während es über die logistischen Einrichtungen der Bundeswehr, der US Army oder der britischen Armee eine einigermaßen brauchbare Quellenlage gibt, ist das Gebiet der französischen logistischen Einrichtungen, wie auch in diesem Forum oftmals zu Tage tritt, eher schwer zu durchdringen. Es liegen oft überhaupt keine oder nur sehr dürftige Angaben vor, und diese sind oftmals noch widersprüchlich.
Nicht erleichtert wird die Suche auch durch die oftmals länger zurückliegende Aufgabe der Liegenschaften und deren einstige bauliche Ausführung, die sich grundsätzlich wesentlich von vergleichbaren Liegenschaften der Bundeswehr oder der anderen auf deutschem Boden stationierten Streitkräfte unterschied.
Die Quellenlage zur französischen Armee in Deutschland ist ausgesprochen dürftig, und dies ist noch sehr wohlwollwend formuliert. Auch in französischer Sprache liegen meiner Kenntnis nach keine wirklich aussagekräftigen und tiefergehenden zugänglichen Quellen vor.
Ich habe daher mal den Versuch unternommen, ein paar grundsätzliche Daten zu sammeln und hier zusammenzufassen. Quellen waren v.a. Forenbeiträge, die Beständeübersichten der diversen Archive, die im Internet zu findende Darstellung von Régis Hoyet („La fermeture de moult dépôts d’autrefois“), desiderate Angaben in allen möglichen Quellen (Literatur und Internet) sowie vor allem auch persönliche Inaugenscheinnahme vor Ort und Google Earth-Recherchen. Dazu der bekannte „Militarisierungsatlas“ und für grundsätzliche Angaben zur französischen Armee das „Militärgeschichtliche Handbuch Baden-Württemberg“.
Logistische Einrichtungen der französischen Armee waren zuletzt offensichtlich v.a. die Dépôts d’armées (abgekürzt DA; „Armeedepots“) welche den Armeekorps unterstanden, die Dépôts de garnison („Standortdepots“) sowie die Dépôts des Essences / Centres de Ravitaillement des Essences (Betriebsstoffdepots / Betriebstoffversorgungszentren). Daneben gab es noch einzelne spezialisierte Liegenschaften wie das Sanitätsdepot in Bühl. Logistischen Einrichtungen, die in den fünfziger Jahren bestanden und dann nicht mehr (wie Verpflegungsdepots und ähnliches), habe ich nicht berücksichtigt, sondern auscchließlich noch in den achtziger Jahren vorhandene Strukturen.
Die Armeedepots, welche von der Fläche her eher größer waren, scheinen vorrangig, aber nicht ausschließlich, der Munitionslagerung gedient zu haben (für einige dieser Depots findet sich auch die Bezeichnung „Dépôt de munitions d’armée“ (= Armeemunitionsdepot). Die (kleineren bis kleinen) Standortdepots scheinen ausschließlich zur Munitionslagerung eingerichtet worden sein (entsprechen damit mutmaßlich am ehesten den ehemaligen Standortmunitionsniederlagen der Bundeswehr).
Grundsätzlich ist die Masse der Armeedepots und der Standortdepots wohl um das Jahr 1953 herum entstanden. Erste (wenige) dieser Einrichtungen wurden mit Aufstellung der Bundeswehr von dieser übernommen. Weitere wurden mit dem Austritt Frankreichs aus der NATO 1966 bzw. der Heeres-Reorganisation 1969 sowie der erneuten Re-Organisation 1978 aufgegeben (jede dieser Re-Organisationen war mit der Verlegung von Einheiten zurück nach Frankreich und der Aufgabe von Standorten in Deutschland verbunden, so 1969 u.a. Koblenz, 1978 bspw. Horb, Konstanz, Radolfzell, Weingarten). Mitte der achtziger Jahre erfolgte eine weitere Häufung der Auflassung solcher Liegenschaften. Hier kann ich nur mutmaßen, dass viele dieser Depots / Lager nicht mehr den Anforderungen an eine sichere und angemessene Lagerung der moderner werdenden Munition entsprachen und / oder durch eine 1985 wirksam werdende Reorganisation der Logistikeinheiten entbehrlich wurden. Allerdings muss auch angemerkt werden, dass es zu den angegebenen Schließungsdaten oftmals widersprüchliche Angaben gibt (als Beispiel sei hier das Depot Iffezheim genannt).
Verantwortlich für die Einlagerung, Pflege und Instandsetzung sowie Auslagerung / Zuteilung der in den Armeedepots (Dépots d’armées) befindlichen Munitionsbeständen waren bis 1985 die sogenannten Compagnies Munitions (abgekürzt CM), die 1978 in Groupements Munitions (abgekürzt GM oder GMu) umstrukturiert wurden. Sie gehörten zum „Service du Matériel“, welcher v.a. die Instandsetzungseinheiten des französischen Heeres bildete. Zum 01.07.1985 wurden diese selbständigen Munitions-Einheiten aufgelöst und die Aufgaben von zu diesem Datum neu aufgestellten Régiments du Matériels (RMat) übernommen.
Verantwortlich für die Betriebsstoffdepots war der „Service des Essences des Armées“ (SEA), welcher in Deutschland seinen Hauptstandort in Renchen (Ortenaukreis) hatte. Hier war das „Atelier Mécanique des Essences“, wohl eine Art Instandsetungswerkstatt für alle mit der Betriebsstoffversorgung zusammenhängenden Dinge sowie der Sitz der 702. Compagnie Mixte des Essences (bzw. später Groupement), welche offensichtlich die Betriebsstoffdepots in Deutschland betrieben hat.
In weiteren Beiträgen will ich meine Aufstellung der einzelnen Liegenschaften (mit allen hiermit verbundenen Ungewissheiten) aufführen.
Viele Grüße, Thomas
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