ich bin heute zufällig über folgende Dissertation im Netz gestolpert, die ich auch nach kurzem Anlesen, insbesondere aber einem etwas längeren Blick in den Anhang hier weiterempfehlen möchte.
Die Nationale Volksarmee der DDR zwischen "Wende" und Auflösung. Der Untergang der NVA im Lichte des Zusammenbruchs der DDR
Kurzfassung in deutsch
Am 7. Oktober 1989 präsentierte sich die Nationale Volksarmee der DDR in der Parade zum 40. Jahrestag der Republik noch in gewohnter Weise mit Stechschritt und dem Aufmarsch der Truppenkontingente, fast genau ein Jahr später existierte sie nicht mehr. Ohne einen Schuß abgegeben zu haben, war die nach der sowjetischen Westgruppe einst schlagkräftigste Armee des Ostblocks sang- und klanglos von der Bildfläche verschwunden.
Das Ende der NVA folgte aus dem Ende des Bestehens der DDR, beides die Konsequenz des Beitritts zur Bundesrepublik. Mit dem Untergang der DDR verlor die NVA als Institution und Instrument dieses Staatswesens die Legitimationsgrundlage. Sie spielte als personelle/ materielle Planungsgröße beim Aufbau der Bundeswehrstruktur-Ost zwar noch eine Rolle, aber nicht mehr in ihrer Identität als "Nationale Volksarmee" oder in der eines aus der NVA hervorgegangenen eigenständigen Truppenteils der Bundeswehr.
Der Sachverhalt ist allerdings komplexer als es auf den ersten Blick scheint, denn der Erklärungsansatz läßt außer acht, daß dieses Ende schrittweise kam und sich während des Zerfallsprozesses der alten Ordnung lange Zeit noch keineswegs definitiv absehen ließ, wie die neue aussehen würde. Denn wenn die Auflösung der Nationalen Volksarmee nach Meinung der Bonner Regierung auch unumgänglich war, so wiesen die Vorstellungen der politischen Leitung und militärischen Führung der NVA zur Zukunft der Armee zunächst in eine ganz andere Richtung:
Wäre es nach dem Wollen der DDR-Seite gegangen, so wäre die NVA in ihrem Kern erhalten geblieben. Es hätte auf DDR-Gebiet noch über Jahre hin eine zweite deutsche Armee gegeben, als Teil gesamtdeutscher Streitkräfte selbst in einem vereinten Deutschland. Die gegensätzlichen Positionen beider Seiten spiegelten die unterschiedliche Interessenlage. Sie wurde bestimmt durch den Gegensatz in der Grundfrage des "Zusammenwachsens gesamtdeutscher Streitkräfte", einem Gegensatz, der sich letztlich ableitete aus der über lange Zeit bestehenden Erwartung auf DDR-Seite, im Sinne der eigenen politischen Vorstellungen, Einfluß nehmen zu können auf den deutsch-deutschen Einigungsprozeß, gerade auch hinsichtlich der Sicherheitspolitik:
Die NVA habe sich mit dem Bekenntnis zur demokratischen Wende in der DDR und im Ergebnis einer tiefgreifenden Militärreform völlig gewandelt. Sie solle auf dem Weg zu einer neuen, gesamteuropäischen Friedensordnung eine Vorreiterrolle im Prozeß der militärischen Abrüstung übernehmen, bis hin zur Selbstauflösung. Das Scheitern der NVA in ihrem Bestreben, den politischen Systemwandel in der DDR und später den Systemwechsel zur Bundesrepublik im Kern unbeschadet zu überdauern, ist das Thema dieser Studie.
Ihr Ausgangspunkt ist ein Blick auf den für das Ende der DDR und ihrer Armee ursächlichen Kontext, auf das Scheitern des sozialistischen Systems in der DDR und auf die Rolle, die der NVA in diesem System und im Bündnis mit der Sowjetunion zukam. Die NVA soll dabei zum einen als militärische Organisation, zum anderen als Institution im SED-Staat DDR in den Blick kommen.
In Anbetracht ihres spezifischen Charakters als "sozialistischer" Armee und der daraus resultierenden Besonderheit der politischen Einbindung stellt sich vor dem Hintergrund des Herbstes 1989 naturgemäß als erstes die Frage, wie sich die NVA in den kritischen Monaten Oktober/November angesichts der drohenden "Konterrevolution" verhalten hat. Waren die wenig später vollzogene Trennung von der SED, die "Militärreform" und der eigens ins Leben gerufene "Runde Tisch" des DDR-Verteidigungsministeriums wirklich Beleg dafür, mit der politisch-gesellschaftlichen Entwicklung Schritt halten zu wollen?
Die Frage nach dem Selbstverständnis der NVA als ehemals "Parteiarmee", nach seinem Offizierkorps und dessen Versuchen, sich nach dem Sturz des alten Systems aus der Verklammerung mit ihm zu lösen, und seinem Scheitern in dem Bemühen, die Fortexistenz der Armee in ihrem Kern sichern zu können, das ist die zentrale Thematik der Arbeit. Während die Darstellung der krisenhaften Entwicklung in den Streitkräften auf der einen Seite und des Bemühens der NVA-Führung um den Erhalt der Armee auf der anderen die Situation innerhalb der NVA beleuchten will, konzentriert sich das Interesse im letzten Teil der Arbeit auf die Frage nach den politischen Entscheidungen, die die Destruktion und letztendlich Zerschlagung der NVA in die Wege leiteten. Im Vordergrund der Betrachtung steht dabei nicht so sehr die Abfolge der Ereignisse als die Konstellation der Bedingungen, die mit einer gewissen Zwangsläufigkeit zum Untergang der DDR-Armee führten.
- zunächst seien die offiziellen Links der Universitätsbibliothek Regensburg zu Zitierzwecken angegeben:
URN: urn:nbn:de:bvb:355-opus-3697
URL: http://www.opus-bayern.de/uni-regens...exte/2004/369/
- Die Nationale Volksarmee der DDR zwischen "Wende" und Auflösung - Der Untergang der NVA im Lichte des Zusammenbruchs der DDR
Dateigröße ca. 3,5 MB
- Anhänge (empfehlenswert - viele Originalbefehle aus 11/89 enthalten)
Dateigröße ca. 26 MB
abschließend noch weitere Quellenangaben:
SWD-Schlagwörter: Deutschland <DDR> / Nationale Volksarmee
Freie Schlagwörter (deutsch): Nationale Volksarmee , DDR , Militärreform , NVA , Wiedervereinigung
Freie Schlagwörter (englisch): National People's Army , GDR , "Military Reform" , NPA , reunification
Institut: Philosophische Fakultät III - Geschichte, Gesellschaft und Geographie
Fakultät: Philosophische Fakultät III - Geschichte, Gesellschaft und Geographie
DDC-Sachgruppe: Geschichte Deutschlands
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichterstatter (Betreuer): Schmitz, Mathias (Prof. Dr.)
Sprache: deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 10.10.2003
Erstellungsjahr: 2003
Publikationsdatum: 30.03.2004