Verwertung von Material der NVA nach 1990

Einklappen
X
 
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge
  • Nemere
    Cold Warrior
    • 12.06.2008
    • 2835

    #1

    Verwertung von Material der NVA nach 1990

    Bei der Diskussion um den Ukraine-Krieg ist mehrfach die Frage nach Material der ehemaligen NVA aufgekommen, das man evtl. abgeben könnte. Zuletzt z.B. ging es um die ZSU 23-4. Ich füge eine Bundestagsdrucksache von 1992 bei (Beantwortung einer Kleinen Anfrage). Auf S. 16 kann man nachlesen, dass sowohl die ZSU 23-4 wie auch die ungepanzerte Zwillingsflak 23-2 nicht in die Bundeswehr übernommen wurden. Wo diese Waffen genau abgeblieben sind, scheint wegen Einstufung der Unterlagen noch nicht freigegeben zu sein.
    Interessant ist hier, das die NVA lediglich knapp 100 ZSU 23-4 hatte, aber mehr als 900 ZU 23-2- Diese ungepanzerte Zwillingsflak auf Radfahrgestell ist vergleichbar mit der Feldkanone 20 mm Zwilling der Bundesluftwaffe.

    Bisher nicht in dieser Deutlichkeit registriert hatte ich, dass die NVA noch wirklich uraltes Material für ihre Reserveeinheiten bereit gehalten hat. Auf S. 7 sind z.B. aufgeführt
    - ca. 750 Schützenpanzer BTR-152. Das war ein Fahrzeug auf Radfahrgestell, eigentlich nur ein überpanzerter LKW. Einsatz etwa ab 1950.
    - ca. 200 Schützenpanzer BTR 50. Ein Kettenfahrzeug ohne Waffenturm, gebaut ab 1959, also etwa Entwicklungsstand des bundesdeutschen HS 30.

    Weiter füge ich bei den Abschlußbericht der Bundesregierung von 1997 zur Verwertung des überschüssigen NVA-Materials. Hier möchte ich besonders auf einen wichtigen Absatz zur Beschreibung der Ausgangslage hinweisen (S. 4 unten).

    NVA-Material-Abschlußbericht-k - 4.jpg
    Volkstümlich ausgedrückt: Bis zum Herbst 1990 ist Material in unbekannter Menge verschwunden. Es gab z.B. teilweise doppelte Ausstattungen mit Handwaffen bei manchen Einheiten (Einmal für die Ausbildung, einmal eingelagert für den Kriegsfall). Das wusste aber bei der Übernahme der NVA niemand in dieser Deutlichkeit. So manche nicht erfasste Waffe aus diesen Zweitausstattungen ist dann nach 1991 auf den Schwarzmärkten aufgetaucht.
    Angehängte Dateien
  • Duebbekold
    Cold Warrior
    • 28.01.2018
    • 587

    #2
    Moin,

    beides feine Waffen, auch für das neue Problem der Drohnenbekämpfung.
    Die ZSU 23-4 waren für einen Großteil der israelischen Flugzeugverluste im
    Yom- Kippur Krieg verantwortlich.
    Das in Deutschland so etwas wegkommen kann?

    Grüße

    Duebbekold

    Kommentar

    • Nemere
      Cold Warrior
      • 12.06.2008
      • 2835

      #3
      Zitat von Duebbekold Beitrag anzeigen
      Das in Deutschland so etwas wegkommen kann?
      Bei den verschwundenen Sachen bzw. bei den nicht sicher zu klärenden Bestandszahlen handelte es sich vor allem um Handwaffen, Funkgeräte und ähnliches. Bei gepanzerten Fahrzeugen, Granatwerfern und Panzerabwehrwaffen gab es nach meiner Kenntnis gewisse Unstimmigkeiten beim Material der Betriebskampfgruppen, aber das war sehr altes Material. Hier ging es um einige BTR-40 der Grundform aus den frühen 1950er Jahren und einige leichte Panzerabwehrgeschütze (57 mm bzw. rückstoßfreie Geschütze). Es war nicht mehr nachvollziehbar, ob dieses Gerät Ende 1989 an die NVA übergeben wurde oder ob es überhaupt nicht mehr im Bestand der Betriebskampfgruppen gewesen war.
      Bei den Handwaffen sah es etwas anders aus. Da ist so manches aus diesen doppelten Waffenausstattungen, die nicht so genau bekannt waren, verschwunden .

      Kommentar

      • DeltaEcho80
        Cold Warrior
        • 09.03.2013
        • 1711

        #4
        War das nicht ein "generelles" System der NVA, dass man z.B. bei den Kampfpanzern nur zu Ausbildungszwecken Fahrzeuge hatte ("Lehrgefechtspark" oder so ähnlich) und Panzer, die gut gewartet im "Park" standen und aufmunitioniert waren?

        Siehe hier die Beschreibung zu den ersten vier Bildern: http://www.kotsch88.de/pr-21_12.htm

        Kommentar

        • Nemere
          Cold Warrior
          • 12.06.2008
          • 2835

          #5
          Zitat von DeltaEcho80 Beitrag anzeigen
          ("Lehrgefechtspark" oder so ähnlich)
          Der Lehrgefechtspark bestand aber nur aus einigen Panzer und war keine komplette Zweitausstattung. Die Ausbildungsfahrzeuge waren auch zahlenmäßig erfasst, was bei Handfeuerwaffen nicht vollständig der Fall war.

          Kommentar

          • DeltaEcho80
            Cold Warrior
            • 09.03.2013
            • 1711

            #6
            Ach ok, dann hatte ich das falsch aufgefasst.

            An das Thema "kompletter zweiter Ausstattungssatz" mit den Handwaffen kann ich mich dunkel erinnern, dass es im "seligen" NVA-Forum mal durch diskutiert wurde.

            Kommentar

            • Hoover
              Cold Warrior
              • 19.12.2013
              • 601

              #7
              Die BTR-152 waren alle im Bestand der Kampfgruppen der Arbeiterklasse. Am 06.12.89 wurde die Enwtaffung und Auflösung befohlen und die letzten Einheiten gaben ihre Fahrzeuge und Waffen im März 1990 ab. Die NVA hat die Fahrzeuge übernommen, die dann auch aufgelöst wurde.

              Die 2 Liste oben ist sehr interessant. AGS-17 184 Stck im Bestand. Ich dachte, es gab nur wenige im Bestand der Grenztruppen.
              "Damals, als ich in meinem Alter war..."

              Kommentar

              • Thunderhorse
                Cold Warrior
                • 09.02.2006
                • 1901

                #8
                Zitat von Hoover Beitrag anzeigen

                Die 2 Liste oben ist sehr interessant. AGS-17 184 Stck im Bestand. Ich dachte, es gab nur wenige im Bestand der Grenztruppen.

                Mit Befehl 30/90 vom 07.03.1990, Herauslösung von Militärtechnik aus dem Bestand der Grenztruppen der DDR, gaben die Grenztruppen 150 Stück AGS-17 (100 % des Bestand) ab.

                Kommentar

                • rudnitz
                  Rekrut
                  • 04.07.2023
                  • 4

                  #9
                  Zum Thema Lehrgefechts(LG-)park:
                  Ich war von 1968 bis 1974 im PR-22 in Spechtberg. In jeder Panzerkompanie (PK) gehörte der 3. Zug zum LG-Park. Der Rest (7 T-55) standen voll auf munitioniert und aufgetankt im Gefechtspark. Bei Alarm kamen die LG-Panzer vom Ausbildungsgelände in die Kaserne zurück. Dann hieß es sie aufzutanken und die Granaten an Bord zu nehmen. Zwischen 1971 und 1974 war das meine Aufgabe und wenn ich dann mit den LG's im K-Raum ankam, war unser "Alter" erst richtig zufrieden.
                  Ich glaube das wäre auch von den Kosten her nicht ganz einfach gewesen. Denn einen Panzer bekam man nicht "Für nen Appel und nen Ei"!
                  Zweitbewaffnung Handfeuerwaffen:
                  In jeder PK war ein kompletter Satz an Kalaschnikow vorhanden. Für den Wachdienst! Die Panzerbesatzungen waren alles Pistolenträger + eine Besatzungswaffe. Das war genauso an der US-3/AZ-20. In allen Lehrkompanien und auch Sicherstellungskompanien waren die Kalaschnikows für den Wachdienst vorhanden.
                  Die SPW 152 waren nicht alle bei den Kampfgruppen. So viel ich weiß waren die Panzerabwehrzüge damit ausgestattet. Angedacht war ja den MTLB einzuführen... Aber das Geld. In den Mob-Einheiten waren sie jedenfalls noch 1989 vorhanden. Ich hatte sie jedenfalls in meinen Bestandslisten der MSR des AZ-20.

                  Kommentar

                  • Thunderhorse
                    Cold Warrior
                    • 09.02.2006
                    • 1901

                    #10
                    Zu den SPW 152.
                    Im Jahre 1990 hat die BW noch 809 Fahrzeuge verschiedener Versionen, teilweise Mob-Reserve, übernommen.

                    Kommentar

                    Lädt...
                    X