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Bericht Reservedienstleistung beim Wallmeistertrupp Nürnberg 7. bis 11. Juli 2014
Bericht Reservedienstleistung beim Wallmeistertrupp Nürnberg 7. bis 11. Juli 2014
Ich habe diese Woche eine Reservedienstleistung (Wehrübung) beim Wallmeistertrupp Nürnberg abgeleistet.
Ich war als Fahrer eingesetzt und erhielt interessante Einblicke in die Arbeit eines Wallmeisters heute.
Dabei besuchten wir auch einige Sperren, die - meines Wissens - noch nicht in der DOSPA aufgenommen wurden.
Ich werde versuchen, diese mit Bildern, in den entsprechenden Forumsbeiträgen einzutragen.
Mein Wallmeister liest ja auch öfter hier im Forum. Dabei hat er festgestellt, daß das Thema "Rückbau" von Sperren nicht so ganz korrekt wieder gegeben wurde.
Die Wallmeister unterscheiden nicht zwischen "aktiven" und "rück gebauten" Sperren, so wie es hier öfters anklingt.
Vielmehr ist von der "Duldung", respektive "noch in der Duldung sein" bzw. "aus der Duldung heraus sein" gesprochen.
Was ist damit gemeint? Die diversen Straßen und Brücken waren bzw. sind ja Eigentum einer Gemeinde, Landkreis, Land oder Bund.
Die Sperreinbauten der Bundeswehr wurden geduldet. Dazu gab es eine Duldungsvereinbarung, siehe unten.
Während dieser Duldung verpflichtete sich die Bundeswehr, alle Schäden oder Umbauten zu tragen, die im Duldungszeitraum enstehen.
Als dann ab Mitte der 90er Jahre der Rückbau begann, wurde diese Duldung aufgehoben. Dabei wurde festgelegt, ob ohne oder mit Rückbau die Bundeswehr aus der Duldung entlassen wird.
Bei Straßensprengschächten bedeutete das fast immer den Rückbau (unterschiedliche Qualitäten, je nach Vereinbarung). Bei Brücken verzichteten die Eigentümer oft auf den Rückbau, wenn es z.B. um Galerien unter Brücken ging, die auch für die Tiefbauämter, Straßenbauämter nützlich waren/sind. So wurde die Bundeswehr hier aus der Duldung entlassen ohne etwas für den Rückbau ausgeben zu müssen.
Mich wundert vor allem dass es die Wallmeister überhaupt noch gibt. Ich war der Meinung mit der "Aufgabe" bzw. dem Rückbau der Sperren sowie der Entfernung der Ladungen aus den Sperrmittelhäusern wären auch auch die Wallmeistertrupps aufgelöst worde. Frage daher: Was haben diese Leute denn heute noch für einen Auftrag? bzw. was machen die den ganzen Tag über?
es gibt ja noch jede Menge noch nicht zurückgebaute Sperren. Diese müssen regelmäßig auf Verkehrssicherheit
überprüft werde.
Auch gibt es in ihrem Bereich auch noch die sogenannten Verladerampen, auch diese werden noch überprüft.
In Bayern gibt es noch 3 Stellen mit Wallmeistern, aber auch diese sollen reduziert werden auf 2.
Ihr Gebiet erstreckt sich ja nicht nur auf Bayern sondern auch Nordbaden gehört noch dazu.
mfg günther
Suche Gliederungen der Heeresstrukturen 2 + 3.
Außerdem suche ich die letzten Trichtersperren und Sperrmittelhäuser in Franken.
Richtig. Aber wie gesagt, es wird von der Duldung gesprochen. Nicht jede "nicht zurück gebaute Sperre" bedeutet automatisch, daß diese von der Bundeswehr, respektive Wallmeistern noch kontrolliert werden. Ist die Aufhebung der Duldung erstmal unterschrieben, ist die Bundeswehr "aus dem Schneider", sprich: Muß dafür kein Geld mehr ausgeben und muß diese auch nicht mehr kontrollieren.
Diese Aufhebungsdokumente werden wie ein Schatz gehütet, denn sie sind bares Geld wert: Beispiel:
Es ist schon vorgekommen, daß die Einfassungen in den Straßen blieben (weil der Bauträger evtl. nicht so lange die Straße gesperrt haben wollte als durch einen großen Ausbau) und dann die Straßenbaufirma drüber geteert hat. Die Bundeswehr hatte aber darauf hingewiesen, daß Probleme durch einen "Sparrückbau" entstehen können. Die Bundeswehr ließ sich das genau in der Duldungsaufhebung unterschreiben, ob und wie zurück gebaut wurde. Dann hat der zivile Bauträger das vergessen oder nicht weitergegeben. Beim nächsten Mal ist eine Fräse über die Straße gefahren um die alte Teerschicht zu entfernen und hat dann die Einfassung angefräst, mit Folge, daß die Fräse zerstört war. Dann ist ein Schlauberger gekommen und hat gesagt, die Bundeswehr müsse dafür aufkommen. Der Wallmeister hatte dann nur seinen Aktenschrank aufgemacht, hat die entsprechende Duldungsaufhebung heraus gezogen und Demjenigen vor die Nase gehalten. Die Bundeswehr war aus dem Schneider.
In Bayern gibt es derzeit noch 3 Wallmeister. Einer sitzt in Nürnberg, einer in Kümmersbruck, einer in München.
Deren Zuständigkeitsbereiche gehen in drei horizontalen Streifen von der französischen Grenze bis zur tschechischen Grenze. Also komplett Baden Württemberg und Bayern. Sobald der Wallmeister von Kümmersbruck in den Ruhestand geht, werden dessen restliche noch verbliebene Sperren zwischen Nürnberg und München aufgeteilt.
Wie Günther schon schrieb, ist das Aufgabenspektrum der Wallmeister teilweise erweitert worden. Manche Zusatzaufgaben gab es aber auch schon während dem Kalten Krieg. Verladerampen gehören genauso dazu wie Ersatzübergangsstellen. Nur für Sperranlagen waren Wallmeister nie verantwortlich. Ihr Spektrum war auch damals schon größer als nur Sperranlagen. Neu dazu gekommen sind eindeutig Umweltaufgaben. Auch müssen Wallmeister katalogisieren, was an ziviler Infrastruktur vorhanden ist und im Kriegsfall von der Bundeswehr verwendet werden kann: Speditionen und Baufirmen (LKWs und Baufahrzeuge), Schreinereien, Schlossereien, Betonwerke, Sandgruben (Baumaterialien), Metzgereien, Bäckereien (Nahrungsmittel), Firmen, die Tiefkühlprodukte herstellen oder umschlagen/verkaufen (wegen der Möglichkeit im Kriegsfall Tote in Kühlhäusern zu lagern) und vieles mehr.
Und noch ein Satz zur Menge der Wallmeister. Im Kalten Krieg gab es im ganzen Land hunderte von Wallmeistern. Ein Wallmeistertrupp war 3 Mann stark und hatte einen Landkreis zu kontrollieren. Überleg mal, wieviele Landkreise Bayern und Baden-Württemberg hat. Da kommt Einiges zusammen. Wobei man einschränken muß, daß die Dichte der Sperren von West nach Ost zunahm, sprich Baden Württemberg naturgemäß weniger Sperren hatte als Bayern. Baden Württemberg war ja auch nicht am Eisernen Vorhang. Nun, nach dem die Bundeswehr zum größten Teil aus der Duldung heraus ist, sind ja nicht mehr so viele Sperren mehr übrig. Und so sind aus 3 Mann für einen Landkreis 3 Mann für zwei ganze Bundesländer geworden. Das verdeutlicht doch ganz stark das Ausmaß der Reduzierung.
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