Vorgewurfen wird ihm weder Trunkenheit noch ein kolportierter Kuss auf den Mund, sondern zwei Küsse auf die Wange und Schläge auf das Hinterteil. Das mutmaßliche Opfer soll ein jüngerer Offizier sein. Kurczyk sagt, man habe sich lediglich freundschaftlich umarmt: "Erwachsene Männer, freundliche Umarmung, warme Umarmung, die Kameradschaft und Respekt vermittelt": "Er sei von der Stimmung an dem Abend ergriffen gewesen, von den Begegnungen mit den vielen Versehrten. Er habe sich an seine Einsätze in Afghanistan erinnert, an schlimme Erlebnisse, er habe geweint, so wie viele andere Soldaten auch."
Die NZZ hat versucht, den mutmaßlich belästigten Offizier zu kontaktieren. Dieser wollte sich allerdings, mit Verweis auf das laufende Verfahren, nicht äußern. Von mehreren möglichen Zeugen wollte sich nur einer anonym gegenüber der Zeitung äußern: "Was da in einigen Medien beschrieben worden sei, habe er nicht wahrgenommen, sagt er."
Über Kurczyk selbst schreibt die Zeitung:
"[Er] wirkt äusserlich ruhig, doch er wiederholt mehrmals seine Aussage, er habe vierzig Jahre lang gedient, ohne dass er sich etwas zuschulden habe kommen lassen. Statt ihm Rückendeckung zu geben, habe man ihn in Berlin fallengelassen: «Das Verteidigungsministerium hat mich zum Spielball von verantwortungslosen Hinweisgebern und skandalsuchenden Redakteuren gemacht.»" Pistorius habe ihn mit dem Verweis auf fehlendes Vertrauen in den Ruhestand geschickt, ohne das Ergebnis der Untersuchung abzuwarten.
Eine sehr undurchsichtige Geschichte. Unschön am NZZ-Artikel ist allerdings, dass er den Namen des mutmaßlichen Opfers sehr offensichtlich macht. Dies hätte man auch anders lösen können, und hätte die durchaus relevante Information, dass das mutmaßliche Opfer sich für die Belange von homo-, bi-, trans- und interesexuellen Soldaten einsetzt, auch anders anbringen können als durch die Quasi-Offenlegung des Namens. Ich habe den Namen deswegen in meiner Zusammenfassung nicht erwähnt.

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