Landesamt für Denkmalschutz

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  • taupe
    Cold Warrior
    • 15.07.2005
    • 589

    #1

    Landesamt für Denkmalschutz

    Hallo,

    nein, ich habe mich nicht im Forum geirrt, und nein ich bin kein Sondler

    Trotzdem oder gerade deshalb fand ich folgende Passage recht amüsant:

    "Das Landesamt für Denkmalschutz ist nach Artikel 2 des Grundgesetzes zur Konvention vom 14. Mai 1954 zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten vom 11. April 1967 auführendes Organ der Kulturguterfassung" /1/.

    Da diese Aktivität nach dem Ende des kalten Krieges sicher nicht mehr mit gleichem Enthusiasmus wie zuvor verfolgt wird, blieb den LDA nichts anderes übrig als sich mit ganzem Herzen den schützenswerten Bodendenkmälern zu widmen

    Diese Kulturguterfassung schlug jedenfalls im Jahre 1986 noch mit sage und schreibe 3,82 Milliarden (SIC!) DM zu Buche./2/

    Die von den Landesdenkmalämtern erfassten schützenswerten Objekte werden dann im Bundesamt für Zivilschutz zusammengefasst und an das Bundesministerium für Verteidigung zwecks Eintragung der Koordinaten in Kartenwerk weitergeleitet. Sodann leitet selbiges wieder weiter und zwar an das Auswärtige Amt (Außenministerium), von dort geht die Reise der schützenswerten Objekte weiter zu den Vereinten Nationen. Eine Unterabteilung der UNESCO nimmt sich ihrer an, um sie unter internationalen Schutz stellen zu lassen.

    Bis zum Jahre 1986 hat die BRD kein einziges völkerrechtlich schützenswertes Objekt an die UNESCO gemeldet - man hatte es bis dato einfach nicht geschafft, die Listen zu einem Abschluß zu bringen. Und eine nicht fertige Liste darf nicht auf die Reise gehen!

    Immerhin hat man zu dieser Zeit in Hessen schon einige Objekte ausgespäht, deren Schutz man beantragen möchte:

    - Dom, Stifts- und Pfarrkirche St. Bartholomäus
    - Kath. Pfarrkirche St. Leonhard
    - Liebfrauenkirche
    - Ev. Katharinenkirche
    - Ev. alte Nikolaikirche
    - Ehem. Dominikanerkloster
    .
    .
    .
    - Haus Krimvogel
    - Hauptwache
    - Römer

    alle zu Frankfurt am Main.

    Natürlich hätten diese Objekte vor einer internationale Geltendmachung auf ihre miliärische Vertretbarkeit geprüft werden müssen. So muss, auch um den Einklang mit den Haager Landkriegsordnungskonventionen herzustellen, ein Abstand von mindesten 500 Metern zum nächsten militärischen Objekt gewährleistet sein.

    Da hätte beispielsweise Wiesbaden echt mal Pech gehabt, denn die Dichte militärischer Objekte in der Innenstadt hätte wohl zu so mancher Streichung von der Liste geführt.

    Hochinteressant oder ? - ich finds drollig, mir war bislang noch nicht bekannt, dass es atomare Gefechtsköpfe mit selektiver Wahrnehmung gab, die ganz im Sinne des Landesdenkmalamtes die Auswirkungen einer möglichen Atomexplosion von dem unter internationalem Schutz stehenden Objekt ferngehalten hätten

    Auch finde ich den Etat, den die Landesdenmalämter für diesen Zweck verwendet haben doch sehr üppig...so hat der Kalte Krieg zumindest einigen Leuten auch in diesem Gebiet zu Lohn und Brot verholfen.

    Bleibt die Frage: Hätte es tatsächlich bei einem - sagen wir - eher konventionellen Schlachtverlauf geholfen - wäre der Römer tätsächlich stehen geblieben?


    _____
    Hinweis: Ich will niemandem mit meinem Sarkasmus auf den Schlips treten, alleine staunt der mündige Bürger, wohin Geld so überall versickert ist.

    _____
    1) BGBL II 1967 S. 1233 und 1971 S. 1025
    2) Einzelplan 36 zivile Verteidigung, Anlage zur DRS 10/3700 S. 50 ff. d. deutschen Bundestages


    _____
    Korrektur: Weil mir 3,82 Milliarden wirklich suspekt war, habe ich nochmal eine Sekundärquelle bemüht. Es handelt sich wohl um einen Tippfehler und es sind "nur" 3,82 Millionen DM.
    Zuletzt geändert von taupe; 15.03.2006, 21:06.
    Gruß

    Michael


    Demokratie braucht Lärm
    Montesquieu
  • nairolf
    Cold Warrior
    • 14.07.2005
    • 185

    #2
    Doch Deutschland hat ein Objekt auf jeden fall an die UNESCO gemeldet die Zetrale Bergungsstätte für Kuturgut (3 Faches Schutzzeichen).

    MfG

    Florian
    Die Utopie den Atomkrieg zu Überleben geistert weiterhin durch die Welt.....

    Kommentar

    • taupe
      Cold Warrior
      • 15.07.2005
      • 589

      #3
      Hallo Florian,

      das mag sein, aber wenn, dann aber erst NACH dem 13.08.1986 /3/ ,
      bis dahin hat man bei den alle vier Jahre stattfindenden Überprüfungskonferenzen immer nur mitgeteilt, dass noch an den Listen gearbeitet wird.


      vorbehaltich der u. angegeb. Quelle.
      ____
      3) telef. Auskunft ORR G. U., Bundesamt für Zivilschutz, v. 13.08.1986, in Wiesbaden, eine Anaylse der miltärischen Strukturen in der hessischen Landeshauptstadt, E. Schmit-Eenboom, S. 94 f.
      Gruß

      Michael


      Demokratie braucht Lärm
      Montesquieu

      Kommentar

      • nairolf
        Cold Warrior
        • 14.07.2005
        • 185

        #4
        gut möglich...

        MfG

        Florian
        Die Utopie den Atomkrieg zu Überleben geistert weiterhin durch die Welt.....

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        • FEK
          Cold Warrior
          • 02.09.2005
          • 279

          #5
          Zitat von taupe
          Hallo,

          So muss, auch um den Einklang mit den Haager Landkriegsordnungskonventionen herzustellen, ein Abstand von mindesten 500 Metern zum nächsten militärischen Objekt gewährleistet sein.

          Da hätte beispielsweise Wiesbaden echt mal Pech gehabt, denn die Dichte militärischer Objekte in der Innenstadt hätte wohl zu so mancher Streichung von der Liste geführt.

          Hochinteressant oder ? - ich finds drollig, mir war bislang noch nicht bekannt, dass es atomare Gefechtsköpfe mit selektiver Wahrnehmung gab, die ganz im Sinne des Landesdenkmalamtes die Auswirkungen einer möglichen Atomexplosion von dem unter internationalem Schutz stehenden Objekt ferngehalten hätten
          Zeigt nur das alles was mit Krieg zu tun hat irgendwie pervers ist. Der Irak hatte offensichtlich solch Liste nicht rechtzeitig eingereicht.
          Wir können jedoch zu Zeiten des Einsparens davon ausgehen, das diese Mittel zumindestens gekürzt werden. Wozu eigentlich Gebäude schützen, wenn es keine Menschen mehr gibt welche sie nutzen könnten. Beim Schutz der Rechte von Kriegsgefangegen sind wir da international schon erheblich weiter. Sie Guantanamo und Folter.

          FEK

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          • vizekonteradmiral
            Cold Warrior
            • 21.01.2006
            • 198

            #6
            Zitat von nairolf
            Zetrale Bergungsstätte für Kuturgut
            Wo soll denn diese Einrichtung sein?
            Selbst Google weiß nix davon (auch dann nicht wenn ich das fehlende n und l einfüge )
            Und deshalb ... äh ... haben wir uns dazu entschlossen, heute ... äh ... eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, ... äh ... über Grenzübergangspunkte der DDR ... äh ... auszureisen.
            G.Schabowski, 9.11.1989

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            • Leif
              Rekrut
              • 14.07.2005
              • 35

              #7
              Hallo.


              Hier die Zahlen für den Bundeshaushalt 1983:

              Einzelplan 36 (04) Titelgruppe 7:
              Gesamt 3.660.000 DM
              davon Vergütung für Angestellte 301.000 DM
              Löhne für Arbeiter 69.000 D
              vermischte Personalaufgaben 3.000 DM
              Nicht teilbare sächliche Verwaltungsaufgaben (hier geht es um die Sachkosten der Sicherungsverfilmung und Einlagerung) 840.000 DM
              Maßnahmen zum Schutz nicht bundeseigenen Kulturgutes 2.447.000 DM

              Die Ausgaben sind noch weiter spezifiziert.


              Viele Grüße,
              Leif

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              • Harry (†)
                In Memoriam
                • 14.07.2005
                • 1241

                #8
                Den der BRD kann man sich ggf. mal anschauen.
                --------------------------------
                Der liebe Harry

                Kommentar

                • FEK
                  Cold Warrior
                  • 02.09.2005
                  • 279

                  #9
                  Leif,

                  das sind aber 20 Jahre alte Zahlen. Gibt es den konkrete Hinweise, das diese Behörde nach wie vor existiert?

                  FEK

                  Kommentar

                  • taupe
                    Cold Warrior
                    • 15.07.2005
                    • 589

                    #10
                    Hallo,

                    aktuelle Zahlen kann ich keine liefern, dazu müsste man sich wahrscheinlich durch die Anlagen "Einzelpläne" des aktuellen Bundeshaushalt wühlen...

                    Aber ich denke, ich kann den Nachweis erbringen, dass die Behörde nach wie vor existiert. Die Prioritäten sind jetzt ein wenig verschoben, nach der Gesetztesnovelle von '97.

                    aber hier noch eine aktuelle Broschüre des BBK zum Thema
                    Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten (840 kB, pdf)

                    Enthält unter anderem auch Bilder zur Sicherungsstelle, bzw. dem Lagerort, dem Barbarastollen in Oberried/Schwarzwald.
                    Gruß

                    Michael


                    Demokratie braucht Lärm
                    Montesquieu

                    Kommentar

                    • Harry (†)
                      In Memoriam
                      • 14.07.2005
                      • 1241

                      #11
                      Jemand Interesse das Teil anzugucken?
                      --------------------------------
                      Der liebe Harry

                      Kommentar

                      • taupe
                        Cold Warrior
                        • 15.07.2005
                        • 589

                        #12
                        Hi, ja natürlich, aber erst im April
                        Gruß

                        Michael


                        Demokratie braucht Lärm
                        Montesquieu

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                        • Leif
                          Rekrut
                          • 14.07.2005
                          • 35

                          #13
                          Hi.
                          Ich dachte, Zahlen von 1983 würden bei einem Beitrag, der auf Mitte der 80er Jahre ziehlt, Sinn machen

                          Schaut mal hier: http://www.bundesfinanzministerium.d...28nra0202.html
                          In der Nähe sind auch die Gelder für die Abwicklung von Marienthal...

                          Viele Grüße,
                          Leif

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                          • FEK
                            Cold Warrior
                            • 02.09.2005
                            • 279

                            #14
                            Ist ein schönes Stück Geld.

                            FEK

                            Kommentar

                            • taupe
                              Cold Warrior
                              • 15.07.2005
                              • 589

                              #15
                              Zitat von FEK
                              Ist ein schönes Stück Geld.

                              FEK
                              Das schon, dennoch ist der Etat ganz enorm zusammengestrichen worden, von knapp 2,0 Millionen Euro anno 1986 auf 1,15, also immerhin um grob 42% und das ohne Berücksichtigung von etwaigen Teuerungsraten usw.

                              Aber vielleicht sind unsere Listen ja inzwischen fertig
                              Gruß

                              Michael


                              Demokratie braucht Lärm
                              Montesquieu

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