Französische Depots in Deutschland

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  • Jagstheimer
    Warrior
    • 27.12.2008
    • 64

    #1

    Französische Depots in Deutschland

    Hallo,

    während es über die logistischen Einrichtungen der Bundeswehr, der US Army oder der britischen Armee eine einigermaßen brauchbare Quellenlage gibt, ist das Gebiet der französischen logistischen Einrichtungen, wie auch in diesem Forum oftmals zu Tage tritt, eher schwer zu durchdringen. Es liegen oft überhaupt keine oder nur sehr dürftige Angaben vor, und diese sind oftmals noch widersprüchlich.

    Nicht erleichtert wird die Suche auch durch die oftmals länger zurückliegende Aufgabe der Liegenschaften und deren einstige bauliche Ausführung, die sich grundsätzlich wesentlich von vergleichbaren Liegenschaften der Bundeswehr oder der anderen auf deutschem Boden stationierten Streitkräfte unterschied.

    Die Quellenlage zur französischen Armee in Deutschland ist ausgesprochen dürftig, und dies ist noch sehr wohlwollwend formuliert. Auch in französischer Sprache liegen meiner Kenntnis nach keine wirklich aussagekräftigen und tiefergehenden zugänglichen Quellen vor.

    Ich habe daher mal den Versuch unternommen, ein paar grundsätzliche Daten zu sammeln und hier zusammenzufassen. Quellen waren v.a. Forenbeiträge, die Beständeübersichten der diversen Archive, die im Internet zu findende Darstellung von Régis Hoyet („La fermeture de moult dépôts d’autrefois“), desiderate Angaben in allen möglichen Quellen (Literatur und Internet) sowie vor allem auch persönliche Inaugenscheinnahme vor Ort und Google Earth-Recherchen. Dazu der bekannte „Militarisierungsatlas“ und für grundsätzliche Angaben zur französischen Armee das „Militärgeschichtliche Handbuch Baden-Württemberg“.

    Logistische Einrichtungen der französischen Armee waren zuletzt offensichtlich v.a. die Dépôts d’armées (abgekürzt DA; „Armeedepots“) welche den Armeekorps unterstanden, die Dépôts de garnison („Standortdepots“) sowie die Dépôts des Essences / Centres de Ravitaillement des Essences (Betriebsstoffdepots / Betriebstoffversorgungszentren). Daneben gab es noch einzelne spezialisierte Liegenschaften wie das Sanitätsdepot in Bühl. Logistischen Einrichtungen, die in den fünfziger Jahren bestanden und dann nicht mehr (wie Verpflegungsdepots und ähnliches), habe ich nicht berücksichtigt, sondern auscchließlich noch in den achtziger Jahren vorhandene Strukturen.

    Die Armeedepots, welche von der Fläche her eher größer waren, scheinen vorrangig, aber nicht ausschließlich, der Munitionslagerung gedient zu haben (für einige dieser Depots findet sich auch die Bezeichnung „Dépôt de munitions d’armée“ (= Armeemunitionsdepot). Die (kleineren bis kleinen) Standortdepots scheinen ausschließlich zur Munitionslagerung eingerichtet worden sein (entsprechen damit mutmaßlich am ehesten den ehemaligen Standortmunitionsniederlagen der Bundeswehr).

    Grundsätzlich ist die Masse der Armeedepots und der Standortdepots wohl um das Jahr 1953 herum entstanden. Erste (wenige) dieser Einrichtungen wurden mit Aufstellung der Bundeswehr von dieser übernommen. Weitere wurden mit dem Austritt Frankreichs aus der NATO 1966 bzw. der Heeres-Reorganisation 1969 sowie der erneuten Re-Organisation 1978 aufgegeben (jede dieser Re-Organisationen war mit der Verlegung von Einheiten zurück nach Frankreich und der Aufgabe von Standorten in Deutschland verbunden, so 1969 u.a. Koblenz, 1978 bspw. Horb, Konstanz, Radolfzell, Weingarten). Mitte der achtziger Jahre erfolgte eine weitere Häufung der Auflassung solcher Liegenschaften. Hier kann ich nur mutmaßen, dass viele dieser Depots / Lager nicht mehr den Anforderungen an eine sichere und angemessene Lagerung der moderner werdenden Munition entsprachen und / oder durch eine 1985 wirksam werdende Reorganisation der Logistikeinheiten entbehrlich wurden. Allerdings muss auch angemerkt werden, dass es zu den angegebenen Schließungsdaten oftmals widersprüchliche Angaben gibt (als Beispiel sei hier das Depot Iffezheim genannt).

    Verantwortlich für die Einlagerung, Pflege und Instandsetzung sowie Auslagerung / Zuteilung der in den Armeedepots (Dépots d’armées) befindlichen Munitionsbeständen waren bis 1985 die sogenannten Compagnies Munitions (abgekürzt CM), die 1978 in Groupements Munitions (abgekürzt GM oder GMu) umstrukturiert wurden. Sie gehörten zum „Service du Matériel“, welcher v.a. die Instandsetzungseinheiten des französischen Heeres bildete. Zum 01.07.1985 wurden diese selbständigen Munitions-Einheiten aufgelöst und die Aufgaben von zu diesem Datum neu aufgestellten Régiments du Matériels (RMat) übernommen.

    Verantwortlich für die Betriebsstoffdepots war der „Service des Essences des Armées“ (SEA), welcher in Deutschland seinen Hauptstandort in Renchen (Ortenaukreis) hatte. Hier war das „Atelier Mécanique des Essences“, wohl eine Art Instandsetungswerkstatt für alle mit der Betriebsstoffversorgung zusammenhängenden Dinge sowie der Sitz der 702. Compagnie Mixte des Essences (bzw. später Groupement), welche offensichtlich die Betriebsstoffdepots in Deutschland betrieben hat.

    In weiteren Beiträgen will ich meine Aufstellung der einzelnen Liegenschaften (mit allen hiermit verbundenen Ungewissheiten) aufführen.

    Viele Grüße, Thomas
  • Jagstheimer
    Warrior
    • 27.12.2008
    • 64

    #2
    Alors,

    und hier als erste Darstellung die Auflistung der Armeedepots nach meinem Kenntnisstand:

    Weitersbach (Landkreis Birkenfeld)
    1953 errichtet, 1963 an die Bundeswehr übergeben. Die Lagereinrichtungen bestanden aus ca. 48 gemauerten Lagerhallen. 127 Hektar Fläche.

    Morbach (Landkreis Bernkastel-Wittlich; an der Straße Morbach-Bruchweiler gelegen)
    Dépôt d’armée 321. Wurde offensichtlich 1985 zu einem Dépôt de garnison umstrukturiert. Knapp 30 Hektar Fläche. Aufgegeben vermutlich 1990.

    Hasborn
    Ab 1950 errichtet. Betrieben durch die 733e Compagnie Munition (Wittlich-Wengerohr). 1964 lagerten hier 4600 Tonnen Munition sowie 300 Tonnen Pioniermaterial. War dem Weiterbau der BAB 1 im Weg und wurde aus diesem Grund bis 1968 aufgegeben. Vollkommen abgegangen bzw. durch die Autobahn überbaut.

    Büdesheim (Landkreis Bitburg-Prüm)
    Dépôt d’armée 326. Wurde von der 733. Compagnie Munition (Wittlich-Wengerohr) betrieben.
    Verfügte über einige erdüberdeckte Munitionslagerhäuser.

    Oberweis (Landkreis Bitburg-Prüm, bei Bitburg)
    Dépôt d’armée 327. 1965 wurde Nutzung durch die Bundeswehr geprüft (offensichtlich mit negativem Ergebnis). Wurde damals als „Munitions- und Pioniermaterialdepot“ bezeichnet. Zu unbekanntem Zeitpunkt Übergabe der Liegenschaft an die US Air Force (Vermutung: Anfang / Mitte der achtziger Jahre). Verfügte über einige erdüberdeckte Munitionslagerhäuser.

    Iffezheim (Landkreis Rastatt, bei Rastatt)
    Dépôt d’armée 57. Errichtet vermutlich 1959. 60 Hektar Fläche. Betrieben durch die 753. Compagnie Munition (Rastatt). Verfügte über Gleisanschluss und Verladebahnhof auf dem 60 Hektar umfassenden Depotgelände sowie ca. 30 gemauerte Lagerhallen. Soll 1986 (eventuell aber nur als Munitionsdepot) geschlossen worden sein. Anderen Quellen zufolge Nutzung als Militär-Liegenschaft bis 1999.

    Dem Depot Iffezheim war das Munitionslager Kuppenheim angegliedert (Centre rattaché, CR). Dieses 45 Hektar große Lager war im Waldgebiet Hirschacker gelegen und 1984 bereits aufgegeben und abgegangen.

    Widersprüchliche Quellenangaben zu den Depots Iffezheim und Kuppenheim lassen mich zu dem Schluss kommen, dass als Ersatz für diese beiden Liegenschaften ein neues Munitionsdepot bei Kuppenheim, allerdings nördlich der Gemeinde in der Ebene, zumindest geplant war und u.U. bereits mit dem Bau begonnen wurde. Dieses neue Depot sollte eine Lagerkapazität von 800 Tonnen Munition haben.

    Offenburg-Waltersweier (Ortenaukreis)
    Dépôt d’armée 58. Siehe hierzu auch den Beitrag „ „.
    Baubeginn 1961 auf dem Gelände eines bisherigen Verpflegungsdepots der französischen Armee mit gemauerten Lagerhallen sowie kleinerer Lagerhütten. 1969/70 wesentliche Erweiterung des Depots um 31 erdüberdeckten Munitionslagerhäusern Stradley. Dieses Depot war die zuletzt betriebene Munitionslagerstätte der französischen Armee in Deutschland und wurde 1999 aufgegeben.

    Kenzingen (Landkreis Emmendingen)
    Dépôt d’armée 59. Ca. 1950 in Betrieb genommen, befand sich im Wald südöstlich von Kenzingen am Leopoldkanal, an der Landesstraße 105 zwischen Kenzingen und Forchheim. Betrieben bis 1978 durch die 730e Compagnie Munition (Kenzingen). In Nutzung bis ca. 1988. Heute fast vollständig abgegangen.

    Dem Depot Kenzingen war als Centre rattaché das Munitionslager Denzlingen im Wassermer Wald, Flächennummer 867 der Gemeinde Denzlingen, angegliedert. Aufgabe vermutlich 1982 und Rückgabe der Liegenschaft an den Bund 1985. Das Gelände wurde 1986 an die kanadische Armee übergeben. Diese plante hier die Errichtung eines modernen Munitionslagers mit dem Bau von erdüberdeckten Munitionslagerhäusern. Hierzu ist es nicht mehr gekommen, das Gelände wurde 1991 endgültig freigegeben. Heute fast vollständig abgegangen.

    Neuenburg-Grißheim (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald)
    An der Straße zwischen Zienken und Grißheim gelegen. Soll 1982 aufgegeben worden sein. Die Lagereinrichtungen bestanden ausschließlich aus kleinen Munitionslagerhütten. U.U. war hier analog Kuppenheim die Errichtung eines neuen Munitionsdepots mit 800 Tonnen Lagerkapazität als Ersatz für Iffezheim geplant. Auffallend ist, dass die Liegenschaft noch vor ein paar Jahren vorhanden, umzäunt und bis auf die zugewachsenen Wege einigermaßen intakt gewesen war.

    Stetten am kalten Markt („Petit Stetten“) (Landkreis Sigmaringen)
    Dépôt d’armée 63. Auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes Heuberg gelegen. Wird ab 1978 durch die 730e Groupement Munition (Stetten am kalten Markt) betrieben. Aufgegeben vermutlich 1984. Die Lagereinrichtung bestand aus ca. 60 Munitionslagerhütten.

    Münsingen-Breithülen (Landkreis Reutlingen)
    Dépôt d’armée 61. An der Südostecke des ehemaligen Truppenübungsplatzes Münsingen gelegen. Ab 1978 bis 1985 durch die 730. Groupement Munitions (Stetten am kalten Markt) betrieben, dann durch das 6. Régiment du Matériel. Lagereinrichtung bestand zuletzt aus 13 erdüberdeckten Munitionslagerhäusern Stradley, 17 größeren und vier kleineren gemauerten Lagerhallen. Wurde 1993 von der Bundeswehr übernommen und kurze Zeit als Materiallager genutzt.

    Bemerkung:
    Vermutlich war auch das 1953 errichtete und bereits 1957 an die Bundeswehr übergebene Munitionslager zwischen Ulmen und Müllenbach im Hochpochtener Wald gelegene ein Dépôt d’armée. Ein Quellenbeleg hierfür fehlt jedoch.

    Als nächstes werde ich die Standortdepots (Dépôts de garnison) auflisten. Dies wird aber noch ein bisschen dauern.

    Bis dahin

    Kommentar

    • Jagstheimer
      Warrior
      • 27.12.2008
      • 64

      #3
      Bonjour,

      nachstehend die Auflistung der weiteren mir bekannten oder vermuteten Munitionslager (v.a. Standortmunitionslager) in Rheinland-Pfalz

      Kaltenborn-Lützelacht (Landkreis Ahrweiler)
      mutmaßliches französisches Munitionslager an der L 10 zwischen Adenau und Einmündung in die B 412, nördlich der Hohen Acht. Quellenbeleg, dass es definitiv französisch war, fehlt mir. Wurde vermutlich Ende der sechziger / Anfang der siebziger Jahre aufgegeben. Gelände wurde im Anschluss von der Bundeswehr als Übungsgelände genutzt.

      Koblenz-Kühkopf (Stadt Koblenz)
      Errichtet auf dem Gelände eines ehemaligen Wehrmachts-Munitionslagers. Wurde vermutlich mit Abzug der französischen Armee aus Koblenz Ende der sechziger Jahre an die Bundeswehr übergeben und von dieser als Standortmunitionsniederlage genutzt.
      Von der Grüße der Liegenschaft her könnte es sich auch um ein Armeedepot gehandelt haben (dann müsste allerdings das französische Standortmunitionslager an anderer Stelle existent gewesen sein).

      Wittlich-Altrich (Landkreis Bernkastel-Wittlich)
      Dépôt de garnison. Gelegen an der L 52 zwischen Altrich und Klausen im Haardtwald, vermutlich auf dem Gelände eines ehemaligen Munitionslagers der Wehrmacht. Aufgegeben mutmaßlich 1985.


      Trier-Mattheiser Wald
      (einschließlich der ehemaligen Special Storage Site mit zwei erdüberdeckten Munitionslagerhäusern).

      Saarburg
      Auf dem Standortübungsplatz, südlich der Schießanlage; 14 kleine Lagerhallen.

      Zerf (Landkreis Trier-Saarburg)
      Gelegen im Wald südlich Zerf. Keine Quelleangaben.

      Sankt Wendel
      Auf dem Standortübungsplatz. Zwölf erdüberdeckte Munitionslagerhäuser unterschiedlicher Größe.

      Kaiserslautern
      Der französische Standort Kaiserslautern mit einem stationierten Panzerregiment dürfte auf alle Fälle auch ein Standortmunitionslager besessen haben. Ich habe jedoch keine Quellenangaben hierüber.
      Auf dem Gelände des französischen Standortübungsplatzes Mehlinger Heide scheint es kein solches Lager gegeben zu haben. Könnte es das kleine Lager östlich der Panzerkaserne gewesen sein ?

      Dudenhofen bzw. Schifferstadt (bei Speyer)
      Standort-Munitionslager der Garnison Speyer. Ursprünglich befand sich dieses Lager in Dudenhofen, stand dort jedoch der weiteren baulichen Entwicklung im Wege und wurde in den sechziger Jahren aufgegeben. Statt dessen wurde im Nordostteil des US-Pre-Stock Points 77 Schifferstadt das Munitionslager für Speyer eingerichtet.

      Neustadt / Weinstraße
      Dépôt de garnison Neustadt-Turenne. Direkt an die Quartier Turenne angrenzend. 1986 aufgegeben.
      Dépôt de garnison Neustadt-Lachen. Südöstlich an die Kaserne Quartier Colonel Edon in Lachen-Speyerdorf angrenzend. Aufgegeben 1986.

      Landau-Ebenberg
      Auf dem Gelände eines ehemaligen Wehrmachts-Lagers eingerichtet. Wurde bereits seit 1946 als Munitionslager der französischen Armee genutzt.


      Im nächsten Beitrag folgen die mir bekannten Lager aus Baden-Württemberg.

      Kommentar

      • Jagstheimer
        Warrior
        • 27.12.2008
        • 64

        #4
        Hallo,

        nun der erst mal letzte Beitrag zu den mir bekannten französischen Munitionslagern, jetzt in Baden-Württemberg:

        Baden-Oos (Stadt Baden-Baden)
        Auf dem Gelände des Heeresflugplatzes gelegen (nur via Google Earth, Historische Aufnahmen, identifiziert; 20 kleine Lagerhütten; keine Quellenangaben gefunden)

        Hornisgrinde-Unterstmatt (Landkreis Rastatt)
        Dépôt de garnison. Gelegen an der sogenannten Omerskopfstraße zwischen Bühl-Neusatz und Unterstmatt. In der zweiten Hälfte der siebziger Jahre aufgegeben, vermutlich bereits 1976. In unmittelbarer Nähe des bereits aufgelassenen Lagers schlug am 04.03.1980 eine abgestürzte F-15 Eagle der USAF ein. Der Pilot ist bei dem Absturz ums Leben gekommen.

        Offenburg-Schutterwald
        Dépôt de garnison, aufgegeben in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre.
        Handelte es sich hierbei um die nördlich des Armeedepots gelegene Liegenschaft und ist diese nach Auflassung als Standortmunitionslager eventuell von diesem Armeedepot übernommen worden ?

        Müllheim (Baden) (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald)
        Auf dem Gelände des noch aktiven Standortübungsplatzes befindlich.

        Friedenweiler-Rötenbach (bei Titisee-Neustadt, Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald)
        Dépôt de garnison Rotenbach. In der zweiten Hälfte der siebziger Jahre aufgelassen. Dürfte mit 950 Meter über NN das höchst gelegene Munitionslager in Deutschland gewesen sein ? Ehemals 55 kleine Lagerhütten.

        Maulburg (Landkreis Lörrach)
        Dépôt de garnison Maulburg. Im Wald nördlich über Maulburg gelegen. 1953 auf dem Gelände eines Nahkampfmitteldepots aus dem Ersten Weltkrieg errichtet und 1976 aufgegeben. Das Gelände heißt heute noch „Altes Minenlager“. Ehemals über 50 Lagerhütten.

        Horb-Eutingen (Landkreis Freudenstadt)
        Dépôt de garnison Horb-Eutingen. Genaue Lage nicht bekannt. Aufgegeben in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre.

        Freudenstadt
        Dépôt de garnison Freudenstadt. Gelegen auf dem Hirschkopf (Gemarkung Baiersbronn). Aufgegeben in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre. Dieses Lager war offensichtlich in Folge entweder durch die kanadische Armee übernommen oder zur Übernahme von 1979 an vorgesehen gewesen. Das Gelände wurde 1991 als kanadisches Munitionsdepot Baiersbronn freigegeben.

        Sulz am Neckar / Dornhan-Weiden (Landkreis Rottweil)
        Hier hat sich ein ehemaliges „Munitionsdepot“ befunden, gelegen auf der Höhe zwischen dem Neckartal und dem Tobeltal, kurz hinter einer keltischen Viereckschanze. Das ehem. Wachgebäude ist noch vorhanden (Forlewangenhaus der Forstverwaltung). Auf Grund der geografischen Lage und mangels verwertbarer Quellen habe ich es der französischen Armee zugeordnet.

        Rottweil / Zimmern ob Rottweil
        Im „Charlottenwäldle“ soll sich ab Ende der vierziger Jahre bis in die fünfziger Jahre ein Munitionslager befunden haben.

        Im „Tannwald“ direkt an der Autobahnausfahrt Rottweil soll sich gleichfalls ein französisches Munitionslager auf dem Gelände eines ehemaligen Wehrmachts-Munitionslagers befunden haben.
        U.U. gehörte dieses zu dem Depot / Instandsetzungseinrichtung auf der Stettener Höhe bei Zimmern ob Rottweil, welches 1985 von der kanadischen Armee übernommen wurde.

        Villingen-Pfaffenweiler
        Direkt neben der Schießanlage hat sich auf dem Gelände eines ehemaligen Wehrmachts-Munitionslagers ein französisches Munitionslager befunden. Errichtung vmtl. 1953. War 1960 definitiv existent. Die Größe soll 27 Hektar betragen haben. In den neunziger Jahren ist das (aufgegebene) Gebiet durch den Kampfmittelräumdienst untersucht worden. Hierbei wurden 60 Tonnen Munitionsreste aus dem gesprengten Wehrmachtsmunitionslager gefunden.

        Weißwald-Überauchen (bei Villingen)
        Gelegen an der Kreisstraße 5712 zwischen Tannheim und Überauchen im Weißwald. Hier befand sich ehemals auch die bis 1967 als Special Storage Area genutzte Liegenschaft mit zwei erdüberdeckten Munitionslagerhäusern. Südlich angrenzend das konventionelle Munitionslager.

        Donaueschingen
        Dépôt de garnison, gelegen südlich des Standortübungsplatzes. Auf dem Gelände eines ehemaligen Wehrmachtslagers errichtet. Aufgegeben in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre. Das Lager bestand trotz der in der Quelle genannten frühen Aufgabe weiter (andere Nutzung?). Erst 2008 wurde die Umzäunung abgebrochen.

        Spaichingen (Landkreis Tuttlingen)
        Dépôt de garnison, direkt am heutigen westlichen Stadtrand im Waldstück „Tanne“ gelegen. Bestand aus 11 gemauerten Lagerhallen, von denen zehn heute noch vorhanden sind. Aufgegeben in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre.

        Radolfzell (Landkreis Konstanz)
        Dépôt de garnison, aufgegeben in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre. Genauer Ort nicht bekannt (der Militarisierungsatlas spricht von Langenrain).
        In der Nähe von Radolfzell befand sich bei Stahringen bis 1966/67 auch die französische Special Storage Site.

        Friedrichshafen
        Dépôt de garnison, im Seewald gelegen. 1985 aufgegeben.

        Weingarten (Landkreis Ravensburg)
        Dépôt de garnison, aufgegeben in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre. Über den genauen Ort gibt es widersprüchliche Aussagen. Definitiv befand sich ein Munitionslager auf dem Gelände des Standortübungsplatzes Nessenreben. Dieses soll jedoch schon in den sechziger Jahren aufgegeben worden sein. Weitere Quellen erwähnen ein Munitionslager Weingarten-Marsweiler.
        Geplant, aber nicht umgesetzt, war offensichtlich auch die Erbauung einer gemeinsamen deutschen und französischen Standortmunitionsniederlage im Grunder Wald bei Wolfegg, welche in Bezug auf die französischen Streitkräfte das Munitionslager Nessenreben ersetzt hätte.

        Reutlingen
        Dépôt de garnison Reutlingen-Listhof, aufgegeben 1985
        Dépôt de garnison Reutlingen-Markwasen, aufgegeben in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre.
        Beide abgegangenen Lager befanden sich auf oder in der Nähe des Standortübungsplatzes.

        Tübingen
        Dépôt de garnison Tubingen-Waldhausen, kurz nach 1975 aufgegeben, um der Erbauung des Wohngebietes Waldhäuser Ost Platz zu machen
        Dépôt de garnison Tubingen-Schindhau

        1973 bestanden Planungen, die Reutlinger und Tübinger Munitionslager aufzulassen und die Bestände in ein neu zu errichtendes Munitionslager bei Engstingen oder bei Burladingen-Salmendingen zu verlagern.


        Münsingen-Auchberg
        Dépôt de garnison, nördlich an das Alte Lager angrenzend. 1987 aufgegeben.



        Vieles ist für mich noch mit Fragezeichen versehen. Aus diesem Grund freue ich mich über jede Anmerkung und über jeden Hinweis.

        Bei nächster Gelegenheit werde ich noch die mir bekannten Betriebsstoffdepots auflisten.

        Au revoir, Thomas.

        Kommentar

        • Jagstheimer
          Warrior
          • 27.12.2008
          • 64

          #5
          So,

          und nun noch die mir bekannten Betriebsstoffdepots der französischen Armee in Deutschland:

          Vorbemerkung: grundsätzlich scheinen die französischen Betriebsstoffdepots in der Nähe von Bahnlinien errichtet worden zu sein und zumindest in der Erbauungszeit über Gleisanschlüsse verfügt zu haben.

          Arzfeld-Üttfeld / -Lichtenborn (Landkreis Bitburg-Prüm)
          „Dépôt des Essences Lichtenborn“. Genauer Ort nicht bekannt, meiner Mutmaßung auf Grund Google Earth Recherche nach am ehemaligen Bahnhof Üttfeld (der ehemaligen Bahnlinie Prüm-Pronsfeld-Neuerburg, auf welcher der Güterverkehr 1989 eingestellt wurde), Straße „Am Bahndamm“ gelegen. Heute dann Gewerbebetrieb auf dem Gelände des vollkommen zurückgebauten Depots.

          Irrel (Landkreis Bitburg-Prüm)
          Befand sich direkt in der Ortschaft zwischen dem Bahnhof Irrel und Irreler Mühle. 1952 errichtet, ab Mitte 1952 in Betrieb genommen. 1988 wurde der Betrieb eingestellt (zeitlich mit der Einstellung des Güterverkehrs auf der Bahnstrecke zusammen fallend). Gleisanschluss bestand zum Bahnhof Irrel der Bahnstrecke Erdorf (bei Bitburg)-Igel. Das Depot verfügte über acht „Lagerbehälter-Gruppen“, eine Kanisterabfüllanlage, eine Hauptpumpstation, eine Nebenpumpstation mit Elektroraum, eine weitere Nebenpumpstation, einen Ölschuppen, ein Mannschaftsgebäude sowie ein Wohnhaus. Vollkommen abgetragen und mit Gewerbegebiet überbaut.

          Rastatt-Wintersdorf
          Dépôt des Essences No. 44. Gelegen an der Bahnlinie Rastatt-Roppenheim (Elsass) mit Gleisanschluss. Der Vorläufer dieses Depots befand sich bis Mitte der sechziger Jahre direkt in Rastatt in der Industriestraße. 1967 wurde das neu erbaute Depot südlich Wintersdorf in Betrieb genommen. Es hatte auf 35 Hektar Fläche jeweils sechs unterirdische Tanks mit je 100.000 bzw. 80.000 Liter Kapazität. Aufgegeben wurde es 1994.

          Kehl-Auenheim
          Das Betriebsstoffdepot (Centre de Ravitaillement des Essences = Betriebsstoffversorgungszentrum) wurde im Fort Blumenthal eingerichtet. Die Tankanlagen sowie die Pumpstationen sind hierbei im Wallgraben des Forts installiert worden. Das Depot wurde bis 1992 betrieben. Alle Anlagen wurden vollständig zurückgebaut. Dieses Tanklager hatte keinen Gleisanschluss und keine Anbindung an eine Bahnstrecke (aus diesem Grund die abweichende Bezeichnung ?)

          Breisach
          Dépôt des Essences. Gelegen außerhalb Breisachs an der L 114 Richtung Ihringen sowie an der Bahnlinie Breisach – Gottenheim-Freiburg mit Gleisanschluss. Aufgegeben zum 31.07.1992 oder erst 1999 ?

          Horb-Eutingen
          Dépôt des Essences No. 33. Errichtet in der Nordwestecke des ehemaligen Einsatzhafens Eutingen der Luftwaffe der Wehrmacht (neben dem Verwaltungsbereich sowie Hangar des Einsatzhafens). Der Flugplatz-Gleisanschluss von der Bahnstrecke Eutingen-Hochdorf bei Horb wurde bis zum Rückbau 1985 genutzt. Das Depot war 1991 definitiv noch in Betrieb. Nach Aufgabe vollständiger Rückbau, nur das Wachgebäude blieb erhalten und dient heute als Vereinsheim der örtlichen NABU-Gruppe. Südlich des Depot-Geländes befindet sich heute ein riesiges DHL-Frachtzentrum.

          Raderach (bei Friedrichshafen)
          Hier soll sich ein französisches Treibstoffdepot befunden haben (Ort unbekannt). Handelte es sich hierbei eventuell um eine Einrichtung auf dem früheren V2-Testgelände, heute unter einer Mülldeponie verschwunden ?

          Nun habe ich mein Pulver verschossen und hoffe, es war einigermaßen von Interesse bzw. regt zu Anmerkungen an.

          Thomas

          Kommentar

          • Nemere
            Cold Warrior
            • 12.06.2008
            • 2879

            #6
            Vielen Dank für diesen informativen Beitrag. Die französische Armee in Deutschland führt immer ein bißchen ein Schattendasein.
            In diesem Zusammenhang habe ich eine Frage, bei der Du mir vielleicht weiterhelfen kannst:

            Die bayerische Stadt Lindau im Bodensee und der Kreis Lindau gehörten bis 1955 ebenfalls zur französischen Besatzungszone.

            Die Stadt war von Mai - Juli 1945 Standort des Hauptquartiers der Première Armée Francaise „Rhin et Danube“, bevor der Stab nach Baden-Baden verlegte.
            Danach waren Besatzungstruppen der 4e Division d’Infanterie in Stärke eines schwachen Bataillons stationiert, z.B. Teile des 110e Régiment d’Infanterie.

            Hast Du Erkenntnisse darüber, ob es auch für diese Truppen in Lindau eine Art Standortmunitionsniederlage gab oder hast Du evtl. Informationen über weitere, in Lindau stationierte französische Truppen?

            Kommentar

            • Jagstheimer
              Warrior
              • 27.12.2008
              • 64

              #7
              Nach meinem Kenntnisstand war die Luitpold-Kaserne in Lindau bis zur Übernahme durch Bundeswehr, nach meinen Informationen 1957, von der französischen Armee als "Quartier Léopold" in Nutzung und belegt. Außer einer Unterbringung des 3ème Battalion, Régiment d'Infanterie 152 (dessen Stab in dieser Zeit in Wangen lag) in der Zeit vom 10.05.45 bis Anfang 1946 verfüge ich über keine weiteren Angaben zu Belegungen.

              Da die meisten Standortmunitionslager von der französischen Armee um 1953 herum errichtet wurden, kann eine solche Liegenschaft für Lindau tatsächlich nicht ausgeschlossen werden. Mir ist sie jedoch (bzw. ein denkbarer Standort) nicht bekannt.

              Kommentar

              • Nemere
                Cold Warrior
                • 12.06.2008
                • 2879

                #8
                Vielen Dank für Deine Auskunft. Immerhin ein kleines Mosaiksteinchen mehr.

                Kommentar

                • Picardie
                  Rekrut
                  • 09.07.2014
                  • 5

                  #9
                  Radolfzell (Landkreis Konstanz)
                  Dépôt de garnison, aufgegeben in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre. Genauer Ort nicht bekannt (der Militarisierungsatlas spricht von Langenrain).
                  In der Nähe von Radolfzell befand sich bei Stahringen bis 1966/67 auch die französische Special Storage Site.

                  Hallo "Jagdstheimer", hallo miteinander,
                  die von der Wehrmacht (der Garnison Konstanz - nicht der Waffen-SS-Garnison Radolfzell) erichtetete Brückenbauschule wurde von den Franzosen bis zum 31.05.77 (respektive Ende September 1977) genutzt. Es handelte sich um ein "GMCED des Forces Francaises de Radolfzell", wobei es mir auch nach vielen Jahren der Recherche nicht gelungen ist, herauszufinden, was diese Abkürzung bedeutet. Noch nicht einmal das historische Institut der frz. Armee konnte oder wollte mir das sagen...Da in den 50er und 60er-Jahren auch das 14. und danach das 57. Pionierregiment in Radolfzell stationiert war, vermute ich, dass man dieses Gelände zumindest zunächst, ebenfalls als "école de ponts" genutzt hat, zumal dort noch Jahrzehnte später ein Ponton aus Aluminium aus US-Beständen lag und ich auch Photos von "Gillois" auf dem Gelände gesehen habe. Vermutlich in den 70er wurden die großen Hallen aber auch teilweise vom Sportverein der Regimenter (42 RI, 3 RI, 302 GA, 413 B (C) S, etc.genutzt (als Tennishalle etc.). Meines Wissens gab es ein kleines Depot in Allensbach-Kaltbrunn und nicht in Langenrain (ich kenne diesen Atlas gar nicht) ?!?
                  In Konstanz-Petershausen resp. Konstanz -Wollmatingen gabe es ebenfalls direkt auf dem Gelände des Güterbahnhofs einige Hallen, die die Franzosen nutzten, vermutlich ebenfalls ein Depot oder Atelier oder Arsenal. Noch Mitte der 80er-Jahre - also nach Auflösung der Konstanzer Garnison in 1977 und 1978 - standen dort schrottreife Unimogs. Die "special storage site" in Radolfzell-Stahringen wurden meiner Meinung nach nur indirekt durch die Franzosen genutzt. Eigentlich waren die US-Amerikaner aus Pfullendorf verantwortlich und zuständig. Es gab im Quartier Vauban auch einen US-amerikanische, kleine Einheit, die sich um die Honest John kümmerten. Ganz am Rande bemerkt
                  suche ich derzeit nach 2 Funk- und/oder Peil-Stationen der Franzosen im Raum Stetten a. k.M. - Tuttlingen - Sigmaringen. Hatte davon bereits Photos gesehen, kann mich aber nicht mehr an die Namen der Dörfer erinnern. Kann jemand helfen ?

                  MERCI et à bientot !

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