"Fledermäuse fühlen sich wohl in ehemaligen Sprengstoffbunkern
Heidekamp/Zarpen/Reinfeld – Der gezielte Fledermausschutz im Kreis Stormarn zeigt Erfolge. Neue Winterquartiere werden von den nächtlichen Jägern angenommen.
Der erste Wintergast ist bereits eingetroffen. Das Braune Langohr fühlt sich offensichtlich wohl in dem ehemaligen Sprengstoffbunker im Heidekamper Wohld, den Mitglieder der Ortsgruppe Nordstormarn im Naturschutzbund Deutschland (Nabu) als Fledermaus-Winterquartier bereits im Oktober 2006 hergerichtet haben.
»Es hat nur gut eineinhalb Jahre gedauert, bis die erste Fledermaus die neue Behausung angenommen hat«, freut sich der Oldesloer Experte Helmut Göbel. Dabei gilt das Braune Langohr als Pionierart. Im Bereich Klingberg seien immerhin vier Jahre ins Land gegangen, bis der erste nächtliche Jäger aufgetaucht sei.
Auch dort hat der Nabu, wie auch im Heidekamper Wohld und gerade erst in Tremsbüttel, Bunker von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (ehemals Bundesvermögensverwaltung) erworben. Die insgesamt zwölf Bunker, in denen die Bundesregierung bis zum Ende des Kalten Krieges Sprengstoff zur Zerstörung von Brücken aufbewahrte, sind für die gefährdeten Fledermäuse überaus geeignete Quartiere. Denn unseren heimischen Fledermausarten mangelt es vor allem an frostsicheren, feuchten und ungestörten Schlafplätzen. Viele Arten wie die Wasser-, Fransen-, Bart-, Bechsteinfledermaus bevorzugen unterirdische Plätze, wie beispielsweise Eis- und Bierkeller oder Höhlen, wie sie im norddeutschen Flachland selten vorhanden sind (Ausnahme Kalkberghöhle in Segeberg). Im Heidekamper Wohld stehen in den drei Bunkern insgesamt 60 Hohlblocksteine für die nachtaktiven Säugetiere zur Verfügung, die ab November nach geeigneten Winterquartieren suchen. In den von Erde bedeckten Betonklötzen herrscht eine konstante Temperatur und sie weisen eine ständige Luftfeuchtigkeit von rund 80 Prozent auf. Das wird durch eine Kiesschicht gewährleistet, die in den Bunkern eingebracht wurde. Hinzu kommen im Heidekamper Wohld die hervorragenden Umgebungsverhältnisse mit Wäldern und Seen, idealer Lebensraum für die Fledermäuse. Neben den Bunkern können sie in unmittelbarer Nachbarschaft auch die Möglichkeit, in verschiedenen Kästen zu überwintern, die Reinfelds Revierförster Günter Fischer zusätzlich aufhängen ließ.
Tatkräftig unterstützt wird der Nabu von der Sparkassen-Kulturstiftung, die bislang rund 2000 Euro für zwei Fledermaus-Detektoren, Kästen und zwei Informationstafeln zur Verfügung stellte. »Wir wollen unsere Anstrengungen im Bereich Naturschutz intensivieren«, kündigte Jörg Schumacher von der Stiftung gestern bei einem Ortstermin an den Bunkern an. Fördern wolle man auch naturkundliche Anstrengungen in den Schulen und Kindergärten, so der Stiftungssprecher.
An einem der drei Heidekamper Bunker ist eine der beiden Schautafeln angebracht, welche den Spaziergängern den Sinn des Winterquartieres erklärt. Die zweite Schautafel wird in den nächsten Tagen am Klingberg angebracht. »Voraussichtlich im Mai wollen wir eine Fledermaus-Exkursion zu den Bunkern anbieten«, kündigt Sabine Reichle an, Vorsitzende der Nabu-Ortsgruppe Reinfeld.
In Schleswig-Holstein sind 15 Arten heimisch, deutschlandweit kommen 23 vor. Die faszinierenden Jäger der Nacht, die sich 100-prozentig auf ihr Ultraschall-System verlassen können, wiegen je nach Art zwischen vier und 40 Gramm. Die Flügel-Spannweite liegt zwischen 18 und 40 Zentimeter. Fledermäuse ernähren sich von Insekten aller Art, die sie im Schutze der Dunkelheit im Flug erbeuten. Die Fledermaus-Weibchen bringen in so genannten Wochenstuben ein bis zwei Jungtiere im Jahr zur Welt. Fledermäuse können bis zu 30 Jahre alt werden.
Gefährdet sind sie durch Abriss oder Umbau von Gebäuden (Quartierverluste) und vor allem durch die Verringerung des Nahrungsangebotes, bedingt unter anderem durch intensive Landnutzung sowie durch Pestizide und andere Umweltgifte.
Weitere Informationen unter http://www.nabu-sh.de"
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► Quelle: http://www.ln-online.de/lokales/2306622 [01.05.2008; 22.00 Uhr]
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