Ludweiler Luftschutzstollen

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  • palatinat
    Systemadministrator
    • 02.01.2008
    • 881

    #1

    Ludweiler Luftschutzstollen

    Hallo zusammen,

    heute habe ich dieses Foto in Ludweiler aufgenommen.


    Zumindest der mittlere Stollen käme für eine Verwendung im kalten Krieg in Frage.

    Gruß aus der Pfalz
  • Kaepten Kaos
    Cold Warrior
    • 29.04.2009
    • 109

    #2
    Hallo Palatinat
    Schönes Bild.
    Ob das ein Schutzraum / Schutzstollen war kann ich jetzt nicht beurteilen.
    Aber vielleicht als Anmerkung / Ergänzung für die neuen unter uns...
    Solche Türen findet man in hügeligen bzw. bergigen Regionen Deutschlands öfter... es handelt sich hier meist um alte Lager / Kühl oder auch Kartoffelkeller aus der Zeit als es noch keine Kühlschränke bzw. Kühlkammern gab.
    Genau so etwas würde ich hier vermuten....
    Teilweise (gerade im Flachland) sehen solche Keller fast genauso aus wie Munitionsbunker. Ich kann mir gut vorstellen, dass man hier einen dieser Keller als Schutzraum ausgebaut hat.... gerade in der Anfangsphase des Kalten Krieges bzw. Des Atomzeitalgers wurde ja mehr oder weniger "verzweifelt" versucht aus jedem Loch im Boden einen Schutzraum zu mache. Der gezielte MZA bzw. Schutzraumbau fand erst später statt...

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    • Nemere
      Cold Warrior
      • 12.06.2008
      • 2879

      #3
      Zitat von Kaepten Kaos Beitrag anzeigen
      . gerade in der Anfangsphase des Kalten Krieges bzw. Des Atomzeitalgers wurde ja mehr oder weniger "verzweifelt" versucht aus jedem Loch im Boden einen Schutzraum zu mache. ...
      Das kann ich aus meiner Beschäftigung mit der Militärgeschichte verschiedener Orte in Bayern NICHT bestätigen. Bis weit in die 1960er Jahre hinein ist selbst in Städten, die mitten in der vermutlichen Stoßrichtung des Warschauer Paktes lagen, in Bezug auf Schutzraumbau kaum etwas geschehen.
      Ich habe vor vielen Jahren ein Buch zur Militärgeschichte von Hof an der Saale in Oberfranken geschrieben und konnte dazu umfangreiche Quellen aus dem Stadtarchiv heranziehen. In der Anlage füge ich die entsprechenden Textstellen dieses Buches zur Entwicklung des Luft- und Zivilschutzes in Hof nach 1945 bei. Es war sehr dürftig, was dort in Bezug auf Schutzräume passiert, obwohl Hof bekanntlich genau in der Vormarschrichtung der aus der "Plauener Pforte" kommenden sowjetischen Truppen lag.
      Angehängte Dateien

      Kommentar

      • palatinat
        Systemadministrator
        • 02.01.2008
        • 881

        #4
        Hallo zusammen,

        das Saarland war vom Bergbau geprägt. So wurden im zweiten Weltkrieg einige Luftschutzanlagen als Stollen erstellt.
        Eine Nachnutzung ist bei einigen dieser Bauten im kalten Krieg gegeben, z.B. in Saarbrücken.
        Ein weiterer Verdachtsfall in Ludweiler ist dieser hier ganz in der Nähe der drei "kellerähnlichen" Anlagen:


        Gruß aus der Pfalz

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        • klaus_erl
          Cold Warrior
          • 14.04.2013
          • 1059

          #5
          Es mag vielleicht in manchen Gegenden so gewesen sein, dass man solche Kelleranlagen als Schutzräume ausbaute, ich kann das nicht beurteilen.

          Für den Raum Hof kann ich aber Jörgs Aussagen bestätigend beitragen, dass zumindest in und um Münchberg derartiges nicht gemacht wurde. Da gab es ja einige Reihen zum Teil ziemlich tiefer Felsenkeller in Hohlwegen, z.B. https://de.wikipedia.org/wiki/Hohlwe...Muenchberg.jpg. Während der Luftalarme in der Endphase des Zweiten Weltkriegs wurden diese laut Aussage der Großeltern von der Bevölkerung unverändert als Schutzraum genutzt. Nach dem Krieg fanden sie in der Hinsicht "Schutzraum" keinerlei Beachtung mehr.
          Außer einigen Schulkellern mit gasdichten Türen und Fensterabdeckungen (nur einfach, keine Schleusen) und mutmaßlich verstärkter Decke und Wänden ist mir nichts von eventuellen Schutzräumen bekannt, die im Kalten Krieg eingerichtet wurden.

          Kommentar

          • Nemere
            Cold Warrior
            • 12.06.2008
            • 2879

            #6
            Zitat von klaus_erl Beitrag anzeigen
            Da gab es ja einige Reihen zum Teil ziemlich tiefer Felsenkeller in Hohlwegen, (...) . Während der Luftalarme in der Endphase des Zweiten Weltkriegs wurden diese laut Aussage der Großeltern von der Bevölkerung unverändert als Schutzraum genutzt.
            Dabei hat gerade Münchberg im Zweiten Weltkrieg schon im August 1940 als eine der ersten bayerischen Städte Erfahrungen mit britischen Bombenangriffen gemacht. Die Royal Airforce griff damals Bahnlinien in Nordbayern an, u.a. auch Münchberg, weil angeblich Hitler mit seinem Sonderzug von Berlin nach München unterwegs war.
            1940 griff die englische Luftwaffe das Städtchen Münchberg an, das in keiner Weise kriegsrelevant war. Warum? Dazu gibt es nun eine Theorie.


            Da Klaus oben die Nutzung von Felsenkellern als Schutzräume im zweiten Weltkrieg erwähnte: Am Beispiel von Hof habe ich mich auch mal mit den im Zweiten Weltkrieg dort vorhandenen Schutzräumen und deren Schutzwert befasst (siehe Anhang, Stand Februar 1945). Es war mehr als dürftig. Viele der Felsenkeller lagen zwar unter recht mächtigen Gesteinsschichten, waren aber teilweise extrem nass und hatten meist keine Notausgänge oder Durchbrüche zu den Nachbarkellern.
            Hof hatte Anfang 1945 durch Verlagerungen aus den bereits von der Roten Armee besetzten Ostgebieten etwa 55.000 Einwohner und hatte als Eisenbahn-Verkehrsknotenpunkt für Nord-Süd und auch Ost-West-Verbindungen nach dem Ausfall der Rheinschiene weiter erheblich an Bedeutung gewonnen, so dass zunehmend alliierte Luftangriffe zu befürchten waren.
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            • klaus_erl
              Cold Warrior
              • 14.04.2013
              • 1059

              #7
              Hallo Jörg, auch wenn wir vom ursprünglichen Thema abschweifen ...

              Ist dir für Hof etwas über die Nutzung der Alsenberger Unterführung bekannt? Dieser Straßendurchlass unter der Bahn mit tunnelartiger Gestaltung hat mehrere Meter Überdeckung. Von einem inzwischen leider verstorbenen alten Eisenbahner wurde mir mal erzählt, die Angehörigen des Hofer Bahnbetriebswerks hätten sich im II. WK aus Ermangelung vertrauenserweckender Schutzräume im BW-Bereich diese behelfsmäßig hergerichtet, mit hölzernen Splitterschutzwänden, die jeweils im Eingangsbereich aufgestellt wurden.

              Zu den Felsenkellern: Deine Einschätzung kann ich nachvollziehen. Die starke Fels-Überdeckung (im unteren Teil des gezeigten Hohlwegs bis zu 15m) schützt wohl gut vor direkten Durchschlägen von oben. Wenn aber ein Treffer auf oder vor den Eingang diesen verschüttet schaut es mangels zweitem Fluchtweg ganz schlecht aus wenn nicht schnell Hilfe von außen kommt. Gegenüber der Alternative gar kein Schutz war es für die Bevölkerung aber wohl doch naheliegend da reinzugehen.

              Klaus
              Zuletzt geändert von klaus_erl; 25.09.2021, 05:26.

              Kommentar

              • Nemere
                Cold Warrior
                • 12.06.2008
                • 2879

                #8
                Zitat von klaus_erl Beitrag anzeigen
                Ist dir für Hof etwas über die Nutzung der Alsenberger Unterführung bekannt?
                Dieser Ausbau erfolgte erst 1945. Wegen der offensichtlich nicht ausreichenden Luftschutzräume in den Bahnhöfen ließ das Reichsbahn-Betriebsamt im Januar 1945 die Alsenberger Straßenunterführung und die Fußgängerunterführung am Bahnhof Hof-Nord als Luftschutz-Unterstand herrichten. Es wurden Mauerblenden bis zur halben Breite der Fahrbahn eingezogen, um die Splittersicherheit dieser Tunnels zu erhöhen. Zwischen den Gleisanlagen selbst waren schon seit 1943 zahlreiche kleine Betonbunker erbaut worden, um Rangier- und Zugpersonal bei überraschenden Tieffliegerangriffen eine Schutzmöglichkeit zu geben. Diese Kleinbunker befanden sich noch Jahrzehnte nach dem Krieg an ihrem Platz.

                Beim Angriff am 8. April 1945 wurde Luftalarm erst ausgelöst, als die ersten Rauchmarkierungen der Pfadfinder-Flugzeuge über dem Zielgebiet gesetzt wurden. Bei Angriffsbeginn flüchteten zahlreiche Soldaten und Zivilisten aus dem völlig überfüllten Hofer Hauptbahnhof in Richtung Alsenberger Tunnel, der als behelfsmäßige Luftschutzdeckung dienen sollte. Auf dem Weg dorthin wurden nahezu hundert von ihnen durch Bomben getötet.

                Die Einbauten in der Alsenberger Unterführung dürften spätestens im Dezember 1945 im Zuge der Entmilitarisierung des Stadtbildes auf Anweisung der amerikanischen Militärregierung entfernt worden.

                Quellen:
                - Ebert, Friedrich / Herrmann, Axel: Kleine Geschichte der Stadt Hof. Hof 1988, S. 163 f,
                - Jahn, Heinrich: Kampf und Kriegsende im Raum Hof, 2 Teile. In: Kulturwarte (21), 1975, S. 63 – 68, 81 - 86.
                Stadtarchiv Hof:
                – A 1433 Einrichtung von Deckungsgräben,
                -- Schreiben des Vorstands Reichsbahn-Betriebsamt Hof v. 19.1.1945.
                -- Schreiben der Stadt Hof v. 21.9.1945 und 10.12.1945.
                - M 132 Stadt Hof: Fliegeralarme im 2. Weltkrieg (Manuskript).
                – M 101 Ebert, Fr.: Quellensammlung zu den Kriegsereignissen in Hof April 1945 (Manuskript, ca. 1961).

                Dill beschreibt zwar in Band 2 seines Werkes über den Luftkrieg in Nordbayern sehr ausführlich die Bombenangriffe auf Hof, geht aber auf die Alsenberger Unterführung nicht ein. (Dill, Harald / Hetz, Karlheinz: Luftkrieg von Aschaffenburg bis Zwiesel - ein militärisch-technisches Feature zur Heimatgeschichte Nordbayerns, Band 2, Weißenstadt 2014, S. 491 – 503).

                Grüße
                Jörg

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                • klaus_erl
                  Cold Warrior
                  • 14.04.2013
                  • 1059

                  #9
                  Danke, Jörg, für die ausführliche Antwort.

                  Die Kleinbunker kenne ich noch, bin aber nicht sicher, ob welche die Umbauten der letzten Jahre überlebt haben. In Oberkotzau, wo es ja früher einen Rangierbahnhof gab, stehen aber definitiv noch einige.

                  Klaus

                  Kommentar

                  • klaus_erl
                    Cold Warrior
                    • 14.04.2013
                    • 1059

                    #10
                    Nachtrag zu meinem letzten Beitrag: Es gibt noch Reste im Hofer Hauptbahnhof. Im Video https://www.youtube.com/watch?v=rF9OPEHTVds sieht man einen dieser Kleinbunker bei 15:20 links vom Gleis auf dem der Zug mit der Kamera fährt.

                    Diese Bunkerchen hätten wohl einem direkten oder sehr nahen Treffer nicht standgehalten und waren vor allem Splitterschutz.

                    Klaus

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                    • Nemere
                      Cold Warrior
                      • 12.06.2008
                      • 2879

                      #11
                      Zitat von klaus_erl Beitrag anzeigen
                      Diese Bunkerchen hätten wohl einem direkten oder sehr nahen Treffer nicht standgehalten und waren vor allem Splitterschutz.
                      Da hast Du vollkommen recht.

                      Diese Bunker sollten Rangier- und Zugpersonal bei überraschenden Tieffliegerangriffen eine Schutzmöglichkeit zu geben. Dabei gab es Einmann-Bunker (offiziell: Splitterschutzzelle) entlang der Strecke, die vor allem für Weichenwärter und Streckengeher gedacht waren und größere Gruppenschutzräume, bevorzugt an den Blockstellen oder Aus- und Einfahrtssignalen, wo Züge halten mussten. Der Bunker in dem Videoscheint ein solcher Gruppenschutzraum zu sein.
                      Die Einmannbunker gab es auch in einer "Hoch-"Version, die ein besserer Beobachten der Bahnanlagen ermöglichten. Im Bahngelände Hof, aber auch in Oberkotzau, das damals als Rangierbahnhof für Hof großzügig ausgebaut war, standen früher Dutzende solcher Bunker. Dabei war die rechteckige Variante eigentlich die häufigere. Bild von einem "Hoch-" Einmannbunker habe ich beigefügt.

                      Die Schutzwirkung dieser meist nicht einmal in Stahlbeton ausgeführten Bahnbunker mit ihren relativ dünnen Wänden beschränkte sich wirklich auf Bordwaffenbeschuss und leichte Splitterbomben. Für den Schutz gegen Nahtreffer einer 500 kg Bombe wurden etwa 2 m Stahlbeton als notwendig angesehen, Sicherheit gegen Volltreffer schwerer Bomben boten erst Deckenstärken von 3,5 m. (Bondt, René: Schild aus Stein und Erde. Eine Geschichte des Wehr- und Schutzbaus, Stäfa 1978, S. 224. – Bundesarchiv – Militärarchiv RH D 41/7 -Panzeratlas (1.9.1942).

                      Grüße
                      Jörg
                      Angehängte Dateien

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