Zur Geschichte der Durchschlageübungen

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  • EmilBerggreen
    Cold Warrior
    • 19.07.2015
    • 514

    #1

    Zur Geschichte der Durchschlageübungen

    Durchschlageübungen (DSÜ) waren/sind ein fester Bestandteil der Ausbildung bei der JgTr (GebJgTr und in verschärfter Form für die FschJgTr), PzGrenTr, insbesondere für Fernspäher (die machen ja eigentlich nichts anderes), PzAufklTr, etc.
    Ich habe das Internet schon nach entsprechenden Quellen durchforstet aber nichts gefunden, was weder auf eine genaue Definition noch auf eine HDv hindeutet, daher meine Frage.
    Der Einzelkämpferlehrgang für Offiziere ist natürlich eine besonders harte Form der DSÜ, der sich über eine längere Zeit erstreckt aber eine DSÜ (in abgemilderter Form) war natürlich auch auf dem Ausbildungsplan für viele Jg/PzGrenKp vorgesehen.
    Was ist der Ursprung einer Durchschlageübung?
    Sind das traumatische Weltkriegserfahrungen – versprengte oder eingeschlossene Truppen, die sich losgelöst von ihrem Verband zu den eigenen Truppen zurückschlagen mussten?
    Ist es vielleicht die traumatische Erfahrung der Rückkämpfer aus dem Sommer 1944, als die Heeresgruppe Mitte während der OPERATION BAGRATION in Weißrussland zerschlagen wurde und sich „kleine Kampfgruppen“ immer wieder aus Einkesselungen befreien und gen Westen (Ostpreußen) durchkämpften mussten.

    Meines Wissens war der Begriff der DSÜ während des Stellungskrieges des WK I noch vollkommen unbekannt. Diese Begrifflichkeit musste irgendwann einmal während des schnellen Bewegungskrieges (Panzerverbände) des WK II entstanden sein. Das ist zumindest meine persönliche Vermutung.
    Oder die Erfahrung der Amerikaner während des Vietnamkrieges? Patrouille im Regenwald, irgendwo im Jahr 1967 isoliert im Zentralen Hochland bei Dak To – Feind taucht plötzlich auf und die Fernmeldeverbindung reißt plötzlich ab – Rückkehr durch extrem unwegsames Gelände auf eigene Faust? Die nächste FSB (Fire Support Base/Artillerie) kann aufgrund der Distanz nicht wirken …

    Oder rechnete man im Kalten Krieg aufgrund der schnellen Panzerverbände des Gegners mit schnell entstehenden „Insellagen“?
    Oder basiert eine DSÜ auf eine künstliche, reine Übungslage? Abhärtung im Waldkampf, bis an die körperlichen Grenzen gehen, etc. Also reine Übungskünstlichkeit oder eine damals tatsächliche Bedrohungslage?
    Der Zug, die Kompanie ist in der Nacht „abgesprengt“, linker/rechter Nachbar existiert auf einmal nicht mehr, keine Funkverbindung zur OPZ, links und rechts Kettengeräusche, die nicht von Leopard-Panzern verursacht werden …

    Gruss
  • Malefiz
    Cold Warrior
    • 22.12.2010
    • 374

    #2
    Hallo
    Vermutlich dient die Durchschlageübung als Vorbereitung auf den Jagdkampf.


    Es wird in dem Artikel ja auch der Bezug zum Jagdkampf hergestellt.
    Für die Kampfform gibt es ja verschiedene historische Beispiele wie Lettow-Vorbeck im 1. Weltkrieg.
    Grüße aus Halle

    Kommentar

    • EmilBerggreen
      Cold Warrior
      • 19.07.2015
      • 514

      #3
      Das würde auch absolut Sinn machen.

      WP Jagdkampf
      Einsatzgrundsätze. Der Führer des Jagdkampfzuges beachtet im Wesentlichen das Merkwort VASE für Verbindung, Aufklärung, Sicherung, Erkundung, um seinen Jagdkampfzug vor Feindkräften zu schützen. Der Verlauf des Jagdkampfes ist trotz gründlicher Planung und Vorbereitung wenig voraussehbar. Einer verstärkten Teileinheit wird für den Jagdkampf ein allgemeiner Auftrag befohlen und ihr bei der Durchführung größtmöglicher Freiraum belassen (siehe auch Führen mit Auftrag).
      Für den Einsatz geeignete Notfallaufnahmepunkte als Hubschrauberlandezonen werden wie mehrere Verstecke durch den Führer des Jagdkampfzuges bereits in der Planung festgelegt.
      Eindringen in den Feindraum. Die Verbringung eines Jagdkampfzuges erfolgt durch Sickern in Lücken, Luftanlandung mit Hubschraubern, Luftlandung nach automatischem Fallschirmsprung oder Verbringung durch mechanisierte Kräfte mit Kampf-, Schützen- und Transportpanzern nach Schlagen eines zeitweiligen gewaltsamen Durchbruchs durch die FLET (forward line enemy troops). Der Jagdkampfzug wird danach im rückwärtigen Feindraum abgesetzt und erreicht seinen Einsatzraum im Weiteren nach Fußmarsch durch Sickern. Für den Freifallsprung ausgebildete Soldaten im HAHO-Einsatz sind allgemein nicht in der Infanterie zu finden. Dieses Einsatzverfahren zur Verbringung wird nur durch spezialisierte Kräfte angewandt.
      Die Eindringtiefe beträgt zwischen 20 km bis unter 100 km mit einem Einsatzraum von rund 10 km × 10 km bis zu 10 km × 20 km. Die Ausdehnung bestimmt sich vor allem durch großräumige natürliche und künstliche Geländelinien und die allgemeine Gestaltung des Geländeraumes.


      Jagdkampf ist aber eine aktive Operationsart, die sich nach vorne richtet und der Ausbruch aus einem Kessel wäre ja eine rückwärtsgerichtete Bewegung, um durch feindbesetztes Terrain zu kommen.
      Also für mich ist der Jagdkampf auftragsbezogen (Aufklärung, etc.) und beim Durchschlagen geht es rein ums Überleben oder habe ich das etwas falsch verstanden?

      Kommentar

      • EmilBerggreen
        Cold Warrior
        • 19.07.2015
        • 514

        #4
        Und tatsächlich, es gibt diese Querverbindung zu Lettow-Vorbeck: WP Jagdkampf
        Beispiel für den Einsatz mehrerer selbständiger Gefechtsverbände im Jagdkampf gibt Paul von Lettow-Vorbeck mit dem Einsatz der Schutztruppe in DOA für Deutsch-Ostafrika und während des Ersten Weltkriegs in Ostafrika.
        Zuletzt geändert von EmilBerggreen; 17.11.2018, 04:46. Grund: Quellenangabe

        Kommentar

        • EmilBerggreen
          Cold Warrior
          • 19.07.2015
          • 514

          #5
          Ach so, Sickern/Infiltieren durch fdl Linien, wie geht das eigentlich?
          1. Alarmposten und dessen Ablösung ausspähen. Gibt es weitere Alarmstellungen und wo ist das Gruppenversteck/Unterschlupf des Gegners?
          2. Sind Schützenabwehrminen verlegt worden und wenn ja wo? Hat der Feind das Gelände pionierverstärkt? S-Drahtsperren, Flandernzäune, Spanische Reiter, etc.
          3. Gibt es im Wirkungsbereich der feindlichen Waffen irgendwo tote Winkel?
          4. Falls nicht anders möglich, dann halt auch S-Draht überwinden. 2 Mann biegen den Draht so hin, dass der Dritte schneiden kann

          So in der Art vielleicht? Ist natürlich extrem lage- und geländegebunden ...

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          • Nemere
            Cold Warrior
            • 12.06.2008
            • 2835

            #6
            1. Die Vorschriftengrundlage für das „Durchschlagen“ finden wir in der ZDv 3/11 „Gefechtsdienst aller Truppen“, Ausgabe 1988 im Kap. 23 (siehe Anlage). Hier ist in der Nr. 2301 deutlich gesagt, dass dieses Thema nicht nur die Kampftruppe, sondern ALLE Soldaten etwas angeht (siehe Text im Anhang). Wie Malefiz schon richtig geschrieben hat, gelten diese Grundsätze auch für den Jagdkampf.

            2. Der Jagdkampf ist in der HDv 100/100 „Führung im Gefecht“ geregelt. Hier heißt es grundlegend in der Nr. 707: Der Jagdkampf als besonderes Einsatzverfahren kann in jeder Gefechtsart geführt werden.
            Näheres ist dann im Kapitel 38 der HDv 100/100 zu finden.
            Die Einzelheiten der Durchführung ist in den Vorschriften der jeweiligen Truppengattungen erfasst, z.B. im Kapitel 4 der HDv 212/100 „Die Jägerkompanie“ oder im Kap. 5 der HDv 211/100 „Das Jägerbataillon“.
            Der „Jagdkampf“ wurde bereits in der Reichswehr sehr gepflegt, weil man dort den „hinhaltenden Kampf“ und den Kampf in Widerstandszonen mit Hinterhalten usw. entwickelte. Das Ganze war aus der Not geboren, weil man sich darüber im Klaren war, das man mit dem durch Versailler Vertrag festgelegten 100.00 Mann-Heer keine konventionelle Abwehr führen konnte. Der „hinhaltende Kampf“ wurde dann durch Hitler verboten, weil er behauptete, diese Kampfweise fördere die Feigheit und animiere zum Ausreißen. Wieder ein Beweis für die partielle Beschränktheit des „Führers“ in militärischen Dingen. Verzögerung und Jagdkampf sind die schwierigsten Kampfarten überhaupt und fordern hervorragend ausgebildete, hochmotivierte Soldaten.

            3. „Überleben im Feindesland als Versprengter“ war bereits in der Wehrmacht Ausbildungsthema. Ich habe den Ausbildungsplan einer Luftwaffeneinheit vom August 1942, wo dieses Thema bereits vorgesehen ist (Anhang). August 1942 –also 2 Jahre vor den großen Katastrophen in Russland, in deren Folge es dann zu Rückkämpfern kam.
            Bei der auf dem Plan genannten Einheit wurden Luftwaffensoldaten für die sog. „Luftwaffenfelddivisionen“ ausgebildet, die ab Ende 1942 aus überzähligen Luftwaffeneinheiten für den infanteristischen Einsatz an der Ostfront aufgestellt wurden, um dort die vom Heer nicht mehr auszugleichenden Verluste aufzufangen.

            4. Amerikanische Erfahrungen aus dem Vietnamkrieg dürften kaum in die Ausbildung „Überleben und Durchschlagen“ bei der Bundeswehr eingeflossen sein, weil die geographischen Verhältnisse und das dortige Feindbild nicht auf Europa übertragbar waren. Außerdem gab es in Vietnam aufgrund der amerikanischen Materialüberlegenheit beim Heer kaum Versprengte. Mehr Erfahrungen auf diesem Gebiet hatten dagegen die Franzosen von 1945 – 1954 im Indochinakrieg sammeln müssen, weil sie nicht die amerikanische Materialschlacht führen konnten und ihre oftmals in kleinsten Posten im Dschungel stationierten Truppen von den Vietminh überrannt wurden.
            Profitiert hat die Bundeswehr im Bereich Überleben und Jagdkommandos dagegen sicher von der Ausbildung und den weltweiten Erfahrungen der amerikanischen „Special Forces“. Im bayerischen Bad Tölz war seit 1952 ein sehr großer Standort der Special Forces, zeitweise lag dort auch deren europäisches Hauptquartier.

            5. Der Einzelkämpferlehrgang der Bundeswehr wurde nicht nur von Offizieren, sondern auch von Feldwebeln aller Truppengattungen besucht.

            6. Bei den Durchschlageübungen ging es nicht nur um das Ausbildungsziel „Überleben in Feindesland“, sondern es ging auch darum, psychische und physische Grenzen auszuloten, was in der täglichen Ausbildung regelmäßig zu kurz kam. Dieses Führen an Grenzen war auch Sinn und Zweck anderer Ausbildungen, die eigentlich keine Bedeutung für den normalen Dienst hatten. Realistisch betrachtet, machte es keinen Sinn, einen Offizier der Nachschubtruppe zum Fallschirmspringerlehrgang zu schicken, er wäre während seiner gesamten Dienstzeit nie in die Verlegenheit gekommen, zu springen. Aber für die Persönlichkeitsbildung waren solche fordernden Ausbildungen wichtig. Ich habe mich in Sonthofen mal mit einem englischen Offizier unterhalten, die Tommys hatten dort ihre Winterkampfausbildung und waren in unserer Kaserne untergebracht. Wir kamen auch auf das Thema Springerausbildung, Winterkampfausbildung und ähnliches und waren uns beide einig, dass solche Ausbildungen für die Masse der Truppe nicht unbedingt erforderlich wären. Der Engländer hat dann den Sinn dieser Ausbildungen sehr schön in dem Satz formuliert „Das ist wichtig für die Training von die Mut und die Tapferkeit“ (sprachliche Formulierung wie im Original).

            7. In meiner Zeit als Hörsaalleiter an der Feldjägerschule in Sonthofen hatte ich jedes Jahr zweimal die sog. „Ergänzungslehrgänge“ durchzuführen. Das waren vierwöchige Lehrgänge vor dem Feldwebellehrgang, um die Stabsunteroffiziere wieder mit Methodik der Ausbildung, Allgemeinen Aufgaben im Gefecht u.ä. vertraut zu machen.
            Dazu gehörte auch immer eine zweitägige Durchschlageübung. Als Übungsraum nahmen wir immer die Wälder südwestlich (Weitnauer Tal) oder ostwärts von Kempten (Kemptener Wald – Bodelsberg), diese Areale waren sehr durchschnitten und wiesen damals durchaus noch leichten Urwaldcharakter auf. Da diese Lehrgänge immer im Winter liefen, gab es dort auch reichlich Schnee.
            Ich schreibe mal ungeordnet ein paar Beobachtungen auf, die mir damals so aufgefallen sind und die exemplarisch zeigen, warum es so schwierig, bei einer friedensmäßigen Ausbildung an die harte Kriegswirklichkeit heranzukommen:
            - Fehlende Selbstüberwindung (Ich geh nicht mehr weiter. Ich fasse meinen Rucksack nicht mehr an. In diesem Schneetreiben kann man nicht marschieren).
            - Die wenigsten haben erkannt, dass die Schmerzgrenze nicht die Leistungsgrenze ist.
            - Es fehlt die Fähigkeit, einen gewissen Fatalismus zu entwickeln und eine nicht zu ändernde Lage erst einmal hinzunehmen und das Beste daraus zu machen.
            - Übungsmentalität: „Morgen für ist auf jeden Fall Ende der Übung. Um 0800 Uhr kommt sowieso der Bus zum Abholen.“ Diese Einstellung war noch am leichtesten abzustellen, der Bus kam eben nicht um 0800 Uhr.
            - Es fehlt oft die Einsicht und der Wille, sich geistig / mental mit einer solchen unangenehmen Lage zu beschäftigen.
            - Marschgeschwindigkeit wird meistens viel zu hoch eingeschätzt. Mehr als 3 km/h bei Nacht ist unrealistisch, diese Geschwindigkeit kann in einer regnerischen Neumondnacht bei aufgeweichten Boden in unbekanntem Gelände auf 1 bis 1,5 km pro Stunde oder in durchschnittenen Gelände auf noch weniger absinken.

            8. Jeder Durchschlageübung muss eine realistische, taktisch sinnvolle, an die jeweilige Truppengattung und ihren Auftrag angepasste Ausgangslage zu Grunde liegen. Man muss sich also überlegen, wie es dazu kommen kann, dass eine Gruppe von Soldaten die Verbindung zur eigenen Truppe verliert. Bei der Kampftruppe ist das meistens recht einfach, bei anderen Truppen muss man sich schon etwas einfallen lassen. Was oft als Ausgangslage denkbar ist, ist der Ausfall der Fahrzeuge nach einem Luftangriff mit teilweisem Verlust der Ausrüstung und darauffolgend eine feindliche Luftlandung, die mich zum Ausweichen zwingt.

            9. Das Sickern ist ebenfalls in der ZDv 3/11 beschrieben, siehe Anhang.
            Angehängte Dateien
            Zuletzt geändert von Nemere; 17.11.2018, 18:04.

            Kommentar

            • Hoover
              Cold Warrior
              • 19.12.2013
              • 601

              #7
              "Durschlageübungen" gehörten bei uns in den frühen 90ern zum Pflichtprogramm des Gefechtsdienstes.
              Die Gruppen wurden per Lkw irgendwo ausgesetzt mit STAN-gemnäßer Ausrüstung, Waffen, einer Karte und Kompass. Auftrag war es, den Standort festzustellen und sich zu einem bestimmten Zielpunkt zu begeben, ohne von gegnerischen Jagdkommandos und Posten entdeckt zu werden. Die eigene Bewegung durfte dabei nur in einem festlegten Raum (meist so 3 km Breite) erfolgen.

              Das Weiteste waren 67 km im Sommer 1992, meist querfeldein nach Kompass, gelaufen in 72 Stunden mit Rast am Tage. (Die iegentliche Strecke waren 60 km, aber naja, man verläuft sich auch mal).

              Die anderen Übungen waren so 20 km bis 30 km.

              Seit dem 67 km-Abenteuer weiß ich, dass ich beim Marschieren schlafen kann, dass erwachsene Männer vor Erschöpfung heulen können, dass der Spruch "noch 3 Kilometer, Männer!" immer wieder zieht, dass, solange die Männer motzen, diese noch zig Kilometer schaffen und es gefährlich wird, wenn sie nur noch still vor sich hintrotten, und ich weiß, wie stolz Jungens/Männer sind, wenn danach vollzählig vor dem Kommandeur ins Ziel kommen und mit einem kalten Bier belohnt werden.

              Die Bewaldung und die Ortskenntnis machte es dabei recht einfach, sich den Suchtrupps zu entziehen. War immer eine tolle Erfahrung, auch wenn man vor sich hin geflucht hat, die Schultern und Füße wund waren.

              Lage war meistens ganz phantasievoll, dass wir bei einem Sperreinsatz von den eigenen Truppen getrennt wurden bzw von "Rot" umgangen wurden und wir zu unseren Linien zurück mussten.
              "Damals, als ich in meinem Alter war..."

              Kommentar

              • EmilBerggreen
                Cold Warrior
                • 19.07.2015
                • 514

                #8
                Nemere und Hoover, Eure beiden Berichte/Beiträge finde ich hochspannend. Besten Dank dafür!

                Kommentar

                • EmilBerggreen
                  Cold Warrior
                  • 19.07.2015
                  • 514

                  #9
                  Zu den Special Forces habe ich noch etwas sehr Interessantes gefunden:

                  WP Special Forces
                  Das United States Army Special Forces Command (Airborne) (USASFC; deutsch Luftlande-Sondereinsatzkommando des Heeres der Vereinigten Staaten; kurz Special Forces oder USSF) ist die dienstälteste Spezialeinheit der US Army. Ihre etwa 10.000 Soldaten werden aufgrund ihres grünen Baretts auch Green Berets genannt. Es handelt sich dabei ausschließlich um Kampftruppen, die für ihre Aufträge von anderen Einheiten des United States Army Special Operations Command (USASOC) „Sondereinsatzkräfte des Heeres der Vereinigten Staaten“ unterstützt werden. Bis zum 27. November 1990 hieß die Einheit United States Army 1st Special Operations Command
                  Die Einsatzschwerpunkte der Special Forces sind Militärberatung in anderen Ländern, asymmetrische Kriegführung und Fernaufklärung. Das macht sie zur am vielseitigsten ausgebildeten Truppe innerhalb der US-Streitkräfte und ermöglicht ihren Einsatz sowohl in Friedenszeiten als auch im Spannungsfall und im Krieg.

                  Kommentar

                  • EmilBerggreen
                    Cold Warrior
                    • 19.07.2015
                    • 514

                    #10
                    „Morgen für ist auf jeden Fall Ende der Übung. Um 0800 Uhr kommt sowieso der Bus zum Abholen.“ Diese Einstellung war noch am leichtesten abzustellen, der Bus kam eben nicht um 0800 Uhr.
                    Dieser Satz hat mich doch sehr nachdenklich gemacht. Das ist ja fast schon seelische Grausamkeit, denn ich denke, alles Denken und Handeln der marschierenden Männer richtet sich allein auf diese erlösende Uhrzeit 0800 aus.
                    Und wenn der Bus dann tatsächlich nicht kommt, dann ist die Revolte doch schon vorprogrammiert, oder? Oder die Gruppe ist zu erschöpft, um sich noch einmal aufzubäumen.

                    Der Hintergrund ist mir schon klar. Man will dem Soldaten noch mal auf den letzten Metern einen dicken roten Strich durch die Rechnung machen, ihn noch einmal vor eine komplett neue Lage stellen.
                    Aber nach einem körperlich sehr fordernden Marsch ist das schon, na ja …

                    Kommentar

                    • Nemere
                      Cold Warrior
                      • 12.06.2008
                      • 2835

                      #11
                      Zitat von EmilBerggreen Beitrag anzeigen
                      Der Hintergrund ist mir schon klar. Man will dem Soldaten noch mal auf den letzten Metern einen dicken roten Strich durch die Rechnung machen, ihn noch einmal vor eine komplett neue Lage stellen.
                      Aber nach einem körperlich sehr fordernden Marsch ist das schon, na ja …
                      Man muss solche Ausbildungen immer aus der Zeit heraus betrachten, in der sie stattfanden, für welchen Personenkreis sie angelegt wurden und welches Ausbildungsziel erreicht werden sollte.

                      1. Der fragliche Zeitraum sind die 1980er Jahre, es gab also noch ein konkretes Bedrohungsszenario.

                      2. Es handelte sich hier nicht um Wehrpflichtige, sondern um Unteroffiziere auf dem Weg zu Feldwebel. Gerade beim zukünftigen Feldjägerfeldwebel, der bekanntlich im Rahmen seines Auftrages Vorgesetzter ALLER Soldaten ist, sollte schon die Spreu vom Weizen gesiebt werden. Es sollte nach Möglichkeit festgestellt werden, ob die Soldaten durchsetzungsfähig und psychisch belastbar waren.

                      3. Es ging hier um die Ausbildung zum Führer einer kleinen Gruppe unter möglichst kriegsnahen Bedingungen. Auch im Kriegsfalle kommt nicht um 08:00 Uhr der Bus, auch im Kriegsfall gibt es immer wieder Überraschungen, die Planungen völlig über den Haufen werfen.
                      Beispiel: Eine Gruppe ist von ihrer Truppe abgekommen, laut der noch vorhandenen Karte sollen sich an einem bestimmten Punkt noch eigene Kräfte befinden und man richtet alles darauf aus, schnell diesen Punkt zu erreichen. Beim Eintreffen dort stellt sich auf einmal heraus, das auch hier schon der Feind ist. Und jetzt? Aufhören oder weitermarschieren? Und wenn weitermarschieren – wohin? Es kommt jetzt darauf an, unter Zeitdruck und bei körperlicher Erschöpfung eine Entscheidung zu treffen.
                      Dieser durch das Nichteintreffen des erwarteten Busses erzeugte künstliche Stress war eine der wenigen Möglichkeiten, di e man in der Friedensausbildung hatte, die mentale Belastungsfähigkeit der Soldaten zu testen und möglichst zu steigern.
                      Am Ende des Lehrgangs stand ein Beurteilungsbeitrag, dessen Aussagen später bei einer eventuellen Übernahme zum Berufssoldaten oder bei einer Weiterverpflichtung herangezogen wurden. Schon von daher hatten die Stabsunteroffiziere auf dem Ergänzungslehrgang kein Interesse zu revoltieren. Außerdem waren die meisten, wie Hoover oben schreibt, auch zu erschöpft.

                      4. Wir haben bei diesen Übungen auch die Offiziersanwärter mitlaufen lassen, die wir zum gleichen Zeitpunkt im OA- bzw. ROA-Lehrgang hatten. Die nahmen das ganze meistens wesentlich lockerer als die Unteroffiziere. Die Offiziersanwärter waren durch die gleichzeitig laufende Einzelkämpfervorausbildung mit häufigen Geländeläufen und Gepäckmärschen körperlich wesentlich fitter und verkrafteten auch psychisch solche Belastungen besser, weil sie während des Lehrgangs ständig ähnlichen Belastungen unterworfen waren. Am besten schnitten dabei die Reserveoffizieranwärter der Frontnachrichtentruppe ab, deren allgemeiner Teil des ROA-Lehrgangs bei uns an der Feldjägerschule lief. Das waren sehr clevere Kerlchen, die aufgrund der Berufe ihrer Väter bereits sehr viel im Ausland herumgekommen waren und sich schnell auch auf sehr belastende Situationen einstellen konnten.

                      5. Bei diesen Übungen hatte ich die volle Rückendeckung meines Inspektionschefs und des Lehrgruppenkommandeurs. Obwohl schon gesetzteren Alters marschierten beide bei solchen Übungen Teilstrecken mit den Gruppen mit, um sich selbst einen Eindruck von den Belastungen der Soldaten und deren Verhalten zu verschaffen. Auch bei den vorbereitenden Geländeläufen mit Waffe und Gepäck liefen sie ab und zu mit, wobei der Inspektionschef, ein OTL Ende 40, so manchen jungen StUffz mit Anfang 20 deklassierte.

                      6. Ich habe diese Übungen auch nicht stur nach Schema F laufen lassen, sondern habe mir die Freiheit genommen, auf Entschlüsse der jeweiligen Marschgruppen lageangepasst zu reagieren. Wir hatten eine Übung Mitte Dezember angesetzt, es lag für Allgäuer Verhältnisse nur sehr wenig Schnee und es waren Marschbeginn Temperaturen um plus 5 Grad bei einer Vollmondnacht. Bei Marschbeginn am Abend „brannte“ der Himmel in einem gigantischen Abendrot, es war also anhaltendes gutes Wetter und eher kein Niederschlag zu erwarten. Der eingeteilte Gruppenführer kam zu mir und trug mir folgenden Entschluss vor: Ich möchte das schöne Wetter und die gute Sicht bei Vollmond ausnutzen, um möglichst schnell wieder den Anschluss an die eigene Truppe zu finden. Deswegen möchte ich alles überflüssige Gepäck wie Schlafsäcke, Panzerfaust, MG-Kästen usw. zurücklassen. Diesen richtigen Entschluss musste man anerkennen.
                      Ich habe die zurückgelassenen Sachen in ein Begleitfahrzeug verladen lassen, musste dann aber natürlich bei dieser Gruppe selbst mit einem Funkgerät mitlaufen, um nötigenfalls eingreifen zu können, falls es wegen fehlender Ausrüstung Probleme geben sollte.

                      7. Zum „Hauch“ von Kriegswirklichkeit gehört auch, dass man versucht, andere Belastungen realistischer darzustellen. Beispiel: Viele von uns kennen wahrscheinlich die Gefechtsübungen, wo es nur 40 Schuss Manövermunition für das G 3 oder einen vollen MG-Kasten für das MG gab. Nun hat aber der Soldat normalerweise 120 Schuss für das Gewehr und jedes MG hat mehrere volle Kästen, von dem deutlich höheren Gewicht der Gefechtsmunition gegenüber den Manöverpatronen mal ganz abgesehen.
                      Diese Ergänzungslehrgänge liefen meistens zum Jahreswechsel, so dass meistens noch genügend nicht verbrauchte Restmunition an der Schule vorhanden war. So war es möglich, wirklich alle fünf MG-Kästen mit je 250 Schuss zu füllen und jedem Soldaten sechs, bzw. bei der UZI sieben volle Magazine zu geben. Bei den MG-Kästen haben wir auch zu Anschauungszwecken die Kästen bis zum Gewicht von 7,4 Kg mit nassem Sand o.ä. gefüllt und sie dann verplombt. Es ist nämlich ein Riesenunterschied, ob ich vier leere MG-Kästen, die nur sperrig und unhandlich sind, trage oder ob ich vier „volle“ Kästen im Gewicht von mehr als einem halben Zentner schleppe.
                      Genauso wurden bei der Panzerfaust ebenfalls die vorgesehenen sechs Schuss mitgenommen. Wir hatten damals bei der Feldjägertruppe noch unsinnigerweise die schwere Panzerfaust zur Panzerabwehr. Da es dafür keine Manöver- oder Exerzierpatronen gab, haben wir über die StOV bei der Lehrlingswerkstatt einer Sonthofener Firma Exerzier-Patronen herstellen lassen. Die haben das als willkommene Ausbildung für das Drehen und Fräsen gesehen, es fielen nur ein paar Mark für Materialkosten an. Verpackungshülsen waren über unser zuständiges Mundepot in Urlau zu beschaffen.

                      8. Da es bei diesem Ergänzungslehrgang auch um die Methodik der Ausbildung ging, war es entscheidend wichtig, mit den Soldaten im Rahmen einer sehr ausführlichen Auswertung nach solchen Ausbildung zu diskutieren, warum bestimmte Dinge durchgeführt wurden, welcher Sinn dahinter steckte und was man sich noch für eine bessere Gefechtsausbildung einfallen lassen konnte.

                      Grüße
                      Jörg

                      Kommentar

                      • EmilBerggreen
                        Cold Warrior
                        • 19.07.2015
                        • 514

                        #12
                        Hallo Jörg,
                        besten Dank, dass Du Deine Erinnerungen mit uns teilst. Die sind wirklich Gold wert!
                        Vor allem im Allgäu mit seiner alpinen Berglandschaft wird es vermutlich schon sehr schnell extrem anstrengend. Und im Winter wahrscheinlich richtig Tiefschnee.
                        Etwas, was wir Flachländer natürlich überhaupt nicht kennen. Die nächste größere Erhebung für uns ist der Harz.
                        Ich finde es wirklich großartig, was Du seinerzeit auf die Beine gestellt hast.
                        Mit Feldjägerdienst verbinde ich eigentlich so etwas wie militärpolizeiliche Arbeit, sprich militärischer Verkehrs- und Ordungsdienst, etc.
                        Aber auch wie ich bei

                        lese, Raum- und Objektschutz im rückwärtigen Gebiet. Wieder etwas dazugelernt.
                        Beste Grüße

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                        • Nemere
                          Cold Warrior
                          • 12.06.2008
                          • 2835

                          #13
                          Zitat von EmilBerggreen Beitrag anzeigen
                          Aber auch wie ich bei

                          lese, Raum- und Objektschutz im rückwärtigen Gebiet.
                          Das ist wieder ein typischer Wikipedia-Artikel, in dem sämtliche Heeresstrukturen durcheinandergeworfen werden.

                          Wenn ich dort schon lese:
                          "Jeder Division waren früher für die Aufgaben der Feldjägertruppe ein Feldjägerbataillon unterstellt, von dem jeder unterstellten Brigade je ein Feldjägerzug zugewiesen wurde. Weitere nicht aktive Feldjägerbataillone waren vormals dem Territorial Heer zur Überwachung und Sicherung des Rückwärtigen und tiefen Versorgungsraumes im Rahmen des GDP unterstellt. Ausnahme bildete die 1. Luftlandedivision der nur die Luftlande-Feldjägerkompanie 9 unterstellt war."

                          Wann ist "Früher"?
                          Nach 1992 waren zeitweise den Divisionen, die gleichzeitig die Aufgabe der WBK wahrnahmen, Feldjägerbataillone unterstellt. Dabei waren Kompanien dieser Bataillone mit den Brigaden auf Zusammenarbeit angewiesen. Den Begriff "zugewiesen" gibt es im militärischen Sprachgebrauch als Ausdruck für Unterstellungsverhältnisse nicht.

                          Die LL-FJgKp 9 gab es, wie auch die anderen Divisions-FJgKp schon seit 1980 nicht mehr. Mit Einführung der HStr. 4 gab es nur noch beim TerrH Feldjäger, aus derem Bestand aber jeder Division beim Auslösen bestimmter Alarmmaßnahmen eine Feldjägerkompanie zugewiesen wurde, die bereits im Frieden eine sog. "Coleur-Verhältnis" zu dieser Division hatte und meistens aus der ehem. Div'FJgKp entstanden war. (Beispiel: FJgKp 12 in Veitshöchheim, wurde 6./FJgBtl 760 und wäre im V-Fall wieder zur 12. PzDiv getreten).

                          In den HStr. 1 bis 3 gab es eine Trennung zwischen Feldjägern des Feldheeres (DivFJgKp, zeitweise FJgBtl bei den Korps), Feldjäger der Territorialen Verteidigung / TerrH (FJgBtl bei den WBK, zeitweise bei den TerrKdo) und zeitweise FJg der Basis-Organisation (einzelne Kp und Züge) sowie den "Sonderfällen" beim BMVg und einzelnen NATO-Stäben.

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                          • EmilBerggreen
                            Cold Warrior
                            • 19.07.2015
                            • 514

                            #14
                            Was in der Wikipedia steht, ist nicht immer richtig.
                            Doch jeder kann sich dort registrieren und als Autor Artikel schreiben oder redigieren. Wenn man die Aussagen im Text durch eine valide Quelle belegen kann, ist das alles gar kein Problem.

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