Förderzusage für Ramsteiner Dokumentationszentrum zur US-Präsenz in Rheinland-Pfalz
RAMSTEIN-MIESENBACH (ahb). Einen wesentlichen Schritt weitergekommen ist die Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach bei dem von ihr geplanten Dokumentations- und Ausstellungszentrum zur Geschichte der Air Base Ramstein und der US-Amerikaner in Rheinland-Pfalz. Innenminister Karl Peter Bruch hat zugesagt, das Projekt finanziell zu unterstützen. Bereits 2009 will er Mittel über die Städtebauförderung für den notwendigen Grunderwerb bereitstellen.
Die Förderzusage ist Ergebnis eines Gesprächs, das Bürgermeister Klaus Layes und Projektleiter Michael Geib auf Einladung Bruchs in Mainz geführt haben. Demnach begrüßt der Innenminister das Vorhaben, weil es „diesen für Rheinland-Pfalz insgesamt wichtigen Aspekt seiner Zeitgeschichte maßgeblich in der regionalen und überregionalen Öffentlichkeit" thematisiert.
Gleichzeitig versteht Bruch die Zusage der Landesregierung als weiteres „angemessenes und sichtbares Zeichen", Kommunen zu helfen, die wegen des US-Militärs auch mit Belastungen und Einschränkungen leben müssten. Stadt und Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach zählten dabei zu den Standorten, die am nachhaltigsten geprägt worden seien. Folglich sei Ramstein besonders geeignet als Standort eines Dokumentationszentrums. Zudem sei die Symbolkraft Ramsteins nicht nur in militärischer Hinsicht zu sehen, sondern auch als besonderer Bezugspunkt der deutsch-amerikanischen Beziehungen.
Die Planungen der Verbandsgemeinde können nun konkret werden. Mitten im Städtebausanierungsgebiet des Stadtteil Ramsteins wurde bereits eine Immobilie ausgemacht: das ehemalige Kino „Gloria", dessen Besitzer auch Verkaufsbereitschaft signalisiert haben. Gleiches gilt für ein Nachbargrundstück. Dem Bürgermeister zufolge wurden beide Flächen vom Gutachterausschuss des Landkreises besichtigt, jetzt müsse das Ergebnis abgewartet werden.
Für den Umbau des früheren Kinos kann sich die Verbandsgemeinde einen Architektenwettbewerb vorstellen, beispielsweise mit den Kaiserslauterer Hochschulen. Auch ein weiterer Vorschlag aus Mainz soll geprüft werden: die Zusammenarbeit mit dem Kreis Kaiserslautern und Institutionen wie der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz mit Sitz in Kaiserslautern. Selbstverständlich ist es für Layes, Kontakte zu früheren und noch bestehenden US-Militär-Standorten im Land zu knüpfen, wie zu Bitburg und Baumholder. „Das steht außer Frage, schließlich wollen wir ein Dokumentations- und Ausstellungszentrum für ganz Rheinland-Pfalz werden."
Die baulichen Fragen sind die eine Seite der Medaille, das inhaltliche Konzept ist die andere. Dazu ist die Verbandsgemeinde in engem Kontakt mit dem Mainzer Bildungsministerium, nicht zuletzt wegen der beantragten europäischen Kulturfördermittel, Stichwort zeitgeschichtliches Museum. Auch die Verbindung zwischen den beiden Ministerien steht.
Eingebunden wissen will der Bürgermeister das Dokumentationszentrum auf jeden Fall in die künftige gemeinsame Entwicklung der Westpfalz. Dem hat die Planungsgemeinschaft mit Blick auf die Westpfalz-Strategie bereits zugestimmt.
Bis 2011 hat sich die Verbandsgemeinde nun Zeit gegeben. Bis in drei Jahren soll neben dem Doku-Zentrum auch ein professioneller, möglichst interaktiver Internetauftritt weitgehend stehen. Dabei helfen, zusätzlich US-amerikanische Besucher zu gewinnen, soll außerdem jenes Touristikbüro, das Ramstein-Miesenbach im künftigen Einkaufs- und Freizeitkomplex auf der Air Base beziehen wird. KOMMENTAR
Das Konzept
Das Dokumentationszentrum soll Anlaufstelle für die Wissenschaft sein, die dieses Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte zunehmend entdeckt.
Eine multimediale Dauerausstellung präsentiert die Geschichte der US-Präsenz in Rheinland-Pfalz und Ramstein. Sonderausstellungen ergänzen das Konzept.
Vernetzung ähnlich gelagerter Projekte im Land und Kooperation mit den ebenfalls betroffenen Kommunen. Beispielprojekte: Westwall-Museum, Regierungsbunker in Ahrweiler, kleinere Sammlungen wie in Baumholder.
Als touristisches Ziel soll es gleichermaßen deutsche und US-amerikanische Besucher ansprechen. Marketingvorteil: der weltweit bekannte Begriff „Ramstein/Germany".
Grundstock sind vor allem die Exponate bisheriger Sonderausstellungen zur Air Base Ramstein, darunter der bundesweit einmalige, 20.000 Negative umfassende Fotobestand Matheis.
Kommentar:
Es bleibt ein steiniger Weg
Von Anke Herbert
Die geschichtliche Aufarbeitung der US-Präsenz in Rheinland-Pfalz ist ein wichtiges Thema. Dafür sollten viele an einem Strang ziehen.
Eine Dokumentation der US-amerikanischen Einflüsse auf die Westpfalz und Rheinland-Pfalz. Es ist keine leichte Aufgabe, die sich die Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach gestellt hat. Zumal sie nicht nur eine Anlaufstelle für die Wissenschaft schaffen will, sondern auch eine Dauerausstellung, die peppig genug ist, um Besucher aus nah und fern zu locken. Der Unterstützung durch das Land, in dessen ureigenstem Interesse es liegen muss, das Projekt zu fördern, kann sie sich jetzt sicher sein. Wie aber sieht es in der Region aus? Der Landkreis Kaiserslautern hat sicher kein Problem damit. Konkurrenzdenken darf es aber auch bei der Stadt nicht geben, und schon gar nicht bei der Atlantischen Akademie. An einem Strang zu ziehen, muss selbstverständlich sein. Eine solche Geschlossenheit kann zudem helfen, bei den Bürgern für das Zentrum zu werben. Denn nicht jeder wird verstehen, warum es sinnvoll ist, die Geschichte der US-Präsenz und damit auch die eigene Geschichte aufzubereiten. Übrigens: In Berlin-Karlshorst gibt es das für die deutsch-sowjetische und deutsch-russische Geschichte. Das Museum ist eine bislang einmalige binationale Einrichtung. Vielleicht nimmt sich die US-Seite für das Ramsteiner Projekt daran ein Beispiel ...
Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Pirmasenser Rundschau
Ausgabe: Nr.275
Datum: Dienstag, den 25. November 2008
Seite: Nr.13

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