Wie sich die Zeiten geändert haben…

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  • Nemere
    Cold Warrior
    • 12.06.2008
    • 3289

    #1

    Wie sich die Zeiten geändert haben…

    Aus „Wehrausbildung in Wort und Bild, Mai 1965, Seite 151 ff."

    "Regeln für Unteroffiziere - Ratschläge eines Stabsfeldwebels"

    Uniform
    Für das Tragen der Uniform gilt die Anzugsordnung. Betrachten Sie die Uniform nicht als Arbeitskleidung; sie ist der sichtbare Ausdruck der Zusammengehörigkeit aller Angehörigen der Bundeswehr. Tragen Sie die Uniform daher bei allen Anlässen, denen Sie als Angehöriger der Bundeswehr beiwohnen.
    Wenn Sie die Uniform vermehrt in der Öffentlichkeit tragen, geben Sie den jungen Soldaten Vorbild und Beispiel. Sie helfen dadurch mit, die Bundeswehr und ihr Ansehen in der Öffent-lichkeit fester zu verankern.

    Verhalten Sie sich in der Öffentlichkeit so, wie Sie es als einfacher Soldat gelernt haben und wie Sie es als Unteroffizier nunmehr selbst lehren.

    Beachten Sie ganz besonders: Ihre Uniform soll stets sauber und gut gebügelt sein. Dazu gehören frische Wäsche und geputzte Schuhe, nur graue, dunkelblaue und schwarze, niemals bunte Socken und eine Mütze ohne Kniff.
    Handschuhe - nur graue - werden angezogen und nicht in der Hand getragen.
    Bunte Schals gehören nicht zur Uniform.
    Tragen Sie den Rock und den Mantel stets geschlossen; schlagen Sie den Mantelkragen nicht hoch.
    Suchen Sie in Uniform keine verbotenen Straßen und Lokale auf. Meiden Sie diese auch in Zivil. Rauchen Sie nicht auf offener Straße.
    Zu jedem Anzug, und erst recht zur Uniform, gehören guter Haarschnitt, saubere Rasur, saubere Hände und gepflegte Fingernägel, aber keine stark duftenden Wasser und Öle.

    Der Dienstanzug ist nur dem Dienst vorbehalten. Kampfstiefel und Sommeranzug ohne Binder sollten beim Verlassen militärischer Anlagen nur in Ausnahmefällen getragen werden.

    Betreten Sie auch die Kantine nicht im Kampfanzug oder gar Trainingsanzug für einen längeren Aufenthalt.

    Der Ausgehanzug ist in der Öffentlichkeit und außer Dienst auch im Unteroffiziers-Heim die Regel.

    Von der gemäß Anzugordnung gestatteten "Marscherleichterung" im Sommer sollten Sie nach Möglichkeit wenig Gebrauch machen.
    In der breiten Öffentlichkeit, besonders in unseren Stadtgebieten, beim Besuch von Veran-staltungen u. dgl. tragen Sie immer einen vollständigen Anzug (also mit Rock). Sie erhöhen damit Ihr eigenes, aber auch das Ansehen der Bundeswehr. Tragen Sie den Regenmantel nur in Ausnahmefällen über den Arm.
    Es bleibt Ihnen überlassen, ob Sie die Ordensspange tragen.


    Zivil
    Es steht Ihnen frei, außer Dienst Zivil zu tragen. Sie sind aber auch in Zivil Unteroffizier und müssen sich so kleiden, wie es das Ansehen der Bundeswehr in der Öffentlichkeit erfordert. Kleiden Sie sich solide; Sie brauchen nicht Wegbereiter der Mode zu sein. Jede Extravaganz wirkt lächerlich und paßt nicht zu einem Unteroffizier. Ihre Einkünfte erlauben Ihnen auch keine Modetorheiten.

    Ihr Anzug muß korrekt sein, d.h. der Tages- und Jahreszeit sowie dem Anlaß entsprechend. In einer guten Gesellschaft und somit auch im Unteroffiziers-Heim, ist es unpassend
    - in Hemdsärmeln herumzulaufen oder diese gar aufzukrempeln
    - in Shorts zu erscheinen
    - ohne Krawatte zu kommen
    - Im Rollkragenpullover oder Anorak zu erscheinen oder zum Essen zu gehen.

    Für Ihre weibliche Begleitung oder Gäste gilt sinngemäß das gleiche. Keinesfalls sind Blue-Jeans, Shorts und lange Hosen für Damen im Unteroffiziers-Heim angebracht.

    Wenn Sie ein in öffentliches Lokal gehen oder an einer öffentlichen Veranstaltung teilnehmen, dann passen Sie sich mit Ihrer Kleidung der Allgemeinheit an.
    Merken Sie sich: Sie müssen jederzeit gut gekleidet sein."
  • PI80
    Cold Warrior
    • 07.12.2016
    • 112

    #2
    Schöner Text, passt irgendwie zum 100 Geburtstag von Loriot
    Solche Regeln hat man mir Ende der 70ziger-Jahre schon nicht mehr vemittelt.

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    • allrad
      Cold Warrior
      • 09.02.2014
      • 157

      #3
      Ich höre einen Aufschrei und das Klimpern von herunterfallenden Monokeln. Seit wann begleiten Damen Unteroffiziere?

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      • Nemere
        Cold Warrior
        • 12.06.2008
        • 3289

        #4
        Zitat von allrad Beitrag anzeigen
        Seit wann begleiten Damen Unteroffiziere?
        Du meinst, die korrekte Bezeichnung wäre
        - die Damen der Offiziere
        - die Frauen der Unteroffiziere
        - die Weiber der Mannschaften?

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        • allrad
          Cold Warrior
          • 09.02.2014
          • 157

          #5
          So sagte man wohl...��. Wobei die Stabsfeldwebel alter Art da ggf. noch eine Sonderrolle einnahmen. Gut 25 Jahre später wurde nach meiner Erinnerung der Begriff Damen für die Partnerinnen immer dann verwendet wenn diejenigen der Offiziere eingeschlossen waren. Wobei das von Verband zu Verband wohl recht unterschiedlich gehandhabt wurde.

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          • Nemere
            Cold Warrior
            • 12.06.2008
            • 3289

            #6
            Zitat von allrad Beitrag anzeigen
            Wobei die Stabsfeldwebel alter Art da ggf. noch eine Sonderrolle einnahmen.
            Das war mit Sicherheit so. Um Stabsfeldwebel zu werden, musste damals eine eigene Prüfung abgelegt werden. Voraussetzung für diese Prüfung war wiederum, dass der betreffende Soldat die "Bildungsprüfung III" nachweisen konnte, was ungefähr dem Abschluß der Fachoberschule entsprach.
            Es war auch nicht so, das ein Großteil der Hauptfeldwebel-Dienstposten gleichzeitig auch für Stabsfeldwebel vorgesehen war, also in der StAN als HFw/StFw ausgewiesen war. Stabsfeldwebel besetzten bis 1970 z.B. oft die Dienstposten als Leiter Fahrschule oder waren als S 1-Offiziere eingesetzt. Bei den Feldjägern waren sie Stellvertretende Zugführer, wobei man hier berücksichtigen muss, dass damals der Zugführer bei den Feldjägern immer ein Offizier war.

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            • DeltaEcho80
              Cold Warrior
              • 09.03.2013
              • 1765

              #7
              Sehr interessantes Zeitzeugnis.

              Und heute tragen wir nicht mal mehr Krawatte in der Bank :-)

              Wobei das Thema Anzugsordnung ja ein seeeehr weites Feld ist - da ich in Hammelburg arbeite, könnte ich hier Geschichten über Geschichten erzählen.

              Aber nachdem ich mir mit diesem Thema hier schon 2 blutige Nasen geholt habe, lasse ich es an dieser Stelle gut sein.

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              • Rex Danny
                Administrator
                • 12.06.2008
                • 4871

                #8
                Als ich 1983 bei der Landespolizei in Hamburg anfing, habe ich auch noch die verschiedenen Trageformen der Uniform gelernt. Und die unterschiedenen sich gar nicht so stark von den oben beschriebenen Formen.

                Ebenso wurde uns auch das korrekte inner- wie außerdienstliche Verhalten eingebleut. Schließlich sei man Staatsbediensteter und habe somit auch eine Vorbildfunktion. Steht bzw. stand so auch im Beamtengesetz.

                Ich fand diese Regelungen auch nicht schlecht, weil man gerade auch bei größeren Ansammlungen von Beamten nicht aussah wie ein wildgewordener Haufen oder wie meine Großmutter immer sagte: "Ihr seht aus wie die Hottentotten !"

                Wenn man dann heute so manche Uniformträger anschaut, kann einem schlecht werden. Viele privat beschaffte Ausrüstungegenstände am Gürtel, keine Uniformgleichheit usw. Naja, und das Marschieren wird heute auch nicht mehr gelehrt.

                Wenn wir damals bei Demos aus den Fahrzeugen stiegen, standen wir anschließend mit Helm und Schild in Reih und Glied, alle gleich aussehend und das hat dann schon was hergemacht und bei unserem polizeilichen Gegenüber (Hafenstraßen- und Schanzenviertelklientel) nicht unbedingt Wohlbehagen ausgelöst.

                In diesem Sinne


                Rex Danny

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                • Nemere
                  Cold Warrior
                  • 12.06.2008
                  • 3289

                  #9
                  Zitat von Rex Danny Beitrag anzeigen
                  Wenn wir damals bei Demos aus den Fahrzeugen stiegen, standen wir anschließend mit Helm und Schild in Reih und Glied, alle gleich aussehend und das hat dann schon was hergemacht und bei unserem polizeilichen Gegenüber (Hafenstraßen- und Schanzenviertelklientel) nicht unbedingt Wohlbehagen ausgelöst.
                  Kann ich nur bestätigen. Ein formell korrektes Auftreten gerade geschlossener Einheiten kann in manchen Situationen durchaus wichtig sein. Ich habe da diverse Erlebnisse bei gemeinsamen Einsätzen mit der Polizei gerade nach 1991 in den "neuen" Bundesländern, z.B. bei der Absicherung feierlicher Gelöbnisse in der Öffentlichkeit oder 1995 beim Großen Zapfenstreich anläßlich „5 Jahre Bundeswehr in Leipzig“ unter Teilnahme des Bundesministers der Verteidigung. Die damals noch in der Neu-Aufstellung begriffene sächsische bzw. thüringische Landespolizei stolperte oft wie ein auf der Flucht befindlicher Hühnerhaufen durch die Gegend und das auch angesichts bereits aggressiver Störer, was nicht gerade zweckdienlich war.

                  Wir führten dagegen prinzipiell unsere Reserven als geschlossene Formation in lageangepassten Marschformationen in den Einsatz, obwohl diese unsere Reservekräfte meistens nur zu einem kleinen Teil ausgebildete Feldjäger waren, sondern meistens aus ganz kurz ausgebildeten "Soldaten im Feldjägerdienst" aus unserer Stabs- Versorgungskompanie bestanden oder sogar Soldaten anderer Truppenteile waren, die uns dafür zugeteilt waren. Auf jeden Fall hat sich aber dieses geordnete Auftreten bestens bewährt, wie es Rex Danny schon so treffend schilderte.

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                  • DeltaEcho80
                    Cold Warrior
                    • 09.03.2013
                    • 1765

                    #10
                    Zitat von Rex Danny Beitrag anzeigen

                    Wenn wir damals bei Demos aus den Fahrzeugen stiegen, standen wir anschließend mit Helm und Schild in Reih und Glied, alle gleich aussehend und das hat dann schon was hergemacht und bei unserem polizeilichen Gegenüber (Hafenstraßen- und Schanzenviertelklientel) nicht unbedingt Wohlbehagen ausgelöst.

                    In diesem Sinne


                    Rex Danny
                    Das ist doch heute politisch gar nicht mehr gewollt.... Nicht, dass wir noch in einem "Polizeistaat" enden.

                    Kommentar

                    • DeltaEcho80
                      Cold Warrior
                      • 09.03.2013
                      • 1765

                      #11
                      Wie war das eigentlich in der "neueren" Bundeswehr geregelt?

                      Ich frage, weil zu meiner Zeit bei uns in MET z.B. der S1 Feldwebel oder der ReFü meistens auch im "Tagesgeschäft" mit dem Dienstanzug rum gerannt sind bzw. Hemd, Krawatte, Hose und dann aber mit dem olivgrünen Wollpullover?
                      Unser Spieß hatte wiederum einen schwarzen Pullover zum DA an, sofern er mal DA trug.

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                      • allrad
                        Cold Warrior
                        • 09.02.2014
                        • 157

                        #12
                        Der schwarze bzw graue Pullover mit V -Ausschnitt konnte von den Selbsteinkleidern beschafft werden und mit Langbinder und langärmligen Hemd zum Dienstanzug getragen werden. Es gab dazu noch einen Blouson in ähnlicher Farbe. Die Variante mit dem oliven Pullover war eine weitere Option mit dienstlich gelieferten Bekleidungsstücken. Beides wurde so im Innendienst getragen. Eine Sache die mir dabei aufgefallen ist: Insbesondere in höheren Stäben gab es eine erstaunliche Vielfalt an Anzugsarten, die nicht immer vorschriftskonform war. Auch gab es immer wieder Artikel, die dieses scharf kritisierten.

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                        • Nemere
                          Cold Warrior
                          • 12.06.2008
                          • 3289

                          #13
                          Nach meiner ganz persönlichen Meinung waren diese speziellen Bekleidungsstücke, die sich Selbsteinkleider bei der Kleiderkasse beschaffen konnten, der Anfang vom Ende einer einheitlichen Anzugsordung:
                          - Spezielle Pullover
                          - Blousons (wobei mich die schwarzen Blousons, die es für das Heer gab, immer an die "Uniform" von Leichenträgern bei Beerdigung erinnerten)
                          - der "Gesellschaftsanzug"
                          - früher auch der "Zweitaschenrock"
                          - Jacken zum Dienstanzug in Farben und Stoffen, die nicht den dienstlich gelieferten entsprachen (im Extremfall war das Grau dann fast weiß).
                          Ich habe das immer als das Schaffen einer Zweiklassen-Gesellschaft empfunden und habe für mich persönlich das auch nie mitgemacht.

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                          • allrad
                            Cold Warrior
                            • 09.02.2014
                            • 157

                            #14
                            Entbehrt ja nicht einer gewissen Logik, dass ein einheitlicher Anzug nur getragen werden kann wenn alle Soldaten gleich ausgestattet sind. Insofern war durch die Einführung dieser Kleidungstücke via der Selbstbeschaffung auf dem offiziellen Weg der Ausstieg aus der Einheitlichkeit geradzu angeordnet. Ein geflügeltes Wort un meiner Dienstzeit war übrigens " Was will man von einer Armee erwarten, die 10 Jahre braucht einen Pullover einzuführen". Diese Einführung war wohl heftig umstritten. Die selbstbeschaften Dienströcke in den von Nemere geschilderten Extravaganzen sind da noch wieder ein Thema für sich. Um den Bogen zum ursprünglichen Artikel zurückzuspannen. Genau solche Röcke waren auch Thema eines Artikels in einer Truppenzeitung der sich an Offiziere richtete. Weiter erinnerlich war mir noch ein Artikel des Bearbeiters der Anzugsordnung im Bmvg zum Thema. Der schrieb, dass er im Bmvg Gelbe Karten an alle verteilte, die seiner Meinung gegen die Anzugsordnung verstießen. In diesem Artikel aus den 90er Jahren wurde auch über die Überlegung berichtet an die Gwdl gar keine Tuchbekleidung mehr auszugeben. Dafür sollte ein Innendienstanzug, bestehend aus Feldanzug mit Halbschuhen, in die Vorschrift aufgeenommen werden. Wahrlich gewöhnungsbedürftig, aber eben auchceine Kostenersparnis.

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                            • Nemere
                              Cold Warrior
                              • 12.06.2008
                              • 3289

                              #15
                              Zitat von allrad Beitrag anzeigen
                              Genau solche Röcke waren auch Thema eines Artikels in einer Truppenzeitung der sich an Offiziere richtete. Weiter erinnerlich war mir noch ein Artikel des Bearbeiters der Anzugsordnung im Bmvg zum Thema. Der schrieb, dass er im Bmvg Gelbe Karten an alle verteilte, die seiner Meinung gegen die Anzugsordnung verstießen.
                              Diesen Artikel kenne ich auch, war nach meiner Erinnerung in der "Wehrausbildung". Übrigens auch eine Zeitschrift, die gemeinsam mit der "Truppenpraxis" irgendwann sang- und klanglos gestorben ist, mit der Folge, das es heute überhaupt kein Publikationsorgan für Ausbildungsfragen in der Bundeswehr mehr gibt. Aber das ist ein anderes Thema.

                              " Was will man von einer Armee erwarten, die 10 Jahre braucht einen Pullover einzuführen"
                              Eine Pullover gab es schon immer - zumindest beim Heer. Das war der graue Wollpullover, für die Masse der Soldaten mit V-Ausschnitt, bei den Gebirgsjäger mit Knöpfen. Dieser Pullover war aber als reiner Wärmeschutz zum Feldanzug/Kampfanzug gedacht und nicht zur Kombination mit dem Dienstanzug.

                              Was sich schleichend etabliert hat, war ja auch das Tragen des Feldparka zum Dienstanzug. Das kam daher, weil der eigentlich vorhandene Regenmantel ein unbrauchbares und abgrundtief altmodisches Kleidungsstück war, das jeder vermieden hat, wieder Teufel das Weihwasser. Irgendwann hat sich die normative Kraft des Faktischen durchgesetzt und der Parka wurde zum Dienstanzug auch offiziell zugelassen.
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