Fernmeldebunker Hemau

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  • vizekonteradmiral
    Cold Warrior
    • 21.01.2006
    • 199

    #1

    Fernmeldebunker Hemau

    Gestern gab es in der ARD in "Titel,Thesen, Temperamente" einen Bericht über den Fernmeldebunker Hemau (Oberpfalz, Bayern)
    Diese Sendung ist ja eine Kultursendung und in erster Linie ging es um eine Kunstausstellung, die gerade in diesem Bunker zu sehen ist.
    Aber es wurden auch viele technische Fakten erwähnt, die ich hier kurz wiedergebe, für die Peoples die diese Sendung nicht gesehen haben.


    Der Bunker wurde 1965 in Betrieb genommen als Fernmeldestelle der Bundeswehr und war der Prototyp einer Serie von 32 unterirdischen Fernmeldeposten, mit deren Hilfe die Kommunikation in Deutschland während eines Atomkrieges aufrecht erhalten werden sollte. Jeder dieser Bunker kostete 15 mio DM (damals war das Geld wohl noch etwas mehr wert, dafür gäbe es heute nicht viel mehr als die Baugrube )
    Ob auch alle geplanten 32 Bunker letztendlich gebaut wurden, wurde nicht gesagt.


    Zu dieser Zeit hätte die gesamte Erde mit den damals vorhanden Atomwaffen 100 mal vernichten werden können.
    Die Zahl 100 ist wohl auch mehr so eine aus der Luft gegriffene Hausnummer, aber ob es nun 100 mal oder 50 mal oder 10 mal gewesen ist, spielt nun auch nicht die große Rolle.

    Der Bunker liegt 10 Meter unter der Erde (was genau unter dieser Aussage zu verstehen ist, bleibt offen – der Abstand zwischen der Oberseite des Bunkers zur Erdoberfläche oder der Abstand zwischen dem Fußboden des obersten Geschosses zur Erdoberfläche, oder was?) und hat 3 Meter dicke Betonwände. Es gibt ein Dutzend gasdichte Drucksicherungstüren.

    In Friedenszeiten waren 10 Leute rund um die Uhr im Bunker tätig. Im Kriegsfall hätten 67 Bundeswehrsoldaten 27 Tage im Bunker überleben können.

    Wasserversorgung durch eigenen Brunnen. Die Belüftungsanlage verfügte über einen 'gigantischen' Sandfilter. Es gab eine Eingangsschleuse für kontaminierte Personen (hinter die Wirksamkeit dieser Schleuse wurde allerdings ein großes Fragezeichen gesetzt).
    Der Bunker lagert auf einem Kiesbett, um Erschütterungen standzuhalten.

    Der Bunker wurde 1996 außer Betrieb gesetzt und sollte mit Wasser geflutet werden; eine Kulturinitiative konnte dies verhindern.


    Es wurde die Sinnhaftigkeit dieses Bauwerkes angesprochen. Wenn auf Deutschland die Atombomben niedergegangen wären, hätte man durch dieses Netz von Fernmeldebunkern die Kommunikation in Deutschland noch 27 Tage aufrecht erhalten können. Für wen?? Was machte das für einen Sinn?? Nach 27 Tagen wären die Soldaten im Bunker tot gewesen, und außerhalb der Bunker war schon alles tot und für Jahre unbewohnbar.
    Und deshalb ... äh ... haben wir uns dazu entschlossen, heute ... äh ... eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, ... äh ... über Grenzübergangspunkte der DDR ... äh ... auszureisen.
    G.Schabowski, 9.11.1989
  • taupe
    Cold Warrior
    • 15.07.2005
    • 531

    #2
    Hi Vize,

    Ja, was du da beschreibst ist eine sog.
    'Grundnetz-Schalt- und-Vermittlungsstelle der Bundeswehr' kurz GSVBw.

    Die erwähnten 32 Bunker sind tatsächlich alle gebaut worden. Das Grundnetz der Bundeswehr ist eben ein vollkommen eigenständiges, von der Bundespost unabhängiges Netz gewesen. Solche eigenen Netze betrieben übrigens auch die US-Streitkräfte, pardon, betreiben

    Für wen? Na z.B. für all die anderen Soldaten, die in anderen Bunkern saßen (sitzen), z.B. also die ganzen HQs (Gefechtsführungsbunker wie Erwin, Castle Gate etc.), CRCs (Auenhausen, Uedem, Erndtebrück etc.),

    Ich denke mit 10m ist nicht die Überdeckung gemeint. Wenn ich da an 'unseren' Bunker denke, der hat glaube ich 3m überdeckung/Betondecke und die tiefste der drei Etagen liegt dann 15m unter Erdniveau.

    Achso, zu den Standorten, im Buch "Der Bunker" von Michael Preute, in dem er eigentlich den Regierungsbunker im Ahrtal beschreibt, findet sich folgende Liste:

    Insgesamt sind im GSVBw-Netz 32 atomschiagsicher , verbunkert. 2391 Kleinwolstrup, 2257 Bredstedt, 2301 Gettorf, 3257 Springe, 2852 Elmlohe, 2720 Rotenburg, 2913 1 Appen, 4558 Bersenbrück, 4450 Lingen, 2948 Accum, 5177 Holzweiler, 4717 Nordkirchen, 4232 Birten, 5901 Wilnsdorf, 4840 Rheda-Wiedenbrück, 5350 Euskirchen, 5440 Mayen, 6551 Rüdesheim, 3579 Jesherg, 5501 Welschbillig, 6581 Niederbrombach, 6300 Lützellinden, 7035 Waldenbruch, 7801 Merdingen, 7210 Rottweil, 7904 Erhach, 7602 Oberkirch, 8939 Jengen, 8771 Lengfurt, 8805 Aichenzell, 8416 Hemau, 8068 Pfaffenhofen.
    Danke für den Bericht über die Sendung
    Gruß

    Michael


    Demokratie braucht Lärm
    Montesquieu

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    • derlub

      #3
      Hi!
      Hier dürfte es einen Grundriss dieses Bunkers geben. Einige Angaben, wie z.B. der Preis unterscheiden sich aber...
      Viele Grüsse,
      Christoph

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      • taupe
        Cold Warrior
        • 15.07.2005
        • 531

        #4
        Hi Christoph,

        sicher, dass das genau die GSVBw ist? Da war doch was von Nutzung durch Nato und so? Ach wir hatten da auch schon mal einen Thread zu.
        Ah ja, genau hier: H I E R

        Auf jeden Fall: Hier gibts ein Video über eine GSVBw, ich denke, dass ist die bei Gießen.
        V I D E O

        Zu den Baukosten:
        Es ist immer leicht problematisch mit diesen Zahlen. Denn die einen verstehen unter Baukosten den Rohbau plus Elektrik, Lüftung, Klima, Notstrom etc., die anderen nur den Rohbau, wieder andere die komplette schlüsselfertige Anlage mit der gesamten Fernmeldetechnik und Möbeln etc...
        Gruß

        Michael


        Demokratie braucht Lärm
        Montesquieu

        Kommentar

        • derlub

          #5
          Zitat von taupe
          sicher, dass das genau die GSVBw ist? Da war doch was von Nutzung durch Nato und so? Ach wir hatten da auch schon mal einen Thread zu.
          Ah ja, genau hier: H I E R
          Also, wenn man den Grundrisse der beiden Links
          http://www.cold-war.de/attachment.ph...2&d=1137487768

          vergleicht ist klar, dass der sogenannte "Nato-Fernmeldebunker" auf jeden Fall den Grundriss der GSVBw Hemau hat. Außerdem steht weiter unten in der Beschreibung etwas von "Fernmeldebetrieb und Technik der Bundeswehr" und "Fernmeldetechnik der Deutschen Bundespost". Also die Aufgabe einer GSVBw.
          Vizekonteradmiral schreibt über Hemau, dass der Bunker 1965 als Prototyp in Betrieb gegangen ist. Auf der Seite von Karl Esser steht, dass der Bunker 1963 errichtet wurde. Das kann aber nicht das Fertigstellungsjahr gewesen sein, wenn Hemau 1965 Prototyp war.
          Daher gehe ich davon aus, dass 1963 beim Bunker von Karl Esser der Baubeginn war und 1965 die Inbetriebnahme war. Damit schließt sich der Kreis.
          Es ist die GSVBw in Hemau.
          Schlüssig, oder?
          Viel Grüsse,
          Christoph

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          • Leif
            Rekrut
            • 14.07.2005
            • 35

            #6
            Die GSV von Herrn Esser steht woanders.

            Viele Grüße,
            Leif

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            • kurt
              Rekrut
              • 03.12.2006
              • 2

              #7
              Hallo zusammen,

              die Aussage die GSV wäre ein Prototyp gewesen kann nicht stimmen.
              Meine GSV war schon vorher in Betrieb.
              Nach meiner Kenntnis stimmt die Anzahl von 32 GSVen auch nicht es sind einige mehr. Einige davon noch im Betrieb.

              Viele Grüsse

              Kurt

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              • Lauterbacher
                Cold Warrior
                • 11.10.2006
                • 101

                #8
                Moin Moin,
                sagt mal, welcher bzw. wo könnte der folgende Bunker gewesen sein:

                Mein Vater war Fernmeldetechniker in Fulda (ist leider aber schon 1989 verstorben) und mußte einen Fernmeldebunker der US Streitkräfte warten bzw. als Entstörer betreuen. Müßte so im Bereich Künzell, Fulda, Bad Hersfeld oder so gewesen sein.

                Stand völlig frei im Feld und drüber war eine Feldscheune errichtet (Eingangstarnung??). Größenordnung nach seinen Worten: eine Schaltzentrale vergleichbar mit einem Postamt für eine 25.000 Einwohner Stadt. Müßte also ziemlich groß gewesen sein.

                Irgendeine Ahnung, wo das Ding lag/liegt bzw. im Betrieb oder nicht, Besichtigung möglich??????


                Gruß Ulrich

                Kommentar

                • Harry (†)
                  In Memoriam
                  • 14.07.2005
                  • 1234

                  #9
                  Schreib doch nicht so Sachen, wie soll man da nachts noch ruhig schlafen wenn man nicht weiss wo das Ding iss ??
                  --------------------------------
                  Der liebe Harry

                  Kommentar

                  • Lauterbacher
                    Cold Warrior
                    • 11.10.2006
                    • 101

                    #10
                    Tschuldigung, Harry!

                    Ich dachte schon ich blamier mich mit der Frage , weil schon x-mal besprochen...Hmmm, offensichtlich nicht.

                    Kennt man denn überhaupt welche, rundum Fulda?? Wenn ja wo??

                    Meine Mutter meine irgendwas mit Gersfeld. Vielleicht steht das Ding auf dem Übungsplatz??!!

                    Weiß denn gar keiner was??????????

                    Gruß Ulrich

                    Kommentar

                    • Harry (†)
                      In Memoriam
                      • 14.07.2005
                      • 1234

                      #11
                      Ich kenn keine hier...
                      --------------------------------
                      Der liebe Harry

                      Kommentar

                      • Kasper
                        Rekrut
                        • 18.12.2006
                        • 1

                        #12
                        Gsvbw

                        Bin neu hier und Zufällig bei euerem Forum gelandet. Leider habe ich den TV Bericht nicht gesehen, wäre aber sehr daran Interessiert. Es gibt 32 Baugleiche Fernmeldemunker GSVBW (Grundnetz-Schalt-und Vermittlungsstelle) Einen davon (Oberkirch) habe ich 1997 vom BV Amt erworben (GSVBW 52). Danach habe ich in Merdingen den vom Grundriss her Baugleichen Bunker Besichtigt. Die Fernmeldeeinrichtungen habe ich entfernt und kurz ein paar Musikgruppen Poben lassen. Das Bauamt hat daraufhin die Nutzung wegen Lebensgefahr untersagt. Also müssten die Soldaten die 30 Jahre dort gearbeitet hatten, ständig unter Lebensgefahr gestanden haben und dies in einem Atomschutzbunker! Die Orginalpläne sind Vorhanden. Um einmal eine Genehmigung als Proberaum zu erhalten wurden diese von einem Architekt neu gezeichnet und Digitalisiert. Jedoch müsste ein Loch durch die drei Meter dicke Decke gesägt werden um einem Flucht und Rettungsweg gerecht zu werden. Über den ehem. techn. Leiter, der 30 Jahre im Buker gearbeitet hat, habe ich sehr viel über diese Baugleichen Bunker Erfahren. Das solls fürs erste gewesen sein.

                        Kommentar

                        • vizekonteradmiral
                          Cold Warrior
                          • 21.01.2006
                          • 199

                          #13
                          Hallo Kasper
                          Ich habe den Bericht auf VHS Video.
                          Leider habe ich noch kein Equipment zur Digitalisierung von VHS Videos. Aber vielleicht nehme ich das jetzt mal als Anlass, mir eine TV/Video Karte für den PC zu kaufen. Irgendwann brauche ich das ja doch.
                          Alternativ könnte ich auch mit meiner Digicam den Fernseherbildschirm abfilmen und den Film dann als DIVX per mail versenden.
                          Im Moment habe ich aber genug zu tun, melde mich irgendwann nach Weihnachten wieder.

                          Gruß Frank
                          Und deshalb ... äh ... haben wir uns dazu entschlossen, heute ... äh ... eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, ... äh ... über Grenzübergangspunkte der DDR ... äh ... auszureisen.
                          G.Schabowski, 9.11.1989

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                          • vizekonteradmiral
                            Cold Warrior
                            • 21.01.2006
                            • 199

                            #14
                            Hallo
                            Den Kauf einer TV-Karte verschiebe ich aufs nächste Jahr. Was nicht unbedingt heißen muss Anfang nächsten Jahres.
                            Ich habe den Bericht jetzt mit der Kamera vom Fernseh-Bildschirm abgefilmt.
                            Das Ergebnis ist eher bescheiden, aber man versteht immerhin den Ton.
                            Leider ist die Datei (DIVX, 7 Minuten) auch noch 31 MB groß geworden.

                            Ich kann das gerne als Email verschicken. Wer die Email bekommen will, meldet sich hier im Thread oder per PN.

                            Gruß Frank
                            Und deshalb ... äh ... haben wir uns dazu entschlossen, heute ... äh ... eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, ... äh ... über Grenzübergangspunkte der DDR ... äh ... auszureisen.
                            G.Schabowski, 9.11.1989

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                            • hablkunst
                              Rekrut
                              • 11.11.2007
                              • 1

                              #15
                              Hier ein paar Auszüge aus dem angegebenen Link



                              Bunker - Fakten
                              von Thomas Feuerer
                              Bei der in Rieb nahe Hemau gelegenen ehemaligen „Grundnetz-, Schalt- und Vermittlungsstelle
                              der Bundeswehr 64“ handelte es sich um eine von insgesamt 32 verbunkerten
                              militärischen Fernmelde-Dienststellen, welche in den sechziger Jahren des 20.
                              Jahrhunderts fast baugleich im ganzen damaligen Bundesgebiet errichtet wurden. Diese
                              GSVBw waren die Knotenpunkte des sogenannten Bundeswehrgrundnetzes und stellten
                              als dessen „Rückgrat“ vor allem die Fernmeldeverbindungen im festen Fernmeldenetz
                              der Bundeswehr sicher, sollten im Verteidigungsfall aber auch als Anschaltpunkte der
                              kämpfenden Truppe dienen.
                              Hintergrund
                              Der Bau eines ganzen Netzwerks von verbunkerten GSVBw als Bestandteil einer umfassenden
                              Verteidigungsinfrastruktur war vom Führungsstab der Bundeswehr schon in
                              deren Aufbauphase als unbedingt notwendig erkannt worden.
                              Nato-Strategie und nationale Verteidigungsplanung gingen nämlich in den 1950er Jahren
                              übereinstimmend davon aus, dass im Falle eines damals für sehr wahrscheinlich
                              gehaltenen Angriffs durch Truppen des Warschauer Pakts die Bundesrepublik Deutschland
                              binnen kürzester Zeit in vier bis fünf Verteidigungsinseln zerschlagen sein würde.
                              Wegen des in diesem Zusammenhang erwarteten massenhaften Einsatzes taktischer
                              Atomwaffen und der dadurch verursachten enormen Schäden fürchtete man indes, dass
                              dann eine zentral gelenkte politische und militärische Koordination bzw. Führung der
                              Verteidigung in und zwischen diesen aufgesplitterten Teilgebieten nicht mehr möglich
                              sein würde. Aus Sicht des Führungsstabes der Bundeswehr war es daher unerlässlich,
                              so bald wie möglich ein vom stark gefährdeten öffentlichen Fernmeldenetz unabhängiges
                              und damit sichereres eigenes militärisches Grundnetz anzulegen.
                              Die Umsetzung der im Jahre 1958 erstmals detailliert beschriebenen Forderungen wurde
                              zwar sofort in die Wege geleitet. Aber erst die auf Betreiben der Bundeswehrführung im
                              Juni 1961 beschlossene Aufstellung einer Einheitsplanung beschleunigte den Bau der
                              zahlreich benötigten „Grundnetzvermittlungen der Bundeswehr“ (GVBw). Von nun an
                              sollten die Bauausführungsunterlagen nämlich zentral durch eine „Planungsgruppe
                              GVBw“ erarbeitet und laufend allen zuständigen Bauverwaltungen der Länder für die
                              Durchführung der Baumaßnahmen vor Ort zur Verfügung gestellt werden. Da der Bunker
                              in Rieb bei Hemau der erste war, der tatsächlich errichtet werden sollte, und somit
                              gleichsam der Prototyp für alle anderen im ganzen Bundesgebiet, wurden die
                              Einheitspläne für sämtliche GSVBw daraufhin in Regensburg beim dort ansässigen
                              Finanzbauamt gemacht, und zwar zum größten Teil in den Jahren von 1961 bis 1964.
                              Was indes die Standortwahl und die Bauweise anbelangt, so war das wichtigste
                              Kriterium der Aspekt „Sicherheit“, dem die Verantwortlichen in mehrfacher Hinsicht
                              Rechnung zu tragen versuchten:
                              (1.) Um der militärischen Forderung zu entsprechen, potentielle Zielräume wie
                              Großstädte und Industriegebiete zu vermeiden, wurden die bis in die späten sechziger
                              Jahre hinein errichteten GSVBw über das gesamte Territorium der damaligen
                              Bundesrepublik dezentral mit einem Abstand von jeweils 50 bis 80 Kilometer verteilt und
                              dabei bewusst in überwiegend bevölkerungsarme, ländlich geprägte Landstriche
                              eingepasst.
                              (2.) Zur Aufrechterhaltung der Kommunikationsfähigkeit auch in einem Nuklearkrieg
                              glaubte man, die technischen Einrichtungen der GSVBw mit erheblichem Aufwand unter
                              der Erde atombombensicher verbunkern zu müssen.
                              (3.) Aus Gründen der Tarnung schließlich sollten die anderen benötigten Gebäude über
                              der Erde dem typisch schlichten Stil des zeitgemäßen Wohn- und Verwaltungsbaus
                              entsprechen.
                              Beschreibung
                              Während es sich also folglich auch bei den oberirdischen Gebäuden der GSVBw 64 um
                              zeittypische Nutzbauten handelt, die hier nicht weiter von Interesse zu sein brauchen, ist
                              der unterirdische, in einem gigantischen Kiesbett gelagerte Bunker in Rieb ohne Zweifel
                              ein ausgesprochen eindrucksvolles zeitgeschichtliches Baudenkmal des Kalten Krieges
                              – und dies nicht nur aus militärhistorischer Sicht. Da sich die Aufteilung der Räume und
                              deren jeweiliger Verwendungszweck sehr gut aus dem nachfolgenden beschrifteten
                              Grundriss erkennen lassen, seien hier lediglich einige der wichtigsten Gebäudedaten
                              stichpunktartig genannt:
                              (1.) Der Bunker hat einen rechteckigen Grundriss mit einer Länge von 49,50 Meter und
                              einer Breite von 29,00 Meter.
                              (2.) Die Betondicke der Außenwände und der Sohlenplatte beträgt durchgehend 3,00
                              Meter, diejenige der Innenwände variiert zwischen 0,30 Meter und 1,00 Meter.
                              (3.) Die Bunkerdecke ist in Form eines flachen Satteldaches gegossen, um ein Ablaufen
                              des Wassers zu gewährleisten. An den Längsseiten beträgt ihre Betondicke daher
                              ebenfalls 3,00 Meter, am Scheitel aber ca. 3,60 Meter.
                              (4.) Der gewaltige Kubus, dessen Sohlentiefe sich ab Oberkante Gelände auf ca. 9,50
                              Meter beläuft, ruht auf einem etwa 1,00 Meter tiefen Kiesbett.
                              Sinn und Zweck des Bunkers war es ja, den militärischen Fernmeldebetrieb auch im Falle
                              eines atomaren Schlagabtausches zumindest noch für einen gewissen Zeitraum mehr
                              oder weniger reibungslos aufrecht erhalten zu können. Es wurde daher alles unternommen,
                              um das Bauwerk möglichst autark zu machen. Grundvoraussetzung dafür war zunächst
                              einmal die Möglichkeit der hermetischen, strahlensicheren Abriegelung des Eingangsbereichs
                              mittels gasdichten Druckwellensicherungstüren bzw. integrierter Gasschleusenanlage
                              (zu Dekontaminationszwecken).
                              Sodann mussten für die eingeschlossene Besatzung neben den benötigten Büros und
                              Arbeitsräumen auch eine Notküche, ein Verpflegungsraum sowie sanitäre Anlagen und
                              Ruheräume in ausreichendem Umfang vorgehalten werden.
                              Die Versorgung mit den lebensnotwendigsten Dingen wie Wasser, Luft, Energie und
                              Nahrung schließlich war folgendermaßen sichergestellt:
                              (1.) Für eine unabhängige Wasserversorgung hatte man durch den gut 90 Meter tiefen
                              Brunnen (Leistung: 9 Liter/Sekunde) und einen ständig bereit gehaltenen Wasservorrat
                              von 8.000 Liter Trinkwasser gesorgt.
                              (2.) Zur künstlichen Belüftung der gesamten Bunkeranlage bedurfte es stündlich rund
                              10.000 m3 Luft, die im Ernstfall durch einen speziellen Sandfilter gereinigt worden wären.
                              (3.) Für den Fall, dass es von außen keine Stromzuführung mehr gegeben hätte, war zum
                              einen eine große Batterie installiert worden, die für ungefähr acht Stunden die komplette
                              Versorgung des Bunkers hätte übernehmen können. Zum anderen waren ein Siemensgenerator
                              mit einem 8-Zylinder Dieselmotor (168 PS) und eine Kühlmaschine eingebaut
                              worden, wofür wiederum ständig ein Kraftstoffvorrat von 27.000 Liter Diesel und 1.000
                              Liter Öl bereit gehalten wurde.
                              (4.) Der permanent eingelagerte und regelmäßig erneuerte Verpflegungsvorrat schließlich
                              hätte 27 Tage für 67 Personen gereicht.
                              Als ganz besonders charakteristisches Baumerkmal des Bunkers soll nicht unerwähnt
                              bleiben, dass sämtliche festinstallierte Einrichtungen (insbesondere die technischen
                              Geräte, aber auch die Lampen und Ruheliegen) freischwingend eingebaut waren, um im
                              Ernstfall auch größere Erschütterungen unbeschadet überstehen zu können. Angeblich
                              hätte sich dadurch der Bunker – selbst im Falle von Atombombendetonationen in
                              nächster Nähe – in seinem Kiesbett verschieben können, ohne dass dabei seine
                              Funktionsfähigkeit entscheidend gelitten hätte (vermuteter Spielraum: bis zu 50 cm).
                              Lediglich ein sogenannter „atomarer Steckschuß“ wäre demnach nicht zu kompensieren
                              gewesen.
                              Bau und Betrieb
                              Nachdem der erwähnte Tiefbrunnen schon zwischen dem 16. Februar und dem 26. September
                              1960 gebohrt worden war, begannen die Arbeiten am Bunker selbst erst am
                              Pfingstdiensttag (12. Juni) des Jahres 1962.
                              Schon während der Bauzeit galten sehr strenge Sicherheitsvorkehrungen. So wurde die
                              Baustelle zum Beispiel umgehend mit einem hohen Bretterzaun eingefasst, wodurch das
                              Gelände von außen praktisch nicht mehr einsehbar war. Außerdem patrouillierte Tag und
                              Nacht eine Zivilwache.
                              Um möglichst zügig voranzukommen, wurde die Baustelle als Winterbaustelle eingerichtet.
                              Man arbeitete also das ganze Jahr über ohne nennenswerte Unterbrechung. Selbst
                              Betonierungsarbeiten wurden zum Teil bei zweistelligen Minusgraden ausgeführt (mit
                              vorgeheiztem Wasser und angewärmtem Kies etc.). Zeitweise waren in Rieb bis zu 120
                              Mann beschäftigt, darunter viele aus dem Bayerischen Wald.
                              Nach der Fertigstellung des Bunkers und der Gebäude konnte die Anlage im Mai 1965
                              vorläufig in Betrieb genommen werden. Am 28. und 29. Oktober 1965 schließlich erfolgte
                              die offizielle Begehung und Übergabe der GSVBw 64 an den künftigen Nutzer, nämlich
                              an das Wehrbereichskommando VI, Abteilung Fernmeldewesen, und an Stabsfeldwebel
                              Bauer, den ersten Dienststellenleiter in Rieb. Die Kosten beliefen sich am Ende insgesamt
                              auf geschätzte 12 bis 15 Millionen DM.
                              Da der Gesamtkomplex in erster Linie eine militärische Dienststelle war, hatten Soldaten
                              selbstverständlich auch die führenden Funktionen inne. So war etwa der Dienststellenleiter
                              für gewöhnlich ein Offizier im Hauptmannsrang. Dazu kamen in der Regel noch
                              insgesamt 4 Feldwebeldienstgarde: 2 vom Heer, 1 von der Luftwaffe und 1 von der
                              Marine. Im Vergleich dazu war die Zahl der Zivilbediensteten beiderlei Geschlechts
                              ungleich höher. Insgesamt waren es meist an die 30 Personen, die in Rieb beschäftigt
                              waren: 5 im technischen Bereich, 1 im Fahrdienst sowie jeweils 12 als Fernsprecher und
                              als Fernschreiber. Außerdem gab es noch einen Wachdienst mit ca. 5 Mann und 2
                              Hunden, welcher zunächst von der Bundeswehr, später aber von einem Privatunternehmen
                              gestellt wurde, ferner 2 Angestellte der Deutschen Bundespost, die für die Wartung
                              der Verstärkeranlage verantwortlich waren.
                              Der Dreischichtbetrieb lief an 365 Tagen im Jahr jeweils 24 Stunden lang. Während in
                              Friedenszeiten pro Schicht in der Regel 10 Leute im Bunker arbeiteten, wäre im Ernstfall
                              eine mit Reservisten aufgestockte Besatzung von ca. 67 Mann unter der Erde gewesen
                              – darunter übrigens keine weiblichen Angestellten mehr, da man diese zuvor „beurlaubt“
                              hätte.
                              Auflösung und Verkauf
                              Im modernen, nach der Wiedervereinigung Deutschlands geschaffenen Fernmeldesystem
                              der Bundeswehr mit seiner neuen Netzstruktur und Technik, den automatisierten
                              Betriebsabläufen und der fortschreitenden Digitalisierung hatten die mittlerweile technisch
                              veralteten GSVBw ihre Daseinsberechtigung verloren.
                              Daher wurde im Mai 1996 auch die Anlage in Rieb bei Hemau außer Dienst gestellt und
                              Anfang Februar 1999 von der Bundesagentur für Immobilienaufgaben an die Firma
                              Holzbau Semmler verkauft. Den Bunker hatte man zuvor beinahe vollständig geräumt....

                              LINK Zu KUNST-BUNKER in PFAFFENHOFEN
                              Neues Projekt habl_kunst Ideensammlung und Beschreibung
                              Zuletzt geändert von hablkunst; 12.11.2007, 23:17.

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