Computer im Kalten Krieg

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  • bombastic
    Rekrut
    • 30.06.2007
    • 40

    #1

    Computer im Kalten Krieg

    Ich packe das mal hier rein.
    Es ist ein Link, der evtl. für den ein oder anderen von Interesse sein könnte.
    Es geht um den Einsatz von Computern in der frühen Vernetzung im Rahmen der Luftverteidigung.
    Und, wie dadurch die Computerentwicklung gefördert wurde.

    Enjoy!


  • palatinat
    Systemadministrator
    • 02.01.2008
    • 881

    #2
    Hallo zusammen,

    hier (http://www.dtic.mil/get-tr-doc/pdf?AD=ADA132888) fand ich die Studie aus dem Jahr 1983 mit dem Titel
    "Computers on the Battlefield: Can They Survive?"

    Gruß aus der Pfalz

    Kommentar

    • palatinat
      Systemadministrator
      • 02.01.2008
      • 881

      #3
      Hallo zusammen,

      hier noch eine Studie aus dem Jahr 1984 mit dem Titel "Computers for Command and Control: An Airland Battle Requirement!":
      http://www.dtic.mil/get-tr-doc/pdf?AD=ADA152742

      Gruß aus der Pfalz

      Kommentar

      • EmilBerggreen
        Cold Warrior
        • 19.07.2015
        • 514

        #4
        Hallo zusammen,


        ich würde gerne dieses Thema wiederaufleben lassen, da es meines Wissens leider sehr wenige Informationen über die Geschichte der Computerisierung der Streitkräfte gibt.
        Vermutlich fing es bei der US Air Force, Luftwaffe, North American Aerospace Defense Command, SDI - Strategic Defense Initiative an - aber wie sah es beim Heer aus?
        Wir lesen, dass BOLD GUARD '86 - LANDJUT-Korpsmanöverserie - das erste computergestützte Manöver in der Geschichte der Bundeswehr war. Aber damit erschöpft es sich leider auch schon.


        Computer fanden wohl bei Artillerie und Panzertruppe in der Feuerleitung ihre Anwendung.
        Aber was war es genau bei BOLD GUARD? Gefechtssimulation? Könnt Ihr Näheres dazu beitragen?


        Viele Grüße,

        Kommentar

        • Malefiz
          Cold Warrior
          • 22.12.2010
          • 374

          #5
          Die Nachschubtruppe hatte Computer in den Nachschubkompanien Mat (3. Nachschubkompanien der Divisionsnachschubbataillione). Da gab es im Mat- Nachweiszug Rechner von NCR mit Lochkartenstanzen in der Größe eines großen Schreibtisches (auf der Dülmener Bw-Seite gab es mal ein Bild). Hier wurden die Anforderungszettel 1348-2 auf Lochkarten übertragen und mittels DFü an das Materialkontrollzentrum des Korps übermittelt. Bei Übungen wurde der Rechner auf den Küchen 5t LKW verladen. Kam meistens kaputt zurück. Zu meiner Zeit 79-81, fanden solche Übungen nicht mehr statt. Diese Rechner sollen die Amerikaner schon in Vietnam verwendet haben.

          Wir hatten aber schon mal darüber geschrieben.
          Zuletzt geändert von Malefiz; 23.10.2022, 12:03.

          Kommentar

          • EmilBerggreen
            Cold Warrior
            • 19.07.2015
            • 514

            #6
            Danke für die Info. Vielleicht habe ich aber auch nur unter dem falschen Stichwort gesucht.

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            • Nemere
              Cold Warrior
              • 12.06.2008
              • 2835

              #7
              Ob es bei BOLD GUARD eine EDV-gestützte Gefechtssimulation gab, weiß ich nicht.
              Aber elektronische Rechenanlagen gab es seit Anfang der Bundeswehr. So seit 1956 das „maschinelle Berichtswesen“, hier wurde sehr früh die Materialverwaltung, zunehmend Nachschub und Logistik und andere Bereiche bearbeitet, wo viele Daten zu bewegen waren. Die StAN, die Dienststellenverzeichnisse und ähnliches wurden schon in den frühen 1960er Jahren als Computer-Ausdrucke erstellt. Natürlich waren das damals noch zimmergroße Mainframe-Rechner, teilweise noch mit Lochkarten als Eingabemedium.

              So ab 1970 wurde dann HEROS entwickelt und immer weiter ausgebaut. HEROS ist das Heeresführungsinformationssystem für die rechnergestützte Operationsführung in Stäben.
              Eines der ersten über HEROS abgewickelten Projekte war die Aufmarschplanung und dann auch die Marschbearbeitung der Verkehrskommandanturen im Frieden. Wir hatten beim FJgBtl 760 in München im Keller des Stabsgebäudes zwei große Panzerschränke randvoll mit HEROS-Ausdrucken für die komplette Aufmarschplanung in Süddeutschland mit Marschkrediten, Straßenbelegungsplänen usw. Das waren Tausende von GEHEIM oder STRENG GEHEIM eingestufter Endlosblätter, die spätestens alle zwei Jahre ausgetauscht wurden. Berechnet und geplant wurde also digital, beim Nutzer landete das Ganze noch analog. HEROS-Endstellen gab es nur bis zur Ebene Division / WBK, ab etwa 1990 auch bei den Kampftruppenbrigaden sowie bei den Verkehrskommandanturen.
              Auch die Marschkredite bei Großübungen wie BOLD GUARD wurden über HEROS gerechnet, gleiches galt auch für die Eisenbahntransporte. Hier gab es auch eine Schnittstelle zu entsprechenden Systemen bei der Bundesbahn.

              In den späten 1980er Jahren fing auch die Materialanfordung an, digital zu werden. Die bisher in dem berühmten Vordruck 1348-2 eingegebenen Daten wurden jetzt auf einer Diskette gespeichert, diese per Post oder Kurier zur versorgenden Einheit übermittelt, dort in deren EDV-System eingespeist und weiter verarbeitet. Auch hier also ständige Brüche zwischen Digital und Analog.

              Die Luftwaffe hatte ein Führungssystem namens EIFEL, über das die Luftraumüberwachung und die Flugabwehr lief.

              Bei der Artillerie gab es seit etwa 1970 den als Analogrechner gebauten Artillerierechner BUM in drei unterschiedlichen Typen für die M 109, die FH 105 mm und die Gebirgshaubitze 105 mm, nicht für andere Geschütze. Damit konnten Teile der Feuerkommandos erstellt werden.

              Der erste wirklich frei programmierbare Artillerierechner war FALKE, ab etwa 1974. Hier gab es Programme für alle Geschütze und auch für LARS.

              Diese ersten Artillerierechner hatten bei für heutige Begriffe riesengroßen Abmessungen geradezu lächerliche Rechenleistungen, z.B. der FALKE von 16 KB. Transportiert wurde FALKE in einem 1,5 t mit Kofferaufbau oder einem M 113. Allein der eigentliche Rechner wog 70 kg, der BUM auch fast 50 kg.
              Auch in den 1980er Jahren wurden dann bei der Artillerie programmierbare Taschenrechner verwendet, z.B. Texas Instruments, bei denen das jeweilige Programm auf einen Streifen seitlich in den Rechner geschoben wurde.

              Wirklich leistungsfähige Systeme für die Feuerleitung der Artillerie kamen dann in den 1980er Jahren auf.

              Bei der Panzertruppe hatte der Leopard 2 elektronische Möglichkeiten zur Berücksichtung außenballistischer Einflüsse.

              Schon beim M 48 sprachen die amerikanischen Vorschriften von einem „Computer“. Nach deutschem Verständnis war das aber nichts anderes als ein mechanischer Rechenschieber, mit dem der Höhenaufsatzwinkel in Abhängigkeit von der Entfernung und der Munitionsart bestimmt werden konnte.

              Personal Computer auf Bataillonsebene wurden neben den erwähnten Geräten für den Nachschub zunächst in den S 1-Abteilungen für die Personalbearbeitung etwa ab 1991/92 eingeführt. Hier lief PERFIS, das Personal-Erfassungs-System. Unsinnigerweise verwendete man als Betriebssystem OS, was dann nach wenigen Jahren wieder eine Umrüstung erforderte. Die eingetippten Daten wurden zunächst ähnlich wie beim Nachschub auf Disketten gespeichert, per Post zu den zuständigen Erfassungsstellen versandt und erst dort in das Personalsystem eingegeben. Vernetzung Fehlanzeige.

              1994/95 erhielten Bataillonsstäbe und selbständige Kompanie die ersten wirklichen PC unter Windows und mit dem Office-Paket. Internet und Vernetzung gab es noch lange nicht.
              Wir hatten uns ins Leipzig, wo ich damals S 3-StOffz beim FJgBtl 701 war, schon einige Monate vorher EDV-mäßig selbständig gemacht. Hier standen aus NVA-Zeiten noch einige Robotron-PC herum, die mit einer Art MS-DOS-Derivat als Betriebssystem liefen, ausgestattet mit einer Festplatte von 20 MB und zwei 5 ¼ Zoll Laufwerken und einem 9-Nadel-Drucker. Gemeinsam mit meinem S 6-Offizier brachte ich auf diesen Kisten eine alte Version von MS-Works, die ich noch auf 5 ¼ Zoll Disketten herumliegen hatte, zum Laufen. Damit konnte man zumindest den wichtigsten Schriftverkehr erledigen, immer wiederkehrende Befehle speichern oder einfache Tabellenkalkulationen für Marschberechnungen einsetzen.

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              • EmilBerggreen
                Cold Warrior
                • 19.07.2015
                • 514

                #8
                Genau das habe ich gesucht! Vielen herzlichen Dank!!

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                • Guenther (†)
                  Cold Warrior
                  • 04.09.2006
                  • 1024

                  #9
                  Könnte man die EDV Infos nicht unter einer neuen Gruppe laufen lassen und nicht unter "Helme in der Ukraine". Wegen der Übersicht ??
                  Suche Gliederungen der Heeresstrukturen 2 + 3.
                  Außerdem suche ich die letzten Trichtersperren und Sperrmittelhäuser in Franken.

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                  • DeltaEcho80
                    Cold Warrior
                    • 09.03.2013
                    • 1711

                    #10
                    Zitat von Guenther Beitrag anzeigen
                    Könnte man die EDV Infos nicht unter einer neuen Gruppe laufen lassen und nicht unter "Helme in der Ukraine". Wegen der Übersicht ??
                    Hallo Günther,

                    das läuft hier doch unter einem eigenen Thema "Computer im Kalten Krieg?"

                    Kommentar

                    • EmilBerggreen
                      Cold Warrior
                      • 19.07.2015
                      • 514

                      #11
                      Guten Morgen,


                      das wichtigste Stichwort war:
                      HEROS - Heeresführungsinformationssystem für die rechnergestützte Operationsführung in Stäben.
                      Im Bundesarchiv gibt es den entsprechenden Link, den ich allerdings nicht öffnen konnte. Was macht und was kann HEROS außer der Aufmarschplanung? Es dient der Führung, ist also keine Gefechtssimulation.
                      Würde mich freuen, wenn jemand von Euch da nähere Infos habt.


                      Grüße

                      Kommentar

                      • Nemere
                        Cold Warrior
                        • 12.06.2008
                        • 2835

                        #12
                        Siehe z.B. hier

                        Das waren allerdings die Planungen 1984, die in dieser Form so nicht völlig verwirklicht wurden. Die Bataillone waren auch 1996 noch nicht an HEROS angebunden.

                        Stelle doch mal den erwähnten Link aus dem Bundesarchiv ein. Ich habe ein INVENIO-Registrierung, evtl. komme ich weiter.

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                        • EmilBerggreen
                          Cold Warrior
                          • 19.07.2015
                          • 514

                          #13
                          Guten Morgen Jörg,

                          sehr gerne, mit dem größten Vergnügen: https://www.archivportal-d.de/item/G...C4JZA34AWUKOET

                          Der Film ist wirklich genial, da er einen Teil der Stabsarbeit auf den Ebenen Korps - Division - Brigade zeigt.
                          Anscheinend sind es Siemens Nixdorf-Rechner, die damals in der Anwendung waren.
                          By the way: was ist das für ein kleines Bildausgabegerät, welches die orangen Stoßrichtungen des Feindes auf der virtuellen Lagekarte zeigt?

                          Grüße

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                          • Nemere
                            Cold Warrior
                            • 12.06.2008
                            • 2835

                            #14
                            Zu dem Bildausgabegerät kann ich nichts sagen.

                            Link zum BA-MA:
                            Wenn man unten auf den grün angezeigten weiteren Link zur Deutschen Digitalen Bibliothek geht, bekommt man eine kurze Beschreibung sämtlicher unter diesem Stichwort gelisteten Bände zu HEROS angezeigt (unten auf der Seite - Archivtektonik). Das beginnt mit Band 1 mit Laufzeit 1965 - 1969, also die ersten Planungen und Anfänge zu HEROS und endet bei Band 32 mit Laufzeit 1989 zum fortgeschriebenen Konzept HEROS-3.
                            Digitalisiert ist davon bisher offensichtlich nichts.
                            D.h. Du kannst Dich in Freiburg durch mindestens 32 dicke Aktenordner wühlen, wobei mit Sicherheit viele "Bände" aus mehreren Aktenordnern bestehen.


                            Es gab vor vielen Jahren in der inzwischen auch eingestellten Zeitschrift „Truppenpraxis“ eine Reihe von Aufsätzen zu HEROS:

                            Johannes Hoffmann: HEROS, IN: Truppenpraxis 4/80, S. 293 ff.
                            Hans-Gert Bieler: Führungsfähigkeit im Heer der neunziger Jahre, IN: Truppenpraxis 3/87 S. 282 ff.
                            Louis-Ferdinand Hartung: Führen mit Technik genauer, schneller, besser ?, IN: Truppenpraxis 4/87 S. 348 ff.
                            Hans-Gert Bieler: Schneller, flexibler, effektiver, IN: Truppenpraxis 4/89 S. 457 ff.
                            Hans-Gert Bieler: Abmarsch ins nächste Jahrtausend, IN: Truppenpraxis 1/93 S. 22 ff.

                            Die TRUPPENPRAXIS ist in folgenden Büchereien vorhanden:

                            Kommentar

                            • EmilBerggreen
                              Cold Warrior
                              • 19.07.2015
                              • 514

                              #15
                              Vielen Dank!

                              In der Bibliothek der BW-Uni Hamburg gibt es die Truppenpraxis auch die alten Jahrgänge.
                              Dort findet sich übrigens einiges an Kostbarkeiten.

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