Hannes Gamillscheg berichtet in der heutigen Ausgabe (14.11.2008) der »Fuldaer Zeitung« über einen heißen Vorfall in eisiger Kälte:……

"Gesucht: Atombombe Nummer 78252
Unter dem Eis in Grönland liegt seit 40 Jahren eine Atombombe. Das hat die britische BBC herausgefunden. Die USA haben die Bombe offenbar bei einem Absturz eines B-52-Bombers am 21. Januar 1968 verloren – und bis heute nicht wiedergefunden.
Insgesamt hatte das Flugzeug vier Atombomben an Bord. Wie der damalige Pilot Joe D’Amario der BBC berichtete, blieb die Bombe mit der Nummer 78252 verschwunden. Im Kalten Krieg war der 1950 errichtete US-Stützpunkt auf Grönland von großer strategischer Bedeutung. Da die Amerikaner davon ausgingen, dass die Route sowjetischer Raketen über Grönland führen würde, richteten sie dort eine Frühwarnstation ein. Zur Vereitelung eines erwarteten Anschlags der Sowjets auf die Basis kreisten ständig B-52-Bomber mit Atomwaffen an Bord über dem Stützpunkt.
Dann kam der folgenschwere Tag, an dem das Flugzeug während einer Patrouille verunglückte und in Brand geriet. Der Pilot Joe D’Amario berichtete der BBC: »Im Cockpit brach Feuer aus, und wir merkten sehr bald, dass die Lage außer Kontrolle war. Wir wussten, dass uns nur wenig Zeit für die Rückkehr nach Thule blieb. Wenn wir zu früh mit den Fallschirmen abgesprungen wären, hätten wir ernsthafte Schwierigkeiten gehabt.«
Die Hektik und die Geheimnistuerei bei den Aufräumarbeiten nährten den Verdacht, dass die Maschine im Widerspruch zu offiziellen Angaben Atombomben an Bord hatte. Inzwischen frei gegebene Dokumente belegen dies. Weil die Waffen nicht scharf waren, lösten sie beim Absturz keine nukleare Explosion aus. Doch das Plutonium und Uran der drei Bomben, deren Bruchstücke geborgen wurden, verseuchten ein weites Gebiet und verstrahlten die Menschen, die beim Aufräumen halfen – ohne zu wissen, womit sie es zu tun hatten. Von vier grönländischen Jägern, die als Erste zum Flugzeugwrack kamen, starben drei wenig später. Und viele dänische Arbeiter, die auf der Thule-Basis angestellt waren, erkrankten an Krebs.
Aus geheimen Unterlagen, die der BBC zugespielt worden sind, geht nun hervor, dass noch eine vierte Bombe an Bord der B-52 war und dass diese durch die Eisdecke auf den Meeresgrund gesunken sein muss. In einer Geheimoperation habe die US-Marine später mit einem U-Boot nach der Bombe gesucht, sie aber nicht orten können. Schon vor acht Jahren hatte der Verband der Thule-Arbeiter ähnliche Informationen vorgelegt.
Der Absturz des Bombers ist ein heikler Punkt in den Beziehungen zwischen den USA, Grönland und Dänemark. Bis dahin hatten die US-Behörden nämlich so getan, als respektierten sie den dänischen Wunsch, dänisches Territorium – also auch das zum dänischen Königreich gehörige Grönland – von Atomwaffen frei zu halten. Die Dänen hatten so getan, als glaubten sie an diese US-Politik. Den Grönländern sagte niemand etwas. Grönland war damals dänische Provinz, und in allen wichtigen Fragen verhandelten Kopenhagen und Washington über die Köpfe der Grönländer hinweg.
Nun fordern Politiker des Landes die dänische Regierung auf, endlich Klarheit zu schaffen. Allerdings versichern Experten, dass die Bombe unter dem Eis keine Bedrohung darstelle, weil sie nicht explodieren könne und sich das Plutonium »wie ein Pulver« auf den Grund lege, ehe es sich langsam auflöse. Der dänische Außenminister Per Stig Møller betont, dass das Absturzgebiet regelmäßig untersucht werde.
In dem letzten Bericht aus dem Jahr 2003 ist nachzulesen, dass die radioaktiven Rückstände sowohl auf als auch unter dem Eis Grönlands weiterhin nachgewiesen werden können."
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► Quelle: http://www.fuldaerzeitung.de/newsroo.../art699,733002 [14.11.2008; 22:00 Uhr]
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