"Westwall" im Osten

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  • Nemere
    Cold Warrior
    • 12.06.2008
    • 3298

    #1

    "Westwall" im Osten

    Polen befestigt massiv seine Ostgrenze und nennt das ganze "Ostschild".

    Panzersperren, Minenfelder, Bunkertunnel: Aus Angst vor einem russischen Angriff befestigt Polen seine Grenzen. Aber könnte der "Ostschild" einen russischen Einmarsch wirklich verhindern?


    Bemerkenswert ist die Aussage des ehemaligen Leiters des Planungsstabes im Bundesverteidigungsministerium im vorletzten Absatz:

    "Die Nato müsste bei einem Angriff Russlands sofort Gegenschläge auf russisches Territorium starten und auch nach Kaliningrad hineinfahren. "Das ist die militärische Wahrheit", sagt Lange."

    Da hat er sicher recht, aber ich glaube nicht, dass sich irgend jemand bei der NATO traut, solche Pläne zu erarbeiten oder das einer der Militärs es wagt, offen darüber mit unseren Politikern zu sprechen - vor allem, da solche Überlegungen niemals vertraulich bleiben würden, wie sie es eigentlich müssten.
  • kato
    Cold Warrior
    • 03.03.2009
    • 916

    #2
    Zitat von Nemere Beitrag anzeigen
    Da hat er sicher recht, aber ich glaube nicht, dass sich irgend jemand bei der NATO traut, solche Pläne zu erarbeiten
    Polen sieht für die Grenzverteidigung im Nordosteck - Grenze Kaliningrad und Belarus - im wesentlichen ein Korps mit drei Divisionen und zwei Artilleriebrigaden mit zusätzlichem Strike-Drohnenbatterien vor. Daszu kommen etwa etwa ein Brigadeäquivalent an Aufklärungskräften die u.a. die Grenzanlagen überwachen.

    Das Projekt "Ostschild" / "Tarzca Wschód" wird übrigens mit EU-Mitteln finanziert (bisher ca 40% der Gesamtkosten), Polen "erwartet" auch eine finanzielle Beteiligung der NATO. Das Projekt hat auch eine Website des polnischen Militärs (auf polnisch und englisch): https://tarczawschod.wp.mil.pl/en/

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    • Nemere
      Cold Warrior
      • 12.06.2008
      • 3298

      #3
      Zitat von kato Beitrag anzeigen
      Polen sieht für die Grenzverteidigung im Nordosteck - Grenze Kaliningrad und Belarus
      Die Grenzverteidigung Polens ist die eine Sache- bei dem Statemen von Lange ging es aber um einen Gegenangriff der NATO in Richtung Kaliningrad, also um das eigenen Aktivwerden. Und da habe ich eben meine Zweifel, ob NATO und vor allem die Politiker der in der NATO versammelten Länder bereit sind, diesen militärisch gesehen zwingend notwendigen Schritt auch nur anzudenken.
      Das ist eine Situation ähnlich dem Beginn des 2. Weltkriegs im West. Die Franzosen hatten sich hinter ihrer Maginotlinie verschanzt und haben die Schwächen des deutschen Reiches im September 1939 nicht ausgenutzt (Deutsche Panzerdivisionen und die Masse der gut ausgestatteten Divisionen sowie die Masse der Unterstützungstruppen waren in Polen gebunden, im Westwall lagen nur schlecht ausgestattete und vor allem aus Reservisten bestehende Divisionen). Die Folgen von Frankreichs Zögern zeigten sich dann im Mai 1940.

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      • tannenzapfen
        Cold Warrior
        • 25.01.2022
        • 471

        #4
        Zitat von Nemere Beitrag anzeigen
        Da hat er sicher recht, aber ich glaube nicht, dass sich irgend jemand bei der NATO traut, solche Pläne zu erarbeiten oder das einer der Militärs es wagt, offen darüber mit unseren Politikern zu sprechen - vor allem, da solche Überlegungen niemals vertraulich bleiben würden, wie sie es eigentlich müssten.
        Die Amerikaner nehmen da teilweise kein Blatt vor den Mund:

        "If you look at Kaliningrad and it’s, you know, you can argue back and forth, but it’s about 47 miles wide. Surrounded by NATO on all sides. There’s absolutely no reason why that A2/AD bubble, to deter Russia, we cannot take that down from the ground in a time frame that is unheard of and faster than we’ve ever been able to do. We’ve already planned that, we’ve already developed it."

        (Der Kommandeur der USAREUR vor ein paar Wochen, zitiert bei Augengeradeaus: https://augengeradeaus.net/2025/07/d...u-kaliningrad/)

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        • OmbreCéleste72
          Rekrut
          • 07.10.2025
          • 2

          #5
          ehr spannende Diskussion hier – danke an alle für die gut recherchierten Beiträge!

          Ich finde besonders interessant, wie klar die Amerikaner mittlerweile in ihren Aussagen sind, was Kaliningrad betrifft. Das ist natürlich ganz im Sinne der Abschreckung, aber es zeigt auch, dass man sich im Ernstfall nicht mehr mit dem reinen Verteidigungsmodus begnügen will. Offensiv denken – das war lange Zeit ein Tabuthema in der NATO-Politik, gerade in Europa.

          Das Projekt „Tarcza Wschód“ (Ostschild) ist pragmatisch betrachtet ein logischer Schritt. Aus polnischer Perspektive verständlich, denn egal wie man zu geopolitischen Einschätzungen steht – Kaliningrad und Belarus sind für Polen reale Bedrohungsszenarien. Wenn man sich allein die Stationierung russischer Iskander-Raketen im Oblast anschaut, wird schnell klar, warum Warschau nicht abwartet.

          Der historische Vergleich zur Maginot-Linie ist durchaus treffend, aber auch etwas zwiespältig: Damals hat man zu sehr auf Verteidigung gesetzt und auf strategische Initiative verzichtet. Heute ist schwer abzuschätzen, inwieweit NATO-Staaten (besonders im Westen Europas) bereit wären, direkt Stellung zu beziehen und frühzeitig Initiative zu zeigen – politisch wie militärisch. Die baltischen Staaten und Polen sehen das offenbar deutlich klarer und handeln auch entsprechend.

          Was meint ihr: Droht in Europa eine Spaltung in ein "neues altes West- vs. Osteuropa" beim Thema Sicherheitskultur und Reaktion auf Bedrohungen? Ich habe manchmal das Gefühl, dass manche Regierungen noch nicht ganz in der Realität der neuen Sicherheitspolitik angekommen sind...

          Beste Grüße

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