Ich habe diesen Bestand mal für den Wehrbereich VI (Bayern) ausgewertet – siehe beigefügte Tabelle und Karte.
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Hier wurden von Mai bis September 1963 an dreizehn Tagen Ballons aufgelassen, die bei entsprechend günstigem Wind Propagandaflugblätter in die DDR transportierten.
Die Startpunkte lagen alle in Nordbayern, Schwerpunkte waren der Raum Mellrichstadt – Nordheim, bei Königshofen im Grabfeld, nördlich von Kronach und in einem Fall bei Geroldsgrün am Westrand des Landkreises Hof. Noch weiter im Osten sind in der Akte keine Startpunkte erwähnt, wahrscheinlich weil hier die Gefahr bestand, dass viele Ballons auch im tschechoslowakischen Staatsgebiet gelandet wären.
Anbei als Beispiel ein Einsatzbericht über einen Start aus dem Raum Mellrichtstadt.
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Ein Beispiel für die damals verwendeten Flugblätter füge ich bei. Unter dem Titel „Presse-Rundschau für die bewaffneten Organe“ wird hier u.a. ein Auszug aus einem Bericht des „Kölner Stadtanzeigers“ gezeigt. Hier werden – im Juli 1963 – als „Feuerkräftigster Panzer der NATO“ der damals noch als Standardpanzer bezeichnete Leopard und der Kanonenjagdpanzer vorgestellt. Tatsächlich gab es zu diesem Zeitpunkt von beiden Typen nur Vorserien, die Serienproduktion lief beim Leopard erst 1965 und beim Kanonenjagdpanzer 1966 an.
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Neben den Lautsprecher- und Flugblattkompanien 982 und 983 kam auch eine Zivilgruppe „Reichenburg“ zum Einsatz, die von einem Reserveoffizier geführt wurde.
Weiter gibt es in dieser Akte auch Berichte über PSV-Einsätze durch die Bundesmarine, von denen ich zwei beifüge.
Das einzige jemals bei den Marinefliegern eingesetzte Flugboot, die Grumman Albatros, diente im Juli 1963 zum Abwurf von Propagandamaterial nördlich von Rügen.
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Im August 1963 setzte das schnelle Minensuchboot MIRA nordwestlich Warnemümde Propaganda- material aus. In beiden Fällen ging man davon aus, dass diese Materialien an der Küste angeschwemmt würden.
Beim Einsatz der MIRA musste das Boot einen Wachschiff der Volksmarine passieren und tarnte sich dabei durch sein Fahrverhalten und entsprechende Beleuchtung anscheinend erfolgreich als ziviles Küstenmotorschiff. Auch konnten bei diesem Einsatz durch Eloka / Fernmeldeaufklärung die „sowjetzonalen“ Reaktionen auf den Fund dieser „Hetzflugblätter“ festgestellt werden.
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