Definition "Kalter Krieg"

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  • Burion
    Cold Warrior
    • 14.07.2005
    • 36

    #1

    Definition "Kalter Krieg"

    Der Ausdruck wurde vermutlich vom amerikanischen Journalisten H. B. Swope erfunden. Von Walter Lippman, ebenfalls Journalist, wurde der Begriff populär gemacht. Er beschrieb den Zustand von "Weder-Krieg-Noch-Frieden" zwischen den Blöcken nach dem zweiten Weltkrieg als "cold war".
    Der Anfang des Kalten Kriegs wird häufig mit der Konferenz in Jalta in Verbindung gebracht, in der die "Big Three" (Rossevelt, Churchill und Stalin) die Zukunft Deutschlands nach dem Krieg festlegten. Anlässlich dieser Konferenz kam es zu ersten Verstimmungen zwischen den USA und der Sowjetunion. So sagte beispielsweise der US-Präsident Harry S. Truman in sehr harschem Ton zu Molotow: "Carry out your agreements and you won't get talked to like that!" ("Halten Sie sich einfach an die Absprachen, dann wird man niemals wieder so mit Ihnen reden!")

    Mit dem Begriff "Kalter Krieg" wird der Konflikt der beiden Supermächte (USA und UdSSR; mit den jeweiligen Satellitenstaaten) in der Zeit zwischen dem Ende des zweiten Weltkriegs bis zum Zusammenbruch des Warschauer Pakts am Ende der 80er Jahre bezeichnet.

    Merkmale des kalten Krieges waren
    - (atomares) Wettrüsten
    - Erweiterung der jeweiligen Machtsphären, vor allem in der "Dritten Welt"
    - Sicherung der eigenen Machtbereiche: Ungarn, Tschechoslowakei
    - zahlreiche Konfliktsituationen (Berlin-Krise, Kuba-Krise)
    - Mauerbau in Berlin, Abschottung der DDR gegen Westen
    - Stellvertreter-Kriege (Korea, Vietnam, Afghanistan, Kambodscha etc.)
    - Prestige-Projekte: Weltraumprogramme der beiden Großmächte

    Besonders im geteilten Deutschland war der Kalte Krieg deutlicher als an anderen Orten zu spüren. Die quasi undurchdringbare Grenze zwischen den beiden Deutschen Staaten zeigte überdeutlich die Konfrontation der beiden Blöcke. Die Berliner Mauer ist vermutlich das stärkste Symbol für den Kalten Krieg.
    Dazu kam die sehr dichte Stationierung von Truppen der beiden Blöcke in Deutschland, zum Teil mit atomarer Waffentechnik ausgerüstet.

    HerzlGrüße
    Jürgen
  • Kahlscher
    Warrior
    • 14.07.2005
    • 59

    #2
    Ich bin ja persönlich eher der Meinung das der kalte Krieg 1947 seinen Anfang genommen hat. Wenn man überhaupt eine Zeit festlegen kann dann denke ich zu der Zeit der Trueman Doktrin sowie des Marschall Plans. Die Truman Doktrin beschreibt ja ganz stark den Kampf gegen den Kommunismus und er Marschall Plan hatte ja das Ziel Westeuropa wieder stark zu machen, damit die Sowjets an Einfluss verlieren oder zumindest nicht mehr Einfluss erreichen.
    Grüße vom Walpersberg,
    Markus

    ------
    Intelligenz statt Krieg

    Kommentar

    • FEK
      Cold Warrior
      • 02.09.2005
      • 279

      #3
      Kalter Krieg wurde m.E. nach dem Zweiten WK nur neu definiert, als aus (zeitweilig) Verbündeten wieder Gegner wurden.
      Kalten Krieg als Situation "weder Krieg noch Frieden" gab es schon wesentlich früher. Als ersten "kalten Krieg" würde ich den Zustand zwischen Karthago und Rom sehen, welcher letzlich heiß wurde und zum Untergang Karthagos führte.

      FEK

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      • Burion
        Cold Warrior
        • 14.07.2005
        • 36

        #4
        Hallo FEK,
        zunächst ein herzliches willkommen hier im Cold-War-Forum.

        Gibt's nach Deiner Kenntnis eine Textstelle, in der vom "kalten Krieg" zwischen Karthago und Rom gesprochen/geschrieben wird?

        HerzlGrüße
        Jürgen

        Kommentar

        • FEK
          Cold Warrior
          • 02.09.2005
          • 279

          #5
          Danke für den Willkommensgruß,

          dazu fällt mir nichts zitierwürdiges ein. Kann sein das ich diesen Gedanken mal irgenwo gelesen habe, da ich kaum glaube das er ursprünglich von mir stammt

          FEK

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          • Arno
            Warrior
            • 15.07.2005
            • 7

            #6
            "Im übrigen möge Karthago zerstört werden" Carthago esse delendam (???????) Bin leider kein "Lateiner" und finde das Originalzitat auf die Schnelle nicht (Giesbert Haefs, Karthago)

            Gruß
            Arno

            Kommentar

            • Burion
              Cold Warrior
              • 14.07.2005
              • 36

              #7
              Das Zitat stammt vermutlich von Cato dem Älteren (wenn ich mich recht entsinne), der jede seiner Reden mit dem Satz "Im übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden müsse" (Ceterum censeo Carthaginem esse delendam) beendete. Plutarch schrieb darüber - allerdings mehr im Sinne von "..., dass Karthago nicht mehr exisitieren soll".
              Das ist aber zunächst noch keine Hinweis darauf, dass der Begriff "Kalter Krieg" schon damals geprägt wurde.
              In der Tat trug der damalige Zustand zwischen Rom und Karthago zeitweise schon Züge dessen, was später als "Kalter Krieg" (= bellum frigidum?) definiert wurde.

              HerzlGrüße
              Jürgen

              Kommentar

              • Arno
                Warrior
                • 15.07.2005
                • 7

                #8
                Danke Jürgen, das war's!

                "Begriffsprägend" sicher nicht, aber m.E. doch faktisch.

                Gruß
                Arno

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                • taupe
                  Cold Warrior
                  • 15.07.2005
                  • 531

                  #9
                  Zitat von Kahlscher
                  Ich bin ja persönlich eher der Meinung das der kalte Krieg 1947 seinen Anfang genommen hat. Wenn man überhaupt eine Zeit festlegen kann dann denke ich zu der Zeit der Trueman Doktrin sowie des Marschall Plans. Die Truman Doktrin beschreibt ja ganz stark den Kampf gegen den Kommunismus und er Marschall Plan hatte ja das Ziel Westeuropa wieder stark zu machen, damit die Sowjets an Einfluss verlieren oder zumindest nicht mehr Einfluss erreichen.
                  Hallo allerseits,

                  das sehe ich genau so.
                  Nur der Vollständigkeit halber - und weil es doch immerhin auch interessante Ansätze sind - wenngleich ich sie nich teile, seien noch zwei andere Auffassungen erwähnt:
                  (Ich halte das eher für ein Schwarzer-Peter-Spiel: Du hast angefangen, nein du hast angefangen...)

                  a) traditionelle Auffassung
                  Hierbei gehen die Autoren davon aus, dass die Sowjetführung auf eine prinzipiell feindliche Politik gegenüber den kapitalistischen Staaten bereits vorher festgelegt war und zwar durch:
                  - die marxistische Ideologie mit Ihrem Anspruch auf die Weltrevolution als Ergebnis eines weltweiten Klassenkampfes
                  - die historischen Erfahrungen der Sowjetführung während der Jahre 1918-1921 (auf Beseitigung des Sowjetregimes hinarbeitendes feindliches Umfeld)
                  - Sorge der Parteioligarchie um den Machterhalt.
                  Stalin setzte gem. den Autoren während des II WK auf "Selbstzerfleischung" der kapitalistischen Staaten und suchte sukzessive alle Länder Ost- und Mitteleuropas, nach Möglichkeit auch das gesamte Deutschland, in "volksdemokratische" auf die Hegemoniemacht Sowjetunion angewiesene Staaten zu machen.
                  Nun aber verkannten die westlichen Politiker die ambivalente Charakteristik und die eigentlich auf Expansion ausgerichtete sowjetische Politik - u.a. weil man sich von Modellen wie der "friedlichen Koexistenz" blenden ließ. Man gab sich ganz der idealistischen Hoffnung hin (in einer Art Neuauflage von Appeasement-Politik), Stalin durch das Zugestehen "sowjetfreundlicher Nachbarstaaten" zu besänftigen und so langfristig die Demokratisierung in der Sowjetunion zu fördern. Die Autoren sehen in den Truman-Dotkrin interessanterweise Zeichen für die grundsätzlicher Kooperationsbereitschaft mit der Sowjetunion.

                  Demgegenüber steht

                  b) die revisionistische These

                  Hier suchen die naturgemäßen Kritiker aus a) die Schuld für den Kalten Krieg in Amerika. Die Sowjetunion sei mit dem II WK nur knapp einer militärischen Katastrophe entgangen, hatte unendliche Menschen- und Resourcenverluste zu ertragen und kann ergo nicht für die Entstehung des kalten Krieges verantwortlich gemacht werden. Überhaupt sei Stalin eher an der Sicherung des russischen Staates als an der Einlösung des weltrevolutionären Anspruches interessiert gewesen. Die Autoren konstatieren gar eine besondere Zurückhaltung, die die sozialistischen Bewegungen gleich bei Kriegsende entscheidend hemmte und so den Kapitalismus - lange vor dem Marshallplan - vor dem Untergang rettete.
                  Tatsächliche Ursache der Konfrontation sei die Struktur des ökönomisch- politischen Systems der USA, das zur Vermeidung existentieller Krisen auf die stetige Erschließung neuer Absätzmärkte angewiesen gewesen sei. I.d. S. wurde die "Eine-Welt-Kriegspropaganda" nicht als idealistische Utopie, sondern als reales Kriegsziel verstanden.

                  ----

                  Wer sich die Mühe gemacht hat alles zu lesen, wird verstehen, obwohl sicherlich bitter ernst in der Intention, lässt das Ergebnis beider Varianten einen doch eher Schmunzeln...

                  Gruss

                  Michael
                  Gruß

                  Michael


                  Demokratie braucht Lärm
                  Montesquieu

                  Kommentar

                  • FEK
                    Cold Warrior
                    • 02.09.2005
                    • 279

                    #10
                    Den Zustand von weder Krieg noch Frieden wird in einer Welt, in welcher sich Staaten permanent feindlich gegenüber stehen häufig gegeben haben. Dabei ist es mit Sicherheit auch zu Situationen gekommen, welche wir als kalten Krieg bezeichen - dazu gehört auch den Gegner des kalten Krieges mit praktisch allen Möglichkeiten außerhalb eines "heißen Krieges" zu bekämpfen. Diplomatisch, ökonomisch, popagandistisch usw. .
                    Das besondere am kalten Krieg nach 1945 ist sicherlich das sich erstmalig im kalten Krieg zwei Blöcke mit völlig gegensätzlichen sozialen und ökonomischen Systemen gegenüber standen. Diese verfügten zudem ab Mitte der 50-er Jahre über militärische Möglichkeiten, sich und die gesamte Menschheit auszulöschen.

                    Was nicht heißt, das es nicht parallel dazu politische, kulturelle und diplomatische Beziehungen zwischen den Kriegsgenern gab und das nicht auch Handel betrieben wurde.

                    FEK

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                    • taupe
                      Cold Warrior
                      • 15.07.2005
                      • 531

                      #11
                      Zitat von FEK
                      Das besondere am kalten Krieg nach 1945 ist sicherlich das sich erstmalig im kalten Krieg zwei Blöcke mit völlig gegensätzlichen sozialen und ökonomischen Systemen gegenüber standen.

                      FEK
                      ergänzen würde ich das noch um die faktische Machtaufteilung (Blockbildung) und die Tatsache, dass viele noch so kleine Konflikte weltweit durch Bindung der Konfliktpartner an jeweils einen "Block" auf eine quasi supranationale Ebene gehievt wurden. Das trieb dann so bizarre Blüten, dass Saddam Hussein vor dem 2. (?) Golfkrieg (Überfall auf Kuwait) über diplomatische Kanäle in Moskau gewissermaßen um Erlaubnis nachfragte - und das unbestimmte Schweigen als Zustimmung wertete - zu einem Zeitpunkt als die UdSSR als solche nicht mehr existierte...

                      Gruß

                      Michael
                      Gruß

                      Michael


                      Demokratie braucht Lärm
                      Montesquieu

                      Kommentar

                      • FEK
                        Cold Warrior
                        • 02.09.2005
                        • 279

                        #12
                        Zitat von taupe

                        a) traditionelle Auffassung
                        Hierbei gehen die Autoren davon aus, dass die Sowjetführung auf eine prinzipiell feindliche Politik gegenüber den kapitalistischen Staaten bereits vorher festgelegt war und zwar durch:
                        - die marxistische Ideologie mit Ihrem Anspruch auf die Weltrevolution als Ergebnis eines weltweiten Klassenkampfes
                        - die historischen Erfahrungen der Sowjetführung während der Jahre 1918-1921 (auf Beseitigung des Sowjetregimes hinarbeitendes feindliches Umfeld)
                        Die feindliche Politik gab es selbstverständlich beiderseitig. Die "alte Welt" der kapitalistischen Staaten stand der zum Staat gewordenen Idee des Sozialismus von Anfang an extrem feindlich gegenüber und forcierte mit Geld, Waffen und Soldaten alle Bestrebungen der Konsolidierung des neuen Staates (Interventionskriege).

                        Die Feststellung eines Anspruchs auf Weltrevolution ist so eigentlich nicht richtig dargestellt. Wahr ist, das Karl Marx davon ausging das sich der Übergang vom Kapitalismus zum Kommunismus in einem sich weltweitem Prozeß gesetzmäßig vollziehen wird. Der Sozialismus war in diesem Prozeß lediglich eine Übergangsphase, mit noch vielen "Muttermalen" des Kapitalismus behaftet.

                        Als die Revolution in Russland stattfand ging Lenin davon aus, das dieses der Beginn dieses Prozesses war. Er mußte feststellen, das dieses ein Irrtum war.

                        Er entwickelte die Theorie und praktische Politik der friedlichen Koexistenz von Staaten unterschiedlicher Systeme. Darin spielte lediglich das Erfordernis einer Verteidigung, keinesfalls aggressive Expansion eine Rolle.

                        FEK

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                        • taupe
                          Cold Warrior
                          • 15.07.2005
                          • 531

                          #13
                          Zitat von FEK
                          Als die Revolution in Russland stattfand ging Lenin davon aus, das dieses der Beginn dieses Prozesses war. Er mußte feststellen, das dieses ein Irrtum war.

                          Er entwickelte die Theorie und praktische Politik der friedlichen Koexistenz von Staaten unterschiedlicher Systeme. Darin spielte lediglich das Erfordernis einer Verteidigung, keinesfalls aggressive Expansion eine Rolle.

                          FEK
                          Hallo,

                          ich grab das hier nochmal aus, weil ich es schlicht übersehen habe...

                          Zwar gehen die Ursprünge der Koexistenztheorie zurück bis in die zwanziger Jahre, resultierend aus der Einsicht, dass es für längere Zeit ein Nebeneinander verschiedener Gesellschaftssysteme geben wird.
                          ABER die damit verbundenen Koexistenzvorstellungen blieben vage und wurden erst zwischen 56 und 59 zu einer geschlossenen Doktrin ausgebaut (XX Parteitag):

                          - friedliches Nebeneinander von Staaten mit unterschiedlicher Gesellschaftsordnung ist möglich und in Anbetracht der Gefahren eines Atomkrieges unumgänglich

                          - an Stelle militärischer Auseinandersetzung tritt wirtschaftlicher Wettbewerb

                          - der ideologische Kampf geht unvermindert weiter

                          - keine Aufgabe der weltrevolutionären Zielsetzung sondern Verbesserung der Bedingungen für dieselbe

                          -Aufhebung der Doktrin von der Unvermeidbarkeit von Kriegen

                          Ich wollte mit dem Posten der "tradtitionellen These" auch nicht andeuten, dass die friedliche Koexistenz auf aggressive Expansions angelegt war (ausdrücklich Zitat), vielmehr sehe ich in ihr eine Annährung an die Realität ("normative Kraft des Faktischen") und die Anerkennung der Tatsache, dass ein Atomkrieg keinen Gewinner kennen wird. Gewissermaßen eine Anerkennung der Patt-Situation und Kanalisierung des Konflikts auf wirtschaftliche Ebene...

                          Gruß

                          Michael
                          Gruß

                          Michael


                          Demokratie braucht Lärm
                          Montesquieu

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