OpZ/BtlGefStd eines Pz-/PzGrenBtl (HStr IV)

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  • EmilBerggreen
    Cold Warrior
    • 19.07.2015
    • 514

    #1

    OpZ/BtlGefStd eines Pz-/PzGrenBtl (HStr IV)

    Moin zusammen,

    ich wage schon gar nicht mehr zu fragen, da ich befürchte mit meiner ewigen Fragerei die Leute zu nerven, bzw. langsam damit auf den Geist zu gehen. Ihr mögt es mir verzeihen, doch ich beschäftige mich schon seit einiger Zeit mit dem Thema und habe da noch etliche Wissenslücken.

    OpZ/BtlGefStd eines Pz-/PzGrenBtl

    Im V-Fall wird ein Pz- bzw. PzGrenBtl einerseits durch die bewegliche Befehlsstelle des Kdr aus dem Kommandeurspanzer und andererseits durch S3-/S2-Stabsarbeit der OpZ geführt.

    PzGrenBtl 162 hat am VRV mit allen 3 Kampfkompanien Verteidigungsstellung bezogen und wird wie eingangs erwähnt, (arbeitsteilig) von der bew BefStelle Kdr und der OpZ als BtlGefStd Haupt geführt.
    Der Kdr und der TrFmOffz sind mit ihrem umgebauten Führungspanzer (Spz Marder – PzGrenTr oder KPz Leopard 1 – PzTr) unterwegs. Der Führungspanzer hat 2 SEMs – BtlFüKs und BrigFüKs, beim Marder ist der Hintere Kampfraum für die 2 Offiziere dementsprechend umgebaut: Mitteltraverse entfernt, so dass vom BtlKdr auch Kartenstudien betrieben werden können – so zumindest meine Annahme (???).
    Der BtlKdr d. PzTr ist gleichzeitig Kdt des KPz und hat aufgrund der räumlichen Enge nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten. Er führt allein über Funk.

    Die OpZ eines PzGrenBtl hingegen besteht aus 2 M113FüFu-Pz, die Heck an Heck stehen und dazwischen wird ein Zelt mit Tarnnetz aufgespannt. Was bedeutet genau Licht- u. Arbeitsschleuse? Lichtschleuse vielleicht, dass dem Hauptzelt noch ein kleines Vorzelt vorgeschaltet ist – Lichtdisziplin i.d. Nacht? Und Arbeitsschleuse kann ich überhaupt nicht einordnen.

    Was mich sehr interessiert – wie sah eigentlich die tägliche Arbeit aus?
    Handelt es sich um einen S3-M113 und einen S2-M113, die notfalls auch allein operieren könnten? Die S2-Zelle (der Begriff Zelle ja erst ab Brig) arbeitet der S3-Zelle zu. Heißt S2 Offz und S2 Fw werten permanent die Feindlage anhand von Spähtruppmeldungen und Nachrichten von der Brigade aus und jetzt mal rein praktisch gesagt, markieren den Overhead-Layer auf der Lagekarte mit roten taktischen Zeichen – PzRgt 113 nähert sich aus Richtung A-Dorf auf B-Dorf, vermutete Absicht des Feindes, eigene Truppen aus B-Dorf zu werfen und in Richtung C-Stadt vorzustoßen. Also sehr viel kurzlebige Spekulation aber Grundlage für den OPPLAN des S3 Offz. Punkt Zwo: der S2 füllt die Spalte des Kräftevergleichs des Gegners.
    Der Stabschef nimmt vom S2 die vermutete Feindlage auf und richtet u.a. danach seinen Operationsplan aus. Seinen (vorläufigen) OPPLAN legt er dem Kdr dann zur Genehmigung vor und dieser fasst dann seinen Entschluss.

    Wenn meine sehr vereinfachte Darstellung richtig sein sollte, dann verdichtet sich nahezu die gesamte Stabsarbeit im Felde und auch ein Großteil der Belastung während eines Gefechtes geballt auf den S3, denn der muss ständig anpassen, neue Annahmen berücksichtigen, alles wieder umwerfen und immer wieder einen neuen, der Lage angepassten Plan ausarbeiten.
    Dann trägt nicht der Kdr., sondern der S3 die Hauptbelastung, denn dieser muss schließlich (widersprüchliche) Funksprüche auswerten, ist nie vor Ort, sondern ausschließlich an die OpZ gebunden und muss Entscheidungsgrundlagen vorlegen.

    Der nicht ortsgebundene Kdr pendelt vor Ort bei den Kampfkompanien und rückwärts bei der OpZ hin und her und muss die oben genannten Entscheidungsgrundlagen nur abnicken – „Es ist mein Entschluss ….“ Aber ist das denn die Wirklichkeit?
    HDv ist HDv aber in der Hitze des Gefechtes und bei sich permanent ändernden Lagen sollte auch der S3, sofern er denn aktuellere Lagekenntnis als der Kdr besizt, die Machtbefugnis haben, z.B. der 4./- den Befehl zu geben, auf Linie TANGO-FOXTROTT auszuweichen, etc.

    Vielleicht ist es aber auch viel zu heiß, um jetzt darüber nachzudenken …

    Grüße
  • Nemere
    Cold Warrior
    • 12.06.2008
    • 2878

    #2
    Leider ist die HDv 100/201 – Stabsdienstordnung – nie erschienen, sondern blieb Planung. Darin wären allen deine Fragen beantwortet worden. Da keine zusammenfassende Vorschrift vorhanden war und man sich nur auf rudimentäre Aussagen in den Führungsvorschriften stützen konnte, entwickelte jedes Bataillon der Bundeswehr eigene Vorstellungen zur Gefechtsstandarbeit.

    Dazu einige grundlegende Dinge.

    1. In der Anlage ein Beispiel für den Aufbau eines Btl-Gefechtsstandes (H).

    2. Der Btl-Gefechtsstand arbeitete grundsätzlich im Schichtsystem, zumindest bei den Kampftruppen des Feldheeres.

    Eine häufig vorkommende Schichteinteilung auf dem Gefechtsstand (H) war:

    Schicht A:
    S 3 StOffz
    S 2 Fw
    Stabsdienst – und Fernmeldepersonal

    Schicht B:
    S 2 Offz
    S 3 Fw
    Stabsdienst – und Fernmeldepersonal

    Wie du richtig feststellt, gab es bei den Btl keine Zellen. Bei Schichtarbeit waren auch S 3 StOffz und S2 –Offz nicht gleichzeitig in der OPZ, weil sie in verschiedenen Schichten tätig waren.
    Die dienstfreie Schicht ruhte oder hatte andere Aufträge, z.B. Erkundung eines neuen Gefechtsstandes oder Vorbereitung / Erkundung für einen neuen Auftrag.

    Neben dem klassischen Zwei-Schichten-Modell konnte man auch mit einer Variante aus Schichtarbeit und Kernzeiten arbeiten. Hier war während einer Kernzeit (= Zeit mit der stärksten Gefechtstätigkeit) das gesamte Stabspersonal präsent, in den „ruhigeren“ Zeiten war nur die jeweilige Schichtbesatzung verfügbar. Plan dazu im Anhang.
    Dem Vorteil der hohen Ressourcenverfügbarkeit stand der Nachteil der oftmals zu geringen Ruhezeiten gegenüber.
    Aber die „Herzinfarkt-Organisation“ deutscher Militärstäbe mit der im Vergleich zu den anderen NATO-Alliierten viel zu geringen personellen Besetzung ist ein Thema für sich.


    3. Bewegliche Befehlsstellen wurden nur bei Bedarf gebildet, in vielen Fällen hielt sich der Kommandeur auf dem Gefechtsstand auf, da er hier über alle Führungsmöglichkeiten verfügte. Die Angaben zu Beweglichen Befehlsstellen in den Vorschriften sind sehr dürftig. Die HDv 100/200 „Führungssystem des Heeres“ definiert in der Nr. 244:
    Von einer beweglichen Befehlsstelle aus – auf der Erde oder in der Luft –kann der Truppenführer für eine begrenzte Zeit führen. Der Vorteil des unmittelbaren Einblicks und des persönlichen Einflusses am Brennpunkt des Geschehens muss sorgfältig abgewogen werden gegen den Nachteil, auf einen großen Teil der Führungsmittel verzichten zu müssen und damit zeitweilig den Überblick über die Gesamtlage zu verlieren.

    Dieser Nachteil des Führens von einer beweglichen Befehlsstelle aus wird umso gravierender, je höher die Führungsebene. Was beim Bataillon noch machbar ist, wird bei der Brigade je nach Auftrag und Gefechtslage schon schwierig und bei der Division oft genug unmöglich.

    Eine Vorschrift wie denn jetzt eine bewegliche Befehlsstelle zusammengesetzt sein sollte, gab es bei der Bundeswehr nie, da es zur Herausgabe der geplanten HDv 100/201 Stabsdienstordnungen Brigade/Division und der HDv 100/300 Führungsunterlagen bis 1990 nicht mehr kam.

    4. Für die Bearbeitung einlaufender Meldungen und Informationen füge ich im Anhang ein Muster bei, wie ich es bei mir im Feldjägerbataillon eingeführt hatte. Dazu der entsprechende Aufnahmevordruck, auf dem der ganze Vorgang abgearbeitet werden konnte. Bei einem Feldjägerbataillon war dieser etwas umfangreichere Arbeitsweg wegen der zahlreichen Verbindungen zu anderen Stellen und zivilen Einrichtungen nötig. Wir haben uns hier an die – im übrigen sehr gute - Stabsorganisation der Polizei angelehnt. Ein Kampftruppenbataillon wird sich meistens mit Spruchvordruck, Meldeblock und Fernmeldedienstbuch begnügt haben.

    5. Jede auf dem Gefechtsstand einlaufende Information kann einen neuen Führungsvorgang auslösen. Der jeweilige Schichtführer (S 3 oder S 2) muss also beurteilen,
    - welche Bedeutung die Meldung hat,
    - ob diese Information den eigenen Auftrag beeinflusst
    - ob etwas zu veranlassen ist
    - wer zu informieren ist
    - ob eine grundlegend neue Lagebeurteilung nötig ist
    - usw.

    Die Meldung über den Ausfall eines Kampfpanzers durch Motorschaden ohne Feindeinwirkung bei der 2. Kompanie erfordert nur die Technischen Stabsoffiziers auf dem Stabskreis, damit dieser die Bergung und Instandsetzung veranlasst.
    Der 50 % - Ausfall der 3. Kompanie nach einem Tieffliegerangriff dagegen beeinflusst massiv den eigenen Auftrag und erfordert weitergehende Überlegungen (evtl. Einsatz der Reserve, Sanitätsversorgung, Bergung ausgefallener Fahrzeuge, Beurteilung der Feindlage usw.)

    Die Entscheidung und Verantwortung liegt letzten Endes immer beim Kommandeur, der Stab arbeitet ihm zu.

    Im Gefecht muss der Bataillonskommandeur die Lage oft allein, ohne umfassende Informationen auch unter Zeitdruck beurteilen. Die Beurteilung der Lage wird sich dann auf eine kurze Prüfung beschränken, ob das eigene Handeln noch der Absicht der übergeordneten Führung entspricht. Wenn nötig, muss der Bataillonskommandeur einen neuen Entschluss fassen.“ (HDv 211/100, Das Jägerbataillon, Nr. 235) Steht sinngemäß auch in den Führungsvorschriften der anderen Kampftruppen.

    Literatur:
    - Oestmann, Rainer: Dazu befehle ich ... ! Hsndbuch für militärische Führer, Regensburg 1992
    - Pleiner, Horst: Stabsdienst im kleinen Verband - Stabsarbeit im Einsatz (Truppendienst-Taschenbuch 28) Wien 1979.
    Angehängte Dateien

    Kommentar

    • EmilBerggreen
      Cold Warrior
      • 19.07.2015
      • 514

      #3
      Ganz hervorragend, Jörg! Ich danke Dir ganz herzlich für die ausführliche Beantwortung meiner Fragen und werde mich jetzt erst einmal eingehend mit dem Material beschäftigen.

      Kommentar

      • EmilBerggreen
        Cold Warrior
        • 19.07.2015
        • 514

        #4
        MoinJörg,wennDu von der „Herzinfarkt-Organisation“ dt. Militärstäbe sprichst, dann hatte ichja vielleicht gar nicht mal so unrecht mit der Annahme, dass aufgrund vonInformationsflut, Arbeitsbelastung und enormen Druck während eines Gefechtes,sich viel auf wenige oder eine Person verdichtet, die dann schnelleEntscheidung fällen muss, da davon ja auch jede Menge Menschenleben abhängen.Vorallem muss sich die OPZ ja in der Regel anhand von (teils widersprüchlichen)Funksprüchen ein Lagebild verschaffen. Heute hat man ja aufgrund vonSatellitentechnik und Drohnen völlig andere Möglichkeiten – dahingehend vor 30Jahren eher „blind“ – vieles basierte wohl auf Funksprüchen von Spähtrupps, diev.a. richtig interpretiert werden müssen. Spruchvordruck,Meldeblock und Fernmeldedienstbuch – wie muss man sich das vorstellen?DerGefechtsstandfunker nimmt um 04:00Z einen geschleierten Funkspruch von derBrigade auf, „dechiffriert“ diesen, trägt ihn in sein FmDienstbuch ein oderMeldeblock ein – „PzGrenBtl XX hat ab 12:00 das VzöGefecht auf Höhe YYaufzunehmen“ und legt diesen dann seinem Schichtführer vor und dieser kann dann(in Krisensituationen/Krisenlagen) evtl. auch ohne Rücksprache mit dem Kdr Entscheidungenfällen und Befehle erteilen? Gut,das war jetzt ein schlechtes Beispiel. Eher eine Krisenlage: „Überraschender Einbrucheines PzRgt ROT bei der 4./-, was nun?“ „Abriegeln, aber wie? Wo sind die PAHs?Warum wurden die Wurfminensperren nicht rechtzeitig ausgelöst?“ und, und, und …Wennalle drei Kampfkompanien gleichzeitig eine Flut von Meldungen absetzen, dannwird es wahrscheinlich sehr unübersichtlich und erfordert das ganze Könneneines Stabsoffiziers oder des Kommandeurs dann noch den Gesamtüberblick zubehalten. Zumal die Kompaniechefs am anderen Ende der Leitung mit Sicherheit extremunentspannt sind, wenn sie gerade unter schwerem Artilleriefeuer liegen odersich im Kampf befinden – die wollen Lösungen und die sofort. Grüßeaus HH
        Zuletzt geändert von EmilBerggreen; 28.07.2018, 05:29. Grund: Formatierung

        Kommentar

        • Nemere
          Cold Warrior
          • 12.06.2008
          • 2878

          #5
          Zitat von EmilBerggreen Beitrag anzeigen
          Heute hat man ja aufgrund vonSatellitentechnik und Drohnen völlig andere Möglichkeiten –
          Ja – man bekommt noch mehr Informationen, die in kurzer Zeit verarbeitet werden müssen. Damit steigt der Druck auf den Bearbeiter noch mehr an.
          Das ist wie im Privatleben: Vor 40 Jahren, wenn man etwas zu einem bestimmten Sachverhalt etwas wissen wollte, nahm man sich den entsprechenden Brockhaus-Lexikonband und schlug darin nach. Heute ruft man das Internet auf und bekommt viele Tausend Seiten angezeigt, deren Relevanz man selbst beurteilen und einordnen muss und die sich in vielen Fällen auch noch widersprechen.

          „Überraschender Einbrucheines PzRgt ROT bei der 4./-, was nun?“
          Ein Panzerregiment bricht nicht überraschend bei einer Kompanie ein. So etwas passiert doch nicht in wenigen Minuten. Wenn der Anmarsch und die Entfaltung von 1700 Soldaten mit 350 Fahrzeugen, davon 94 Kampf- und 46 Schützenpanzern übersehen wird, dann müssten wirklich alle Führungsebenen und das gesamte Aufklärungs- und Führungssystem einschließlich der Luftaufklärung vollkommen versagt haben. Man kann vielleicht einen überraschenden Einbruch bei Nacht mit Kräften zu Fuß in Kompaniestärke annehmen, aber nicht mit einem Panzerregiment.

          Wenn alle drei Kampfkompanien gleichzeitig eine Flut von Meldungen absetzen,
          Gleichzeitig geht schon aus technischen Gründen nicht. Der Bataillonsführungskreis ist ein Funkkreis, auf dem immer nur EINE Funkstelle senden kann, für die anderen Funkstellen ist das Senden blockiert. Die Kompanien können also nur nacheinander melden. Der BtlGefStd ist die Kreisleitstelle und kann notfalls regulierend eingreifen.

          Zumal die Kompaniechefs am anderen Ende der Leitung mit Sicherheit extrem unentspannt sind … die wollen Lösungen und die sofort.
          a) Die Kompaniechefs haben zu allererst mal selbst nach Lösungen zu suchen. Dafür gab (und gibt es hoffentlich immer noch) in der Bundeswehr die Auftragstaktik, die den Führern aller Ebenen weitgehende Handlungsfreiheit gab, soweit der Auftrag damit erfüllt wurde. Wenn die Soldaten des Bataillons mindestens bis zur Zugführerebene, am bestens bis zum „letzten“ Soldaten in dieser Richtung erzogen waren, sollte es eine Selbstverständlichkeit für jeden sein, zuerst alles zu versuchen, was in den eigenen Möglichkeiten lag, um eine Lage zu bereinigen.

          b) Das Kunststück auf dem Bataillonsgefechtstand ist es, die Meldungen der Kompanien zu bewerten. Wenn mir im laufenden Verteidigungsgefecht die 3. Kompanie meldet: „Stehe im Feuerkampf mit 2 T 72 und 2 BTR-70“, dann wird das zur Kenntnis genommen und in die Lagekarte eingetragen, damit sollte die Kompanie alleine fertigwerden.

          c) Meldet mir dagegen die 2. Kompanie am linken Flügel: „Stehe im Feuerkampf mit T 72, bisher gezählt 10. Westlich von mir, Entfernung ca. 1000, weitere T 72 und BMP, geschätzt ca. 40, sowie mehrere Haubitzen 2S1. Beim linken Nachbarn bisher nur schwachen Gefechtstätigkeit.“, dann bedeutet das: Der Gegner hat möglicherweise die Nahtstelle zwischen den Bataillonen erkannt und setzt genau hier ein verstärktes Kampftruppenbataillon ein, diese Bedrohung ist offenbar von meinem linken Nachbarn noch nicht in aller Schärfe erkannt worden. Hier muss sofort gehandelt werden:
          1. Sofort Meldung an die Brigade und den BtlKdr, falls dieser nicht auf Gefechtsstand anwesend.
          2. Information an den linken Nachbarn auf dem Brigadeführungskreis
          3. Vorbefehl an meine eigene Reserve: Einstellen auf Schutz linke Flanke des Btl im Raum XY.
          4. Verbindungaufnahme mit meiner 2. Kompanie, inwieweit die Kompanie frontal mit allen Kräften gebunden ist oder ob ein Zug für den Flankenschutz zum linken Nachbarn verfügbar ist.
          5. Prüfen, ob evtl. mit meinem Btl aZa Panzerjäger für die Bekämpfung des Feindes in linker Flanke verfügbar sind, ggf. entsprechender Auftrag an die PzJg.
          6. Auftrag an meinen Artillerieverbindungsoffizier: Prüfen Wirkungsmöglichkeiten Artillerie in linker Flanke.
          7. Nach Vorliegen der Rückmeldungen zu den Punkten 2. – 6. Erteilen entsprechender Aufträge und Meldung der getroffenen Maßnahmen an die Brigade unter Information meiner eigenen unterstellten Teile und der Nachbarn.
          8. Hier käme evtl. der Einsatz der beweglichen Befehlsstelle bei der 2. Kp zum Tragen.

          Diese Maßnahmen sollte auch der S 2 Offizier als Schichtführer auf dem BtlGefStd hinkriegen, das hatte er auf dem Offizierlehrgang an der OSH in Hannover gelernt. Hier geht es nicht um grundlegende Operationspläne, sondern nur um logisch aufgebaute Maßnahmen und Abläufe.

          Grüße
          Jörg

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          • EmilBerggreen
            Cold Warrior
            • 19.07.2015
            • 514

            #6
            Vielen Dank für die Aufklärung und v.a. für die Relativierung! Überraschender Einbruch PzRgt ist natürlich Quatsch - das war blöd von mir. Hätte ich mir vielleicht auch mit gesundem Menschenverstand erklären können.

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            • EmilBerggreen
              Cold Warrior
              • 19.07.2015
              • 514

              #7
              Servus Jörg,

              eine einzige praktische Frage zum Aufbau eines GefStd hätte ich noch.
              M113FüFu MTW – wie waren die in ihrem Innenraum aufgebaut? Gab es eigentlich einen S3 und einen S2 M113FüFu, die erst zusammen die OpZ ergaben? Hatten die genügend Platz, um Karten an der Außenwand zu befestigen oder waren die überwiegend für den GefStd-Funker gedacht? Also er bediente 2 SEM 25, eins für den BrigFüKs und eins für den BtlFüKs?
              Ich denke aber allein aus praktischen Erwägungen, dass der Funker den Innenraum des MTw für seine Zwecke nutzte und dass Besprechungen am Kartentisch, etc. im Zelt zwischen den beiden Fahrzeugen stattfanden. Dann war das Zelt sozusagen die „Arbeitsschleuse“, also für Lagebesprechungen zwischen Kdr, S3 und S2 und die MTWs dann die MTWs als reine gepanzerte „Funkkabinen“. „Kabinen“ waren ja eigentlich Radfahrzeuge für die FmTr.

              Die „Lichtschleuse“ stelle ich mir als eine Art von Vorzelt vor, um beim ständigen Kommen und Gehen, einen abgedunkelten „Vorhang“ zu haben, so in der Art vielleicht.

              Gruss und angenehmen Sonntag!

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              • EmilBerggreen
                Cold Warrior
                • 19.07.2015
                • 514

                #8
                Bilder gibt es leider nur von modernen GefStd.
                Hier eins, was den damaligen Verhältnissen wahrscheinlich am nächsten kommt:

                Quelle: Panzerbär

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                • EmilBerggreen
                  Cold Warrior
                  • 19.07.2015
                  • 514

                  #9
                  Das erste Bild zeigt einen M577 Kommandopanzer, den damals aber nur die Brigaden hatten.
                  Und Bild Zwei na ja hat mit der Bundeswehr nichts zu tun. Anbringen eines Tarnnetzes zwischen zwei Fahrzeugen?

                  Kommentar

                  • EmilBerggreen
                    Cold Warrior
                    • 19.07.2015
                    • 514

                    #10
                    Innenraum MTW

                    Kommentar

                    • EmilBerggreen
                      Cold Warrior
                      • 19.07.2015
                      • 514

                      #11
                      Also doch bequem Platz für 3 Mann und ihre Funktionsbereiche, inkl. SEM und Kartentisch.

                      Kommentar

                      • Nemere
                        Cold Warrior
                        • 12.06.2008
                        • 2878

                        #12
                        Zu den M 113: Eingesetzt bei den Bataillonen war der M 113 Führung/Funk, das war übrigens die M 113 Variante, die bei der Bundeswehr am häufigsten zu finden war. Die Ausstattung mit Funk war je nach Bataillonstyp unterschiedlich, am häufigsten war die Ausrüstung mit 2 SEM 25, bzw. später SEM 80 oder 90. Es war aber möglich, den M 113 Fü/Fu mit bis zu drei Funkgeräten auszustatten.

                        Prinzipiell wurden damit folgende Funkkreise gehalten:

                        MTW Fü/Fu 1:
                        a) Bataillonsführungskreis mit
                        - den Kompanien des Bataillons,
                        - ggf. unterstellten oder aZA Truppenteilen
                        - MTW Fü/Fu 2
                        - Kommandeur
                        - bei den Jägerbataillonen war der Panzerabwehrzug (soweit vorhanden) ebenfalls
                        Kreisteilnehmer im Bataillonsführungskreis.
                        b) Stabskreis mit
                        - S 3 (Rad-Kfz oder KPz/SPz) – nur bei Bedarf
                        - Erkundungs- und Verbindungszug, ggf. mit mehreren Kreisteilnehmern.
                        - Technischer Offizier
                        - Funktrupp S 4
                        - Truppenarzt
                        - Bergetrupps
                        - Führer VVD

                        MTW Fü/Fu 2:
                        a) Bataillonsführungskreis – wie oben
                        b) Brigadeführungskreis (eigentlich G 3 Kreis 1 der Brigade) mit Umschaltemöglichkeit (vorgerastert) auf den G 3 Kreis 2 der Brigade (S 2 Meldekreis)

                        Fahrzeug Kommandeur
                        - Bataillonsführungskreis
                        - G 3 Kreis 1 der Brigade oder Kommandeurkreis der Brigade (vorgerastert, nur auf Befehl)

                        Funktrupp S 4 (auf Gefechtstand Rück)
                        - Stabskreis Bataillon
                        - G 4 Kreis 2 der Brigade

                        Truppenarzt
                        - Stabskreis Bataillon
                        - Sanitätsführungskreis der Division (soweit eingerichtet)

                        KpChef 5. (beim PzGrenBtl)
                        - Bataillonsführungskreis
                        - Kompanieführungskreis 5. Kp
                        - Führungskreis Artillerie (soweit befohlen).

                        Soweit bei den MTW FüFu ein drittes Funkgerät (in manchen Fällen nur ein EM 25) verfügbar war, konnten damit z.B. Rundstrahldienste (ABC, Fla) mitgehört werden.
                        -------------------------------------------------------
                        Zur Ausstattung der MTW FüFu:
                        Im Normalfall waren sowohl Kartenbretter usw. wie auch das Personal im MTW.

                        Man sollte sich auch von dem Gedanken frei machen, dass hier ständig Lagebesprechungen stattfanden. Im laufenden Gefecht sowieso nicht. Wenn es um einen neuen Operationsplan ging, konnten sich Beteiligten im Zelt zwischen den MTW versammeln oder man nutzte irgendein in der Nähe gelegenes Gebäude. Genauso war es am Tage auch möglich, die Karten außen am MTW oder einem LKW aufzuhängen, so dass alle freie Sicht darauf hatten.

                        Man sollte sich auch überlegen, wie groß Karten bei einem Kampftruppenbtl wirklich waren. Oft reichte ein Blatt der 1:50.000 Karte aus, mehr wie vier, die man durch Wegfalten der nicht benötigten Teile wieder verkleinern konnte, waren es selten. Damit war der Platzbedarf nicht so hoch.
                        Mehr wie seinen Verantwortungsbereich und ggf. seinen Interessenbereich braucht ein BtlKdr auf seiner Karte nicht (schon allein aus Geheimhaltungsgründen). Der Verantwortungsbereich des Btl umfasst die Breite und Tiefe des Gefechtsstreifens (5 km x 5 km) und den Bereich, in dem das Btl mit seinen Waffen wirken kann (nochmals 5 km vor dem VRV). Damit genügt es, auf der Karte 1:50000 einen Raum von 5 km x 10 km darzustellen. Ein Blatt der 50.000er Karte deckt etwa 25 x 25 km ab. Nur wenn der Krieg sehr ungünstig am rechten unteren Kartenrand stattfand, brauchte man weitere Kartenblätter.

                        Den sog. „Interessenbereich“, also den Verantwortungsbereich des nächsthöheren Vorgesetzten (=Brigade) und evtl. der Nachbarn, in dem Informationen über die Lageentwicklung für mich von Bedeutung sein können, stellte man häufig auf der Karte 1:250.000 dar, wobei dann auch ein Blatt genügte.

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                        • EmilBerggreen
                          Cold Warrior
                          • 19.07.2015
                          • 514

                          #13
                          Großartig!!!! Vielen, vielen Dank!!!

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                          • EmilBerggreen
                            Cold Warrior
                            • 19.07.2015
                            • 514

                            #14
                            Abkürzungen: a.Z.a. heißt vermutlich "auf Zusammenarbeit angewiesen"

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                            • DeltaEcho80
                              Cold Warrior
                              • 09.03.2013
                              • 1724

                              #15
                              Zitat von Nemere Beitrag anzeigen
                              Prinzipiell wurden damit folgende Funkkreise gehalten:

                              MTW Fü/Fu 1:
                              Wenn man alle 4 Teile des Lehrfilms "Artillerie im Gefecht" auf youtube mal in Ruhe ansieht, bekommt man dann, als die Gefechtshandlungen sich verdichten, auch "Live" mit, wie der eine VB sehr oft am Umrasten ist.

                              Aus meiner persönlichen Erfahrung: Wir müssen aufgrund der geografischen Lage meines Heimatorts viele Feuerwehreinsätze in den Nachbarlandkreis Würzburg fahren. Da hat mich zu Analog-Funkzeiten das ständige Umrasten schon genervt. Meldung an Leitstelle Schweinfurt: Auf Anfahrt - bei Erreichen der Landkreisgrenze Abmelden aus dem Funkverkehrskreis SW - UMRASTEN - Anmelden bei Leitstelle Würzburg - Einsatzstelle "An" melden. Und auf der Rückfahrt genau umgekehrt.
                              Dazu musste man wissen, welchen Kanal man braucht. Das kostet Zeit und Nerven.

                              Das wurde mit Einführung des Digitalfunkes nicht einfacher, da man jetzt die Gruppe suchen muss - das ist ohne programmierte "Favoriten" am Gerät ziemlich nervig, da auf den Geräten die kompletten Gruppen aus Bayern drauf sind.

                              Ich habe - wenn ich mir die Ausführungen von Nemere so durchlese - immer Bedenken, dass da wichtige Stellen im Funkverkehr nicht erreichbar waren oder wichtige Informationen verloren gingen.
                              Gab´s da ne "Musterlösung"?

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