Verpflegung bei der Bundeswehr

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  • Nemere
    Cold Warrior
    • 12.06.2008
    • 2855

    #1

    Verpflegung bei der Bundeswehr

    Habe ich in den letzten Tagen in alten Unterlagen gefunden:
    Ein Speiseplan der Bundeswehr von 1977 - müsste aus der Feldjägerschule Sonthofen stammen.

    Man beachte auch die prähistorische Art der Vervielfältigung: Nix mit Fotokopierer oder Laserdrucker. Das Orginal wurde auf eine Wachspapiermatrize geschrieben und dann mit dem Spiritus-Trommelumdrucker vervielfältigt.

    Grüße
    Jörg
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  • Hoover
    Cold Warrior
    • 19.12.2013
    • 601

    #2
    Cool. Aber altmodisch? Im PiBtl 11 wurden noch 1991 so Verfielfältigungen gemacht. Hat immer gut gerochen
    "Damals, als ich in meinem Alter war..."

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    • Malefiz
      Cold Warrior
      • 22.12.2010
      • 376

      #3
      Ich war Anfang 1981 in der Jägerkaserne auf ABC/SeAbwehrUffz Lehrgang. Da gab es zum Mittagessen eine Flasche Bier. Die habe ich auf Deinem Speiseplan nicht gefunden....

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      • kato
        Cold Warrior
        • 03.03.2009
        • 882

        #4
        Falls sich jemand fragt, was die täglich vorkommende "EVST-Butter" ist - da der Begriff vermutlich den meisten, die nicht in den 30ern oder 40ern geboren sind, wenig sagt:

        Die EVSt waren in der frühen Bundesrepublik die sogenannten "Einfuhr- und Vorratsstellen" für bestimmte landwirtschaftliche Güter (Fleisch, Getreide/Futtermittel, Fette, Zucker), deren Zweck darin bestand die Einfuhr dieser Güter dahingehend zu regulieren und zentralisieren dass die Marktpreise in Deutschland stabil blieben. Entsprechende Güter wurden durch diese Stellen nicht nur beschafft, sondern auch bevorratet. Dieses Konzept zur Marktregulierung war politisch damals auch gelinde gesagt nicht unumstritten. Die EVSt betrieben dabei auch die Lebensmittellager für die Krisenversorgung. Teilweise handelte es sich auch um verarbeitete Güter, allerdings in Formen, die man an Endverbraucher schlicht so nicht verkaufen konnte*. Aus dieser Bevorratung heraus wurden entsprechende Güter, die nicht abgesetzt werden konnten, an Großverbraucher wie der Bundeswehr zu verbilligten Preisen abgegeben, bevor sie verdarben.

        Die Verwendung des Begriffs EVST ist dabei für 1977 allerdings insoweit kurios, als dass die EVSt da nicht mehr existierten - da sie just zum Ende 1976 in der "Bundesanstalt für Landwirtschaftliche Marktordnung" (BALM) aufgingen bzw. gesammelt in diese umbenannt wurden. Die BALM ging dann 1994 in der noch heute existierenden BLE auf.

        ---
        * Der Spiegel beschrieb damals Fleischkonserven der EVST als "nach altvertrautem Wehrmachtsrezept" - und teilweise sahen die vom Zustand her wohl auch noch aus als wären sie vor '45 hergestellt worden und seitdem eingelagert. Die EVSt versuchten rund 24 Millionen (!) Konserven hiervon 1959 auf den Markt zu werfen um die Fleischpreise zu drücken. Nachdem die keiner wollte wurden sie in die DDR verkauft und endeten angeblich bei der NVA.

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        • Varga
          Rekrut
          • 22.03.2008
          • 42

          #5
          Wenn wir schon bei der Verpflegung sind:
          Deutschlands Streitkräfte finden nicht mehr genug Küchenhilfen. Die Truppe improvisiert: Um keine Teller spülen zu müssen, greift die Truppe zu Plastikgeschirr. Das hat aber einen entscheidenden Nachteil.


          Gruss
          Varga

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          • klaus_erl
            Cold Warrior
            • 14.04.2013
            • 1059

            #6
            Zitat von kato Beitrag anzeigen
            Falls sich jemand fragt, was die täglich vorkommende "EVST-Butter" ist - da der Begriff vermutlich den meisten, die nicht in den 30ern oder 40ern geboren sind, wenig sagt:

            Die EVSt waren in der frühen Bundesrepublik die sogenannten "Einfuhr- und Vorratsstellen" für bestimmte landwirtschaftliche Güter (Fleisch, Getreide/Futtermittel, Fette, Zucker), deren Zweck darin bestand die Einfuhr dieser Güter dahingehend zu regulieren und zentralisieren dass die Marktpreise in Deutschland stabil blieben. Entsprechende Güter wurden durch diese Stellen nicht nur beschafft, sondern auch bevorratet. Dieses Konzept zur Marktregulierung war politisch damals auch gelinde gesagt nicht unumstritten.
            Mir ist diese Anstalt aus den späten 60er/frühen 70er Jahren insofern noch geläufig, dass ich den Begriff manchmal von einem in einer Molkerei tätigen Verwandten hörte. Die EVSt regelten nicht nur die Einfuhr sondern kauften auch inländisch im Überschuss produzierte landwirtschaftliche Produkte auf. Die genannte Molkerei lieferte auch gelegentlich Überschussbutter an ein EVSt-Kühllager.

            Zitat von kato Beitrag anzeigen
            Die EVSt betrieben dabei auch die Lebensmittellager für die Krisenversorgung. Teilweise handelte es sich auch um verarbeitete Güter, allerdings in Formen, die man an Endverbraucher schlicht so nicht verkaufen konnte*. Aus dieser Bevorratung heraus wurden entsprechende Güter, die nicht abgesetzt werden konnten, an Großverbraucher wie der Bundeswehr zu verbilligten Preisen abgegeben, bevor sie verdarben.
            Teilweise waren sie wohl auch für Endverbraucher erhältlich, ich erinnere mich an entsprechend beschriftete Konservendosen in der Vorratskammer der Großeltern.

            Zitat von kato Beitrag anzeigen
            Die Verwendung des Begriffs EVST ist dabei für 1977 allerdings insoweit kurios, als dass die EVSt da nicht mehr existierten - da sie just zum Ende 1976 in der "Bundesanstalt für Landwirtschaftliche Marktordnung" (BALM) aufgingen bzw. gesammelt in diese umbenannt wurden. Die BALM ging dann 1994 in der noch heute existierenden BLE auf.
            Gewohnheit. Auch als die Konservendosen schon Jahre den Aufdruck "BALM" in Tintenstrahldruckerschrift auf dem Deckel trugen sprachen die Leute noch vom EVSt-Fleisch.

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            • Nemere
              Cold Warrior
              • 12.06.2008
              • 2855

              #7
              Dieses Problem wäre in den mehr oder weniger guten alten Zeiten vor 1990 anders gelöst worden: Jeder Soldat hat (oder hatte zumindest damals) ein Kochgeschirr, das er dann auch selber zu reinigen hat.

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              • Nemere
                Cold Warrior
                • 12.06.2008
                • 2855

                #8
                Zitat von kato Beitrag anzeigen
                Falls sich jemand fragt, was die täglich vorkommende "EVST-Butter" ist - da der Begriff vermutlich den meisten, die nicht in den 30ern oder 40ern geboren sind, wenig sagt:
                Danke für die Erläuterung. Ich wollte bewusst warten, ob jemand nachfragt.

                Ich bin zwar erst in den 1950ern geboren, kenne aber trotzdem den Begriff EVST. Meiner Erinnerung nach wurden z.B. Fleischkonserven aus diesen Beständen durchaus auch für den privaten Endverbraucher angeboten, z.B. in den damals noch existierenden Konsumläden (später dann COOP), wie es auch klaus_erl in seinem Beitrag erwähnt hat.

                Sobald ich dazu komme, werde ich zum Vergleich diesen Beitrag mit einigen älteren Speisezetteln der Wehrmacht usw. ergänzen.

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                • DeltaEcho80
                  Cold Warrior
                  • 09.03.2013
                  • 1718

                  #9
                  Man beachte die ganzen Unterschriften auf dem Speisezettel.

                  War der unterzeichnete OTL der Schulkommandeur bzw. dessen Vertreter ?

                  Was mir noch auffällt: Gekochtes Rinderherz zum Mittagessen. Das würde heute so auch nicht mehr funktionieren...

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                  • Nemere
                    Cold Warrior
                    • 12.06.2008
                    • 2855

                    #10
                    Zitat von DeltaEcho80 Beitrag anzeigen
                    War der unterzeichnete OTL der Schulkommandeur bzw. dessen Vertreter ?
                    Das müsste der Leiter Schulstab gewesen sein.

                    Was mir noch auffällt: Gekochtes Rinderherz zum Mittagessen. Das würde heute so auch nicht mehr funktionieren...
                    Rinderherz gehört zu den besten Innereien überhaupt, das ist hervorragendes fettarmes Fleisch. Es lässt sich als Steak zubereiten oder im ganzen schmoren. Man findet genügend Rezepte dafür.

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                    • Nemere
                      Cold Warrior
                      • 12.06.2008
                      • 2855

                      #11
                      Zitat von Malefiz Beitrag anzeigen
                      Ich war Anfang 1981 in der Jägerkaserne auf ABC/SeAbwehrUffz Lehrgang. Da gab es zum Mittagessen eine Flasche Bier. Die habe ich auf Deinem Speiseplan nicht gefunden....
                      Ich weiß nichts davon, das mit der dienstlich bereitgestellten Truppenverpflegung eine Flasche Bier ausgegeben wurde. Es gab allerdings eine Zeitlang bei der 1. Gebirgsdivision und der 4. Jäger- / Panzergrenadierdivision die Erlaubnis eine Halbe Bier zum Essen zu trinken - allerdings auf eigene Kosten. Kraftfahrer usw. waren davon natürlich ausgeschlossen. Da es immer wieder Auswüchse gab, weil diese Bestimmung mehr als großzügig ausgelegt und dann aus dem einen Bier einige Biere wurden, wurde das eigentlich schon immer bestehende Alkoholverbot während des Dienstes dann auch bei diesen beiden Divisionen durchgesetzt.

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                      • Nemere
                        Cold Warrior
                        • 12.06.2008
                        • 2855

                        #12
                        Wie versprochen hier zum Vergleich einige Speisepläne aus anderen Zeiten:
                        - Wehrmacht kurz vor dem 2. Weltkrieg. Man hat anscheinend damals vor allem von Kartoffeln gelebt - 1500 Gramm am Tag
                        - Reichsarbeitsdienst Frühjahr 1944. Hier werden die Versorgungsschwierigkeiten schon deutlich: 80 gr. Ochsenfleisch (mit Knochen) als Hauptgericht oder gerade mal 30 gr. Schweinebauch (auch mit Knochen) für den Erbseneintopf.
                        - US-Army kurz nach Kriegsende. Hier lebt man aus dem Vollen.
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                        • DeltaEcho80
                          Cold Warrior
                          • 09.03.2013
                          • 1718

                          #13
                          Zitat von Nemere Beitrag anzeigen

                          Rinderherz gehört zu den besten Innereien überhaupt, das ist hervorragendes fettarmes Fleisch. Es lässt sich als Steak zubereiten oder im ganzen schmoren. Man findet genügend Rezepte dafür.
                          Das weiß ich auch zu schätzen. Ich frage mich halt aufgrund der ganzen Hygienevorschriften etc. ob Innereien in einer Truppenverpflegung noch verwendet werden dürften.
                          Vom "Ihgitt, Innereien" der heutigen Jugend ganz zu schweigen.

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                          • kato
                            Cold Warrior
                            • 03.03.2009
                            • 882

                            #14
                            Zitat von DeltaEcho80 Beitrag anzeigen
                            Ich frage mich halt aufgrund der ganzen Hygienevorschriften etc. ob Innereien in einer Truppenverpflegung noch verwendet werden dürften.
                            Leber war bei uns noch Standard in der Verpflegung, ich meine mich auch mal an Saumagen zu erinnern. Waren auch in der Mannschaftsverpflegung so ziemlich die einzigen tierischen Produkte, die jeder am Geschmack erkannte...

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                            • Nemere
                              Cold Warrior
                              • 12.06.2008
                              • 2855

                              #15
                              Nochmal zum Bier bei der Bundeswehr in der Mittagspause. Ich füge einen kurzen Absatz aus der Divisionsgeschichte der 4. PzGrenDiv bei, der sich mit dieser Frage beschäftigt.
                              (Quelle: Oster, Heinz/ Sander, Wolfgang: Gesichter einer Division - Soldaten der "Vierten" im Bayerischen Grenzland. Regensburg 1982, S. 177).
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