Mehr Geld für die Bundeswehr

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  • Nemere
    Cold Warrior
    • 12.06.2008
    • 2855

    #1

    Mehr Geld für die Bundeswehr

    Die Bundeswehr soll 100 Milliarden Euro als Sondervermögen erhalten. Außerdem soll laut Kanzler Scholz künftig das Zwei-Prozent-Ziel der NATO erfüllt werden. Verteidigungsministerin Lambrecht pocht zudem auf Bürokratieabbau.


    So erfreulich diese Aussage ist, wird man doch nicht im Handumdrehen die ganzen überhastet zerschlagenen Strukturen wieder aufbauen können, die zu einer stärker einsetzbaren Armee gehören, nur einige wenige Punkte dazu:
    - Die Wehrpflicht wurde ausgesetzt, es gibt kaum personelle Reserven, wahrscheinlich gibt es nicht mal mehr eine funktionerende Erfassung.
    - Der ganze Unterbau des Territorialheeres wurde aufgelöst, die Streitkräftebasis ersetzt das nicht. Sicherungs- und Sanitätstruppen fehlen nahezu völlig, eine leistungsfähige Anschlußversorgung für eine "konventionelle Kriegführung" erkenne ich auch nirgends. Die Logistiktruppen sind vor allem auf "out of area" getrimmt, aber nicht für die Versorgung in Mitteleuropa.
    - Alarmpläme sind allenfalls rudimentär vorhanden, von einer funktionierenden Verkehrsführung ganz zu schweigen. Wenn in den letzten Jahren mal zwei Bataillone gleichzeit ausrückten, galt das schon als Großmanöver.
    - Zusammenarbeit mit der Bundesbahn: Fehlanzeige, Bahntransporte sind nicht vorgeplant.
    - Vorräte an Versorgungsgütern: nicht ausreichend, auf wenige Depots konzentriert.
    - Die Problematik, das der Leopard 2 auch so langsam an seine Nutzungsgrenze kommen dürfte. Grundkonstruktion abgeschlossen 1977, eingeführt ab 1979, letztes Baulos nach meinem Kenntnisstand 1989. Auch wenn vielleicht noch die eine oder andere Verbesserung vorgenommen wurde. sind auch die jüngsten Fahrzeuge deutlich über 30 Jahre alt.
    - Manche Truppengattungen verschwanden, ohne das deren Aufgaben bisher adäquat ersetzt wurden - Bsp. Heeresflugabwehr.
    - Andere Truppengattungen wurden zu Tote geschrumpft, wie die Artillerietruppe. Von über 80 Bataillonen sind gerademal 4 übriggeblieben (ein Zwanzigstel).

    Grüße
    Jörg
  • uraken
    Cold Warrior
    • 27.09.2008
    • 865

    #2
    Zerstören ist einfach, reparieren oder wieder aufbauen nicht.
    Vor allen braucht das Zeit und einen langen Atmen.
    Aus dem Krieg in der Ukraine wird man noch viel lernen können, aber eines ist schon (für mich) jetzt klar, die Verteidigung steht und fällt damit, das die Bevölkerung hinter den Militär steht. Diese wurde bei uns nun so vier Jahrzehnte lang konsequent hintertrieben.

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    • tannenzapfen
      Cold Warrior
      • 25.01.2022
      • 446

      #3
      Ich denke, bevor man überhaupt an Aufwuchs denkt, wird/sollte man erst einmal die vorhandene Truppe vollausrüsten- knapp die Hälfte der Panzergrenadierbataillone hat immer noch Marder statt Puma, es fehlt immer noch am Nachfolger für den CH-53, es fehlt an Winterjacken, selbst für Soldaten, die nach Litauen geschickt werden usw.

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      • Malefiz
        Cold Warrior
        • 22.12.2010
        • 376

        #4
        Ich stimme Nemere völlig zu.
        Ausserdem fehlt wohl auch die Fähigkeit zur Luftverteidigung. Auf Wiegolds Augengeradeaus träumt schon jemand von einem kleinen Flugzeugträger. Ob wir sowas brauchen?

        Kommentar

        • tannenzapfen
          Cold Warrior
          • 25.01.2022
          • 446

          #5
          Zitat von Malefiz Beitrag anzeigen
          IAuf Wiegolds Augengeradeaus träumt schon jemand von einem kleinen Flugzeugträger.
          Ob wir sowas brauchen?
          "Ich kaufe ein "E" und möchte lösen" :-D

          Andererseits: Auf dem Bodensee stationiert wäre das eine interessante Touristenattraktion

          Kommentar

          • Malefiz
            Cold Warrior
            • 22.12.2010
            • 376

            #6
            Und der Rest der Marine zum Sichern locker darum herumgruppiert....

            Kommentar

            • uraken
              Cold Warrior
              • 27.09.2008
              • 865

              #7
              Der Flugzeugträger ist sicher eines der letzten Dinge, die man bräuchte. Ich gebe euch vollkommen Recht das erstmals das was vorhanden ist gefixt werden muß. Und das Geld muß effektiv angelegt werden. Frankreich kriget z.B. aus seinen deutlich geringeren Verteidigungsetat deutlich mehr raus.
              2020 gaben beide Länder fast das Gleiche aus: Deutschland 52,8 und Frankreich 52,7 Milliarden.(Quelle)
              Wer mehr Bang pro Euro kriegt sollte klar sein.

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              • Duebbekold
                Cold Warrior
                • 28.01.2018
                • 595

                #8
                Moin,

                alles vorhandene Material ist zum Laufen zu bringen, es werden Ersatzteile, Munition, Bekleidung und Betriebsstoffe als Mehrjahresbedarf
                gekauft und mit der Industrie, ggf. auch im Ausland, werden langfristige Lieferverträge abgeschlossen.
                Brauchbares Gerät in Depots ist zu reaktivieren. Bei der Industrie stehen Gepard Flakpanzer, modernisieren und nutzen.
                Was sich an Material in anderen Ländern bewährt hat, wird dazugekauft. Das Rad wird nicht jedes Mal neu erfunden.
                Die Beschaffung wird durch den Wegfall von Ebenen ertüchtigt und verschlankt.
                Die Wehrpflicht wurde ausgesetzt, sie wird kurzfristig wiedereingeführt und Mannschaftsdienstgrade und Unteroffiziere werden besser als Facharbeiter bezahlt.
                Alle Kasernen werden ab sofort ständig modernisiert und aufgegebene Standorte, wo möglich und sinnvoll, wiedereröffnet.
                Danach kann man über Vergrößerung der Truppe reden, einen Wehrersatzdienst halte ich für sinnvoll.
                Das alles kann dauern, der langfristige politische Wille ist entscheidend.

                Grüße

                Duebbekold

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                • tannenzapfen
                  Cold Warrior
                  • 25.01.2022
                  • 446

                  #9
                  Zitat von Duebbekold Beitrag anzeigen
                  Moin,
                  Bei der Industrie stehen Gepard Flakpanzer, modernisieren und nutzen.
                  Naja, da stehen noch 50, also kaum genug für zwei "alte" Flugabwehrregimenter, und für die Gepard-Wannen gilt, was Jörg oben für die Leoparden gesagt hat, noch verstärkt, die sind ja noch älter. Wenn man da schon das Geld in die Hand nimmt, kann man auch neu beschaffen, zumal es von der deutschen Industrie da Lösungen gibt, die man direkt kaufen kann, ohne viel Trara und Goldrand. Rheinmetall Skyranger z.B., ein Turm mit wahlweise 30- oder 35mm-Flugabwehrgeschütz, zwei Stinger (oder ähnliche Flugkörper) und einem einrüstbaren Laser, oder IRIS-T-SLS von Diehl. Mit Boxer und Puma gäbe es auch ganz potente fahrbare Untersätze dafür, sowohl Rad als auch Kette. Das kostet auch, aber dafür hat man dann ein neues System mit entsprechender Lebensdauer.

                  Die Wehrpflicht halte ich kurz- und mittelfristig auch für kontraproduktiv, denn zum einen fehlt ja wie gesagt derzeit bereits Material für die bestehenden Einheiten, zum anderen müssten die dann benötigten Ausbilder ja erst einmal aus der Truppe kommen, also noch mehr freie Dienstposten. Das ist eher etwas für später, wenn es wirklich um quantitativen Aufwuchs geht. Auch dann wäre zu überlegen, ob es nicht andere Anreize gibt (bereits angesprochen die Bezahlung z.B.). Frankreich, GB und viele andere machen es ja auch ohne Wehrpflicht.

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                  • Kaepten Kaos
                    Cold Warrior
                    • 29.04.2009
                    • 109

                    #10
                    Zitat von Duebbekold Beitrag anzeigen
                    Was sich an Material in anderen Ländern bewährt hat, wird dazugekauft. Das Rad wird nicht jedes Mal neu erfunden.
                    Die Beschaffung wird durch den Wegfall von Ebenen ertüchtigt und verschlankt.
                    Dem kann man nur zu 100% zustimmen...
                    BEVOR (!!!) wir auch nur einen Euro mehr für Rüstung ausgeben, sollten wir uns genau überlegen wofür ! Auf jeden Fall müssen grundlegende Strukturreformen durchgeführt werden!

                    Militärausgaben:
                    Russland: 61,7 Milliarden USD
                    Deutschland: 52,8 Milliarden USD
                    Quelle:

                    Verschiedenen Stellen, schätzen (vermutlich zurecht) dass, die russischen Militärausgaben doppelt so hoch sind als angegebenen....

                    Trotz alledem:
                    Deutschland hat die sechstgrößten Militärausgaben weltweit!
                    Quelle:


                    Der Zustand der Bundeswehr lässt sich also nicht ausschließlich auf fehlendes Geld zurückführen!
                    Hier dürften viele Faktoren eine Rolle spielen:
                    Umständliche Beschaffungswege, veraltete Strukturen etc.
                    Möglicherweise auch, dass die Industrie von einem deutschen staatlichen Auftraggeber gerne mal doppelt so viel verlangt, als von einem privatem oder ausländischem Auftraggeber....
                    Von irgendwelchen "Mauscheleien" will ich gar nicht erst anfangen...

                    Wenn wir diese Probleme nicht in den Griff bekommen, werden diese 100 Millionen vermutlich irgendwo versickern....

                    Kommentar

                    • Malefiz
                      Cold Warrior
                      • 22.12.2010
                      • 376

                      #11
                      Sehe ich auch so.
                      Wir geben ja ähnlich viel aus wie GB (die geben 59 Milliarden aus) und Frankreich, ohne uns Flugzeugträger und Atomwaffen zu leisten, irgendwie kommen die auf mehr Köpfe im Heer.
                      Vielleicht weniger Stäbe und Häuptlinge. Wir haben etwa genauso viele Generäle wie vor 89.
                      Vielleicht sollte man attraktive Programme für länger dienende Zeitsoldaten schaffen mit Weiterbildunsprogrammen, wie Stipendien für Meister/ Techniker Ausbildungen Führerscheine. Oder die Kopplung von Hochschulstipendien und ROA Kursen. Oder so etwas ausbauen.

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                      • uraken
                        Cold Warrior
                        • 27.09.2008
                        • 865

                        #12
                        Ihr hab vollkommen recht, nur Geld nach dem Motto "weiter so" rein zu pumpen wird nichts bringen.

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                        • Nemere
                          Cold Warrior
                          • 12.06.2008
                          • 2855

                          #13
                          Nachstehend eine schonungslose Analyse des Zustandes des Heeres - vom Inspekteur des Heeres! Ist auch auch aufschlußreich hinsichtlich des Verhältnisses der Verteidigungsministerin zu ihren wichtigsten Führungskräften:
                          Der Chef des Heeres tritt dem Selbstlob der Verteidigungsministerin entgegen: Die Bundeswehr stehe angesichts der russischen Aggression mehr oder weniger blank da. Lambrecht schweigt dazu.


                          Ein paar Schlagworte daraus:
                          - Alle Pläne zur Verbesserung der Einsatzbereitschaft bislang von mäßigem Erfolg. Seit Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) nach der Krim-Annexion eine „Trendwende“ in allen Bereichen der Bundeswehr – Finanzen, Ausrüstung, Personal – angekündigt hatte, ist es nicht gelungen, auch nur eine einzige Brigade, einen Verband von 5000 Soldaten, voll auszurüsten.

                          - Die Aufstellung einer kriegstauglichen Division, Ziel für 2027, liegt in weiter Ferne.

                          - Unterdessen muss sie der Panzergrenadierbrigade 37 eilends aus Bundeswehrbeständen zuschustern, was dem Verband fehlt. Denn die NATO hat die Brigade „Freistaat Sachsen“ als Teil ihrer schnellen Einsatzkräfte in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Jetzt müssen die Grenadiere und ihre Schützenpanzer innerhalb einer Woche marschbereit sein und zuvor ihre Materialausleihe bei anderen Einheiten forcieren.

                          - Die unbedingt nötige zugehörige Flugabwehr, auch zur Abwehr von Drohnen, wird man sich in anderen Ländern borgen müssen, vermutlich von der Tschechischen Republik. Eine eigene, seit Jahren laufende Beschaffung ist nicht gelungen.

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                          • Floger
                            Warrior
                            • 21.08.2021
                            • 73

                            #14
                            Hier sind auch schon die ersten Vorschläge, um die 100 Mrd sinnvoll auszugeben:



                            24 Monate bis zum ersten Panzer ist ja recht wenig im Vergleich zu den vielen Jahren, die man verschlafen hat, aber recht viel für die aktuelle Lage...

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                            • Hoover
                              Cold Warrior
                              • 19.12.2013
                              • 601

                              #15
                              Nachstehend eine schonungslose Analyse des Zustandes des Heeres - vom Inspekteur des Heeres!

                              Ich fand die Reden speziell vom Scholz und Habeck sehr gut und aufrüttelnd! Ja, die Bw bracht mehr Geld, aber, wie hier schon des Öfteren geschrieben wurde, muss vorher das ganze Beschaffungssystem auf den Prüfstand. Die jetzge Minsterin hat einen heruntergewirtschafteten Saftladen übernommen, das darf man nicht vergessen. Daher halte ich die Angriffe der Union auch für völlig frech und unverschämt. VdL hat ja damit angefangen, als erste "Hier!" zu schreien, wenn im Kabinett gespart werden musste.

                              Da ist die Lageeinschätzng vom InspH sicher richtig, aber für mich ist die militörische Führung da ein Teil des Problems. jahrelang haben die intern gemosert, keiner hatte aber den Mut, klar und deutlich zu sagen, dass das so nicht laufen kann. Wie sagte mir mein Regimentskomamnduer schon Ende der 1990er: Ab Oberst ist man Politiker, da zählt die Treue zum Minister mehr als die Treue zur Budneswehr, weil sonst die Karriere zu Ende ist. Die militärische Fühurng hätte schon vor Jahren laut und deutlich sagen sollen Schluss! Jetzt ist es so, dass Material aus der ganzen Tepublik zusammengeliehen wird, um das kleine Kontigent in Litauen am Laufen zu halten.
                              "Damals, als ich in meinem Alter war..."

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