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Erfahrungen von NVA-Offizieren mit sowjetischen Truppen
Erfahrungen von NVA-Offizieren mit sowjetischen Truppen
Ich bin über ein 1992 herausgegebenes Arbeitspapier des damaligen Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr mit dem Titel
„BEGEGNUNGEN" DEUTSCH-SOWJETISCHE BEZIEHUNGEN IM SPIEGEL DER WAHRNEHMUNGEN VON OFFIZIEREN DER EHEMALIGEN NVA
gestolpert, das ich im Anhang beifüge.
Hier wird ohne soziologisches Geschwafel über die Erfahrungen von NVA-Offizieren während ihrer Ausbildung in der UdSSR und mit den sowjetischen Truppen in der DDR berichtet.
Während meiner Dienstzeit in Leipzig hatte ich bis 1994 auch mit den dort noch stationierten russischen Truppen zu tun und kann aus meiner persönlichen Erfahrung die Schilderungen der NVA-Offiziere nur bestätigen.
Eine sehr lesenswerte Abhandlung.
Hab ich es überlesen oder steht da nichts zum grundsätzlichen Wissen deutscher Offiziere über die sowjetischen Streitkräfte? Also Innenansichten, Informationen über Stationierungen, Strukturen und solchen Sachen.
Das war eher nicht die Fragestellung, es ging vor allem um die Kontakte zwischen NVA-Offizieren und russischen Streitkräften. Einige Male taucht kurz der Hinweis auf, das selbst während der Ausbildung an den russischen Akademien den NVA-Offizieren nie die neueste Technik gezeigt wurde. Es gab da anscheinend eine konsequente Abstufung. Einer der NVA-Offiziere äußerte z.B., dass bei den Technik-Vorführungen für die "Bunten" (damit waren Offiziere aus Ländern wie Syrien, Kuba usw. gemeint) fast nichts mehr in den Hallen stand.
Zu den Innenansichten gibt es schon einige Aussagen, z.B. zur Kasernierung der sowjetischen Soldaten, zu Kontaktverboten, Ausgangsregelungen, Einkaufsmöglichkeiten, Wohnverhältnissen usw.
wenn die Berichte tatsächlich so stimmen, dann musste die Sowjetarmee ja in einem extrem desolaten Zustand gewesen sein.
Waffenbrüderschaft/Druschba als reine Propagandashow?
Wenn es in der Sowjetarmee tatsächlich diese extremen Auswüchse der Dedowschtschina дедовщина, „Herrschaft der Großväter“ https://de.wikipedia.org/wiki/Dedowschtschina
also Autorität zwischen Mannschaften untereinander und zwischen Mannschaften - Unteroffizieren - Offizieren allein durch Furcht und Repressalien und nichts anderem.
Gewalt, Unterdrückung, teilweise Folter ("Heiliger Geist" als Kameradenjustiz), Mannschafter als Leibeigene der Offiziere, die man ohne Konsequenzen verheizen kann.
Analphabetentum, das Nicht-Mächtigsein der russischen Amtssprache, außerdem diese teils feindseligen Nationalitätenkonflikte ... dann wäre sie doch überhaupt nicht einsatzfähig, oder?
Ich könnte mir nur vorstellen, dass es sich dabei um übertriebene Berichtserstattung handelt. Grüße
War es. Mein NAchbar war OTL in der NVA und ein anderer (Deutschrusse) war Soldat in der Westgruppe. Kontakte außerhalb der Propagandatreffen gab es nicht. Aber die Westgruppe soll bei allen Mängeln in Menschenführung, Unterbringung etc technisch bis fast zum Schluss sehr gut dargestanden haben. Im Gegensatz zur NVA, wo ganze Kompanien aus Ersatzteilmangel still standen. Dazu die ständigen Arbeitseinsätze der Soldaten bei Ernte, Bergbau etc, so dass teilweise 6 Monate keine Ausbildung betrieben werden konnte.
Zum Thema Arbeitseinsätze bei der Westgruppe der Truppen eine selbst erlebte Geschichte:
Leipzig, November 1992. Wir stehen am Güterbahnhof wegen Marschbegleitung von Kettenfahrzeug vom Entladebahnhof zu den Kasernen.
Auf dem Nachbargleis stehen 2 Waggons mit Briketts aus Espenhain für die russischen Kasernen in Leipzig. Zum Entladen rücken zwei russische LKW an, auf jedem ca. 10 Soldaten. Zum Entladen wurden dann eine Kette von Soldaten zwischen den Güterwagen und den LKW gebildet und die Briketts von Hand zu Hand weitergereicht. Auf die Idee, Hilfsmittel wie ein Förderband usw. zu benutzen, kam anscheinend niemand.
Zum Thema Arbeitseinsätze bei der Westgruppe der Truppen eine selbst erlebte Geschichte:
Leipzig, November 1992. Wir stehen am Güterbahnhof wegen Marschbegleitung von Kettenfahrzeug vom Entladebahnhof zu den Kasernen.
Auf dem Nachbargleis stehen 2 Waggons mit Briketts aus Espenhain für die russischen Kasernen in Leipzig. Zum Entladen rücken zwei russische LKW an, auf jedem ca. 10 Soldaten. Zum Entladen wurden dann eine Kette von Soldaten zwischen den Güterwagen und den LKW gebildet und die Briketts von Hand zu Hand weitergereicht. Auf die Idee, Hilfsmittel wie ein Förderband usw. zu benutzen, kam anscheinend niemand.
Gehe ich recht in der Annahme, dass es Briketts in loser Schüttung, also keine Bündelbriketts waren?
Das war eher nicht die Fragestellung, es ging vor allem um die Kontakte zwischen NVA-Offizieren und russischen Streitkräften. Einige Male taucht kurz der Hinweis auf, das selbst während der Ausbildung an den russischen Akademien den NVA-Offizieren nie die neueste Technik gezeigt wurde. Es gab da anscheinend eine konsequente Abstufung. Einer der NVA-Offiziere äußerte z.B., dass bei den Technik-Vorführungen für die "Bunten" (damit waren Offiziere aus Ländern wie Syrien, Kuba usw. gemeint) fast nichts mehr in den Hallen stand.
Zu den Innenansichten gibt es schon einige Aussagen, z.B. zur Kasernierung der sowjetischen Soldaten, zu Kontaktverboten, Ausgangsregelungen, Einkaufsmöglichkeiten, Wohnverhältnissen usw.
Grüße
Jörg
Es ist schade, dass an der Diskussion nur Offiziere beteiligt waren, die anschließend in die Bundeswehr übernommen wurden.
Aus meiner Erfahrung kann ich da einiges berichten, das weit über die beschriebenen Kontakte hinausgeht. Sicher ist das eine Besonderheit meiner Spezifikation (Funkaufklärung- im Neudeutsch: ELINT), aber ich habe eine große Anzahl reiner Arbeitstreffen mit sehr fachspezifischem Inhalt miterlebt oder zum Teil selbst organisiert.
Das begann schon in den Siebzigern, als ich bei einem Einsatz in Diesdorf (Altmark) vom KC - ich war Auswerteoffizier- den Auftrag erhielt, direkt Kontakt zum Klassenbruder auf dem Schwabenberg aufzunehmen. Der Kontakt war erfolgreich und wir hatten eine Perioden intensiver Zusammenarbeit. Die "Freunde" schauten ehrfurchtsvoll zu uns auf. Schließlich hatten wir als Muttersprachler wesentlich bessere Voraussetzungen beim Abhören der Bundeswehr. Ich habe dort oft mehrere Stunden verbracht. Habe Tonbänder abgeschrieben, denn die Empfangstechnik, vor allem die Antennenanlage war wesentlich besser als unsere. Natürlich habe ich mit Wissen der "Freunde" Blaupausen angefertigt, die in unsere Auswertung eingegangen sind.
Nach der Versetzung ins FuAR-2 wurde die Zusammenarbeit auf höherem Niveau fortgesetzt. Periodisch erfolgten Arbeitstreffen in Dessau oder dem Standort der 82. FuFutBr in Torgau. In unklaren Situationen kam es schon mal vor, dass eine Gruppe Offiziere unangemeldet kam zum Meinungsaustausch.
Den Höhepunkt erlebte ich bei meinem mehrwöchigen Aufenthalt auf dem Brocken. Kurz nach Ankunft meldete ich mich beim Posten des sowjetischen Standortes mit der Bitte den Auswertepunkt über meinen Besuch zu benachrichtigen. Anstelle eines Anrufes wies der Posten nur in die Richtung, wohin ich gehen sollte. So kam ich völlig ohne Ankündigung im "Kommandny Punkt" an. Hätte ich mich nicht lauthals bemerkbar gemacht, meine Anwesenheit wäre nicht aufgefallen- oder eben wesentlich später.
Ich kann zur Zusammenarbeit mit den Sowjets nur Gutes berichten. Aber wahrscheinlich nur weil es zum gegenseitigen Vorteil geschah und nicht von hoher Ebene befohlen wurde.
"Bassd scho", wie der Franke sagt. Ich habe nur zur Klarstellung gefragt, weil ich die Handumladung bei Bündelbrikett auch "hierzulande" (Bereich der Alt-BRD) wenig vorher noch selber erlebt habe - wenn auch nicht beim Militär. Diese kamen auf den Eisenbahnwagen zwar palettiert an, der eine örtliche Brennstoffhändler lud auch per Gabelstabler aus. Der andere aber leerte zwei oder dreimal in der Woche den für ihn bestimmten Waggon von Hand. Bei lose geschütteten Brikett verwendeten allerdings beide ein Förderband, die kamen auch meist in den klassischen Selbstendladewagen.
Militärisch kenne ich das "Einzelbrikettumladen" nur aus den Erzählungen des inzwischen lange verstorbenen alten Nachbarn, der im 2. Weltkrieg als Eisenbahner (Heizer) Züge im Hinterland der Ostfront zu fahren hatte. Dort wurden die Tender der Lokomotiven (Fassungsvermögen 6-10 t je nach Typ) in Ermangelung von Bekohlungsanlagen in improvisierten Betriebswerkstätten oft von Hand bekohlt. Wenn man Glück hatte gab es dafür Körbe und eine Ladebühne, manchmal mussten die Briketts (oder Kohlebrocken, je nachdem was verfügbar war) auch einzeln hochgeworfen werden.
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