Kasernen-Umbenennungen

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  • Nemere
    Cold Warrior
    • 12.06.2008
    • 2879

    #16
    In der Frage der konföderierten Armee ist es doch so, dass diese Armee militärgeschichtlich gesehen, in vielen Fällen eher als Beispiel für operative Führung taugt, als die (damalige) Unionsarmee. Gerade Lee, als Oberbefehlshaber der Südstaatenarmee, war einer der ersten, der wirklich mit Aufträgen führte. Auch zeigte er, wie eine personell und materiell unterlegene, schlechter ausgerüstete Armee einem übermächtigen Gegner standhalten kann. Das lässt sich sogar in den Berichten deutscher und anderer europäischer Beobachter des Sezessionskrieges nachlesen, während die Nordstaaten dort meist im Hinblick auf die taktisch-operative Führung schlecht abschneiden. Aus Sicht europäischer Beobachter stellte man immer wieder fest, das die Unionsgeneräle sich ausgesprochen schwer bei der Leitung großer Truppenkörper taten. Man kam aus Sicht ausländischer Militärs allgemein zu dem Schluß, dass die Union aufgrund ihrer materiell-industriellen Überlegenheit gesiegt hatte, aber nicht wegen ihrem militärischen Können. Leider versäumte man gerade deutscherseits, daraus die nötigen Schlüsse zu ziehen, was sich im Ersten Weltkrieg dann rächte.

    Zurück zu Lee: Lees Führung in taktischer und operativer Hinsicht wird heute noch als Beispiel der Kampfführung gegen überlegene Gegner an diversen Militärakademien gelehrt und fand oder findet sich auch noch in amerikanischen Vorschriften. Nicht umsonst hatte man auch eines der ersten Atom-U-Boote 1959 nach Lee benannt. Ob daher nicht ein gewisses Neidgefühl von Seiten der damaligen Nordstaaten eine Rolle spielt und man daher so freudig die nach Südstaaten-Generälen benannten Kasernen umbenennt, lasse ich mal dahingestellt. Die rein militärischen Erfolge der Union waren nicht so berauschend.

    Den Sezessionskrieg als "Sklavenbefreiung" zu verklären, ging schon immer fehl. Da gab es ganz handfeste andere Gründe, vor allem auch wirtschaftlicher Art, warum die Union sich gegen die Südstaaten durchsetzen wollte. Aber das würde jetzt endgültig vom Thema wegführen.

    Konsequenterweise müssten dann auch sämtliche Benennungen von öffentlichen Plätzen usw. nach dem Unionsgeneral William T. Sherman aufgehoben werden. Dieser hat 1864 bei seinem "Marsch zum Meer" in Georgia und im Anfang 1865 in Carolina erste Ansätze des "totalen Krieges" vorweggenommen und mit seiner Strategie der "verbrannten Erde" vor allem die Zivilbevölkerung bekämpft. Nach 1945 wurden deutsche Oberbefehlshaber wegen genau der gleichen Verfahrensweise als Kriegsverbrecher angeklagt.

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    • kato
      Cold Warrior
      • 03.03.2009
      • 887

      #17
      Zitat von Nemere Beitrag anzeigen
      Konsequenterweise müssten dann auch sämtliche Benennungen von öffentlichen Plätzen usw. nach dem Unionsgeneral William T. Sherman aufgehoben werden. Dieser hat 1864 bei seinem "Marsch zum Meer" in Georgia und im Anfang 1865 in Carolina erste Ansätze des "totalen Krieges" vorweggenommen und mit seiner Strategie der "verbrannten Erde" vor allem die Zivilbevölkerung bekämpft.
      Darum geht es in der Diskussion in den USA allerdings nicht, sondern - rein innerhalb des Militärs - um die Interpretation, dass die Konföderierte Armee bzw. bestimmte ihrer Generäle ausdrücklich "Verrat" begingen.

      Diese Interpretation basiert auf Artikel III, Abschnitt 2 der US-Verfassung, nämlich "Treason against the United States, shall consist only in levying war against them, or in adhering to their enemies, giving them aid and comfort." in Kombination damit, dass viele hochrangige Südstaaten-Generäle - wie gerade Robert E. Lee - mit ihrem Offizierseid weit vor dem Krieg auf einen Dienst "nach den Regeln und Gesetzen für die Armeen der Vereinigten Staaten" eingeschworen wurden.

      Etwas verkompliziert wird das dadurch (siehe den Satz von tannenzapfen) dass jene Generäle beim Wechsel zu den Konföderierten ausdrücklich ihr Offizierspatent "zurückgaben" und sich an ihren Offizierseid damit nicht mehr gebunden fühlten - ob dieser einmal geschworene Eid allerdings in dieser Form "zurückgenommen" werden kann ist allerdings eher zweifelhaft.

      Prominent vertreten wird diese Auffassung, dass es sich um Verrat handelte, unter anderem von Gen. David Berger, dem Kommandanten des USMC, während vor allem in der Führung der US Army eher andere Meinungen vorherrschen.

      Die Diskussion geht in dieser Form durchaus schon 15 Jahre und wird teilweise sehr hitzig geführt. General Berger hat dabei auch schon vor ein paar Jahren das Zeigen von Symbolen der Konföderierten auf allen USMC-Stützpunkten untersagt.

      Kommentar

      • tannenzapfen
        Cold Warrior
        • 25.01.2022
        • 447

        #18
        Die operative Exzellenz ist bei Lee unbestritten, beim Beispiel Fort Bragg wird sie schon deutlich schwieriger zu verteidigen, und bei Fort Polk wird sie endgültig abwegig ;-)

        Ich will jetzt nicht zu sehr abdriften, weil es in der Diskussion innerhalb der Armee eben um andere Fragen geht, wie kato schön zusammengefasst hat. Nur kurz aber hierzu:

        Zitat von Nemere Beitrag anzeigen
        Konsequenterweise müssten dann auch sämtliche Benennungen von öffentlichen Plätzen usw. nach dem Unionsgeneral William T. Sherman aufgehoben werden. Dieser hat 1864 bei seinem "Marsch zum Meer" in Georgia und im Anfang 1865 in Carolina erste Ansätze des "totalen Krieges" vorweggenommen und mit seiner Strategie der "verbrannten Erde" vor allem die Zivilbevölkerung bekämpft. Nach 1945 wurden deutsche Oberbefehlshaber wegen genau der gleichen Verfahrensweise als Kriegsverbrecher angeklagt.
        Die Ansätze des "totalen Krieges" bei Sherman wurden vom künstlerisch einflussreichen Südstaatenkitsch (man denke an "Vom Winde verweht") gnadenlos übertrieben. Sherman hat (was damals keine Seltenheit war) Nahrungsmittel requiriert und die militärische, politische und industrielle Infrastruktur zerstört. Von dem, wofür sich deutsche Generäle nach 1945 verantworten mussten, war er weit entfernt, dafür aber deutlich näher an dem, was die Südstaaten auf ihren wenigen Ausbrüchen in den Norden auch gemacht haben. Das Buch "Southern Storm" von Noah Andre Trudeau ist hierzu sehr zu empfehlen.

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        • Nemere
          Cold Warrior
          • 12.06.2008
          • 2879

          #19
          Zitat von tannenzapfen Beitrag anzeigen
          Die Ansätze des "totalen Krieges" bei Sherman wurden vom künstlerisch einflussreichen Südstaatenkitsch (man denke an "Vom Winde verweht") gnadenlos übertrieben. Sherman hat (was damals keine Seltenheit war) Nahrungsmittel requiriert und die militärische, politische und industrielle Infrastruktur zerstört. Von dem, wofür sich deutsche Generäle nach 1945 verantworten mussten, war er weit entfernt, dafür aber deutlich näher an dem, was die Südstaaten auf ihren wenigen Ausbrüchen in den Norden auch gemacht haben. Das Buch "Southern Storm" von Noah Andre Trudeau ist hierzu sehr zu empfehlen.
          Da gibt es auch ganz andere Sichtweisen auf dieses Thema, z.B. James M. McPherson: Für die Freiheit sterben: Die Geschichte des amerikanischen Bürgerkriegs, Köln 2011.

          Aber das führt jetzt zu weit.

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