Bergwerk im Deutschen Museum

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  • Stefan Steu
    Cold Warrior
    • 03.05.2023
    • 112

    #1

    Bergwerk im Deutschen Museum

    Wißt ihr da was, ob das Bergwerk im 2. Weltkrieg beschädigt wurde? Laut Auskunft des Deutschen Museums hat es den Krieg ohne größere Zerstörungen überstanden, was vielleicht auch daran liegt, daß es im Keller liegt und 3 Stockwerke hat. Aber sonst scheinen die Mitarbeiter da leider wenig Ahnung zu haben.
  • Rex Danny
    Administrator
    • 12.06.2008
    • 4869

    #2
    Wo soll das denn sein?

    Bitte Adresse und genauere Hintergründe posten (ggf. ein KMZ-File für Google Earth erstellen).

    Grüße


    Rex Danny

    Kommentar

    • Stefan Steu
      Cold Warrior
      • 03.05.2023
      • 112

      #3
      Die Adresse ist
      Deutsches Museum
      Museumsinsel 1
      80538 München
      Telefon 089 2179 333

      Kommentar

      • Stefan Steu
        Cold Warrior
        • 03.05.2023
        • 112

        #4
        Hintergrund ist auch, daß der Generaldirektor des Deutschen Museums, Wolfgang Heckl, seit Jahren fest entschlossen ist, das ganze Haus bis zur 100 Jahr Feier möglichst auf Steuerzahlerkosten zu "modernisieren" und dafür alles komplett rauszureißen und das Bergwerk, das ja ein Denkmal im Sinne des Denkmalschutzgesetzes ist und daher unter Denkmalschutz steht, derzeit anscheinend demontiert wird, was ohnehin rechtswidrig ist. Wieviel davon erhalten bleibt, weiß ich nicht. Ich bin wie viele andere traurig bzw. wütend, was da kaputt gemacht wird, weil ich seit Anfang der 90er Jahre selber mehrere 100 Mal da unten war.

        In den wirklich echt aussehenden, aber handwerklich wunderschön gemachten Anlagen hat man das Gefühl, in einem echten Bergwerk zu sein, auch wenn man immer noch im Museum ist und das Bergwerk nur ein Nachbau, aber die geheimnisvollen Türen, wo niemand weiß wo wie hinführen, die bewußt verwinkelten, meist schwach beleuchteten Gänge, mitunter Eisenbahn-Schienen im Boden, die Szenen, wo Bergleute arbeiten, es gibt so viel zu sehen, das Bergwerk ist ohne Zweifel ein Meisterwerk, das auf der ganzen Welt nur einmal da ist, auch wenn andere Museum (zB. Chicago, London, Wien) begeistert versucht haben es irgendwie nachzubauen, wenngleich man auch zugeben muß, daß das Bergwerk selbst offenbar ein Bergwerk unter dem Trocadero auf der Pariser Weltausstellung um 1900 als Vorbild hatte.

        In einem Führer des Deutschen Museums steht, daß auch Besucher, die noch nicht in einem Bergwerk waren, so den Eindruck bekommen sollen, wie es ist, in einem Bergwerk zu sein. Auch wenn es echt aussieht, ist es jedoch kein echtes Bergwerk, sondern ein Anschauungsbergwerk und wurde damals vor knapp 100 Jahren von Bildhauern zum Teil unter Verwendung von echten Teilen aus dem Bergbau gebaut, die zackigen grauen Felswände, die so aussehen als wären sie direkt in Stein gehauen, sind Gipsabdrücke von echtem Gestein, es handelt sich somit um Kulissen, die aber auch aufgrund des Alters und der hervorragenden Verarbeitung total echt aussehen. Das Bergwerk war von Anfang an als Ausstellung im Deutschen Museum dabei, also als das Gebäude 1925 eröffnet wurde. Sogar vorher als das Museum noch nicht fertig war und provisorisch in einem anderen Gebäude untergebracht war, gab es schon eine Bergbauabteilung im dortigen Keller in der Maximilianstraße.

        Das Bergwerk ist als Rundweg im Einbahnstraßensystem konzipiert, der Rundgang oder die Führung, die zweimal am Tag von Mitarbeitern angeboten wurde, kann durchaus 1 Stunde dauern, oder 10 Minuten wenn man schnell durchgeht und das gesamte Bergwerk offen ist (was in der letzten Zeit schon nicht mehr der Fall was, da ausgerechnet der moderne Bergbau unter der neuen Luftfahrthalle, der in den 80er Jahren als letzter gebaut wurde, und das Bergwerk, das bei der Eröffnung zum teil historisch, zum Teil Stand der Technik war, heute auf den neuesten Stand gebracht hat, renoviert werden sollte), es wurde damals zusammen mit dem Museum gebaut (es war also nicht schon vorher da, wie manche denken, man habe ein Museum über ein Bergwerk gebaut), liegt auf der gesamten Länge komplett im Untergeschoß im Ostteil des Museums, erstreckt sich über 3 Etagen (der Bergmann spricht dabei von Sohlen), man geht am alten Bergwerksaufzug, der angeblich noch funktionieren soll, aber nicht mehr benutzt werden darf, vorbei, die Treppe runter in das 3. Untergeschoß, das damals wegen dem Isarwasser bereits wasserdicht gemacht wurde und somit vollständig unter der Erde liegt, was manchmal zu kleineren Überflutungen geführt hat, und dann im weiteren Verlauf erstreckt sich das Bergwerk in einer komplizierten aber gut durchdachten Anordnung über mehrere Treppen zwischen dem 1. und 2. Untergeschoß, wobei es gegen Ende aber nur noch im 1. Untergeschoß liegt und somit in Teilen sogar fast oberirdisch ist, auch wenn man denkt, man sei die ganze Zeit ganz tief unten, weil keine Fenster da sind. Die Abteilung umfaßt dabei den Schachtbau, Erzbergwerk, Tagebau (mit Fenstern und schönem Blick auf die Isar), Salzbergwerk mit riesiger weißer bzw. rosa Halle über zwei Stockwerke, das dunkle Kohlebergwerk, moderner Bergbau und Aufbereitung, somit war das Bergwerk auf dem neuesten Stand.

        Zum einen konnte man da wie überall im Museum natürlich viel lernen über Bergbau, zum anderen konnte man die Geisterbahnatmosphäre, das schummrige Licht, die dunklen engen Gänge, die Szenen mit den Bergmännern aus Holz, den leicht wahrnehmbaren Geruch nach Kohle, Öl, Eisen, Stahl, Maschinen, Holz etc, den ständigen Luftzug von irgendwo her, das bekannte Knarzen von Brettern der Besucher vor sich auf sich wirken lassen, was eben nur in der Realität, im Museum und nicht in einem Buch geht. Das Bergwerk hat den 1. Weltkrieg und den 2. Weltkrieg überlebt, aber nicht Prof. Heckl. Wer es sich anschauen will, was da wohl für immer zerstört wird, denn das Museum wird das Bergwerk aus diversen Gründen wohl nie wieder aufbauen, zum Glück gibt es im Internet viele Fotos
        Das Bergwerk im Deutschen Museum - YouTube

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        • kato
          Cold Warrior
          • 03.03.2009
          • 902

          #5
          Zitat von Rex Danny Beitrag anzeigen
          Wo soll das denn sein?

          Bitte Adresse und genauere Hintergründe posten (ggf. ein KMZ-File für Google Earth erstellen).
          Es geht nicht um ein Bergwerk im Sinne einer Lokalität, sondern um die seit 1925 bestehende Schau-Bergwerk-Kulisse im Deutschen Museum München.

          Das entsprechende Gebäude, in dessen Tiefgeschossen die Kulisse aufgebaut ist, wird derzeit saniert. Es gibt in diesem Rahmen seit etwa 2 Jahren in München Kontroversen darum, was und wieviel von der Kulisse entsorgt werden kann/darf.

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          • Stefan Steu
            Cold Warrior
            • 03.05.2023
            • 112

            #6
            Genau, das mein ich. Auch wenn das Bergwerk für das Museum nur eine Ausstellung von vielen ist, hätte es doch auch im Krieg als Luftschutzkeller dienen können, wo man sich verstecken kann, da es mehr oder weniger im Keller liegt. Vielleicht gibt es auch noch andere geheime Räume im Deutschen Museum? Interessant ist auch, daß das Museum lange nicht angegriffen wurde, obwohl es quasi mitten in München liegt und erst gegen Ende des 2. Weltkriegs bombardiert wurde und daß die Bestände der Bibliothek den Krieg nahezu unversehrt überstanden haben.

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            • Stefan Steu
              Cold Warrior
              • 03.05.2023
              • 112

              #7
              Interessant ist auch, daß die eigentlich geplante Sprengung der Boschbrücke, also der Brücke von der Innenstadt zum Eingang des Museums, 1945 doch nicht durchgeführt wurde, weil der damalige Generaldirektor durch Täuschungshandlungen und Ablenkungsmanöver die Sprengung der Brücke verhindern konnte. Anscheinend liefen da viele Strom- oder Wasserleitungen unter dieser Brücke, die für das Museum sehr wichtig waren. Zum Deutschen Museum gäbe es viel zu sagen, zB gab es in den 50er oder 60er Jahren im Verwaltungsgebäude eine geheime Organisation, die angeblich Raketentechnik und Senkrechtstartende Flugzeuge erforscht haben soll

              Kommentar

              • Stefan Steu
                Cold Warrior
                • 03.05.2023
                • 112

                #8
                Bei der geheimen Organisation, die im Deutschen Museum untergebracht war, ging es um Senkrechtstarter bzw. strahlgetriebene Kampfflugzeuge der fünfziger Jahre. Das Problem war ja, die langen Start- und Landebahnen waren kaum zu schützen und der Gegner kann und würde sie schnell zerstören. Dieser Gefahr wollte die Regierung und die Industrie und die Bundeswehr entgehen. Es wurde daher 1959 eine Entwicklungsgemeinschaft gegründet, sie erhielt die (Tarn-)Bezeichnung "Entwicklungsring Süd". Ihre Räumlichkeiten fanden die etwa 90 Entwickler im Bibliotheksbau des Deutschen Museums in München. Jahrelang stand so ein senkrechtstartendes Flugzeug im Innenhof des Deutschen Museums. Interessant könnte auch die ehemalige Autohalle bzw. die spätere Eisenbahnhalle (schade, daß die Eisenbahnabteilung nicht mehr da ist) bzw. das heutige "Zentrum für neue Technologien" sein, denn sie wurde 1939 eröffnet, also kurz vor dem Krieg, aber irgendwelche Schutzbauten oder ähnliches hab ich da nie gesehen. Das Deutsche Museum mit seinen "Meisterwerken der Naturwissenschaft und Technik" wollte eigentlich immer unpolitisch sein, daher steht auch die Otto von Bismarck-Statue noch heute nicht wie mal geplant im Museum, sondern nur vor dem Museum an der Brücke gegenüber dem Patentamt.

                Deutsches Museum, München – Historisches Lexikon Bayerns (historisches-lexikon-bayerns.de)
                Zuletzt geändert von Stefan Steu; 09.05.2023, 17:15.

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                • kato
                  Cold Warrior
                  • 03.03.2009
                  • 902

                  #9
                  Eine "geheime Organisation" oder "Tarnorganisation" war der Entwicklungsring Süd beileibe nicht - sondern eben eine Arbeitsgemeinschaft mehrerer Firmen unter einem als separater GmbH organisiertem Joint Venture. Im Spiegel beispielsweise waren die diversen Streitigkeiten der beteiligten Unternehmen innerhalb der EWR Süd GmbH auch damals öfters mal Thema, vor allem als Heinckel 1964 das Joint Venture verließ. Die EWR wurde mit dem Ziel gegründet, die vorherigen Entwürfe von Messerschmidt und Heinckel für Senkrechtstarter-Jagdflugzeuge zu "vereinen"; die entsprechende Forderung für einen solchen Entwurf bestand seit Gründung der Bundeswehr.

                  Die EWR wurde 1964 in Entwicklungsring Süd umbenannt, nachdem Heinckel faktisch rausgeworfen wurde und 1968 aufgelöst nachdem das Projekt Senkrechtstarter-Jagdflugzeug gestorben war und die beiden anderen Firmen in der Arge eh zur MBB fusionierten.

                  Das norddeutsche Gegenstück war der im Raumfahrtbereich tätige Entwicklungsring Nord (ERNO) in Bremen, der in seiner Geschäftstätigkeit deutlich erfolgreicher und langlebiger war.

                  Der Bibliotheksbau war nach Auszug des Patentamtes 1959 und Rück-Übergabe an das Deutsche Museum in großen Teilen durch Dritte als Büros genutzt. Unter anderem befanden sich neben den durch das Deutsche Museum zusammen mit LMU und THM gegründeten Forschungsinstituten für Naturwissenschaft und Technik dort Mitte der 60er auch gleich reihenweise kleinere Institute der LMU (evtl. in Nachnutzung von vorher durch EWR genutzten Büros).
                  Zuletzt geändert von kato; 10.05.2023, 01:00.

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