ARD-Dokumtation: »Planspiel Atomkrieg«

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    • 10.05.2006
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    #1

    ARD-Dokumtation: »Planspiel Atomkrieg«

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    Im September erwartet uns im ARD-Programm eine zweiteilige Dokumentation über den Kalten Krieg: »Planspiel Atomkrieg«.


    "Fast vierzig Jahre, zwischen 1953 und 1989, lebten die Deutschen im Schatten der Atombombe. Deutschland drohte in dieser Zeit der nuklearen Abschreckung zum potenziellen Schauplatz eines »atomaren Schlagabtausches« zu werden. Regelmäßig gab es Proteste gegen den »atomaren Wahnsinn«, weil Abschreckung immer auch das Risiko der Selbstzerstörung in sich trug. Dennoch wurden die Zerstörungstechnologie und die nuklearen Planspiele von den Supermächten immer weiterentwickelt.

    Für viele war es ein Schock, als Mitte des Jahres 2008 durch die Zeitungen ging, dass auch heute, 20 Jahre nach Ende des Kalten Kriegs, noch immer US-Atomwaffen in Westdeutschland lagern. Alte Ängste kamen wieder hoch und die Erinnerung an die Zeit des Kalten Krieges, in der sich die Supermächte waffenstarrend und feindselig gegenüberstanden und ein Krieg mit Atomwaffen drohte.

    Die zweiteilige SWR-Dokumentation »Planspiel Atomkrieg« führt zurück in diese fast vergessene Zeit. Sie erzählt die Geschichte der Abschreckungspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg – von den Fünfzigern bis in die neunziger Jahre, von Adenauers Kampf um die Bombe zum Nato-Doppelbeschluss mit der Stationierung der sowjetischen SS-20-Raketen im Osten und der amerikanischen Pershing-II-Raketen im Westen.

    Die SWR-Autoren Thomas Fischer (Teil 1) und Gabriele Trost (Teil 2) zeigen, wie auch Deutschland zum Schauplatz eines Atomkriegs hätte werden können.

    Trotz der großen Gefahr konnte jahrzehntelang kein Ausweg aus dieser Situation gefunden werden. Ost und West verhandelten, parallel aber wurde weiter gerüstet und in Manövern und Planspielen immer wieder der Atomkrieg simuliert – jeweils mit demselben Ergebnis: Ein Überleben ist so gut wie ausgeschlossen.

    Die Dokumentation präsentiert neue Dokumente, Filme und Fotos und lässt Experten und Zeitzeugen zu Wort kommen, darunter der frühere sowjetische Botschafter in der Bundesrepublik, Valentin Falin, der SPD-Politiker Egon Bahr, der damalige Verteidigungsminister Dr. Hans Apel und der SPD-Politiker Dr. Erhard Eppler, der sich in der Friedensbewegung engagierte."


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    ► Quelle: http://www.daserste.de/planspiel/all...tlm3ypu~cm.asp [27.08.2008; 18:00 Uhr]





    Mittwoch, 03.09.2008, 23:30 Uhr:
    »Adenauers Kampf um die Bombe«


    "Am 8. September 1955 fliegt Konrad Adenauer nach Moskau. Der Kanzler will die letzten deutschen Kriegsgefangenen heimholen und mit der Sowjetunion über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen sprechen. Aber es geht, wie Thomas Fischer in seiner Dokumentation zeigt, um mehr: In Adenauers Maschine ist eine Luftbildkamera der US Air Force versteckt, die kurz vor Moskau Aufklärungsfotos von Stellungen für neuartige Flugabwehrraketen machen soll. Das jedenfalls behauptet Dino Brugioni, der damals bei der Luftbildauswertung des US-Geheimdienstes CIA tätig war. Konrad Adenauer im Dienst der CIA? Kaum zu glauben und doch spricht viel dafür. Denn sollten die sowjetischen Lenkwaffen tatsächlich funktionieren, dann hätte sich damals eine eklatante Sicherheitslücke im US-Konzept der Abschreckung aufgetan. Die Luftbilder waren also durchaus eine Frage der nationalen Sicherheit der USA.

    Adenauer war wegen der prekären sicherheitspolitischen Lage der Bundesrepublik mit militärischen Planspielen gut vertraut. Und er plante mit, ausgehend von seinem eigenen Sicherheitskonzept. Der Kanzler hielt die Sowjetunion für übermächtig und aggressiv. Von einem Angriff auf die Bundesrepublik ließe sie sich, so Adenauer, nur durch die Drohung abhalten, dass das westliche Bündnis in einem solchen Fall Atomwaffen einsetzen würde. Damit verbunden war allerdings ein sehr hohes Risiko: Sollte es wider Erwarten doch zum Ernstfall kommen, würde Deutschland zum atomaren Schlachtfeld werden.

    Dieses sicherheitspolitische Kerndilemma stellt Thomas Fischer in den Mittelpunkt seiner Dokumentation. Er zeigt, wie Adenauer als militärischer Habenichts zunächst den Schulterschluss mit den USA sucht und die Stationierung amerikanischer Atomwaffen in der Bundesrepublik begrüßt. Und wie der Kanzler dann, als die Bundeswehr entsteht und die Nato nuklear aufrüstet, für die Ausrüstung auch der eigenen Truppen mit Atomwaffen kämpft – ohne am Ende sein Ziel zu erreichen. Gleichzeitig zeigt Fischer, wie die Akteure sich bemühen, durch den Bau von atombombensicheren Bunkern auch nach dem ersten atomaren »Schlagabtausch« weiter handlungsfähig zu bleiben. Ohne dass sie offen die Frage stellen, wer oder was nach einem Atomkrieg überhaupt noch regiert oder verwaltet werden kann. Eine groteske Verdrängung der Tatsache, dass die Logik der Abschreckung die Gefahr der Selbstvernichtung mit einschließt.

    Bekannte Historiker wie Hans-Peter Schwarz, Bruno Thoß oder Bernd Stöver ordnen die Ereignisse in den politisch-historischen Gesamtzusammenhang ein. Aber es geht nicht nur um die große Geschichte, sondern auch um die spannenden kleinen Geschichten, die in der Dokumentation erzählt werden. Der Blick auf das alte Archivmaterial wird dabei immer wieder durchbrochen durch neugedrehte Einstellungen von den vergangenen Schauplätzen – Geschichte in einem frischen, »aktuellen« Look.

    Auch wenn die Dokumentation mit kaum bekannten Fakten aufwartet, so will sie doch vor allem die Atmosphäre eines Jahrzehnts im Kalten Krieg einfangen, in dem die Stimmungslage der Akteure zwischen Angst und Aggression schwankte. In dem kein Hauptverantwortlicher ernsthaft bereit war, militärisch zurückzustecken. Und in dem viele Planer der Überzeugung waren, dass die Risikospirale der Abschreckung immer weiter gedreht werden könnte. Dass dies eine lebensgefährliche Illusion war, zeigte sich schon in der Kubakrise von 1962. Vor allem aber 1983 im Raketenpoker um die Nachrüstung, als in der Sowjetunion aus Ängsten Panik wurde, die kaum mehr beherrschbare Fehleinschätzungen und beinahe den Atomkrieg zur Folge hatte …"


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    ► Quelle: http://www.daserste.de/planspiel/all...dwu0gf2~cm.asp [27.08.2008; 18:00 Uhr]





    Mittwoch, 11.09.2008, 23:30 Uhr:
    »Raketenpoker um die Nachrüstung«


    "»Ich hatte immer Angst, dass es mal aus Versehen losgeht«, so Erhard Eppler im Interview für den zweiten Film der Reihe »Planspiel Atomkrieg«. Es war eine Angst, die viele in den Jahren der Nachrüstungsdebatte teilten, eine Angst, die größer wurde durch die angekündigte Stationierung neuer Mittelstreckenraketen in Europa, eine Angst, die, wie man heute weiß, nicht unbegründet war. Fehlalarme hatte es in den siebziger und achtziger Jahren erschreckend häufig gegeben.

    Ein Beispiel: die Nato-Übung »Able Archer«. Sie begann im November 1983. Dabei simulierte die Nato einen Atomkrieg. Erst heute weiß man, dass sich aus dieser Routine-Übung durch Ängste und Fehlwahrnehmungen leicht hätte ein atomarer Krieg ergeben können. Es waren Geheimdienstmitarbeiter, die die Gefahr erkannten und gerade noch rechtzeitig Entwarnung gaben. Der Film zeigt, wie es 1983 zu dieser gefährlichen Situation kommen konnte.

    Nach den Jahren der Entspannungspolitik war nicht abzusehen, dass es Anfang der achtziger Jahre zu einer Neuauflage des Kalten Krieges zwischen den Supermächten kommen würde. Aber dann entdeckten Mitarbeiter des amerikanischen Geheimdienstes CIA, dass die Sowjets neue SS-20-Mittelstreckenraketen im europäischen Teil der Sowjetunion aufstellten.

    Während die Amerikaner zunächst keinen Handlungsbedarf sahen, forderte der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt eine Reaktion des Westens und der Nato. Er sah das militärische Gleichgewicht in Europa in Gefahr. Schmidt schlug vor, mit den Sowjets über den Abzug ihrer SS-20-Raketen zu verhandeln und gleichzeitig mit der Stationierung neuer amerikanischer Pershing-II-Mittelstreckenraketen zu drohen, für den Fall, dass die Verhandlungen scheitern sollten. Und Schmidt setzte sich durch, im Dezember 1979 wurde in Brüssel der Nato-Doppelbeschluss verabschiedet, der genau das vorsah.

    Dann aber wurde in den USA Ronald Reagan zum neuen Präsidenten gewählt. Als Gegner der Entspannungspolitik sah er vor allem in der Demonstration militärischer Stärke das richtige Mittel für den Umgang mit der Sowjetunion. Die Aufrüstung der USA und Reagans Kriegsrhetorik führten im Osten zu einer regelrechten Kriegspanik.

    Die neue Eiszeit in den Beziehungen zwischen der Sowjetunion und den USA und die Angst vor einem Krieg mit atomaren Waffen stärkte die Friedensbewegung in der Bundesrepublik. Von vielen wurden die »Friedensbewegten« als »Moskaus nützliche Idioten« diskreditiert. Heute, nach Auswertung vieler Akten in der Birthler-Behörde, weiß man, dass es der DDR-Staatsicherheit tatsächlich teilweise gelungen war, Einfluss auf die westliche Friedensbewegung zu nehmen. Der »Krefelder Appell« und die Organisation »Generale für den Frieden« sind solche Beispiele. Aber die westliche Friedensbewegung unterstützte auch die unabhängige Friedensbewegung in der DDR. Der Ruf nach Abrüstung machte – sehr zum Unwillen der SED – auch an der innerdeutschen Grenze nicht Halt.

    Viele der Beteiligten im damaligen internationalen Raketenpoker kommen im Film zu Wort. So zum Beispiel Richard Perle, stellvertretender Verteidigungsminister unter Ronald Reagan, der seit dieser Zeit als der »Prinz der Finsternis« bezeichnet wird – in Analogie zu einer Figur aus der Trilogie »Star Wars«. Er war es, der eine neuerliche Politik der Stärke vorantrieb, die bisherige Entspannungspolitik ablehnte und das Forschungsprogramm SDI (Strategic Defense Initiative) entschieden befürwortete.

    Damals unterstellten viele Kritiker der Reagan-Administration, sie wolle die Sowjetunion in die Knie zwingen und gleichsam totrüsten. Das bestätigt in diesem Film Robert McFarlane, damals Sicherheitsberater unter Ronald Reagan. Viktor Cherkashin und Nikolai Leonow, beide ehemalige KGB-Mitarbeiter, und der ehemalige Top-Spion der DDR, Deckname »Topas«, berichten von der größten Auslandsspionage-Aktion in der Geschichte der östlichen Geheimdienste, gestartet 1981, als die Kreml-Führung zu der Überzeugung gelangt war, der Westen plane einen atomaren »Enthauptungsschlag« gegen die Sowjetunion.

    Mittendrin in diesem Pokerspiel und doch weitgehend nur Zuschauer: die Deutschen – auch wenn es die Bundesregierung unter Helmut Schmidt gewesen war, auf deren Initiative hin der sogenannte Nato-Doppelbeschluss zustande gekommen war. Einmal aufs Gleis gesetzt, war der Zug in Richtung Nachrüstung nicht mehr aufzuhalten. Die Regie übernahmen die Supermächte. Hans Apel und Erhard Eppler von der SPD erinnern sich an die damaligen innenpolitischen und innerparteilichen Auseinandersetzungen, in welchen der eine als Verteidigungsminister die Nachrüstung verteidigte, der andere zum wichtigsten Kritiker Helmut Schmidts avancierte. Eppler verstand sich damals als »Scharnier« zwischen der SPD und der Friedensbewegung, die als Reaktion auf den Nato-Doppelbeschluss entstanden war und die Millionen Menschen mobilisierte.

    Der Raketenpoker endete ohne einen Sieger: Die Rücknahme der sowjetischen SS-20-Mittelstreckenraketen wurde nicht erreicht, die amerikanischen Pershing-II-Mittelstreckenraketen wurden in Europa stationiert. Erst Ende der 80er Jahre wurden die Raketen wieder abgebaut – die Sowjetunion und ihr Imperium stand vor dem politischen und wirtschaftlichen Aus – der Kalte Krieg war zu Ende."


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    ► Quelle: http://www.daserste.de/planspiel/all...4tjmjek~cm.asp [27.08.2008; 18:00 Uhr]





    Weitere Informationen:

    http://www.daserste.de/planspiel/ [27.08.2008; 18:00 Uhr]

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    sigpic_G.E.O.G.R.A.P.H
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