Bundeswehr als Faktor für die Entwicklung des Landes

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  • DeltaEcho80
    Cold Warrior
    • 09.03.2013
    • 1724

    #16
    Muss das Thema wieder mal ausgraben: über die Bundeswehr als nicht zu unterschätzender Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung einer Stadt oder Gemeinde haben wir ja immer wieder mal diskutiert.
    Da ich seit einiger Zeit nun in Hammelburg arbeite und die Mittagspausen gerne mal zu einem kleinen Spaziergang nutze, geht mir folgendes durch den Kopf:

    Wenn man weiß, wonach man schauen muss, "erkennt" man ja die Mehrfamilienhäuser, die in den - sagen wir mal - 1960er/1970er Jahren errichtet wurden und als Wohnungen für Soldaten und deren Familien dienten und sicher noch dienen.

    Was mich nun interessiert: Wie lief der Wohnungsbau in den Garnisonsstädten damals eigentlich ab? Errichtete die Bundeswehr bzw. die Finanzbauverwaltung die Wohnungen direkt oder geschah das dadurch, dass die BW sich an den Wohnungsbaugenossenschaften der Städte beteiligte bzw. Finanzmittel gab?
    Gab es da ein Standard-Schema oder wurde da individuell vorgegangen?

    Ich kann mich z.B. an eine Diskussion in Mellrichstadt erinnern, in der es nach Schließung der Kaserne darum ging, wie es mit der städtischen Wohnungsbaugenossenschaft weiter gehen soll. Man hat damals u.a. auch erwogen, die "durch die Bundeswehr errichteten" Wohnungen abzureißen, um den Mietpreis nicht zu verwässern. Zum Glück hat man das aber nicht gemacht, sondern die Wohnungen saniert und kann jetzt bei hoher Nachfrage gut vermieten. Nicht wenige Soldaten im Ruhestand wohnen ja noch da (z.B. in der Ignaz-Reder-Straße in MET).

    In den hier verlinkten Quellen habe ich keine direkten Infos dazu gefunden.
    Auf der Homepage der BIMA habe ich das Vermietungsmanagement gefunden, dort steht so sinngemäß, dass primär Dienstwohnungen zu beziehen sind. Sofern diese nicht verfügbar sind, werden auch Wohnungen bei privaten Vermietern vergeben. Es gibt dort auch ein Online-Portal, in das sich der berechtigte Personenkreis zur Wohnungssuche einwählen kann.

    Wäre schön, wenn jemand was dazu weiß.

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    • Rex Danny
      Administrator
      • 12.06.2008
      • 4377

      #17
      Wenn ich mich jetzt nicht total täusche, war das Bundesvermögensamt, der Vorläufer der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, für den Bau der bundeswehreigenen Wohnungen und Häuser zuständig.

      Ich selbst habe die Hälfte meiner Kindheit in einem Reihenhaus verbracht, das meine Eltern damals zu einem sehr günstigen Preis kaufen konnten, weil mein Vater Zivilangestellter an der Panzertruppenschule war.

      Sämtliche Reihenhauseinheiten (13x 4-Zimmer-Reihenhäuser und 13x 5-Zimmer-Reihenhäuser) wurden damals an Bundeswehrangehörige (Zivilangestellte und Soldaten) verkauft. Bei den Soldaten handelte es sich ausnahmslos um Feldwebeldienstgrade, da zur damaligen Zeit in Munster die Offiziere noch knapp alle 2 Jahre versetzt wurden.

      Die 4-Zimmer-Reihenhäuser waren vor dem Verkauf durch Feldwebeldienstgrade bewohnt, die 5-Zimmer-Reihenhäuser waren Offiziersdienstgraden vorbehalten.

      Zusätzlich zu den genannten Reihenhäusern gab es in der Siedlung noch 9 Wohnblöcke mit insgesamt 68 Mietwohnungen, die an Unteroffiziers- und Feldwebeldienstgrade vermietet waren.

      Alle Bauwerke innerhalb dieser Siedlung hatten gemeinsam, daß sie in grau-weiß mit schwarzen Dächern gehalten waren und aufgrund dieser Farbgebung sofort als Bundeswehrwohnungen/ -häuser zu erkennen waren.

      Grüße


      Rex Danny

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      • Nemere
        Cold Warrior
        • 12.06.2008
        • 2880

        #18
        In dem oben schon einmal erwähnten Buch von Wolfgang Schmidt: Integration und Wandel – Die Infrastruktur der Streitkräfte als Faktor sozioökonomischer Modernisierung …. wird auf den Seiten 317 – 335 dieses Problem recht ausführlich behandelt.
        Grundsätzlich erfolgte der Wohnungsbau durch Bauträger, dieses Verfahren ist auf S. 318 a.a.O. beschrieben. Ich füge den entsprechenden Auszug bei.

        In Hammelburg wurde z.B. die Masse der Wohnungen für Bundeswehrangehörige von der „Gemeinnützigen Deutschen Wohnungsbaugenossenschaft“ erstellt (Schmidt, a.a.O., S. 328)

        Diese Bundeswehrwohnungen wurde häufig als eigene Siedlungsgebiete geplant, was gerade in kleineren Garnisonsstädten oft zu einer Art „Ghetto-Bildung“ führte. Eher selten war es, das diese Plangebiete vermischt mit Bundeswehr- und Privatwohnungen bebaut wurden.
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        • Rex Danny
          Administrator
          • 12.06.2008
          • 4377

          #19
          Dann lag ich ja gar nicht so falsch. In dem eingestellten Artikel wird ja von den Bundesvermögens- und Bauabteilungen der Oberfinanzdirektionen gesprochen.

          Bei dem Begriff Bundesvermögensabteilung dürfte es sich um die übergeordnete Dienststelle der Bundesvermögensämter handeln, von denen es damals auch eins in Munster gab.

          Grüße


          Rex Danny

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          • Nemere
            Cold Warrior
            • 12.06.2008
            • 2880

            #20
            Zitat von Rex Danny Beitrag anzeigen
            In dem eingestellten Artikel wird ja von den Bundesvermögens- und Bauabteilungen der Oberfinanzdirektionen gesprochen.

            Bei dem Begriff Bundesvermögensabteilung dürfte es sich um die übergeordnete Dienststelle der Bundesvermögensämter handeln, von denen es damals auch eins in Munster gab.

            Zitat WIKIPEDIA:

            Daher wurden zunächst durch das Finanzverwaltungsgesetz vom 6. September 1950 bei den Oberfinanzdirektionen Bundesvermögens - und Bauabteilungen als Teil der Bundesfinanzverwaltung eingerichtet. Diese Abteilungen unterstanden der Dienst- und Fachaufsicht des Bundesministeriums der Finanzen. (...) Den Abteilungen wurden 1952 „Außenstellen“ unterstellt, die 1953 in „Bundesvermögensstellen“ umbenannt wurden.
            (...)

            1971 wurden die Bundesvermögens- und Bauabteilungen in Bundesvermögensabteilungen umbenannt, da der Bund seine Bauaufgaben im Wege der Organleihe durch die Bauverwaltungen der Länder durchführen ließ. Die Bundesvermögensstellen wurden in Bundesvermögensämter umgewandelt.

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            • DeltaEcho80
              Cold Warrior
              • 09.03.2013
              • 1724

              #21
              Zitat von Rex Danny Beitrag anzeigen
              Wenn ich mich jetzt nicht total täusche, war das Bundesvermögensamt, der Vorläufer der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, für den Bau der bundeswehreigenen Wohnungen und Häuser zuständig.

              Ich selbst habe die Hälfte meiner Kindheit in einem Reihenhaus verbracht, das meine Eltern damals zu einem sehr günstigen Preis kaufen konnten, weil mein Vater Zivilangestellter an der Panzertruppenschule war.

              Sämtliche Reihenhauseinheiten (13x 4-Zimmer-Reihenhäuser und 13x 5-Zimmer-Reihenhäuser) wurden damals an Bundeswehrangehörige (Zivilangestellte und Soldaten) verkauft. Bei den Soldaten handelte es sich ausnahmslos um Feldwebeldienstgrade, da zur damaligen Zeit in Munster die Offiziere noch knapp alle 2 Jahre versetzt wurden.

              Die 4-Zimmer-Reihenhäuser waren vor dem Verkauf durch Feldwebeldienstgrade bewohnt, die 5-Zimmer-Reihenhäuser waren Offiziersdienstgraden vorbehalten.

              Zusätzlich zu den genannten Reihenhäusern gab es in der Siedlung noch 9 Wohnblöcke mit insgesamt 68 Mietwohnungen, die an Unteroffiziers- und Feldwebeldienstgrade vermietet waren.

              Alle Bauwerke innerhalb dieser Siedlung hatten gemeinsam, daß sie in grau-weiß mit schwarzen Dächern gehalten waren und aufgrund dieser Farbgebung sofort als Bundeswehrwohnungen/ -häuser zu erkennen waren.

              Grüße


              Rex Danny
              Genau, erkennbar sind diese Gebäude schon von Weitem. In Hammelburg ist es das eine Baugebiet zur B287 hin. Aber auch die Wohngebäude oben im Lager Hammelburg haben den gleichen Stil.

              Waren die Reihenhäuser, die du beschreibst dann schon mit dem Ziel gebaut worden, diese zu verkaufen ? Oder dienten die erst einige Jahre der BW und wurden dann frei verkauft?

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              • Rex Danny
                Administrator
                • 12.06.2008
                • 4377

                #22
                Die Reihenhäuser wurden schon für die Nutzung durch die Bundeswehr gebaut. Sie waren jahrelang durch Soldaten bewohnt, bis der Staat dann wohl auf die Idee kam, sie zu Geld zu machen und auf dem freien Markt anbot. Allerdings vorzugsweise für Bundeswehrbedienstete. Ich denke, wer bei der Bundeswehr arbeitete, hatte da wohl so eine Art Vorkaufsrecht.

                Diese Bundeswehrsiedlungen kann man mit den Housing Areas der Amerikaner vergleichen. In denen gab/ gibt es ja auch Wohnblocks und Ein- und Zweifamilienhäuser und alle sehen gleich aus.

                Grüße


                Rex Danny

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                • PI80
                  Cold Warrior
                  • 07.12.2016
                  • 107

                  #23
                  Der Ortsteil Ranselberg von Lorch im Rheingau wurde z.B. in den sechziger Jahren komplett für die Bundeswehrangehörigen errichtet, damals sind die, heute alle nicht mehr genutzten Standorte wie Rheingaukaserne, Gerätehauptdepot, Munitionsdepot und Sanitätsdepot, entstanden.

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                  • Duebbekold
                    Cold Warrior
                    • 28.01.2018
                    • 576

                    #24
                    Moin,

                    unsere Wohnung wurde 1972 steuerbegünstigt mit Mitteln der Bundesrepublik Deutschland errichtet.
                    Die Wohnung ist dem Vermieter zur Eigenbelegung durch das Bundesvermögensamt Soltau freigestellt.
                    So steht es im Mietvertrag.

                    Grüße

                    Duebbekold

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