Einsatz der Kampftruppen des Territorialkommandos SÜD

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  • Nemere
    Cold Warrior
    • 12.06.2008
    • 2835

    #1

    Einsatz der Kampftruppen des Territorialkommandos SÜD

    In den digitalisierten Beständen des Bundesarchivs-Militärarchiv bin ich auf Operationsbefehle des Territorialkommandos SÜD aus den 1980er Jahren gestoßen (Signatur BH 21/3215). Darunter war auch eine Karte, die den Einsatz der Kampftruppen des TerrKdo bzw. der Wehrbereichskommandos (Heimatschutzbrigaden und Heimatschutzregimenter) 1988 zeigt. Die Karte ist leider zu groß, um sie hier komplett um Forum einzustellen. Ich musste sie deshalb in drei Ausschnitte zerlegen, die immer ungefähr den Bereich eines Wehrbereichs zeigen. Nähere Erläuterungen dazu in beigefügter PDF-Datei.
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  • kato
    Cold Warrior
    • 03.03.2009
    • 869

    #2
    JgBtl 943 dürfte seinen Einsatzraum dort gehabt haben, weil im V-Fall das Stabsquartier des Territorialkommando Süd genau hierhin verlegt hätte. Nach Osten hin war der Einsatzraum dabei durch die (autobahnähnliche) B9 begrenzt, also etwa 5 km westlich des Rheins. Brücken über den Rhein in diesem Raum gab es nur zwei.

    bergzabern.jpg
    Quelle Auszug: Bevölkerungsschutz 1/2012, Publikation BBK.

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    • allrad
      Cold Warrior
      • 10.02.2014
      • 154

      #3
      Hallo,
      erstmal vielen Dank für das Einstellen der Interesanten Quelle. So formt sich langsam auch ein Bild von der Einsatzplanung der Heimatschutzkräfte. Wenn man sich die Stärke der Kampftruppen eines WBKs so anschaut kommt ja wieder die Frage nach den Reservekräften des Heeres auf. Bei Terr Kdo Süd findet sich ja offensichtlich an Aufträgen alles was die einschlägigen Vorschriften so vorsehen. Schutz von rückwärtigen Gebieten, auffangen von durchgebrochenem Feind und als Ausnahme die Verstärkung des Feldheeres "vorn" in der Fcz. Eine Zusammenfassung von Kräften mehr als einer Brigade vermag ich nicht zu erkennen. Insofern sind die Kräfte zwar rechnerisch durchaus in der Nähe einer Division, aber eben kein Einsatz als Reservedivision vorgesehen.
      Ich habe das mal mit den Digitalisaten des Terr Kdo Nord verglichen. Da ist mir bei den Kampftruppen des Wbk folgendes aufgefallen: Das Hsch Rgt 72(-)sichert einen Raum zwischen Bremen und Bremerhafen an der Unterweser, die Grenze Fcz und Rcz verläuft durch diesen Raum. Das abgegebene Jg.Btl. C bildet mit einem Pi Btl Terr Heer den
      Sperrverband Hamburg. Eine Besonderheit sind die 12 Hsch Kpn der VKK Bückeburg, Nienburg und Verden. Diese sichern mit Masse die Weserübergänge im Gebiet des I. deutschen und I. niederländischen Korps, mit geringeren Kräften auch Übergänge über Aller und MLK. Üblicherweise hatten Vkk in der Fcz gar keine Hsch Kpn.
      Besonders auffällig ist aber die Konzentration der Hsch.Brig. und des Hsch Rgt im Raum Dammer Berge- Vechta hart westlich der rückwärtigen Grenze des I. Korps. Auch ist hier der Verfügungsraum eines der Pi.Btl. des Pi.Rgt. 72 eingezeichnet. Die andern beiden sind nicht eigezeichnet. Für die aktive Hsch.Brig.52 sind Gegenangriffe in das Korpsgebiet, auf die Weserübergänge im Raum Verden und Minden, eingezeichnet, die Hsch.Brigade 62 und das Hsch Rgt 82 sichern ihre Räume. Vom Grundsatz sindhier auf relativ engen Raum Hsch Kräfte versammelt, die mit 3 Jg.Btl Terr Heer, 3 Jg Btl C, 3 Pz.Btl., 2 FArt.Btl und einem Pi Btl letztlich rein numerisch eine schwache Division darstellen.
      Schwach im Vergleich zum Feldheer nur wenig mechanisiert, wenig Kampfunterstützung, Fernmeldekräfte und Logistik, älteres Gerät, hoher Reservistenanteil usw. Ob das Verfügungstruppenkomando 42 zur Führung dieser Kräfte eingesetzt war und wie der Auftrag dieser Kräfte war lässt sich nur im mir nicht bekanntem Textteil ergründen.
      Im genannten Raum befindet sich wenig was die Konzentration erforderlich machen würde. Im Hinterkopf habe ich allerdings, dass man eine operative Luftlandung in den Dammer Bergen annahm. Wie realistisch das war kann ich nicht beurteilen.

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      • Nemere
        Cold Warrior
        • 12.06.2008
        • 2835

        #4
        Zitat von kato Beitrag anzeigen
        JgBtl 943 dürfte seinen Einsatzraum dort gehabt haben, weil im V-Fall das Stabsquartier des Territorialkommando Süd genau hierhin verlegt hätte.
        Da sagt die Aktenlage etwas anderes aus.

        Das TerrKdo Süd verblieb in Mannheim, es hatte dort sein Kriegshauptquartier im Bunker Freudenhain. Siehe beigefügten Auszug aus dem Opbefehl Nr. 1 des TerrKdo Süd von 1988, Anlage F (BA-MA 21/2979, S. 2045)
        Die Aussage des Journalisten in der zitierten Quelle ist also falsch und gibt die Übungskünstlichkeiten von WINTEX/CIMEX wieder.
        Auch das Sanitätskommando 850, bei dem der Autor dieser Aussage möglicherweise wegen seiner erwähnten Tätigkeit beim DRK als Verbindungsoffizier eingesetzt war, war im V-Fall in Mannheim, und zwar in der Bundesakademie für Wehrverwaltung und Wehrtechnik.

        Für die Sicherung von Gefechtsständen waren bei der Bundeswehr normalerweise die Stäbe selbst verantwortlich. Dafür gab es bei Stäben ab der Division einen oder mehrere Sicherungszüge in der jeweiligen Stabskompanie. Die Stabskompanie des TerrKdo hatte eine Stärke von etwa 660 Mann, da dürften auch Sicherungskräfte enthalten gewesen sein. Nur bei sehr hohen NATO-Stäben (AFCENT) oder auf Ebene BMVg gab es hier Abweichungen.

        Auch der Befehl des TerrKdo SÜD an das WBK IV enthält für den Einsatzraum des JgBtl 943 keinen Auftrag zur Sicherung eines Gefechtsstandes im Raum Bergzabern – Landau. Der Auftrag dieses Btl lässt sich eher aus Ziffer (8) des Opbefehls „Überwachen wichtiger Geländeräume westlich des Rheins“ oder aus Ziffer (12) – Bekämpfung luftgelandeten Feindes in diesem Raum - herleiten.

        Neben den ständigen Brücken waren im Einsatzraum des JgBtl 943 bzw. an dessen Rändern bis zu 7 Ersatzübergangsstellen vorgesehen:
        - Speyer
        - Germersheim
        - Leimerheim (eventuell 2 x )
        - Knielingen (eventuell 2 x)
        - Daxlanden

        Ich füge den Auftrag an das WBK IV aus dem OpBefehl des TerrKdo Süd bei.
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        • Nemere
          Cold Warrior
          • 12.06.2008
          • 2835

          #5
          Zitat von allrad Beitrag anzeigen
          Schwach im Vergleich zum Feldheer nur wenig mechanisiert, wenig Kampfunterstützung, Fernmeldekräfte und Logistik, älteres Gerät, hoher Reservistenanteil usw. Ob das Verfügungstruppenkomando 42 zur Führung dieser Kräfte eingesetzt war und wie der Auftrag dieser Kräfte war lässt sich nur im mir nicht bekanntem Textteil ergründen.
          Das Bilden von Reservedivisionen aus Kräften des Feldheeres wäre nach meiner Meinung immer am Fehlen der für Divisionen notwendigen Kampfunterstützungstruppen (vor allem Artillerie, Flugabwehr und geeignete Pioniere) und Logistiktruppen gescheitert. Es wäre allenfalls ein zeitlich sehr begrenztes Zusammenfassen von Kräften möglich gewesen.

          Ursprünglich waren dafür sechs Verfügungstruppenkommandos vorgesehen, die als Divisionsstäbe geführt wurden. Jedes WBK sollte eines dieser Kommandos erhalten, deswegen auch die Nummerierung von 1 bis 6 (VfgTrKdo 41 bis 46). Beim TerrKdo Süd war davon 1988 nur noch das Verfügungstruppenkommando 45 vorhanden, das vor allem aus dem Lehrpersonal der Infanterieschule Hammelburg und anderer Schulen des süddeutschen Bereiches aufgestellt werden sollte.

          Den Auftrag des TerrKdo Süd an das VfgTrKdo 45 füge ich in der Anlage bei. Welche Kräfte diesem Stab zugeteilt werden sollen, wird mit keinem Satz erwähnt. Neben dem zu erwartenden Einsatz zur Bekämpfung von Luftlandungen taucht auch hier wieder der „Fall Österreich“ auf, das VfgTrKdo sollte ggf. die tiefe rechte Flanke von CENTAG (also des II. (GE) Korps schützen:
          - südlich und südwestlich von München
          - Auffangen von Feindkräften, die aus Tirol und Vorarlberg nach Bayerisch Schwaben und Oberschwaben vordringen.
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          • kato
            Cold Warrior
            • 03.03.2009
            • 869

            #6
            Der auf der Karte eingezeichnete Einsatzraum umfasst die auf Blatt 32 im OpBefehl für WBK IV unten mit handschriftlichen Änderungen erwähnte zu schützende "Funkzelle TerrKdo Süd in Haßloch" (nördlicher Rand Einsatzraum) und "Reservefunkzelle in Lustadt" (östlicher Rand Einsatzraum) und erstreckt sich von diesen bis hin zum Standort Bad Bergzabern (südwestliche Ecke) aus dem das FmBtl 860 zum Betrieb FmZ TerrKdo Süd mobilisierte bzw. wohin auch TerrKdo Süd bei WINTEX etc verlegte.

            Um nur Rheinübergänge zu sichern braucht der Raum ja nicht gut 20 km breit sein...


            Der Weltkriegs-Hochbunker Feudenheim wäre mit 700 und mehr Mann übrigens sehr kuschelig geworden. Das Ding hat um die 500-600 m² auf seinen 5 Stockwerken.

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            • Nemere
              Cold Warrior
              • 12.06.2008
              • 2835

              #7
              Zitat von kato Beitrag anzeigen
              ... erwähnte zu schützende "Funkzelle TerrKdo Süd in Haßloch" (nördlicher Rand Einsatzraum) und "Reservefunkzelle in Lustadt" (östlicher Rand Einsatzraum) ....
              Es kommt schon auf die genauen Begriffe an. Im Befehl heißt es ganz deutlich "überwacht die Räume um ....".
              Überwachen ist die schwächste Form des Schutzes von Räumen und Objekten. Es wird definiert als "einen bestimmten Raum oder Tätigkeiten und Verhalten von Kräften beobachten oder kontrollieren, um erforderliche Maßnahmen treffen zu können." (HDv 100/900, Führungsbegriffe). Überwachung heißt, dass es ausreicht, Feindkräfte zunächst aufzuklären (HDv 211/100, Das Jägerbataillon, Nr. 1304).

              Für zwei Funkzellen wird dafür mit Sicherheit kein komplettes Bataillon eingesetzt werden. Überwachung erfolgt beweglich im Rahmen des Gesamtauftrages des Bataillons, z.B. durch Beobachter, Streifen oder Spähtrupps und immer in Abstimmung mit anderen in diesem Raum eingesetzten zivilen und militärischen Kräften. Das heißt, dass die beiden Funkzellen in unregelmäßigen Abständen von Streifen angefahren werden, dass Verbindung zum JgBtl besteht und dass ggf. der Einsatz von Kräften vorbereitet ist - genauso wie beispielsweise an den Brückenstellen. Siehe dazu insgesamt HDv 211/100 - Das Jägerbataillon, Kap. 13, Schutz rückwärtiger Gebiete.

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              • Nemere
                Cold Warrior
                • 12.06.2008
                • 2835

                #8
                Anbei zur Vervollständigung noch die Aufträge an das Wehrbereichskommando V- Baden-Württemberg.

                Ein Schwerpunkt war hier die Zusammenarbeit mit den französischen Streitkräften.

                Weiter war das WBK V auch verantwortlich für die Gewässerübergänge über den Necker, u.a. war deswegen das JgBtl 752 im Raum Mosbach – Obrigheim- Eberbach eingesetzt.

                Dann hatte das WBK V die Luftstreitkräfte beim Schutz der Flugplätze am Oberrhein (Lahr, Bremgarten, Söllingen-Karlsruhe) zu unterstützen. Damit hängt wahrscheinlich auch der sehr dislozierte Einsatz des JgBtl 853 im Raum Lahr zusammen, da das Btl von hier aus die Sicherung aller drei genannten Flugplätze verstärken und gleichzeitig beim Auftrag (4) – Unterstützen beim Mitwirken des Schutzes der Rheinübergänge – mitwirken kann. Grundsätzlich dürften aber für diese Schutzaufträge bei den Flugplätzen Heimatschutzkompanien verwendet worden sein.

                Der Auftrag (7 a) – Auffangen durchgebrochenen Feindes an Frankenhöhe, am Neckar oder im Taubertal – war wahrscheinlich vor allem von der bei Schwäbisch Hall dislozierten D/F-Brigade zu erfüllen, da von hier aus alle drei Einsatzorte zu erreichen waren. Für den Einsatz auf der Frankenhöhe wäre auch das bei Aalen eingesetzte HSchRgt 75 in Frage gekommen.

                Der Auftrag (7 b) – Bedrohung der tiefen rechten Flanke von CENTAG – wäre zunächst durch die nordwestlich Ulm stationierte HSchBrig 65 und das in der Schwäbisch Alb und bei Riedlingen eingesetzte HSchRgt 85 zu erfüllen gewesen.

                In den Zuständigkeitsbereich des HSchRgt 85 fiel ggf. auch der Auftrag (11) – Schutz der Übergänge an Iller und Illerkanal. Hier wären vor allem Marschstraßen französischer Verbände verlaufen.

                Für den Auftrag (12) – Überwachen der Räume um den GefStd TerrKdo SÜD in Mannheim – wurden dagegen weder Kräfte der HSchRgt noch der HSchBrig eingesetzt, sondern wäre Sache der hier regional vorhandenen Heimatschutzkompanien des VKK 522 gewesen.

                Die Aufträge an das WBK VI folgen bei Gelegenheit.
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                • spanier
                  Rekrut
                  • 29.07.2009
                  • 44

                  #9
                  nur hier möchte ich Nemere wiedersprechen:

                  Die HschBrig der 5er Reihe hatten grundsätzlich
                  - 1 JgBtl auf Lkw,
                  - 1 JgBtl MTW,
                  - 2 PzBtl,
                  - 1 ArtBtl,
                  - je 1 PiKp, ABCAbwKp, NschKp, InstKp, SanKp.

                  Die HschBrig 56 hatte:
                  PzGrenBtl 561 mit 2 Kp MARDER und 1 Kp MTW (wie PzGrenBtl in PzGrenBrig)
                  PzGrenBtl 562 mit 2 KP MARDER und 1 Kp MTW (wie PzGrenBtl in PzGrenBrig)
                  PzBtl 563 mit 3 Kp LEOPARD 1
                  PzBtl 564 mit 3 Kp LEOPARD 1
                  PzArtBtl 565 mit M 109

                  Restliche Brigadetruppen stimmen natürlich, die PzJgKp könnte man noch ergänzen.

                  Aber klar, diese Brigade hatte eine Sonderstellung, da direkt der 1.GebDiv unterstellt.

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                  • Nemere
                    Cold Warrior
                    • 12.06.2008
                    • 2835

                    #10
                    Der Vollständigkeit halber anbei noch die Aufträge an das Wehrbereichskommando VI (Bayern).

                    Dieses WBK wies im Gegensatz zu den anderen Wehrbereichen eine Reihe von Besonderheiten auf, die seinen Auftrag nicht gerade einfacher machten:
                    a) Der Wehrbereich lag weitgehend in der Vorderen Kampfzone (FCZ), lediglich große Teile Schwabens und der Südwesten Oberbayerns mit München waren in der Rückwärtigen Kampfzone (RCZ).
                    b) Der Wehrbereich hatte die längste Grenze aller Wehrbereiche zum Warschauer Pakt mit den sich daraus ergebenden zahlreichen Angriffsmöglichkeiten. Verschärft wurde diese Situation noch durch die lange Grenze zu Österreich als weitere potenielle Frontlinie, so dass im Extremfall Angriffe aus drei Richtungen (Norden, Osten / Südosten, Süden) erfolgen konnten.
                    c) Der Wehrbereich hatte mit einer Vielzahl möglicher Angriffsrichtungen / Feindoperationen zu rechnen:
                    1. Aus Meiningen über Mellrichstadt in Richtung Würzburg – Frankfurt
                    2. Aus dem Raum Plauen über Hof – Bayreuth in Richtung Nürnberg
                    3. Aus Nordböhmen durch die Naab-Wondreb-Senke ebenfalls in Richtung Nürnberg
                    4. Aus dem Raum Pilsen durch den Oberpfälzer Wald in Richtung Nürnberg oder über Cham-Furth zur Donau.
                    5. Aus Oberösterreich nördlich des Inn Richtung München oder in Richtung Regensburg zur Donau, um die in Ostbayern stehenden Truppen der NATO einzuschließen.
                    6. Bei einem Angriff durch Österreich ein Vorstoß entlang des (österreichischen) Inntals, um dann nach Nehmen der Alpenpässen südlich München weiter Richtung Bodensee-Oberschwaben vorzustoßen und gleichzeitig die Verbindung zwischen AFCENT und AFSOUTH zu unterbrechen.
                    d) Der Wehrbereich hatte seinen kampfkräftigsten Großverband, die HSchBrig 56 ersatzlos an das II. Korps abgegeben. Die Anfang der 1980er Jahre noch stattdessen vorgesehene Unterstellung der GebJgBrig 23 an das WBK VI war nie zustande gekommen.

                    Zu den Aufträgen:
                    Auftrag (2) Hier ging es um vor allem um das Personal der grenznahen Aufklärungs- und Radartürme (Kornberg, Schneeberg, Hoher Bogen, Arber, Döbraberg) sowie den Tiefflieger-Melde- und Leitdienst.

                    Auftrag (7) regelt die Unterstellung von Feldjägerkräften des TerrH an das II. (GE) Korps sowie an die dem VII. US-Korps unterstellte 12. (GE) PzDiv.

                    Auftrag (8) und (9b) beziehen sich wieder auf den Schutz der tiefen rechten Flanke von CENTAG. Hierfür wäre vor allem das südwestlich von München liegende HSchRgt 86 in Frage gekommen. Im Auftrag (8) wird darauf hingewiesen, dass in diesen Überwachungsauftrag auch zivile Kräfte einzubeziehen sind. Der hier genannte Raum lag noch in der RCZ, hier waren auf jeden Fall noch die bayerische Polizei, eventuell auch von der Grenze zurückgeführte BGS Kräfte handlungsfähig vorhanden. Beim Einsatz der Landespolizei konnte allerdings deren fehlender Kombattantenstatus Probleme bereiten.

                    Für den Auftrag (9a) – Einsatz an der Frankenhöhe – war vor allem die im Raum Oettingen – Treuchtlingen liegende HSchBrig 66 sowie das HSchRgt 76 aus dem Raum westlich Nürnberg und ggf. das entlang der Donau liegende HSchRgt 96 vorgesehen.

                    Der Auftrag (9c) – Raumschutz beiderseits Ingolstadt – wurde durch das JgBtl 861 wahrgenommen.
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                    • DeltaEcho80
                      Cold Warrior
                      • 09.03.2013
                      • 1711

                      #11
                      Zitat von Nemere Beitrag anzeigen

                      Den Auftrag des TerrKdo Süd an das VfgTrKdo 45 füge ich in der Anlage bei. Welche Kräfte diesem Stab zugeteilt werden sollen, wird mit keinem Satz erwähnt. Neben dem zu erwartenden Einsatz zur Bekämpfung von Luftlandungen taucht auch hier wieder der „Fall Österreich“ auf, das VfgTrKdo sollte ggf. die tiefe rechte Flanke von CENTAG (also des II. (GE) Korps schützen:
                      - südlich und südwestlich von München
                      - Auffangen von Feindkräften, die aus Tirol und Vorarlberg nach Bayerisch Schwaben und Oberschwaben vordringen.
                      Die Aussage zum Verfügungstruppenkommando 45, "stellt sich daraufhin, die Operation gemischter Kräfte (Feldheer, Territorialheer, verbündete Streitkräfte) zur führen..." finde ich sehr interessant. Das wäre doch ein immenser Aufwand geworden oder wahlweise ein heilloses Durcheinander.

                      Wenn ich mir die OOB von Dragoner anschaue, wird als Stationierungsort für das Verfügungstruppenkommando 45 im Frieden ja Hammelburg geführt, als Kriegsstationierungsort dann "Lachen-Speyerdorf", was nach meiner Recherche bei Neustadt an der Weinstraße, also dann in der Pfalz, liegt. Das heißt, auch hier hätte es bis zur Herstellung der Arbeitsbereitschaft ja wieder einiges an "Hin -und Her" bedurft. Oder wurde das Kommando schon bei frühzeitigen Alarmmaßnahmen auf die "Reise geschickt" ?

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                      • Nemere
                        Cold Warrior
                        • 12.06.2008
                        • 2835

                        #12
                        Zitat von DeltaEcho80 Beitrag anzeigen
                        Wenn ich mir die OOB von Dragoner anschaue, wird als Stationierungsort für das Verfügungstruppenkommando 45 im Frieden ja Hammelburg geführt, als Kriegsstationierungsort dann "Lachen-Speyerdorf", was nach meiner Recherche bei Neustadt an der Weinstraße, also dann in der Pfalz, liegt.
                        Hammelburg war wahrscheinlich der sog. "Mobilmachungsstützpunkt", wo das bereits im Frieden vorhandene Material lagerte. Auch musste wahrscheinlich die Infanterieschule Material an das VfgTrKdo 45 abgeben. Der Personalstamm kam auch von der Infanterieschule, also dürfte Hammelburg auch der "Gestellungsort Personal" zumindest für einen Teil des Personals gewesen sein. Ob der "Gestellungsort Material", also der Ort, wo das zivile Material aus der Mobilmachungsergängung abzuliefern war, in Hammelburg oder in Lachen-Speyerdorf war, weiß ich nicht.

                        Andererseits lag natürlich Hammelburg für einen Stab, der später nicht unbedingt am VRV eingesetzt wurde, und dessen Truppenteile auch eher aus dem Bereich des TerrH kamen, wegen seiner relativen Grenznähe ungünstig. Um die Abläufe nachvollziehen zu können, bräuchte man die entsprechenden Alarmkalender oder die OpBefehle des VfgTrKdo. Dazu habe ich im BA-MA noch nichts entdeckt, auch bei den klassischen Papierakten ist dazu nichts in Invenio nachgewiesen.

                        In Lachen-Speyerdorf gab es einen Militärflugplatz, der schon 1916 für die damalige königlich bayerische Fliegertruppe angelegt wurde. Die Rheinpfalz war ja bis 1946 der achte bayerische Regierungsbezirk. Nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages rückten 1918 französische Besatzungstruppen ein, bis 1930 waren dort vor allem Kampflugzeuge, also Bomber stationiert. Ab 1936 stationierte die Wehrmacht dort Heerestruppen, im 2. Weltkrieg wurde der Platz ausgebaut und wieder von der Luftwaffe genutzt. Nach 1945 waren dort erneut Teile der französischen Luftstreitkräfte stationiert. Der Platz scheint auch ab und zu von den Heeresfliegern der Bundeswehr mit genutzt worden zu sein.

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                        • DeltaEcho80
                          Cold Warrior
                          • 09.03.2013
                          • 1711

                          #13
                          Zitat von Nemere Beitrag anzeigen
                          Hammelburg war wahrscheinlich der sog. "Mobilmachungsstützpunkt", wo das bereits im Frieden vorhandene Material lagerte. Auch musste wahrscheinlich die Infanterieschule Material an das VfgTrKdo 45 abgeben. Der Personalstamm kam auch von der Infanterieschule, also dürfte Hammelburg auch der "Gestellungsort Personal" zumindest für einen Teil des Personals gewesen sein. Ob der "Gestellungsort Material", also der Ort, wo das zivile Material aus der Mobilmachungsergängung abzuliefern war, in Hammelburg oder in Lachen-Speyerdorf war, weiß ich nicht.

                          Andererseits lag natürlich Hammelburg für einen Stab, der später nicht unbedingt am VRV eingesetzt wurde, und dessen Truppenteile auch eher aus dem Bereich des TerrH kamen, wegen seiner relativen Grenznähe ungünstig. Um die Abläufe nachvollziehen zu können, bräuchte man die entsprechenden Alarmkalender oder die OpBefehle des VfgTrKdo. Dazu habe ich im BA-MA noch nichts entdeckt, auch bei den klassischen Papierakten ist dazu nichts in Invenio nachgewiesen.
                          Ja, das ist mir bewusst, dass man diese Unterlagen zu belastbaren Aussagen benötigt. Warten wir einfach mal ab, Geduld bringt Rosen.

                          Wobei mir in diesem Zusammenhang auch der Gedanke kommt, dass die "MOB-Planung" für die KTS/Infanterieschule mal sehr interessant wäre. Die Schule hätte ja auch viele Soldaten an die Brigade 35 oder die Divisionstruppen der 12. PzDiv (> JgBtl 127!) abgegeben.

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                          • Nemere
                            Cold Warrior
                            • 12.06.2008
                            • 2835

                            #14
                            Zitat von DeltaEcho80 Beitrag anzeigen
                            Wobei mir in diesem Zusammenhang auch der Gedanke kommt, dass die "MOB-Planung" für die KTS/Infanterieschule mal sehr interessant wäre. Die Schule hätte ja auch viele Soldaten an die Brigade 35 oder die Divisionstruppen der 12. PzDiv (> JgBtl 127!) abgegeben.
                            Ja, wäre sicher lesenswert. Diese Personalabgaben im Mob-Fall gab es bei allen Schulen. Die Schule für Feldjäger und Stabsdienst gab im V-Fall das Personal der Lehrgruppe A (Feldjäger) zum größten Teil zur Aufstellung der Feldjägerbataillone 761, 762 und 751, zu einem kleinen Teil auch noch an 741 ab.
                            Ich war Hörsaatlleiter in der II. Inspektion, war eingeplant als Kompaniechef beim Feldjägerbataillon 762 und wäre mit meiner Kompanie nach Einsatz im Verkehrsleitnetz Anfangsbewegungen dann mit dem Bataillon 762 beim II. (GE) Korps gelandet.
                            Die Lehrgruppe B (Stabsdienst) wurde mit Masse zur Aufstellung der Wehrleit-/Ersatzbataillone des Terrkommando Süd herangezogen.
                            Auch das Material der Schulen ging an Geräteeinheiten. Ob man dort viel Freude mit dem meist sehr verbrauchten und durch den ständigen Benutzerwechsel auch wenig gepflegten Sachen gehabt hätte, ist eine andere Frage. Leider habe ich bisher auch nicht herausgefunden, wohin die beiden Panzer der SFJg/StDst im V-Fall gehen sollten. Die Lehrgruppe B hatte für die Ausbildung der Stabsdienstler im Gefechtsstandbetrieb zwei M 577.
                            Auch mit dem Personal der Schulen war das so eine Sache. An jeder Schule gab es Offiziere und Feldwebel, die sich teils seit Jahrzehnten an den Schulen festgekrallt hatten und durch diverse, oft selbst geschaffene Hindernisse (beliebt z.B. Tätigkeit in der Kommunalpolitik) kaum mehr zu versetzen waren. Diese Leute hatten oft jeden aktuellen Praxisbezug verloren und wären sicher nicht unbedingt in jedem Fall ein Gewinn bei der Mobilmachung der Geräteeinheiten gewesen.

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                            • Dragoner
                              Cold Warrior
                              • 15.03.2008
                              • 2130

                              #15
                              Zitat von Nemere Beitrag anzeigen
                              An jeder Schule gab es Offiziere und Feldwebel, die sich teils seit Jahrzehnten an den Schulen festgekrallt hatten und durch diverse, oft selbst geschaffene Hindernisse (beliebt z.B. Tätigkeit in der Kommunalpolitik) kaum mehr zu versetzen waren.
                              Interessante Regelung. Was war die rechtliche Grundlage für solche Versetzungshindernisse?

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