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Kann jemand mehr über Fernspäheinsätze im Kalten Krieg sagen?
LANDJUT - ich meine eine dänische Einheit z.B. Hjemmeværnets Særlig Støtte og Rekognosceringskompagni
NORTHAG - britische Spezialeinheiten? Special Air Service (SAS)?
CENTAG - 75th US-Army Ranger Rgt. DELTA-Company?
Wo waren die Fernspäher der Bundeswehr dann aufgehängt?
Fernspähkompanie 100 in Braunschweig/Celle
Fernspählehrkompanie 200 in Weingarten/Pfullendorf
Fernspähkompanie 300 in Fritzlar und Herborn-Seelbach
Welche Einsatzgrundsätze gab es? Verdeckte Operationen auf dem Gebiet der DDR? Verlängerter Arm der Deckungstruppen aber in der Tiefe des fdl Territoriums? Wohl eher nicht, oder?
DELTA-Rangers über "Tann-Tasche"/Rhön in die Berge Thüringens? Vielleicht ist auch über die Einsatzpläne überhaupt nichts bekannt.
Weiß von Euch vielleicht jemand mehr?
Verbringung
Verbringung durch gepanzerte Kräfte - also evtl. mit den PzAufkl ins Einsatzgebiet gebracht? Querverbindung zu den leichten abgesessenen Spähtrupps der PzAufkl (4./- Kp)?
Infiltration zu Fuß
Überrollenlassen von feindlichen Kräften
Fallschirmsprung
Aufklärung
Gewinnung von Lageerkenntnissen im tiefen Feindraum zu Stärke, Dislozierung, Bewegungen und Absichten feindlicher Kräfte. Also Beobachtung von Truppenmassierungen 5. NVA-Armee, 8. Gardearmee, etc.?
Nachrichtenübermittlung
leistungsfähiges Funkgerät zur chiffrierten Nachrichtenübermittlung an GefStd FeSpähKp
Und natürlich irgendwelche Sonderaufträge vom Korps.
Oder hatten wir das Thema doch schon in einem anderen Zusammenhang?
Ich kannte mal einen früheren Hubschrauberpiloten der Bundeswehr aus Braunschweig. Der hätte im Ernstfall Fernspäher aus Braunschweig per Huey an die Front gebracht. Dahin hätte man es dann aber vermutlich auch zu Fuß geschafft.
Das Thema Einsatz der Fernspäher auf dem Gebiet des Warschauer Paktes hatten wir schon einmal. Ich habe damals dazu geschrieben:
„Du hast oben irgendwo erwähnt, das Fernspäher auf dem Gebiet der DDR eingesetzt worden wären. Dem ist zunächst einmal nicht so. Es heißt in der HDv 100/100 Truppenführung in Nr. 1416 ganz eindeutig "Fernspäher klären in der Tiefe des vom Feind besetzten Gebietes auf". Inwieweit man dann im laufenden Gefecht diese Vorgabe anders interpretiert hätte, sei dahin gestellt. Es wäre auf jeden Fall eine politische Entscheidung von hoher Tragweite gewesen, NATO-Truppen auf feindlichem Territorium einzusetzen. Die Aufklärung auf dem Gebiet der DDR war Sache des Bundesnachrichtendienstes. Es gab dort Schweigenetze von Agenten, die Truppenbewegungen beobachteten und bereits im Frieden diese meldeten. Einen ganz guten Überblick dazu findet man in: Wagner, Armin / Uhl, Matthias: BND contra Sowjetarmee - westdeutsche Militärspionage in der DDR (Militärgeschichte der DDR 14) Berlin 2007.“
Zur Unterstellung der Fernspäheinheiten:
Jedem Korps war eine Fernspähkompanie unterstellt: 100 beim I., 200 beim II. und 300 beim III. Korps.
Dann gab es noch die Internationale Fernspähschule (vor 1979 Fernspähausbildungszent-rum 900) in Neuhausen ob Eck, bzw. ab 1980 in Weingarten und ab 1997 in Pfullendorf. Die Fernspähkompanie 200 war eine Zeitlang Lehrtruppe.
Als Geräteeinheit existierte die Fernspähauswertekompanie, deren Aufgaben im Kriegsfall die Sammlung und Auswertung einlaufender Meldungen der Fernspähtrupps und vergleich-barer alliierter Truppenteile war. Der MobStPkt war in Weingarten bei der Internationalen Fernspähschule, von der auch Teile des Personals gekommen wären.
Die Lehr- und Ausbildungsgruppe für Fernspähwesen der Bundeswehr (LAFBw) war dagegen keine Bundeswehreinheit, sondern eine Legende für die paramilitärische Spezial-einheit 404/III des Bundesnachrichtendienstes und existierte formal von 1964 bis 1979. Sie war für den Einsatz als Stay-behind-Organisation vorgesehen.
Die Einheit wurde am 23. Dezember 1964 gegründet und als Fernspäh-Gruppe der Bundes-wehr legendiert. Im Verteidigungsfall bestand ihre Aufgabe in der Organisation von Wider-standsgruppen hinter den feindlichen Linien zur Partisanen- bzw. Guerillakriegführung, die Schleusung von Agenten und Material auf dem Land-, Luft- und Seeweg, Observationen, Schulungen, die Ausbildung von BND-Mitgliedern zur Führung von Kommandotrupps und Spezialeinheiten.
Die Ausbildung fand bis 1968 in einer Bundeswehreinrichtung in Bruckmühl-Heufeld bei Bad Aibling statt, anschließend in München, Dachauer Str. 128.
Die Mitglieder von 404/III rekrutierten sich, soweit bekannt, aus Angehörigen von Heer, Luft-waffe und Marine und wurden personell über das „Amt für Militärkunde“ (AMK) geführt..
Mitte der 1970er Jahre kam es zwischen dem Bundesministerium für Verteidigung und dem BND offenbar zu Differenzen über die gemeinsame Zusammenarbeit, vor allem wegen des fehlenden Kombattantenstatus der Gruppe. Schließlich wurde die formelle Zusammenarbeit eingestellt und die Gruppe offiziell im Oktober 1979 aufgelöst; informell sollen. Kontakte vor allem zur Materialbeschaffung noch bis 1986 bestanden haben.
Die Gerüchte über einen nicht in den Vorschriften vorgesehenen Einsatz der Fernspäher zu Sabotagezwecken im feindlichen Hinterland oder auf dem Gebiet der DDR sind wahrschein-lich durch die Existenz diese BND-Dienststelle entstanden, die eben aus Tarnungsgründen die Bezeichnung „Fernspähwesen“ trug.
Die Mitarbeiter der LAFBw waren Soldaten, die für die Dauer ihres dortigen Einsatzes zum Amt für Militärkunde versetzt wurden. Es wird nicht auszuschließen sein, dass einige nach ihrer Rückkehr in die Truppe oder nach dem Ausscheiden aus der Bundeswehr trotz aller Geheimschutzbestimmungen doch das eine oder andere erzählt haben und dadurch die geschilderten Legenden entstanden sind.
Literatur zur LAFBw:
- Keßelring, Agilolf: Die Organisation Gehlen und die Neuformierung des Militärs in der Bun-desrepublik (Veröffentlichungen d. Unabhängigen Historikerkommission zur Erforschung d. Geschichte d. Bundesnachrichtendienstes 1945-1968, Bd 6) Berlin 2017, S. 448 – 451.
- Schmidt-Eenboom, Erich / Stoll, Ulrich: Die Partisanen der NATO. Stay-Behind Organisati-onen in Deutschland 1946-1991, Berlin 2015.
Über die Gliederung der Fernspähkompanien gibt es nur wenig Material. Neben Kompanie-führungsgruppe und Versorgungsgruppe bestand die Kompanie aus zwei (zeitweise auch drei) Fernspähzügen, jeder Zug mit 10 bis 12 Fernspähtrupps. Die Stärke des Trupps lag meistens bei 4 Soldaten.
Dazu kam ein Fernmeldezug. Gesamtstärke der Kompanie etwa 200 Soldaten.
Auch Literatur zu den Fernspähern ist dürftig und oft wenig informativ:
- Bescht, Volker: Die Fernspähtruppe, In: Schwier, Cord (Hrsg.): ”...und die Aufklärer sind immer dabei..." Zur Geschichte der dt. Panzeraufklärungstruppe. Munster 2001, S. 239 – 242.
- Meyer, Franco: Die Fernspähtruppe, In: Der Panzerspähtrupp (2006), H. 40: 50 Jahre Pan-zeraufklärungstruppe der Bundeswehr, S. 51 – 53.
- Prasuhn, Karl-Wilhelm: Die Fernspäher des Heeres quo vadis? Sicht eines "Fernspäh-Pensionärs", In: Der Panzerspähtrupp (2012), H. 51: Nachrichtengewinnung und Aufklärung, S. 24 – 26.
- Rudolph, Christin-Desiree: Eyes on target. Die Fernspäher der Bundeswehr. Stuttgart 2008. In diesem Buch überwiegen die bunten Bildchen und die Abenteuergeschichten. Solide Quellenangaben fehlen. Das Buch hat genau 2 Seiten für das Fernmeldewesen bei den Fernspähern übrig, lässt sich aber 19! Seiten lang über das für den Auftrag der Fernspäher völlig nebensächliche Fernspähgefechtsschießen aus. Die anderen Bücher der Verfasserin zu militärischen Themen sind übrigens ähnlich unbrauchbar.
- Tolmein, Horst Günther: Spähtrupp bleibt am Feind. Stuttgart 1980. Hier sind die Fernspäher kurz erwähnt, nur oberflächliche Darstellung.
Im SPIEGEL stand 1969 ein Artikel über die Fernspäher:
Daher gibt es auch nur wenig tiefergehende Erkenntnisse über Einzelheiten des Einsatzes der Fernspäher oder über deren Fernmeldeverbindungen. Die Fernspäher hatten auf jeden Fall spezielle Funkgeräte, die nichts mit dem üblichen Truppenfunk zu tun hatten. Aber damit kenne ich mich nicht aus.
Vielleicht ist das eine naive Frage von mir, aber warum wäre imn Falle eines Angriffes des Warschauer Paktes der Einsatz von FeSpäh auf dem Gebiet der DDR eine politische Entscheidung von hoher Tragweite gewesen?
Die innerdeutsche Grenze wäre dann ja eh von der anderen Seite verletzt gewesen und bodengebundene Aufklärung in Mecklenburg oder Thüringen, falls überhaupt möglich, warum nicht?
Und die Berglandschaft der Rhön wäre zumindest auf der Karte ideal, um auf die andere Seite einzusickern.
Das war eigentlich immer meine Vorstellung: da wo die leichten gepanzerten Spähtrupps der PzAufkl nicht mehr hinkommen, fängt das Gebiet der luftgelandeten FeSpäh an.
Aber ich habe davon auch wirklich überhaupt keine Ahnung.
Gruss
Die Long-Range Reconnaissance Patrol-Einsätze (LRRP/Lurp) der US-Army Ranger fanden ja auch als verdeckte Operationen in Kambodscha oder Laos in den Rückzugsgebieten/"Sanctuaries" der Vietcong oder der Nordvietnamesische Armee statt.
Allerdings in völlig unzugänglichen tropischen Bergwäldern … daher ist der Vergleich mit Thüringen vielleicht nicht passend.
Die Long-Range Reconnaissance Patrol-Einsätze (LRRP/Lurp) der US-Army Ranger fanden ja auch als verdeckte Operationen in Kambodscha oder Laos in den Rückzugsgebieten/"Sanctuaries" der Vietcong oder der Nordvietnamesische Armee statt.
Der Vietnamkrieg war kein Krieg zwischen zwei Militärbündnissen, von daher ist ein militärpolitischerVergleich mit der Situation in Mitteleuropa nicht zutreffend.
Vielleicht ist das eine naive Frage von mir, aber warum wäre imn Falle eines Angriffes des Warschauer Paktes der Einsatz von FeSpäh auf dem Gebiet der DDR eine politische Entscheidung von hoher Tragweite gewesen?
Weil die NATO als Verteidigungsbündnis angelegt war und ein Einsatz von NATO-Truppen auf "Feindgebiet" dem zumindest in der Anfangsphase eines Konflikt widersprochen hätte. Der Warschauer Pakt hätte dann seine immer behauptete These von der aggressiven NATO bestätigt gesehen und wäre damit der Angegriffene gewesen, der sich nur wehrt. Natürlich wäre irgendwann der Punkt gekommen, wo die NATO sich überlegen musste, den Konflikt auf das Gebiet der DDR oder der CSSR zu tragen, z.B. im Rahmen von Gegenangriffen. Es gab z.B. in frühen 1960er Jahren schon solche Planungen. Über entsprechende Pläne aus späterer Zeit ist bisher nach meiner Kenntnis nichts veröffentlich. Die FOFA-Planungen der 1980er Jahre gingen aber eindeutig in diese Richtung, wenn auch kaum mit Landstreitkräften.
Ich habe ja nicht gesagt, dass ein Einsatz von Fernspähern oder LRRP auf DDR-Gebiet unmöglich gewesen wäre, aber ich bin der Meinung, das diese Entscheidung nicht durch den KG eines Korps, sondern mindestens auf Ebene der Bundesregierung, wenn nicht sogar auf NATO-Ebene oder beim amerikanischen Präsidenten gefallen wäre.
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