GSV 62 Lengfurt (BW)

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  • Geograph
    Wallmeister
    • 10.05.2006
    • 7478

    #1

    GSV 62 Lengfurt (BW)

    .
    In der Online-Ausgabe der »MAINPOST« (07.08.2008) findet sich ein Artikel über die ehemalige »Grundnetzschalt- und Vermittlungsstelle 62« bei Triefenstein-Lengfurt (Main-Spessart-Kreis):



    "Zeitreise in den Kalten Krieg: Unterirdische Festung in Lengfurt
    Karl Dengel besitzt einen atombombensicheren Bunkerkomplex



    Karl Dengel aus Homburg könnte den Bösewicht im nächsten James-Bond-Film spielen. Nicht etwa, weil er solch ein humorloser Kerl wäre oder Welteroberungspläne schmiedet, sondern weil er Eigentümer einer unterirdischen Festung ist, die einer übertriebenen Filmrealität entsprungen zu sein scheint. Ausgerechnet am Dillberg in Lengfurt hat die Bundeswehr in den 60er Jahren für damals 18 bis 20 Millionen D-Mark einen atombombensicheren unterirdischen Komplex gebaut, für den der Begriff »Bunker« wie eine schamlose Untertreibung wirkt. Gegen den Aufwand, das Know-how, die Geheimhaltung und die Technik, die in diesen Bau einst einflossen, wirkt der derzeit in Marktheidenfeld stattfindende Innenstadtumbau wie das Aufstellen eines Bierdeckelhäuschens.

    1996 hat die Bundeswehr die jahrelang unter größter Geheimhaltung betriebene »Grundnetzschalt- und Vermittlungsstelle« aufgegeben. 2004 hat Dengel das Gelände als Geschäftsführer des Bauzentrums Kuhn gekauft, ohne genau zu wissen, was sich unter dem Boden befand. »Die Rede war lediglich von einem Bunker«, erzählt Dengel. »Ich dachte, wir könnten das Grundstück als Parkplatz oder Ausstellungsfläche für unser Unternehmen nutzen.« Erst beim Treppengang in die Tiefe erkannte Dengel die Ausmaße des Baus.

    50 Meter lang und 30 Meter breit ist der sechs Meter tief im Boden versenkte Bunker. Er ist umgeben von einer drei bis vier Meter dicken Stahlschicht an allen Seiten. Der unterirdische Komplex umfasst 58 Räume, ein eigenes Stromaggregat, Tanks für 26 000 Liter Diesel, ein aufwändiges Luftfiltersystem und einen 112 Meter tiefen Brunnen mit drei Metern Durchmesser.

    »Der Bunker war dafür vorgesehen, dass er bis zu 65 Menschen bis zu vier Monate lang beherbergt. In Sachen Strom, Wasser, Luft und Verpflegung wären die Insassen von der Außenwelt völlig unabhängig gewesen«, erklärt Dengel. »Der Bunker hätte Schutz vor einem Atomschlag geboten und als Zentrale für die Vorbereitung eines Gegenschlags dienen können.« Kernstück des Komplexes ist eine Kommunikationszentrale mit Vermittlungsplätzen für störungssichere Steckverbindungen, zigtausenden Modulen und armdicken Kabeln.

    Dengel sah sich sein neues Eigentum an, staunte und »fand, dass man das nicht verrotten lassen kann.« Obwohl das Projekt einst höchster Geheimhaltung unterlag, fand er viel über die Entstehung und Nutzung des Bunkers heraus – auch mit Hilfe des Vereins »Vorbei«, der in Springe bei Hannover ein ähnliches Objekt saniert hat. Mittlerweile hat Dengel schon mehrfach Führungen durch den Bunkerkomplex geleitet, »für Freunde vom Sportverein, vom Karnevalsverein oder die Lengfurter Senioren«, wie er sagt. Auch Schulklassen möchte Dengel zu Führungen einladen und in der Tiefe ein »Bunkermuseum« einrichten. Leer stehende Räume will er Baustofffirmen zur Verfügung zu stellen. »Die könnten dort als Sponsoren des Museums ihre Firma präsentieren.« Die Öffnung für die Öffentlichkeit ist die mögliche Zukunft für den Bau, dessen Vergangenheit von größtmöglicher Geheimhaltung geprägt war.

    »Während der Bauzeit von 1960 bis '68 verhinderten mehrere Sichtschutzwände den Einblick der Bevölkerung«, erinnert sich Dengel. Kein Lengfurter habe gewusst, was dort acht Jahre lang gebaut wurde. Auch als der Bunker während der Hoch-Zeit des Kalten Krieges von rund 50 Mann betrieben wurde – darunter auch zahlreiche Zivilbedienstete aus der Region –, sei nichts nach außen gedrungen. »Das waren Geheimnisträger. Manche weigern sich noch heute, mit mir darüber zu sprechen«, sagt Dengel. »Dabei ist diese Zeit doch vorüber.«

    Tatsächlich ist der Weg die Treppe hinunter wie eine Zeitreise. Alles an dem Komplex ist darauf ausgelegt, einen Atombombenangriff zu überstehen. Wer das Bunkerinnere betreten will, muss zunächst durch die sieben Schleusen der »Dekontamination«. Dort sollten Menschen, die einer Atomstrahlung ausgesetzt waren, sich ihrer Kleidung entledigen und »gereinigt« werden. Erst danach wurde ihnen Zugang zu den langen unterirdischen Gängen gewährt.

    Die Funktionalität stand beim Bau des Bunkers an oberster Stelle. Die Pritschen in den engen Zimmern bieten wenig Komfort, die meterdicken gelben Mauern, langen Gänge und schweren Türen und nicht zuletzt die Hinweisschilder im militärischen Tonfall (»Achtung! Gefahr vorhanden«) vermitteln eine durchaus bedrückende Atmosphäre. Außerdem kriecht dem Besucher schon nach einer Stunde im Bunker bei 16 Grad Celsius die Kälte in die Knochen.

    Doch mit Ausnahme der beim Auszug der Bundeswehr lahm gelegten Telefonvermittlung funktionieren noch sämtliche technischen Einrichtungen der Anlage. Wenn Dengel auf den Alarmknopf drückt, dröhnt ein Hupen durch die Gänge. Wenn er den Hauptstromschalter umlegt, wird es stockfinster unter der Erde. Doch fluoreszierende Streifen und Pfeile an den Wänden weisen den Weg zum Ausgang.

    Einen Notausgang besitzt das Gebäude ebenfalls. »Der ist komplett mit Kies aufgefüllt«, sagt Dengel. Schließlich sollte »dem Feind« kein Zutritt gewährt werden. Nach einem mehrmonatigen unterirdischen Aufenthalt hätten die Bunker-Insassen die Notfalltür geöffnet und den gesamten Inhalt des rund 30 Meter langen Schachts ins Innere des Bunkers abgetragen. Erst danach hätten sie durch den Schacht ans Tageslicht kriechen können.

    »Die haben beim Bau an alles gedacht«, staunt der Fachmann aus der Baubranche. Sämtliche Einbauten, die riesigen Dieseltanks, das tonnenschwere Stromaggregat, die Luftfilteranlage seien »schwimmend« eingebaut. Sie stehen nicht auf dem Bunkerboden, sondern werden durch Stahlkonstruktionen festgehalten, damit sie im Falle eines Bombeneinschlags frei schwingen könnten und nicht beschädigt würden.

    Besonders beeindruckend findet Karl Dengel den durch zahlreiche Gesteinsschichten bis auf 112 Meter Tiefe vordringenden Brunnen. »Die Bauzeit für diesen Brunnen betrug drei Jahre«, sagt er. Während das gewöhnliche Grundwasser in etwa 25 Metern Tiefe bei einem Atomschlag verseucht würde, ließe sich aus dem Brunnen immer noch reines Trinkwasser gewinnen. 12 000 Liter ließen sich zudem speichern. Während der gesamten Betriebszeit der Anlage von 1968 bis '96 sei keine Wasserzufuhr von außen nötig gewesen. Dass der Brunnen nach der Stilllegung des Komplexes mit Gips verfüllt wurde – »Vier Wochen lang mit etwa 250 Meter langen Leitungen bis ins Innere des Bunkers, ohne dass die Ortsbewohner wussten, was da geschieht« –, hält Dengel für unsinnig. »Heute ist Wasser so kostbar. Man hätte den Brunnen so versiegeln müssen, dass er für die Zukunft nutzbar geblieben wäre.«

    Nach dem Ende des Kalten Kriegs habe die Bundeswehr nicht den gleichen Weitblick im Umgang mit dem Riesenbunker bewiesen wie bei seiner Planung. »Bis 1996 wurde darin noch gearbeitet, obwohl die Technik der Kommunikationszentrale stark veraltet war«, sagt Dengel. Danach seien noch mindestens einmal die Woche Soldaten gekommen, um im Bunker nach dem Rechten zu sehen. »Aber letztlich wurde das dem Bund zu aufwändig.« Deswegen habe er das Areal für eine niedrige fünfstellige Summe erstehen können – weniger als ein Prozent der Baukosten.

    32 ähnliche »Grundnetzschalt- und Vermittlungsstellen der Bundeswehr« seien in den 60er Jahren in West-Deutschland gebaut worden, überwiegend fernab der Großstädte. Die meisten verrotten heute oder »werden von Computerfirmen als Lagerräume genutzt«, sagt Dengel. Deswegen will der Lengfurter Interessierten die Möglichkeit zur unterirdischen Zeitreise in den Kalten Krieg bieten. Und die Möglichkeit, dieser Zeit wieder ans Tageslicht zu entfliehen."


    _________
    ► Quelle: http://www.mainpost.de/lokales/main-...art776,4635458 [09.08.2008; 13:00 Uhr]



    ► Bilderserie zum Artikel: http://www.mainpost.de/_/tools/diavi...9923&_CMELEM=0 [09.08.2008; 13:00 Uhr]

    .
    sigpic_G.E.O.G.R.A.P.H
  • DeltaEcho80
    Cold Warrior
    • 09.03.2013
    • 1711

    #2
    Wer zu diesem Thema mehr wissen will, hier gibt es eine sehr interessante Seite zu diesem Bereich der Bundeswehr:

    Bunker, Zivilschutzanlagen, GSVBw, Atomschutzbunker, ABC-Schutzräume und zeitgeschichtliche Bauwerke bilden einen Schwerpunkt unserer Vereinsarbeit.

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    • ed22ful
      Cold Warrior
      • 01.11.2010
      • 1208

      #3
      Hallo,


      im Rahmen des gestrigen Tages des offenen Denkmales haben palatinat und ich diverse Orte besucht, unter anderem die oben beschriebene GSVBw 62 in Triefenstein-Lengfurt.

      Der Andrang war immens, wir wollten keine Führung mitmachen und mußten daher warten, bis wir die Erlaubnis bekamen, 5min zu besichtigen, nun ja, da ist dann fast eine dreiviertel Stunde draus geworden .
      Nebenbei kam ich mir dann vor, als würde ich selbst eine Führung machen, da sich uns zwei ältere Ehepaare nebst zwei Jungmännern anschloßen, denen wir einiges erklärt haben, hat aber echt Spaß gemacht, da sie sehr interessiert waren.

      Da oben ja ausführlich darüber geschrieben wurde, fasse ich mich kurz zum aktuellen Stand.

      Das Gelände und die dazugehörige Unterirdische Anlage gehören einem Ortsansässigem Unternehmen, der Bereich Wache/Unterkunft/Verwaltung ist abgetrennt und beherbergt eine Arztpraxis.


      001, 002, 003
      Hier die Fotos des Haupttores:

      001.jpg 002.jpg 003.jpg


      004,005
      Nebenbei ein kleines Detail, was ich auch noch nicht kannte:
      Im Torpfosten eingebaute Schublade, in die der Dienst/-Truppenausweis eingelegt und von einer Kamera ins Wachgebäude übertragen wurde, Nett.

      004.jpg 005.jpg


      006, 007
      Der getarnte Zugang nach unten.
      006.jpg 007.jpg


      008
      Zuluftbauwerk
      008.jpg


      009
      Notausstieg B
      009.jpg



      ...
      Sonderwaffenlager Fischbach bei Dahn
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      • ed22ful
        Cold Warrior
        • 01.11.2010
        • 1208

        #4
        010, 011, 012, 013
        Weiter gehts mit dem Transportschacht, der zugleich Notausstieg A ist.
        Auf Foto 013 sieht man gut den Notausgang.

        010.jpg 011.jpg 012.jpg 013.jpg


        014, 015, 016
        Ein paar Fotos der Gänge (Flur 41, 45)

        014.jpg 015.jpg 016.jpg


        017, 018, 019
        Toilettenanlage für Frauen und Männer getrennt (Raum 30, 31)

        017.jpg 018.jpg 019.jpg


        ...
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        • ed22ful
          Cold Warrior
          • 01.11.2010
          • 1208

          #5
          020, 021, 022, 023, 024, 025
          Jetzt noch ein paar originale Pläne der Anlage.

          020.jpg 021.jpg 022.jpg 023.jpg 024.jpg

          025.jpg


          026, 027
          Notstromaggregrat MWM, NEA (Raum 20)

          026.jpg 027.jpg


          028, 029
          Öltanks (Raum 26)

          028.jpg 029.jpg


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          • ed22ful
            Cold Warrior
            • 01.11.2010
            • 1208

            #6
            030
            Bettenlager (Raum 6)

            030.jpg


            031
            Elektrik (Raum 13)

            031.jpg


            032
            Batterieraum, Schwingungsgelagert (Raum 5)

            032.jpg


            033, 034
            Abluftventile (Raum 24)

            033.jpg 034.jpg


            035
            Hinweisschild (Raum 57)

            035.jpg


            036
            Arbeitsschutz (Raum 20)

            036.jpg


            037, 038
            Wasserversorgung, Pumpwerk (Raum 11, Flur 43)

            037.jpg 038.jpg


            ...
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            • ed22ful
              Cold Warrior
              • 01.11.2010
              • 1208

              #7
              039,040
              Übertragung (Raum 13)

              039.jpg 040.jpg


              041, 042
              Kabelaufteilung (Raum 4)

              041.jpg 042.jpg


              043
              Fernmeldegeräteraum (Raum 8)


              043.jpg


              044
              Schalttafel (Raum 10)

              044.jpg


              045, 046
              Fernsprechvermittlung (Raum 1)

              045.jpg 046.jpg


              047, 048
              Fernschreiber (Raum 10)


              047..jpg 048.jpg



              Das war ein kleiner Überblick.

              Gruß


              ed
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              • Keilerdackel
                Cold Warrior
                • 06.10.2011
                • 117

                #8
                Hallo Ed,

                vielen Dank für den schönen Rundgang durch die GSVBW. Leider ging die Teilnahme der Liegenschaft am Tag des offenen Denkmals an mir vorüber.

                Genau diese Anlage hat es mir ein wenig angetan, zumal ich beruflich mit fast der gleichen Technik zu tun hatte. Die Liegenschaft war mir bis vor 2 Jahren völlig unbekannt.

                Ich hatte dann über den Reservistenverband eine Besichtigung organisiert. Der Zufall wollte es, dass der ehemalige technische Leiter die Führung durchführte. Mit dem Ergebnis, dass wirklich alles bis ins kleinste Detail erklärt wurde.

                Was immer wieder verbüfft, ist die Tatsache das die Anlage im nähesten Umfeld heute immer noch gänzlich unbekannt ist.

                Bei der Führung damals fiel mir die Spannungsversorgung auf. Ein 20kV Transformator versogte die GSVBW mit Spannung. Mein Arbeitgeber betreibt ca. 500m entfernt eine 20kV Station. Ich habe einmal in den Plänen nachgesehen........und siehe da.

                Von der Anlage gewusst hat aber niemand oder der Personenkreis der während der aktiven Zeit damit vertraut war durfte nichts wissen oder das Interesse hat schlitweg gefehlt.

                Als ich einige Monate nach der damilgen Führung bei einer Familienfeier davon erzählt habe, hat z.B mein Onkel berichtet das er als Reservist zweimal eine zwei Wöchige Wehrübung in der GSVBW Treiefnstein absolviert hat. Da war ich natürlich völlig sprachlos. Die Anlage war da, sie war auch einem Personenkreis bekannt, wie am Beispiel meines Onkels, geredet hat niemand.


                Wenn man sich vor Augen führt welcher Aufwand damals betrieben wurde um ein (fast) autarkes Fernmelde Grundnetz zu betreiben, dann ist das was heute im Zeitalter von IP und Lichtwellenleiter betrieben wird nur noch ein Schatten von damals........Sicherlich mit der zigfachen Bandbreite aber mit einem Bruchteil an Sicherheit.

                Mir hat ein ehemaliger Soldat, der mit dem Schutz der GSVBW eine zeitlang betraut war, erzählt dass dem Gegner alle GSVBW's bekannt waren und es die Anweisung gab die GSVBW's unversehrt einzunehmen um das Fernmeldegrundnetz dann selbst nutzen zu können. Ob es stimmt weis ich nicht.....logisch ist es auf jeden Fall.

                Anmerken möchte ich noch, dass auf dem Bild 40 ein Rangierverteiler zu sehen ist der mit der eigentlichen aktiven Übertragung nichts zu tun hat. Dort wurden lediglich die vorhandenen TF bzw. NF Kanäle verteilt. Die aktive Übertragungstechnik ist in Triefenstein nicht mehr vorhanden. Dafür aber die komplette Fernsprechvermittlung was auch, im Vergleich zu den anderen GSVBW's, schon eine Seltenheit ist.

                Hier ein Link der die GSVBW 66 Pfaffenhofen zeigt. Der Titel ist etwas verwirrend.



                Viele Grüße

                Michael
                Zuletzt geändert von Keilerdackel; 09.09.2013, 21:55.

                Kommentar

                • Horner
                  Cold Warrior
                  • 24.05.2009
                  • 1897

                  #9
                  Moin zusammen,
                  vielen Dank euch beiden das Ihr solange ausgeharrt habt um diesen tollen Beitrag uns zu servieren
                  Es ist doch immer wunderlich, wie unscheinbar doch etwas wichtiges in der grünen Natur steht, ohne das man man darauf kommt, das es sich um eine sehr effiziente Bunkeranlage handelt.

                  Täuschen und Tarnen ist halt alles

                  Gruß
                  Horner

                  Kommentar

                  • ed22ful
                    Cold Warrior
                    • 01.11.2010
                    • 1208

                    #10
                    Danke für eure Blumen.

                    Ich war auch sehr beeindruckt, mich begeistert vor allem immer der immense Aufwand, der betrieben wurde, echte Handwerksarbeit und alles individuell.

                    Vor allem die NEA hat es mir angetan, den schönen 8-Zylinder (Reihe, nix V-Motor) hätte ich am liebsten mal angeschmissen, er sah sehr sehr Betriebsbereit aus.

                    Vielleicht stellt palatinat ja noch ein paar Fotos ein, aber er ist bestimmt wieder zu faul.

                    Gute Nacht


                    ed
                    Sonderwaffenlager Fischbach bei Dahn
                    Interessengemeinschaft „Area 1" militärgeschichtlicher Verein e.V.
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                    Kommentar

                    • DeltaEcho80
                      Cold Warrior
                      • 09.03.2013
                      • 1711

                      #11
                      Jetzt muss ich mal "blöd" fragen:

                      Diese Grundnetzschalt - und Vermittlungsstellen der BW waren also zuständig für den Betrieb des Fernmeldenetzes der BW - also der berühmten "90er" Vorwahl, oder?
                      Das heißt, das diese GSVBW keine "Ausweichquartiere" waren, sondern in den Jahren ihrer Nutzung ständig in Betrieb waren ?

                      Grüße
                      DE

                      Kommentar

                      • Keilerdackel
                        Cold Warrior
                        • 06.10.2011
                        • 117

                        #12
                        Hallo Delta Echo,

                        die GSVBW waren ständig besetzt und für die Handvermittlung von Ferngesprächen im Bundeswehrgrundnetz zuständig. Gleichzeitig wurden verschlüsselte Fernschreibverbindungen durch die GSVBW'S bereitgestellt.

                        Die Anlgen waren immer in Betrieb. Im Frieden bestand das Vermittlungspersonal aus Zivilisten. Lediglich der Dienststellenleiter, ein Stellvertreter und einige weitere Personen waren Soldaten. Im Kriegsfall wären dann diese Zivilpersonen durch Soldaten (meistens Reservisten) ersetzt worden.

                        Die GSVBS waren seit ihrer Erichtung in den späten 60'er Jahren bis ca. 1996 durchgehend in Betrieb. Zum Einsatz kammen standard Fernmeldegeräte wie sie z.B auch die Deutsche Bundspost oder andere Institutionen, die ein eigenes Fernmeldenetz betrieben haben, einsetzten.

                        Die Technik war in den 90'er Jahren schon sehr in die Jahre gekommen. Das, und der Wandel in der Weltpolitik führten schließlich zu der Stilllegung.

                        Viele Grüße

                        Michael

                        Kommentar

                        • Nemere
                          Cold Warrior
                          • 12.06.2008
                          • 2835

                          #13
                          Zitat von Keilerdackel Beitrag anzeigen
                          Mir hat ein ehemaliger Soldat, der mit dem Schutz der GSVBW eine zeitlang betraut war, erzählt dass dem Gegner alle GSVBW's bekannt waren und es die Anweisung gab die GSVBW's unversehrt einzunehmen um das Fernmeldegrundnetz dann selbst nutzen zu können. Ob es stimmt weis ich nicht.....logisch ist es auf jeden Fall.
                          Ist wahrscheinlich schon bekannt, aber trotzdem nochmal der Hinweis: Jede GSVBw hatte einen Sicherungszug (Geräteeinheit), der nur für den Schutz dieser GSVBw zuständig gewesen wäre.

                          Um zu verhindern, dass der Gegner die GSVBw nutzen kann, gab es dort - wie in jeder anderen Anlage der Bundeswehr - Pläne für die "Lähmung" bzw. die "Zerstörung" der Anlagen.
                          "Lähmung" meint hier den Ausbau und das Mitnehmen betriebswichtiger Teile, so dass der Feind nicht direkt mit der Anlage arbeiten kann. Sollte die Anlage später wieder zurück erobert werden können, hoffte man nach Einbau dieser Teile sofort wieder damit arbeiten zu können. Ich habe allerdings zuwenig Ahnung von Fernmeldetechnik, um sagen zu können, was denn nun ausgebaut worden wäre.

                          Für die Zerstörung hätte man meistens Thermitstäbe verwendet, die nach der Zündung kaum mehr zu löschen sind und z.B. in Schaltschränken nur noch einen Klumpen geschmolzenes Metall hinterlassen hätten. Thermitstäbe gehörten auch zur Ausstattung gepanzerter Fahrzeuge für die Zerstörung, falls die Fahrzeuge nicht mehr geborgen werden konnten.

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                          • Keilerdackel
                            Cold Warrior
                            • 06.10.2011
                            • 117

                            #14
                            Zitat von Nemere Beitrag anzeigen
                            Ist wahrscheinlich schon bekannt, aber trotzdem nochmal der Hinweis: Jede GSVBw hatte einen Sicherungszug (Geräteeinheit), der nur für den Schutz dieser GSVBw zuständig gewesen wäre.

                            .

                            Der erwähnte Soldat war Zugführer in solch einem Sicherungszug; im speziellen für die GSVBw 62.

                            Für mich war bei der Besichtigung der GSVBw allerdings nicht klar wie man die Anlage hätte verteidigen wollen. Aus den beiden MG Ständen, welche für die Nahverteidigung gedacht waren, war der Wirkungskreis der Waffe sehr beschränkt. Vieleicht liegt es auch an meinem bescheidenen Wissen was dieses Thema anbelangt.

                            Die Zerstörung von Anlagen dieser Art vor der Einahme durch den Feind hätte wohl zur Folge gehabt, dass die Anlage dann auch für die Bundeswehr, nach der Zurückeroberung, nicht mehr nutzbar gewesen wäre.

                            Man bedenke nur einmal den Aufwand der Kabeleinführungen in einer GSVBw. Um die Anlage zu Lähmen hätte man die Kabel als Herzstück der Anlage zerstören müssen. Eine Wiederherstellung ist dann allerdings, im Falle der GSVBw, nur noch sehr sehr schwer möglich. Das Entfernen von Fernmeldegerät hat zur Folge, dass die Nutzung direkt nicht mehr möglich ist. Die fernmeldetechnische Anbindung besteht aber weiter. Und russische Fernmeldetechnik funktioniert an Kabeln der Deutschen Bundespost genauso wie umgekehrt.

                            Ein sehr intessantes Thema wie ich finde. Vieleicht gibt es ja Personen die damit betraut waren wie mit einer solchen Anlage im Eroberungsfall verfahren worden wäre.

                            Viele Grüße

                            Michael

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                            • Nemere
                              Cold Warrior
                              • 12.06.2008
                              • 2835

                              #15
                              Zitat von Keilerdackel Beitrag anzeigen
                              Für mich war bei der Besichtigung der GSVBw allerdings nicht klar wie man die Anlage hätte verteidigen wollen. Aus den beiden MG Ständen, welche für die Nahverteidigung gedacht waren, war der Wirkungskreis der Waffe sehr beschränkt. Vieleicht liegt es auch an meinem bescheidenen Wissen was dieses Thema anbelangt.
                              Die Verteidigung erfolgte aus Feldstellungen, die mit Drahtsperren und ggf. Minen / versteckten Ladungen verstärkt worden wären. Zusätzlich konnte ggf. in die vermutete Annäherungsrichtung des Feindes ein Feldposten vorgeschoben werden, zur Aufklärung hätte man Spähtrupps angesetzt. Die Verbindung zwischen den Stellung wäre durch Streifen oder Pendelspähtrupps sichergestellt worden. Weiter wären innerhalb des Stellungsraumes Gegenstösse vorbereitet worden. 2 Beispielskizzen dafür habe ich beigefügt.
                              Eine Verteidigung aus der GSVBw heraus wäre sicher nur die letzte Möglichkeit gewesen.
                              Zudem wäre das Objekt in die Gesamtorganisation des örtlich zuständigen VKK bzw. VBK einbezogen worden. Dadurch wäre z.B. Unterstützung durch andere in der Nähe eingesetzten Kräfte möglich gewesen (Heimatschutzkompanien, Teile von Heimatschutzregimentern).

                              Nicht umsonst gab es eine umfangreiche Vorschrift, die sich allein mit dem Schutz von Objekten befasste: HDv 150/100 Schutz von Objekten (Ausgabe 1986). Die beiden Skizzen stammen aus dieser Vorschrift. Bis 1986 hatte stattdessen die HDv 212/6 "Die Sicherungskompanie" für solche Aufträge Geltung.
                              Angehängte Dateien

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