PSV-Truppe – Einsatz im V-Fall beim Territorialkommando SÜD

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    • 12.06.2008
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    #1

    PSV-Truppe – Einsatz im V-Fall beim Territorialkommando SÜD

    Der Einsatz der Truppenteile der Psychologischen Verteidigung im V-Fall war ja auch immer etwas geheimnisumwittert, es gab kaum nachvollziehbare Aussagen dazu.
    Im Archivmaterial des BA-MA über das Territorialkommando Süd habe ich jetzt einen Befehlsauszug über den Einsatz des PSV-Bataillons 850 im V-Fall gefunden (BH 21/2979 – im Anhang beigefügt).

    Die TerrKdos NORD und SÜD hatten je ein teilaktives PSV-Bataillon in folgender Gliederung;
    1. Kp Stabs- und Versorgungskompanie
    2. Kp Rundfunkkompanie. Hier gab zum Schutz der Rundfunkanlagen 4 x Flak 40mm L/70.
    3. Kp Druckerei- und Flugblattkompanie
    4. Kp Lautsprecherkompanie
    5 Kp Lautsprecherkompanie, war im Frieden Geräteeinheit.

    Beim TerrKdo Schleswig-Holstein gab es nur eine nichtaktive PSV-Kompanie mit Kompanieführungsgruppe, Druckereizug, Ballonzug, Sendezug, Lautsprecherzug.

    Als Radiosender wurden u.a. Mitelwellensender mit 20 KW oder 100 KW Sendeleistung eingesetzt.

    Lautsprecheranlagen waren in den meisten Fällen auf LKW montiert, oft auf dem Unimog. Nach den Erfahrungen der deutschen Propagandatruppen des 2. Weltkrieges wurden die Standorte von Lautsprechertrupps an der Front sehr schnell vom Feind mit Artillerie, evtl. auch mit der Luftwaffe bekämpft. Eingraben, das Nutzen von Hinterhangstellungen oder Tarnen waren nur sehr eingeschränkt möglich, weil dadurch oft Reichweite und Verständlichkeit der Lautsprecherdurchsagen beeinträchtigt wurde. Eigentlich halfen nur zeitlich begrenzte, kurze Durchsagen und dann häufiger und schneller Stellungswechsel.
    Es gab auch Versuche, mit der Montage der Lautsprecheranlagen auf dem M 113, da hier zumindest ein gewisser Schutz gegen Splitter bestand. Bild ist beigefügt. Soweit mir bekannt, wurde diese Ausführung aber nicht eingeführt.

    Die Flugblätter wurden entweder mit Ballons ins Feindgebiet transportiert oder mit Raketen verschossen. Bei den Ballons war man vom Wind abhängig, der nicht immer zum richtigen Zeitpunkt in die gewünschte Richtung wehte. Als Raketenwerfer gab es den „Flugblatt-Raketenwerfer PROMAR“, ein Mehrfach-Raketenwerfer mit Raketen vom Kaliber 94 mm. Die Raketenwerfer konnten auf dem LKW 1,5 t, den LKW 5 t MAN oder dem Anhänger 1,5 t montiert werden.

    Zum Auftrag an das PSV-Btl 850:

    Das Btl wurde bereits sehr frühzeitig in der Krise, noch vor Abschluß der Mobilmachung, an der damaligen innerdeutschen Grenze eingesetzt und sollte vor allem „Informationseinsätze für NVA / NVA-Grenztruppen“ durchführen – was immer man sich unter „Informationseinsätzen“ in diesem Zusammenhang vorstellen kann.
    Dazu waren Flugblatteinsätze von Kassel bis Hof vorgesehen. Die Rundfunkkompanie sollte aus dem Raum Neustadt/Saale oder Bayreuth senden. Von Neustadt aus konnte wahrscheinlich Thüringen (Eisenach, Erfurt, Weimar), von Bayreuth aus Ost-Thüringen (Jena, Gera) und das westliche Sachsen (Plauen, Zwickau, Chemnitz, wahrscheinlich auch der Raum Leipzig) abgedeckt werden.

    Die aktive Lautsprecherkompanie sollte zunächst vor allem im Wehrbereich IV durch Einwirken auf die eigene Bevölkerung das Heranführen von Verstärkungskräften (REFORGER-Kräfte) unterstützen. Dazu wurden teilweise einzelne Züge oder Lautsprechertrupps den Verteidigungskreiskommandos oder den Feldjägern unterstellt bzw. mit diesen auf Zusammenarbeit angewiesen. Ein Beispiel für das saarländische VKK 461 in MERZIG füge ich bei, hier sind auch einige Hinweise auf den taktischen Einsatz der Lautsprecherkräfte enthalten.

    Das PSVBtl 850 war also in dieser Phase extrem weit verstreut – von Hof ganz im Osten an der Grenze zu DDR und CSSR bis nach Merzig im Westen an der Grenze zu Frankreich.

    Später sollte das Bataillon aus dem Raum Leutershausen (westlich Ansbach) vor allem die Feindstreitkräfte der West-/Südwestfront beeinflussen. Weiter sollten vorrangig Lautsprecherkräfte zum Einwirken auf die eigene Bevölkerung in der FCZ eingesetzt werden, um damit die Operationsfreiheit der NATO-Truppen aufrechtzuerhalten. Hier wäre z.B. der Einsatz beim Lenken von Bevölkerungsbewegungen in Frage gekommen.

    Je nach Lageentwicklung wäre das Bataillon dann weiter nach Westen ins nördliche Baden in den Raum Osterburken verlegt worden.

    Interessant wäre jetzt, ob es vorbereitete Texte für die Rundfunksendungen oder für die Flugblätter gab, oder ob diese erst lagebezogen erstellt worden wären. Leider habe ich dazu noch keine Beispiele in den Archiven gefunden.
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