Einsatz der Kampftruppen des Territorialkommandos SÜD

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  • Nemere
    Cold Warrior
    • 12.06.2008
    • 2835

    #16
    Siehe beigefügte Kurzinformation des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags. Eine Versetzung eines Soldaten der gewählter Gemeinderat usw. war, konnte nach der dort zitierten Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts im Prinzip nur noch aus zwingenden dienstlichen Gründen erfolgen. Die Förderung eines Soldaten durch Versetzung auf einen höherwertigen Dienstposten wurde dabei nicht als zwingend anerkannt, sondern eigentlich nur noch wenn am bisherigen Standort keine weitere Verwendungsmöglichkeit bestand (z.B. wegen Verlegung oder Auflösung der Einheit.
    Das solche Soldaten, die sich an einen bestimmten Standort "festgekrallt" hatten, damit auch die Verwendungsmöglichkeiten anderer Soldaten blockierte, weil sie eben die Stelle viel zu lange blockierten, spielte keine Rolle mehr.
    Zudem konnten solcherart im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehende Soldaten dann auch die Presse mobilisieren, wenn doch eine unerwünschte Versetzung drohte. Die wenigsten Personalverantwortlichen in der Abteilung P bzw. in der SDH hatten dann wirklich Lust, auch eigentlich zulässige Versetzungen durchzudrücken. Natürlich hatten die betreffenden Soldaten dann keine Förderung mehr zu erwarten, was Beförderungen usw. betraf. Andererseits hatten sich einige dieser jahrzehntelang am selben Standort klebenden Soldaten bei den Verwaltungsgerichten Grundsatzurteile dahingehend erstritten, dass sie zumindest rechtzeitig vor der Pensionierung bis zum sog. "Laufbahnziel" befördert werden mussten. Das war beim Berufsoffizier mit bestandenem Stabsoffizierlehrgang der OTL, Besoldungsgruppe A 14.
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    • Dragoner
      Cold Warrior
      • 15.03.2008
      • 2130

      #17
      Danke für die Aufklärung. Bestärkt mich in meiner Ansicht, Berufssoldaten sollten kein passives Wahlrecht haben.

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      • allrad
        Cold Warrior
        • 10.02.2014
        • 154

        #18
        Hallo,
        zur Verwendung des Personals und Materials der Truppenschulen im V-Fall kann ich noch etwas beitragen. Bei meinem letzten Besuch in Freiburg wurde ich von der Möglichkeit überrascht Dokumente fotografieren zu können. Meine Versuche der Dokumentenfotographie mittels Handy waren arg durchwachsen. So habe ich letztlich leider nur ein schlecht lesbaren Auszug der Weisung Nr 1 von FüH IV 3 zur Verwendung von Personal auf Friedensdienstposten und Material von Friedensdienstellen/Truppenteilen bei Mobilmachung vom 11.12.1980 im Archiv. Die Signatur kann ich bei Bedarf aus meiner Kladde suchen.
        Die Truppenschulen hatten Personal und Material in verschiedenen Prioritäten zu stellen. Die Prio 1 sollte eine möglichst komplette Besetzung aller Schlüsseldienstposten sicherstellen, Prio 2 und 3 abgestuft nur einen aktiven Kader dieser Schlüsseldienstposten. Das Material sollte zur Auffüllung der V-Planstellen dienen, In den Geräteeinheiten war ja das bundeswehreigentümliche Material auch im Frieden vorhanden. In der Praxis dürften so BW RadKfz in den V Stellen eingeplant worden sein und ggf. noch Schreibmaschinen u.ä. Büromaterial.

        Die KTS 1 hatte in der Prio 1 folgende Mob Truppenteile aufzufüllen:

        St/St Kp. Verf. Trp. Kdo 45
        St/St Kp. Hsch.Brig. 65
        Jg.Btl. 631
        Jg.Btl. 632
        St/St Kp. Hsch Rgt (unleserlich)

        In der Prio 2;
        Mrs.Kp 760
        Jg.Btl. 761 und 762 sowie 641

        Die KTS 2 in der Prio 1:
        St/St Kp.Verf.Trp.Kdo 42
        St/St Kp. Hsch.Brig. 62 und 63
        Pz.Btl. 621 und 631
        St/St Kp. Hsch Rgt (unleserlich)

        in der Prio 2
        Pz Btl 613
        Jg.Btl 621
        Jg.Btl 631

        Die LL/LTS hatte die in ähnlicher Art die Hsch.Brig 66 mit ihren Jg. Btl., einen St./St.Kp. Hsch. Rgt. und Feldausbildungseinheiten aufzufüllen,
        die ArtS, die Hsch.Brig. 64 mit dem F.Art. Btl 645, Teile der damals noch vorhanden Rohr Art der Korps und ebenfalls Feldausbildungseinheiten .
        Die OSH hingegen füllte eine größere Anzahl St./St.Kpn. von Hsch.Rgt. auf.

        So waren bis auf die Hsch.Brig. 61 alle Hsch.Brig. der 6er Serie an eine Truppenschule gekoppelt.
        Allerdings stammt die Quelle aus der Zeit des Beginnes der Umgliederung in die Hstr, 4. Ich gehe davon aus, dass hier dann noch einiges geändert wurde.
        Nicht umgesetzt wurde z.B. die hier erwähnte Koppelung des Heeresamtes an 2 weitere Verfügungstruppenkommandos, die bekanntlich niemals aufgestellt wurden.

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        • Nemere
          Cold Warrior
          • 12.06.2008
          • 2835

          #19
          Vielen Dank für diesen aufschlußreichen Hinweis. Hast Du Dir zufälligerweise die Signatur dieser Akte aus dem Militärarchiv notiert?

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          • DeltaEcho80
            Cold Warrior
            • 09.03.2013
            • 1711

            #20
            Zitat von Nemere Beitrag anzeigen
            Auch mit dem Personal der Schulen war das so eine Sache. An jeder Schule gab es Offiziere und Feldwebel, die sich teils seit Jahrzehnten an den Schulen festgekrallt hatten und durch diverse, oft selbst geschaffene Hindernisse (beliebt z.B. Tätigkeit in der Kommunalpolitik) kaum mehr zu versetzen waren. Diese Leute hatten oft jeden aktuellen Praxisbezug verloren und wären sicher nicht unbedingt in jedem Fall ein Gewinn bei der Mobilmachung der Geräteeinheiten gewesen.
            Das war nicht nur bei Soldaten so, auch bei anderen Bundesbeamten. Mein Vater war bei der "grauen" Post, die dann bekanntlich zur Telekom wurde. Im Zuge der Privatisierung ab 1996 hat man immer mal versucht, die Beamten, die man als Telekom ja übernehmen musste, ein bisschen zu "ärgern". Die Dienststelle meines Vaters, den Baubezirk in Kitzingen, hat man aufgelöst. Er sollte dann einen Stelle in Bayreuth (!) bekommen. Da er aber Gemeinderat und 2. Bürgermeister war, wurde er schließlich nach Schweinfurt versetzt, wo sich urplötzlich die selbe Stelle aufgetan hatte.

            Wobei mein Vater mit Leib und Seele Kommunalpolitiker war und das auch nicht gemacht hat, um eine Versetzung zu umgehen. Dafür war er viel zu dienstbeflissen :-)

            ---

            Über dieses Thema "Soldaten, die sich an Standorte krallen" hatten wir es hier im Forum auch mal in einem anderen Zusammenhang. Wobei man da sehr ausführlich drüber diskutueren könnte und einen eigenen Themenstrang füllen könnte....

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            • Nemere
              Cold Warrior
              • 12.06.2008
              • 2835

              #21
              Zitat von Dragoner Beitrag anzeigen
              Bestärkt mich in meiner Ansicht, Berufssoldaten sollten kein passives Wahlrecht haben.
              Ich bin vollkommen Deiner Meinung. Damit wäre aber ein absolutes Dogma aus dem Katechismus der "Inneren Führung" gelöscht worden und das wäre ja unmöglich gewesen. Da wäre sofort wieder das Geschrei von den Streitkräften als "Staat im Staate" losgegangen und man hätte wieder angebliche Verbindungen zur Reichswehr heraufbeschworen. Die heilige Kuh "Innere Führung" war (und ist wahrscheinlich immer noch) bei der Bundeswehr wichtiger als alles andere. Da können Ausrüstung, Personalressourcen und Einsatzbereitschaft auf dem Zahnfleisch daherkommen, Hauptsache die Innere Führung wird hochgehalten. Von der ursprüngichen sinnvollen Definition der Inneren Führung als "Zeitgemäßer soldatischer Menschenführung auf dem Boden des Grundgesetzes" hat man sich meilenweit entfernt, wie z.B. das oben zitierte Vorgehen bei Versetzungen beweist.

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              • Dragoner
                Cold Warrior
                • 15.03.2008
                • 2130

                #22
                Zitat von Nemere Beitrag anzeigen
                Da können Ausrüstung, Personalressourcen und Einsatzbereitschaft auf dem Zahnfleisch daherkommen, Hauptsache die Innere Führung wird hochgehalten. Von der ursprüngichen sinnvollen Definition der Inneren Führung als "Zeitgemäßer soldatischer Menschenführung auf dem Boden des Grundgesetzes" hat man sich meilenweit entfernt, wie z.B. das oben zitierte Vorgehen bei Versetzungen beweist.
                Nach meiner langjährigen Berufserfahrung kann jede Organisation etwa 20 Prozent Deppen, Unfähige, Unwillige, Eigenbrötler oder nur auf Eigennutz Bedachte aushalten. Das Problem fängt an, wenn die in der Hierarchie nicht tendenziell unten stehen, sondern nach oben gelangt sind.

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                • Nemere
                  Cold Warrior
                  • 12.06.2008
                  • 2835

                  #23
                  Zitat von Dragoner Beitrag anzeigen
                  Das Problem fängt an, wenn die in der Hierarchie nicht tendenziell unten stehen, sondern nach oben gelangt sind.
                  Jetzt könnte man dazu am Beispiel der Bundeswehr eine Diskussion über das dort zum Auswuchs kommende "Peter-Prinzip" anfangen: Jeder wird bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit befördert. Aber das würde dann endgültig den Rahmen des Themas sprengen.

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                  • DeltaEcho80
                    Cold Warrior
                    • 09.03.2013
                    • 1711

                    #24
                    Um den Bogen zum Kern des Thema wieder zu bekommen:

                    Ich hatte es ja schon mal geschrieben, als wir es über die Einsatzplanung der 12. PzDiv hatten, speziell um die Verteidigung der Senke von Manau in den Haßbergen. Hier wäre ja u.a. das JgBtl 127 zum Einsatz gekommen.

                    Der 1. Vorsitzende unserer Reservistenkameradschaft war als HFw d.R. lange Jahre als KpTrpFhr in der 3./127 mob-geplant. Er hat mir erzählt, dass in dieser Kompanie für den V-Fall die Uffz-Stellen zu einem großen Teil mit Portepees aus der Schießlehrerinspektion der InfS besetzt waren. Auch in den anderen Kompanien wäre das so gewesen. Also durchaus "fähige" Kameraden. Und der alte S1-Offz hat auch immer insgeheim drauf geachtet, dass es Kameraden aus der näheren Umgebung waren, also Unterfranken, die motiviert genug waren, die nähere Heimat zu verteidigen.

                    Wobei das sicherlich die positive Ausnahme war. Andernorts wird es auch andere Konstellationen gegeben haben.

                    Hätten die Schulen eigentlich auch im V-Fall ihren Ausbildungsauftrag weiter geführt ?!

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                    • allrad
                      Cold Warrior
                      • 10.02.2014
                      • 154

                      #25
                      Hallo

                      die Truppenschulen wären im V Fall aufgelöst worden. Eine Ausbildung wäre neben der Ausbildung in den Einheiten nur noch für Rekruten in den Feldausbildungsregimentern weitergeführt worden. Bereits sehr früh in der Hstr. 4 wurde diese Ausbildung nur noch auf Sicherungsaufgaben begrenzt, die Rekruten wären nicht in Feldtruppenteile versetzt worden sondern in besagten Feldausbildungsregimentern für Arbeits und Sicherungsaufgaben eingesetzt worden. Die Aussage deines bekannten steht im Widerspruch zu der von mir zitierten Weisung Nr.1. Wobei hier natürlich die Zeitachse eine Rolle spielt. In den späten 80er Jahren waren die Jg. Btl. D meines Wissens an ein aktives Pz.Gren. Btl der Div gekoppelt. D.h. ausscheidende Soldaten aus dem aktiven Btl in Jg Btl D eingeplant, einige Schlüsselpositionem wurden von aktiven Soldaten aus dem aktiven Btl besetzt und dort durch Alarmreservisten ersetzt.

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                      • DeltaEcho80
                        Cold Warrior
                        • 09.03.2013
                        • 1711

                        #26
                        Zitat von allrad Beitrag anzeigen
                        Hallo

                        die Truppenschulen wären im V Fall aufgelöst worden. Eine Ausbildung wäre neben der Ausbildung in den Einheiten nur noch für Rekruten in den Feldausbildungsregimentern weitergeführt worden. Bereits sehr früh in der Hstr. 4 wurde diese Ausbildung nur noch auf Sicherungsaufgaben begrenzt, die Rekruten wären nicht in Feldtruppenteile versetzt worden sondern in besagten Feldausbildungsregimentern für Arbeits und Sicherungsaufgaben eingesetzt worden. Die Aussage deines bekannten steht im Widerspruch zu der von mir zitierten Weisung Nr.1. Wobei hier natürlich die Zeitachse eine Rolle spielt. In den späten 80er Jahren waren die Jg. Btl. D meines Wissens an ein aktives Pz.Gren. Btl der Div gekoppelt. D.h. ausscheidende Soldaten aus dem aktiven Btl in Jg Btl D eingeplant, einige Schlüsselpositionem wurden von aktiven Soldaten aus dem aktiven Btl besetzt und dort durch Alarmreservisten ersetzt.
                        Ich muss ihn nochmal genau befragen, vielleicht habe ich auch was falsch verstanden. Aber normalerweise erzählt er mir keinen Unsinn. Andererseits wurde der langjährige S3 vom PzGrenBtl 352 dann Kommandeur bei 127. Vielleicht hat ja alles "irgendwie" ein bisschen zusammen gespielt, aufgrund der bestehenden Netzwerke.

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                        • Nemere
                          Cold Warrior
                          • 12.06.2008
                          • 2835

                          #27
                          Zitat von DeltaEcho80 Beitrag anzeigen
                          Er hat mir erzählt, dass in dieser Kompanie für den V-Fall die Uffz-Stellen zu einem großen Teil mit Portepees aus der Schießlehrerinspektion der InfS besetzt waren. (...) Also durchaus "fähige" Kameraden.
                          Auch wenn ich jetzt vielleicht mich wieder zwischen alle Stühle setze: Aufgrund meiner Erfahrungen sind gerade diese "Spezialisten" der Truppenschulen nicht unbedingt die optimale Lösungen für "normale" Führungspositionen in Reserveeinheiten - zumindest dann nicht, wenn sie schon einige Jahre an der Schule waren und oft den Kontakt zu den Anforderungen der Truppe verloren haben. Ein Oberfeldwebel oder Hauptfeldwebel mag ein hervorragender Schießlehrer sein, deswegen ist er noch lange nicht ein brauchbarer Zugführer oder Kompanietruppführer. Auf diesen Dienstposten werden an die Führungs- und Organisiationsfähigkeiten ganz andere Anforderungen gestellt, als für die Durchführung eines Schießlehrer-Lehrgangs.
                          Wir hatten in Sonthofen - Feldjägerschule - bei Wehrübungen recht negative Erfahrungen mit unseren Ausbildern aus dem Personenschutzbereich gemacht. Die kamen sich als eine Mischung aus James Bond und Rambo vor, hatten ausser Combatschießen, Hochgeschwindigkeitsfahren mit Schleudertechniken und Waffenlosen Kampf kaum mehr etwas anderes im Kopf und waren dann beim Einsatz als Streifenführer / Zugführer usw. in den Reserveeinheiten nicht die erste Wahl.

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                          • DeltaEcho80
                            Cold Warrior
                            • 09.03.2013
                            • 1711

                            #28
                            Naja, ich kann ja nur wieder geben, was er mir erzählt hat. Aber bei den 127er scheint das wohl doch eine gute Mischung gewesen zu sein.

                            Er wollte mich damals als sein Gehilfe und Fahrer im KpTrp für die 3./127 einplanen lassen, weswegen ich natürlich nach gefragt habe, was da so für Kameraden "unterwegs" sind.

                            Aktuell ist er leider schwer krank, weswegen ich ihn nicht mal eben auf ein DAB besuchen kann.

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