"Straf- und Bewährungszug" bei der 6. PzGrenDiv???

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  • Nemere
    Cold Warrior
    • 12.06.2008
    • 2835

    #1

    "Straf- und Bewährungszug" bei der 6. PzGrenDiv???

    Beim ZMSBw gibt es eine Podcast-Reihe mit dem Titel „Angelesen“, in der Bücher vorgestellt werden. Bei der Besprechung des Buches „Erziehung in der Bundeswehr – Konzeption und Implementierung militärischer Erziehungsgrundsätze in der Aufbauphase der Bundeswehr 1950 bis 1965“ wurde kurz auf den Versuch der Aufstellung einer Art „Straf- und Bewährungszug“ bei der 6. PzGrenDiv in den Jahren 1964/1965 eingegangen. Der Versuch musste nach drei Monaten abgebrochen werden, weil „die Disziplin und Autorität der Vorgesetzten nur noch mit Hilfe der Feldjäger aufrecht erhalten werden konnte“.
    Den entsprechenden Passus aus dem Typoskript des Podcasts füge ich bei.

    Hat jemand schon mal etwas Näheres über diesen Versuch einer „Strafeinheit“ bei der 6.PzGrenDiv gefunden?
    Angehängte Dateien
  • hulla66
    Rekrut
    • 29.08.2008
    • 36

    #2
    Sehr interessant! Davon hatte ich bislang noch nichts gelesen, obwohl die 6. PzGrenDiv ja mein Steckenpferd ist.

    Dennoch habe ich in Gesprächen mit ehemaligen Angehörigen der 5./RakArtBtl 62 und der Begleitbatterie 6 mal auf der Tonspur erzählt bekommen, dass in diesen Einheiten, die ja u.a. die Bewachung der SAS Lager als Auftrag hatte, oft Soldaten nach der Grundausbildung zuversetzt wurden, die "auffällig" waren und ein wenig mehr Disziplin benötigten nach Ansicht der Ausbilder aus der AGA. Könnte man also diese Begleitbatterien inoffiziell als Nachfolgeorganisation dieses "Straf- und Bewährungszugs" sehen?

    Kommentar

    • Malefiz
      Cold Warrior
      • 22.12.2010
      • 374

      #3
      Ich denke, dass ist unwahrscheinlich. Die dürften dort alle Sicherheits überprüft gewesen sein.

      Kommentar

      • Nemere
        Cold Warrior
        • 12.06.2008
        • 2835

        #4
        Ich glaube nicht, dass man die Begleitbatterien hinsichtlich ihres Personals als „Nachfolger“ dieses merkwürdigen Sicherungszuges aus den 1960er Jahren betrachten kann. Dieser spezielle Zug war anscheinend nur zur Aufnahme von besonders renitenten Soldaten gedacht, die dort auch arbeitstherapeutische Sonderdienste verrichten sollten, d.h. der ganze Zug mit Ausnahme der Vorgesetzten bestand aus solchen Problemfällen.
        Bei den Begleitbatterien gab es dagegen allenfalls einzelne solcher Soldaten. Hinzu kommt, dass diese Begleitbatterien bekanntlich Wachaufträge in Sonderwaffenlagern zu verrichten hatten und deshalb in dieser Hinsicht den Vorgaben der US-Army unterlagen. Ich kann mir nicht vorstellen, das sich die Amerikaner darauf eingelassen hätten, das eine Einheit mit einem sehr hohen Anteil in strafrechtlicher und disziplinärer Hinsicht überdurchschnittlich auffälliger Soldaten zur Bewachung dieser Depots eingesetzt worden wäre.

        Bei diesem Zug von 1964/65 kann es sich eigentlich nur um den Sicherungszug der Divisionsstabskompanie handeln, das war der einzige Sicherungszug, den eine Division hatte. Die Voraussetzungen für eine solche Sondereinheit waren bei der Divisionsstabskompanie eigentlich gar nicht so schlecht. Der Disziplinarvorgesetzte hatte im Divisionsstab den Rechtsberater als Juristen direkt bei der Hand, in der G 1-Abteilung gab es Personal, das für den Bereich Innere Führung zuständig war und das alle Formalien kannte, die hinsichtlich Disziplinarmaßnahmen, Abgabe an die Staatsanwaltschaft usw. notwendig waren.

        Der Umgang mit so massiv aufsässigen Soldaten war immer die Entscheidung zwischen Pest und Cholera. Ließ man sie in ihrer Stammeinheit, bestand immer die Gefahr, dass deren Renitenz auf andere latent schwierige Soldaten übergriff. Fasst man solche widerborstigen Soldaten in einer eigenen Einheit zusammen, konnte es sein, dass tatsächlich Ordnung und Disziplin in dieser Einheit mit normalen Mitteln nicht mehr zu gewährleisten waren, von einer Einsatzbereitschaft ganz zu schweigen.

        Mich würde vor allem interessieren,
        - was damals in diesem Zug vorgefallen ist, so dass man sich zum Abbruch des Experiments entschlossen hat.
        - Warum und in welchem Umfang es dann zum Einsatz der Feldjäger kam
        - wie sich dieser Feldjägereinsatz entwickelt hat

        Es war so, dass Feldjäger – außer bei Gefahr im Verzug - grundsätzlich nicht eingreifen, wenn der unmittelbare Vorgesetzte selbst auf seine Soldaten einwirken kann. Anscheinend war das hier nicht der Fall, entweder weil der Vorgesetzte auf Grund des Verhaltens der Soldaten dazu nicht mehr in der Lage war, z.B. wegen körperlicher Angriffe auf ihn oder weil sich die fraglichen Vorkommnisse außerhalb der Kaserne abspielten.
        Solche Vorfälle an der Grenze zur Meuterei gab es durchaus auch in späteren Jahren, vor allem in den Zügen und Bahnhöfen beim Wochenendreiseverkehr, an Entlassungstagen, bei Volksfesten oder in den Lager-Kantinen der Truppenübungsplätze, aber auch in Gaststätten der Truppenübungsplatzgemeinden. Ich habe genug unangenehme Erinnerungen an solche Begebenheiten.
        Tödlich war immer die Kombination Volksfest plus Entlassungstag, wie z.B. beim Münchner Oktoberfest oder in Würzburg beim Kiliani-Volksfest oder beim Talavera-Frühlingsfest.

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