Bei der Bundeswehr war es früher üblich, das Gruppen- und Zugführer sogenannte „Dienstbücher“ mit den wichtigsten Angaben zu ihren unterstellten Soldaten führten. Dort wurden dann außerdem Erkenntnisse über die Leistungen und das Verhalten der Soldaten eingetragen, auf die dann z.B. zurückgegriffen werden konnte, wenn sich der Chef von seinen Unterführern Beiträge zu Beurteilungen oder Dienstzeugnissen der Soldaten einforderte.
Besonders wichtig waren diese Bücher für die Ausbilder an den Truppenschulen, weil dort in den Lehrgangszeugnissen neben den Noten zusätzlich Beurteilungsvermerke zu Eignung und Leistungsfähigkeit der Soldaten zu erstellen waren. Die waren von Bedeutung für eine eventuelle Übernahme als Berufssoldat. Wenn ich als Hörsaalleiter während des Feldwebel-Lehrgangs einen Stabsunteroffizier mehrere Monate fast täglich gesehen und erlebt habe, hatte ich im Normalfall tiefere Kenntnisse über den Mann, als der Kompaniechef, der diesen Soldaten wahrscheinlich nicht so häufig zu Gesicht bekam – gerade im Schichtdienst nicht.
Auch wenn es keine offiziellen Befehle dazu gab, wurde das Führen solcher Aufzeichnungen in der Literatur zum Thema „Innere Führung“ immer wieder erwähnt und in der Ausbildung dazu auch gelehrt (Schriftenreihe Innere Führung, Ausbildungsmaterial des Zentrums Innere Führung). Das führte dazu, dass die Dienstbücher stillschweigend erwartet und von den dienstaufsichtführenden Vorgesetzten auch überprüft wurden.
Bis ca. 1990 wurden diese Bücher dienstlich zur Verfügung gestellt, fest eingebundene Hefte im Format DIN A 6, die sehr praktisch in der Seitentasche der Kampfanzugshose Platz fanden. Sie hatten Platz für Einträge zu 50 Soldaten Ein Beispiel anbei.
Nach 1990 wurde die Versorgung damit eingestellt. Viele behalfen sich dann mit normalen Notizbüchern ohne Vordruck. Weiter gab es Vordrucke für die damals sehr in Mode gekommenen Zeitplansysteme in Ringbuchform (timesystem usw.). Die waren allerdings im Format DIN A 5, die Ringbücher waren doch recht sperrig und konnten nicht mehr in der Seitentasche mitgeführt werden, auch boten die Vordrucke nicht sehr viel Schreibraum. Beispiel dafür habe ich auch beigefügt.
Die Einträge in den beiden Beispielen stammen von Feldwebellehrgängen 1989 und 1992, der Eintrag von 1992 befasst sich mit einem aus der NVA zu den Feldjägern übernommenen Feldwebel der Pioniere.
Das Beispiel von 1989 ist für einen Stabsunteroffizier, der von den Fallschirmjägern zu den Feldjägern kam. Wir hatten bei jedem Lehrgang einige solche „artfremde“ Teilnehmer.
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