Trainingssperre Weisskeißel/Lausitz

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  • ed22ful
    Cold Warrior
    • 01.11.2010
    • 1208

    #1

    Trainingssperre Weisskeißel/Lausitz

    Hallo,


    da ich netterweise einen Hinweis von einem früheren Soldaten der Nationalen Volksarmee bekommen haben, setze ich das Thema mal zur Info hier rein.

    Der Zeitzeuge teilte mir mit, das es auf dem früheren Truppenübungsplatz Weisskeißel in der Lausitz in den 70er Jahren, auf dem er seine Ausbildung absolvierte, eine Sperranlage westlicher Bauart gab.

    Es handelte sich wohl um eine "Trichtersperre", die von den Bausoldaten errichtet wurde und zu Trainings- und Anschaungszwecken diente für die Pioniere der NVA.
    Anscheinend wurden hier Soldaten ausgebildet, die im Vorfeld eines Aufmarsches anhand dieser Übungssperre das entschärfen unserer Trichtersperren erlernen sollten.

    Da Weisskeißel heute aktiver Truppenübungsplatz der Bundeswehr ist, habe ich dort mal angerufen und wunderbarerweise gibt es dort einen Soldaten, der die Chronik der Liegenschaft dokumentiert.
    Leider habe ich ihn telefonisch noch nicht erreicht, bleibe aber dran, nebenbei habe ich aber erfahren, das unsere Trichtersperren in der NVA als "Sperrkreuz" bezeichnet wurden.

    Gruß


    ed
    Zuletzt geändert von ed22ful; 26.02.2014, 12:53.
    Sonderwaffenlager Fischbach bei Dahn
    Interessengemeinschaft „Area 1" militärgeschichtlicher Verein e.V.
    www.ig-area-one.de
  • Nemere
    Cold Warrior
    • 12.06.2008
    • 2880

    #2
    Zitat von ed22ful Beitrag anzeigen
    Es handelte sich wohl um eine "Trichtersperre", die von den Bausoldaten errichtet wurde und zu Trainings- und Anschaungszwecken diente für die Pioniere der NVA.
    Anscheinend wurden hier Soldaten ausgebildet, die im Vorfeld eines Aufmarsches anhand dieser Übungssperre das entschärfen unserer Trichtersperren erlernen sollten.
    Das es solche Übungssperren gab, ist sehr wahrscheinlich. Wahrscheinlich wurde hier aber das Überwinden ausgelöster Sperren geübt. Eine Trichtersperranlage zu entschärfen, halte ich für wenig wahrscheinlich. Sobald eine solche Sperre geladen war, gab es dort ein Sprengsicherungskommanda, das genau das verhindern sollte, mit Befugnissen, bis hin zum Notsprengbefehl, wenn die Gefahr bestand, dass das Sperrobjekt in Feindeshand fallen könnte
    Im Vorfeld des Aufmarsches macht ein Entschärfen erst recht keinen Sinn, weil da diese Sperren noch gar nicht geladen waren - was hätte man also entschärfen sollen?

    Möglicherweise wurde aber geübt, Sperrvorrichtungen unbrauchbar zu machen, z.B. durch Zerstören der Zentralverschlussschrauben oder der Zugänge zu den Zündkanälen. Hinweise auf solche Praktiken gab es in den 1980er Jahren immer wieder, vor allem in Zusammenhang mit den damals allenthalben herumgeisternden Gerüchten über den Einsatz von Speznas-Truppen im Rahmen der Angriffsplanungen des WP. So richtig konkret ging das aber aus Aufklärungsergebnissen nie hervor, diese Speznas-Bedrohungen blieben ähnlich diffus wie die angebliche Problematik der auf rücksichtslosen Durchbruch angesetzten Operativen Manövergruppen (OMG), weil nie zweifelsfrei geklärt wurde, ob diese Einsatzoptionen tatsächlich in der befürchteten Dimension bestanden.
    Wirklich gut dokumentierte Literatur zu diesen Einsatzmöglichkeiten von Truppen der besonderen Bestimmung gegen Sperranlagen ist recht dünn gesät und schwer greifbar, momentan kenne ich nur:
    Klink, Eckart / Pradel, Hans-Henning: Die Bedrohung der Teilstreitkräfte der Bundeswehr durch Truppen besonderer Bestimmung des Warschauer Paktes - eine Untersuchung der Gefährdung der Objekte der jeweiligen Teilstreitkräfte (= Jahresarbeit Führungsakademie der Bundeswehr Hamburg) Hamburg 1987.

    Es gab ja auch mmer wieder Versuche friedensbewegter Menschen, vorbereitete Sperranlagen unbrauchbar zu machen - was allerdings aufgrund der Bauweise fast immer wenig erfolgreich blieb. Sekundenkleber ist nun mal kaum dafür geeignet, die gut eingefettete Zentralschraube eines Sprengschachtdeckels wirklich zu blockieren.

    Kommentar

    • DeltaEcho80
      Cold Warrior
      • 09.03.2013
      • 1724

      #3
      [quote]Klink, Eckart / Pradel, Hans-Henning: Die Bedrohung der Teilstreitkräfte der Bundeswehr durch Truppen besonderer Bestimmung des Warschauer Paktes - eine Untersuchung der Gefährdung der Objekte der jeweiligen Teilstreitkräfte (= Jahresarbeit Führungsakademie der Bundeswehr Hamburg) Hamburg 1987[quote]

      Nemere, sind diese Arbeiten eigentlich öffentlich zugänglich?

      DE

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      • DeltaEcho80
        Cold Warrior
        • 09.03.2013
        • 1724

        #4
        Zitat von Nemere Beitrag anzeigen
        Klink, Eckart / Pradel, Hans-Henning: Die Bedrohung der Teilstreitkräfte der Bundeswehr durch Truppen besonderer Bestimmung des Warschauer Paktes - eine Untersuchung der Gefährdung der Objekte der jeweiligen Teilstreitkräfte (= Jahresarbeit Führungsakademie der Bundeswehr Hamburg) Hamburg 1987.
        Sind diese Arbeiten eigentlich öffentlich zugänglich?

        DE

        Kommentar

        • Nemere
          Cold Warrior
          • 12.06.2008
          • 2880

          #5
          Eigentlich nicht - diese Jahresarbeiten sind alle nur bei der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg vorhanden und werden auch nicht über Fernleihe weitergegeben. Früher konnte man sich als Bundeswehrangehöriger Kopien davon über DOKFIZ besorgen, soweit eine dienstliche Notwendigkeit vorlag.

          Inwieweit das heutige "Fachinformationszentrum der Bundeswehr" hier unterstützen kann, weiß ich nicht:

          Streitkräfteamt Fachinformationszentrum der Bundeswehr (FIZBw)
          Gorch-Fock-Straße 7
          53229 Bonn
          Telefon:0228845101
          Website haben die anscheinend nicht.

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          • DeltaEcho80
            Cold Warrior
            • 09.03.2013
            • 1724

            #6
            Ok, habe mir die Adresse mal notiert.
            Werde bei Gelegenheit mal Verbindung aufnehmen.

            Danke dir!

            Zu den Sperren noch eine Anmerkung:

            Im Buch "Kriegsschauplatz Deutschland" von Siegfried Lautsch spricht der Autor auch dieses Thema an. Seine Aussage zum Umgang mit den Sperren war die, dass die WP versuchen wollten, so schnell voran zu kommen, dass sie die Sperren "unversehrt" in die Hände bekommen hätten.
            Mehr sagt er nicht aus.

            Im "Handbuch der Staatssicherheit" des BStU- im Teil über die HVA - wird kurz angerissen, dass man in einem großen deutschen Baukonzern eine Quelle hatte, der über den Bau von Sperranlagen in Norddeutschland an das MfS berichtete.
            Also war man informiert.

            Werde heute abend noch die genauen Quellenangaben suchen.

            DE

            Kommentar

            • wuffingen

              #7
              Wenn die NVA Nachbauten von Trichtersperren hatten dann gab es das bestimmt auch für die anderen Sperranlagentypen.

              Kommentar

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