CLASSIX - Alte Filmschauen der Bundeswehr

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  • Nemere
    Cold Warrior
    • 12.06.2008
    • 3289

    #31
    Da hat sich am Ende ein http eingeschmuggelt, dieser müsste funktioneren:

    Kommentar

    • DeltaEcho80
      Cold Warrior
      • 09.03.2013
      • 1765

      #32
      Hallo zusammen,

      da ich kein neues Thema aufmachen will - auch wenn es nicht direkt auf dem offiziellen Classix-Kanal der BW veröffentlich wurde, sondern vom einem "Winni500" - hier ein Lehrfilm über die Feldjäger: "Feldjägereinsatz bei unfriedlichen Demonstrationen:"

      Kommentar

      • Nemere
        Cold Warrior
        • 12.06.2008
        • 3289

        #33
        Das war einer der ganz wenigen „modernen“ Lehrfilme, die es für die Feldjägertruppe gab. Er wurde 1984/85 zur Zeit der Demonstrationen gegen den NATO-Doppelbeschluss gedreht, als solche unfriedliche Aktionen von „Friedensfreunden“ an der Tagesordnung waren.
        Der Film war allerdings bei uns als Praktikern, die häufig mit solchen Einsätzen konfrontiert waren, nicht unumstritten. Zum einen zeigte er sehr gut die ganz wichtigen Rechtsgrundlagen auf und machte auch deutlich, mit welcher Unsicherheit und welcher psychischen Belastung man in solche Einsätze geht. Zum anderen war aber das gemäß Drehbuch vorgesehene Verhalten der Darsteller nicht zweckmäßig. Man diskutiert nicht mehr mit gewaltbereiten Demonstranten und man gibt diesen im Gespräch auch keinesfalls verwertbare Informationen, wie es im Teil 2 bei der Bahnentladung geschieht („Der Zug kommt in einer Viertelstunde“). Auch das demonstrative Zeigen von Sicherungskräften, wie es beim Teil 1 mit der Feldjägerstreife am Kasernentor geschieht, wurde von den meisten Praktikern nicht als gut befunden, weil es meist provokant wirkt. Besser ist es fast immer, aus einer verdeckten Aufstellung heraus zu beobachten. Dagegen kann es in manchen Situationen sinnvoll sein, starke Reserven zu zeigen, weil das abschrecken kann. Insgesamt wird in dem Film die damals doch noch herrschende Unsicherheit im Umgang mit gewaltbereiten Demonstranten deutlich.

        Der Film wurde federführend von der Schule für Feldjäger/Stabsdienst in Sonthofen gedreht, das handelnde Personal kam von der Schule, von der 6./Feldjägerbataillon 760 aus Veitshöchheim, vom Stab Feldjägerbataillon 760 in München und von der 4./Feldjägerbataillon 750 aus Ulm.
        Der dargestellte FJg-Bataillonskommandeur war der damalige Kommandeur FJgBtl 760 in München, Oberstleutnant König. Der angebliche PSV-Stabsoffizier war der Lehroffizier für angewandte Psychologie im Feldjäger an der Feldjägerschule, ein OTL der FJgTruppe. Der „Vertreter des Innenministeriums“ bei der Besprechung am Beginn von Teil 2 war im echten Leben der Lehr-Stabsoffizier Verkehrsdienst und Verkehrsrecht von der Feldjägerschule, Oberstleutnant Maubach – übrigens einer der fähigsten Ausbilder, die ich je kennengelernt habe.

        Die Demonstration vor dem Kasernentor im Teil 1 wurde an der Hauptzufahrt der GOB-Kaserne in Sonthofen gedreht, die Demonstranten wurden vom Lehrpersonal der Schule und den Zivilangestellten (vor allen den weiblichen ) gestellt. Der Bananenschalenwerfer war der Ausbildungsfeldwebel Waffenloser Kampf, deswegen in den Kommentaren auch die Anspielung auf den „Turm“, weil im obersten Stockwerk des Turmes der GOB-Kaserne der Ausbildungsraum für Waffenlosen Kampf war.
        Das Eindringen in die Kaserne wurde in der Kaserne des ABCABwLehrbataillons in Sonthofen gedreht, daher sieht man auch die Spürpanzer Fuchs im Hintergrund.
        Die agierenden Feldjäger im Teil 1 kamen von der 6./FJGBtl 760 aus Veitshöchheim, das war die Mannschaft, die ich einige Monate später als Einsatzoffizier übernahm. Da die Feldjägertruppe seit 1980 keine Lehrtruppe mehr hatte, mussten für solche Aktionen Feldjägerkräfte der aktiven Feldjägerbataillone herangezogen werden.
        Gut gezeigt wurde in dieser Sentenz auch der Einsatz von „Soldaten im Feldjägerdienst“. Dabei wurden die Soldaten – ähnlich wie bei der Wache – förmlich in den Feldjägerdienst versetzt und erhielten in weiten Bereichen die gleichen Befugnisse wie ein Feldjäger. Sie wurden allerdings nur unter Führung von Feldjäger eingesetzt.
        Das Anschlagen von Feuerwehrschläuchen an ortsfeste Hydranten als eine Art Behelfswasserwerfer in eine sehr zweischneidige Geschichte. Im Gegensatz zum richtigen Wasserwerfer auf LKW-Fahrgestell kann nämlich der Hydrant beim Eindringen von Demonstranten nicht ausweichen und es besteht die Gefahr, dass dann die Feuerwehrschläuche gegen die Sicherheitskräfte eingesetzt werden. Man musste eigentlich den Kasernenkommandanten immer von solchen Aktionen abraten. Manche Kasernenkommandanten kamen damals auch auf andere abenteuerliche Ideen. So wollte der Kommandeur eines Panzerbataillons bei einer Blockade einmal seine Bergepanzer mit abgesenktem Räumschild zum Freimachen der Kaserneneinfahrt verwenden, zum Schutz der Demonstranten sollten einige Schaumstoffmatratzen am Räumschild befestigt werden. Auch wollte er seinen Bereitschaftszug als Eingreifreserve mit dem Klappspaten als Hiebwaffe ausrüsten. Wir hatten Mühe, im beides auszureden, erst der Rechtsberater konnte ihm klarmachen, dass der Klappspaten im Frieden keine dienstlich zugelassene Hiebwaffe nach dem UZwGBw ist.

        Der Teil 2 ist an einem Bahnhof im Raum Ulm lokalisiert, die eingesetzten Feldjäger kommen von der damaligen 4./Feldjägerbataillon 750 aus Ulm. Der hier gezeigte Schutzschildeinsatz war erst kurz vorher als Thema in die Ausbildung aufgenommen worden, da vorher keine Schilder verfügbar waren. Gerade das Bilden der „Schildkröte“ als Schutz gegen Wurfgeschosse und die Formveränderungen, also das Bilden der Postenkette oder des Keils zum Abdrängen mussten drillmäßig geübt werden, wie bei der Formalausbildung, sonst klappte das nicht. Ich kann aus eigener Erfahrung nur sagen, dass es ein saublödes Gefühl ist, wenn man hinter dem Schild steht und es kommt irgendetwas geflogen und man weiß nicht, ob es ein Stein, ein Brandsatz oder doch nur eine faule Tomate ist.
        Um Diskussionen mit Demonstranten oder allgemein Bundeswehrgegnern besser führen zu können wurde ca. 1983 ein Lehrgang „Argumentation und Diskussion für Feldjägeroffiziere“ an der PSV-Schule in Euskirchen eingeführt. Hier wurde z.B. auch das Gestalten von Lautsprecheraufrufen (AIDA-Formel usw.) ausführlich geübt. Jede Feldjägerkompanie hatte eine Lautsprecheranlage zum ortsfesten Einsatz bzw. zur Fahrzeug- oder Hubschraubermontage, jeder Feldjägerzug dazu noch zwei Handmegaphone.

        Der Teil 3 spielt im Einsatzraum der 6./FJgBtl 760. Wir waren von Veitshöchheim aus auch zuständig für das nördliche Baden-Württemberg bis zum Neckar. Dazu gehörte auch der Luftwaffenstandort Mosbach mit dem Luftwaffenversorgungsregiment 4 und seiner Untertageanlage in Neckarzimmern. Es gab in den 1980er Jahren tatsächlich mehrfach Angriffe auf Transporte dieser Luftwaffen-Transportkräfte, weil irgendeiner das Gerücht aufgebracht hatte, im Untertagedepot in Neckarzimmern würden Atomwaffen lagern, was natürlich völliger Blödsinn war.
        Dieser Abschnitt des Film zeigt wieder recht gut die eigentlich nie behobenen Personal- und Materialprobleme der damaligen Feldjägertruppe. Als Zivilfahrzeug für die Voraufklärung hatte man einen kleinen Opel, der natürlich keinen Funk hatte. Man konnte allenfalls das SEM 35 mitnehmen, dessen Reichweite aber in der recht durchschnittenen Gegend um Mosbach (Ausläufer des Odenwaldes) sehr bescheiden war. Handy war damals noch nicht einmal als Begriff bekannt. Rechtliche Grundlagen zur Kontrolle des Traktorfahrers hätte man sowieso keine gehabt.
        Auch der Transport der Feldjäger auf dem 2 to mit dem umständlichen Absitzen über die Ladeklappe resultierte aus den fehlenden geeigneten Fahrzeugen. Es gab nur einen VW-Bus in der Kompanie (KpFw), also musste auf die LKW der Zugtrupps zurück gegriffen werden.
        Die eingesetzten Fußstreifen haben in allen drei Teilen des Filmes das FuG 13, ein kaum brauchbares Funkgerät, das zudem mit den SEM-Geräten keine Verbindung halten konnte. Die SEM 52 hatten wir 1980 abgegeben, die SEM 52 S kamen erst 1985.
        Weiter erkennt man hier die immer zu geringe Einsatzstärke, also den Personalmangel, der Feldjäger. Durch den hohen Kaderungsgrad der Kompanien und den ständigen Schichtdienst konnte man aus dem Stand nur unter Schwierigkeiten zehn oder zwölf Feldjäger für solche Sonderaufträge zusammenkratzen und da waren oft genug Soldaten aus dem Insttrupp oder Kompanieführung als „Soldaten im Feldjägerdienst“ dabei. Auf die Schnelle eine „Hundertschaft“ zu stellen, wie es der Polizei möglich war, war nicht möglich.
        Sehr gut ist in diesem letzten Teil die rechtliche Begründung des Schußwaffeneinsatzes und der Fesselung dargestellt. Da es damals noch kein Pfefferspray / RSG gab, war man relativ schnell beim Schußwaffeneinsatz und sei es nur als Warnschuß.

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        • Thunderhorse
          Cold Warrior
          • 09.02.2006
          • 2037

          #34
          RSG gab es damals schon. Wurden Chemical Mace RSG 1 genannt.

          War aber CN.
          Dazu gab es die verschiedenen RWs, Reizstoffwurfkörper.
          Z.B.:
          Duik in lexpev.nl voor een uitgebreide verkenning van uiteenlopende onderwerpen, waaronder effectieve...

          Duik in lexpev.nl voor een uitgebreide verkenning van uiteenlopende onderwerpen, waaronder effectieve...

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          • Nemere
            Cold Warrior
            • 12.06.2008
            • 3289

            #35
            Zitat von Thunderhorse Beitrag anzeigen
            RSG gab es damals schon.
            Aber nicht bei der Bundeswehr.
            An Reizstoffwurfkörpern gab es bei der Bundeswehr nur den "Reizstoffwurfkörper CN 200 gr". Der hatte ungefähr die Form einer kleinen Konservendose. Zum Zünden wurde die Schutzkappe abgeschraubt, dann gab es da eine Reibfläche zum Zünden und das Ding wurde geworfen (mit der Gefahr, das es der Gegner zurückwarf). Also zum Einsatz gegen eine gewaltbereite Person, die mit einem gefährlichen Gegenstand unmittelbar auf einen losgeht, eher nicht geeignet.

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            • DeltaEcho80
              Cold Warrior
              • 09.03.2013
              • 1765

              #36
              Hallo Jörg,

              vielen Dank für die ausführlichen Hintergrunderläuterungen aus deiner Sicht des Praktikers. Ich dachte mir schon, dass der Film für das Forum interessant sein kann.

              Das Eindringen in die Kaserne wurde in der Kaserne des ABCABwLehrbataillons in Sonthofen gedreht, daher sieht man auch die Spürpanzer Fuchs im Hintergrund.
              Die agierenden Feldjäger im Teil 1 kamen von der 6./FJGBtl 760 aus Veitshöchheim, das war die Mannschaft, die ich einige Monate später als Einsatzoffizier übernahm. Da die Feldjägertruppe seit 1980 keine Lehrtruppe mehr hatte, mussten für solche Aktionen Feldjägerkräfte der aktiven Feldjägerbataillone herangezogen werden.
              Das habe ich mir schon gedacht, da der größere der beiden Soldaten, die am Kasernentor auf und ab gehen, einen deutlichen fränkischen Spracheinschlag hat.

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              • Nemere
                Cold Warrior
                • 12.06.2008
                • 3289

                #37
                Zur Ergänzung im Anhang noch eine Checkliste an welche Dinge bei der Absicherung von Veranstaltungen gedacht werden sollte. Diese Liste haben wir ab 1985 im Feldjägerbataillon 760 entwickelt und dann immer nach der aktuellen Entwicklung fortgeschrieben. Die Ausführung hier ist die Ausgabe von 1994, bereits auf die Besonderheiten in den neuen Bundesländern abgestimmt.
                Einige Punkte sind natürlich längst überholt, Telefonzellen braucht heute dank Handy keiner mehr und die UFT-Funkgeräte sowie die TELEPORT-Funkgeräte sind auch längst Geschichte.
                Angehängte Dateien

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                • spanier
                  Rekrut
                  • 29.07.2009
                  • 50

                  #38
                  Das hier heute auf Youtube gefunden.



                  Ich komme auf 6 im Film gezeigte Waffensysteme, die heute bei der BW nicht mehr im Einsatz sind. Vielleicht habe ich ja was übersehen,....????

                  Grüsse

                  Spanier

                  Kommentar

                  • tannenzapfen
                    Cold Warrior
                    • 25.01.2022
                    • 466

                    #39
                    M109, PAH, Skorpion, Gepard, Jaguar und FH155?

                    Kommentar

                    • klaus_erl
                      Cold Warrior
                      • 14.04.2013
                      • 1073

                      #40
                      Zitat von tannenzapfen Beitrag anzeigen
                      M109, PAH, Skorpion, Gepard, Jaguar und FH155?
                      +Luchs 3:50 +LARS 7:25

                      Dann wärens schon 8

                      Kommentar

                      • tannenzapfen
                        Cold Warrior
                        • 25.01.2022
                        • 466

                        #41
                        In Anbetracht der Artillerieausstattung (MARS, LARS, FH) hat da aber nicht nur eine PzGrenBrig alleine geübt, oder?

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                        • Nemere
                          Cold Warrior
                          • 12.06.2008
                          • 3289

                          #42
                          Auch FLugabwehr hatte die Brigade damals nicht, die musste von der Division kommen, genauso wie das Brückengerät.
                          Da aber hier das Gefecht der verbundenen Waffen in seiner Gesamtheit dargestellt werden sollte, hat man eben die entsprechenden Unterstützungskräfte der höheren Ebenen zur Verfügung gestellt.

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                          • kato
                            Cold Warrior
                            • 03.03.2009
                            • 906

                            #43
                            Zitat von klaus_erl Beitrag anzeigen
                            Dann wärens schon 8
                            + Transall 01:58

                            Nicht sicher wär ich mir beim M113 KrKw bei 06:51.

                            Kommentar

                            • Thunderhorse
                              Cold Warrior
                              • 09.02.2006
                              • 2037

                              #44
                              Stelle es mal hier ein

                              US-Manöver "Silver Shield"

                              US-Manöver: Panzer überquert Donau auf Pontonbrücke 1962
                              08.11.1962 ∙ US-Manöver: Panzer überquert Donau auf Pontonbrücke 1962 ∙ BR Fernsehen

                              Das US-Manöver 'Silver Shield' an der Donau umfasste stolze 18 000 Soldaten und 4 000 Fahrzeuge. Ein erfolgreiches Manöver war das Überqueren der Donau eines Panzers über eine Pontonbrücke ('Floating Bridge'). Das Einsatzgebiet erstreckte sich im Norden in der Linie Würzburg und Bamberg, im Süden Augsburg und Freising, im Westen Nördlingen und Rothenburg sowie im Osten Ingolstadt, Neumarkt und Nürnberg.

                              Kommentar

                              • Tutenberg
                                Warrior
                                • 04.01.2022
                                • 61

                                #45
                                Danke für den Beitrag.
                                Aber kann mir jemand sagen, was für ein Typ Hubschrauber das am Ende des Films ist?
                                Habe ich so noch nicht gesehen.

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