsatzfähigen Bataillone zu erwarten, da es diese Truppengattungen beim BGS nicht gab.
Die Stäbe der Grenzschutzkommandos bildeten Divisionsstäbe, die Stäbe der Grenzschutzgruppen wurden die Kader der damaligen Kampfgruppenstäbe als Vorläufer der späteren Brigaden.
Ganz merkwürdig verfuhr man bei der Aufstellung der Regensburger Feldjägerkompanie 4 (Seite 6 der PDF-Datei).
Hier hatte jedes Grenzschutzkommando ein bis zwei Züge aufzustellen. Das GSK Nord (Hannover) musste dabei Personal für die Züge in Regensburg und Nürnberg finden, was nicht ganz unproblematisch gewesen sein dürfte.
Diese reine Aufstellung aus dem BGS war bei der FJgKp 4 noch 20 Jahre später erkennbar. Als ich 1977 zum Feldjägerdienstkommando Amberg kam, war dort der stellv. Zugführer (Hauptmann Fachdienst) sowie der Hauptfeldwebel des Zuges noch ehemalige BGS-Angehörige, die 1956 übergetreten waren.
Bereits wenige Monate nach der Übernahme dieser BGS-Teile musste sich die Bundeswehr während der Ungarnkrise im Herbst 1956 bereits auf die Sicherung der bundesrepublikanischen Grenze zum Warschauer Pakt einstellen, da man das Verhalten des Warschauer Paktes nicht zuverlässig beurteilen konnte. Der BGS, dessen originäre Aufgabe eigentlich die Grenzsicherung gewesen wäre, war nach dem Aderlass durch die Übernahme großer Teile seiner Führungsorganisation und seiner Verbände in die Bundeswehr noch nicht wieder regeneriert und konnte diese Aufgabe nicht allein bewältigen. Bei den Einsatzplanungen der Bundeswehr stellte man sehr schnell auch fest, dass die aus dem BGS übernommenen Grenadierbataillone z.B. kaum Kenntnisse im Bereich der Panzer- oder Fliegerabwehr oder dem Einsatz schwerer Waffen hatten, weil es das beim BGS nicht gegeben hatte.

Kommentar