Sperrwirkung von Trichtersperren

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  • suedbaden
    Cold Warrior
    • 06.01.2008
    • 296

    #1

    Sperrwirkung von Trichtersperren

    Hallo kalte Krieger,

    nachdem ich am Wochenende einige Trichtersperren in der Rhön in Augenschein genommen habe (alle schon in der DOSPA enthalten, wie ich inzwischen herausfinden musste), treiben mich einige Fragen um:

    Wie ist die Sperrwirkung von Trichtersperren einzuschätzen?

    Wie lange hätte ein anrückender Verband mit einer aus drei Schächten bestehenden, günstig (z.B. am Hang) gelegenen Trichtersperre verzögert werden können? Hätte eine solche Sperre mit einer Panzerschnellbrücke überwunden werden können?

    Ging die NATO davon aus, dass vor allem die grenznahen Sperren noch rechtzeitig ausgelöst werden könnten?

    Ich bin mir natürlich bewusst, dass solche Sperren überwacht wurden. Wie hätte der WP darauf reagiert? Erst mal mit MotSchützen die Sperre umgehen, die überwachenden NATO-Truppen aufklären und bekämpfen und die Sperre sichern, bevor schweres Gerät anrückt? Das hätte dann aber schon einiges an Zeit gekostet, denke ich. Und die hinter der Sperre gestauten Verbände hätten auch ein nettes Ziel für die Feuerunterstützung durch Ari und Luftwaffe abgegeben.

    Die Aufgabe der Deckungstruppen war, die angreifenden Truppen mindestens 24 Stunden vor der Linie Concord (Rand der Verzögerungszone) zu verzögern. Hätten dabei die vorbereiteten Sperren dabei tatsächlich eine entscheidene Rolle gespielt?

    Viele Fragen, ich weiß. Aber wo findet man dazu systematische Informationen?
  • uraken
    Cold Warrior
    • 27.09.2008
    • 865

    #2
    Zum Thema Trichtersperren

    Das amerikanische Verfahren ist sehr gut in

    Dragons at War: 2-34 Infantry in the Mojave
    Daniel P. Bolger

    beschrieben. Der östliche Ansatz dürfte sehr ähnlich sein - außer halt mit anderer Ausrüstung.

    Das Buch beschreibt circa 2 Wochen Übungen im National Training Center Fort Irwin Californien aus der Sicht des Chefs eines Kompanie starken Teams (2 Züge Infanterie auf M113, 1 Zug M60) . Eines der Szenarien ist der Durchbruch durch mehre Sperren die wohl mit den Trichtersperren vergleichbar sind.
    Es werden Ereignisse in der 1. Hälfte 80er beschrieben.

    Ich habe das Buch im englischen Original gelesen. Ob es eine deutsche Übersetzung gibt, kann ich leider nicht sagen.

    Kommentar

    • Nemere
      Cold Warrior
      • 12.06.2008
      • 2880

      #3
      Hier einige Zahlenangaben zum Zeitbedarf für das Anlegen von Sperren bzw. zur Sperrwirkung:

      Sprengschachtanlage (Trichtersperre):
      drei Sprengtrichter, Durchmesser jeweils 9 - 11 m, Tiefe jeweils 3 - 5 m, Gesamtausdehnung der Sperre 30 - 40 m.
      Das Laden der Sperre dauert bei Einsatz einer Pioniergruppe (1/8) etwa 2 Stunden.

      Stecksperre:
      Zeitaufwand zum Räumen bei unverteidigter Sperre: etwa 4 Stunden für das Schaffen einer Fahrgasse
      Anlegen durch 2 Gruppen etwa in 2 Stunden (dieser Wert ist sehr hoch angesetzt, in selbsterlebter Praxis in knapp einer Stunde zu schaffen)

      Fallkörpersperre:
      Räumen kaum möglich, zum Überwinden sind mindestens 2 Panzerschnellbrücken erforderlich.
      Zündfertigmachen dieser Sperre: 2 Pioniere, 5 Minuten

      (Quelle: Unterlagen Taktik-Logistik-Lehrer-Lehrgang an der Offizierschule des Heeres, 1988, bearbeitet nach der HDv 700/112 - Sperreinsatz Pioniere und Kampftruppen).

      Ein Umgehen der vorbereiteten Sperren war bei den meisten geschickt angelegten Sperren nur weiträumig möglich. Zudem wurden die vorbereiteten Sperren noch durch geplante feldmässige Sperren aus Panzerabwehrverlegeminen, evtl. auch aus Panzerabwehrwurfminen ergänzt:

      Panzerabwehrverlegeminen:
      Panzerpionierkompanie (Brigade): 2700 Minen = etwa 9 km Sperrbreite
      Pionierbataillon (Division oder Korps): 8100 Minen = etwa 27 km Sperrbreite
      Verlegt wurden diese Minen durch die Minenverlegeanhänger. Verlegeleistung eines Anhängers: 800 Minen pro Stunde bei offener oder 400 Minen pro Stunde bei verdecktem Verlegen.

      Panzerabwehrwurfminen AT 2:
      Panzerpionierkompanie (Brigade): 12000 Minen = etwa 30 km Sperrbreite
      Pionierbataillon (nur Division, NICHT bei Korps): 18000 Minen = etwa 45 km Sperrbreite.
      Verlegezeit: 3000 m etwa 15 Min.

      Hinzu kamen noch die von den Raketenwerfern der Artillerie verschossenen Sperren. Eine Wurfminensperre Artillerie hatte eine Ausdehnung von etwa 300 x 1000 m.

      Kommentar

      • dochol
        Cold Warrior
        • 18.05.2009
        • 629

        #4
        Zitat von Nemere Beitrag anzeigen
        Hier einige Zahlenangaben zum Zeitbedarf für das Anlegen von Sperren bzw. zur Sperrwirkung:

        Sprengschachtanlage (Trichtersperre):
        drei Sprengtrichter, Durchmesser jeweils 9 - 11 m, Tiefe jeweils 3 - 5 m, Gesamtausdehnung der Sperre 30 - 40 m.
        Das Laden der Sperre dauert bei Einsatz einer Pioniergruppe (1/8) etwa 2 Stunden.

        Stecksperre:
        Zeitaufwand zum Räumen bei unverteidigter Sperre: etwa 4 Stunden für das Schaffen einer Fahrgasse
        Anlegen durch 2 Gruppen etwa in 2 Stunden (dieser Wert ist sehr hoch angesetzt, in selbsterlebter Praxis in knapp einer Stunde zu schaffen)

        Fallkörpersperre:
        Räumen kaum möglich, zum Überwinden sind mindestens 2 Panzerschnellbrücken erforderlich.
        Zündfertigmachen dieser Sperre: 2 Pioniere, 5 Minuten

        (Quelle: Unterlagen Taktik-Logistik-Lehrer-Lehrgang an der Offizierschule des Heeres, 1988, bearbeitet nach der HDv 700/112 - Sperreinsatz Pioniere und Kampftruppen).

        Ein Umgehen der vorbereiteten Sperren war bei den meisten geschickt angelegten Sperren nur weiträumig möglich. Zudem wurden die vorbereiteten Sperren noch durch geplante feldmässige Sperren aus Panzerabwehrverlegeminen, evtl. auch aus Panzerabwehrwurfminen ergänzt:

        Panzerabwehrverlegeminen:
        Panzerpionierkompanie (Brigade): 2700 Minen = etwa 9 km Sperrbreite
        Pionierbataillon (Division oder Korps): 8100 Minen = etwa 27 km Sperrbreite
        Verlegt wurden diese Minen durch die Minenverlegeanhänger. Verlegeleistung eines Anhängers: 800 Minen pro Stunde bei offener oder 400 Minen pro Stunde bei verdecktem Verlegen.

        Panzerabwehrwurfminen AT 2:
        Panzerpionierkompanie (Brigade): 12000 Minen = etwa 30 km Sperrbreite
        Pionierbataillon (nur Division, NICHT bei Korps): 18000 Minen = etwa 45 km Sperrbreite.
        Verlegezeit: 3000 m etwa 15 Min.

        Hinzu kamen noch die von den Raketenwerfern der Artillerie verschossenen Sperren. Eine Wurfminensperre Artillerie hatte eine Ausdehnung von etwa 300 x 1000 m.
        Hallo,
        abgesehen von den Fallkörpersperren finde ich, dass der Zeit- und Personalaufwand äußerst hoch ist. Wieviele Sperren wären einer Pioniergruppe zugeordnet gewesen? Wäre es überhaupt möglich gewesen, alle vorbereiteten Sperren in grenznähe innerhalb eines halben Tages auszulösen? Wer hätte die Sperren dann zusätzlich gesichert?
        Überrascht bin ich allerdings von der Leistungsfähigkeit der Minenverleger. Wie "sicher" ist so ein Minenfeld und wie lange dauert es, einen Fahrweg zu schaffen?
        Gruß

        Kommentar

        • uraken
          Cold Warrior
          • 27.09.2008
          • 865

          #5
          Sogenannte Line Charges siehe auch http://en.wikipedia.org/wiki/Mine-clearing_line_charge blassen sehr schnell eine Gasse in ein Minenfeld. Dies sind Sprengstoff Schläuche die mittels Raketen über das Feldgeschossen werden. In den Bilder der Golfkriege sah man die des öfteren im Einsatz. Der Trick ist natürlich das Trägerfahrzeug erst mal nah genug an des Minenfeld her anzubringen. Außerdem ist befahrbare Streifen relativ schmal. Selbst eine Gasse in eine Minenfeld kanalisiert eine Angriff von "breiter Front" auf "im Reihe / Gänzemarsch". Dies ermöglicht den Verteidigern eine wesentlich dichtere Feuerkonzentration.
          Nahezu alle Kampfpanzer könne Minenrollen vor sich herschieben die durch ihr Eigengewicht Mine vor dem Fahrzeug zur Explosion bringen. Solle Fahrzeuge sind natürlich Hauptziele für einen Verteidiger. Außerdem räumen sie auch nur eine sehr schmalen Streifen (etwas breiter als der schiebende Panzer). Schon ein ausgefallenes Fahrzeug würde eine so geräumte Gasse blockieren.
          Nicht umsonst wurden in vergangenen Konflikten Minen massiv eingesetzt. Sie sind billig, relativ schnell zu verlegen, effektiv und extrem schwer zu beseitigen. Bereits ohne Beschuss ist dies ein riskanter Job.

          Kommentar

          • Nemere
            Cold Warrior
            • 12.06.2008
            • 2880

            #6
            Wäre es überhaupt möglich gewesen, alle vorbereiteten Sperren in grenznähe innerhalb eines halben Tages auszulösen?
            Wieso innerhalb eines halben Tages?

            Wer hätte die Sperren dann zusätzlich gesichert?
            Die Kampftruppe, in der derem Gefechtsstreifen diese Sperre lag

            Wie "sicher" ist so ein Minenfeld und wie lange dauert es, einen Fahrweg zu schaffen?
            Was verstehst Du unter einem "sicheren" Minenfeld? Es lag hier alle 0,3 m bzw. 0,4 m eine Mine.

            Bei Minensperren werden keine Fahrwege, sondern Minengassen für Fahrzeuge geschaffen. Wie lange das dauert, hängt von der Verteidigung einer Sperre ab, hier können keine pauschalisierten Angaben gemacht werden.

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